#aufschrei

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Die letzte #aufschrei-Debatte liegt mehr als ein Jahr zurück, Ausgangspunkt war damals ein Artikel der Journalistin Laura Himmelreich, die dem Politiker Rainer Brüderle sexistisches Verhalten vorwarf. Es folgte eine monatelange Debatte über Sexismus, die vor allem  auch auf Twitter geführt wurde.

Jetzt ruft die Journalistin und Schriftstellerin Dana Buchzik zu einer erneuten Debatte auf, denn ihrer Meinung nach ist der nächste #aufschrei fällig.

Dass auf der Longlist des Deutschen Buchpreises keine Frauen stehen, ist kein Zufall. Der Literaturbetrieb ist sexistisch.

Grund dieser Debatte ist die Tatsache, dass in diesem Jahr viele junge Frauen auf der Longlist fehlen: Nino Haratischwili, Olga Grjasnova, Karen Köhler. Doch fehlen diese Autorinnen nur auf der Longlist, oder werden sie auch darüber hinaus zu wenig beachtet, vom Literaturbetrieb gar ignoriert?

Der Staffelstab der Debatte wurde bereits von Jan Drees aufgegriffen, der auf seinem Blog (Lesen mit Links) Stimmen von Männern und Frauen aus dem Literaturbetrieb zu genau diesem Thema sammelt. Lustigerweise sind in diesem Jahr sogar vier Frauen in der Jury tätig, aber nur drei Männer – aber das nur am Rande …

24 Comments

  • Reply
    Bri
    August 20, 2014 at 9:38 am

    Wenn wir ehrlich sind, ist doch alles mehr oder weniger sexistisch. Und die Emanzipationsbewegung wird – auch von Frauen – zurückgedrängt und mit den Füßen getreten … und eigentlich geht es doch um die Bücher, die Inhalte und nicht darum, ob ein Quote regelt, ob mehr männliche oder weibliche Autoren auf der Longlist stehen. Echte Emanzipation und Gleichstellung ist es, was wir brauchen und das auf beiden Seiten 😉

    • Reply
      Mara
      August 20, 2014 at 6:02 pm

      Liebe Brigitte,

      ich finde auch, dass der literarische Text im Vordergrund stehen sollte und keine anderen (äußeren) Faktoren. Ansonsten können wir auch bald Quoten für Transsexuelle oder Behinderte einführen, die sicherlich auch unterrepräsentiert sind – um die Diskussion mal zu überzeichnen. 😉

      Liebe Grüße
      Mara

      • Reply
        Bri
        August 20, 2014 at 7:22 pm

        Oh ja, da hast Du Recht. Ich finde einfach, das braucht es gar nicht. Es gibt eine Auswahl, die hat eine Jury getroffen – witzigerweise dieses Mal mehr Frauen als Männer – und damit muss man eben leben. Ich denke, man kann alles auch übertreiben 😉 LG Bri

      • Reply
        jancak
        August 20, 2014 at 8:03 pm

        Ganz so absurd ist das nicht, gibt es ja in Österreich seit 2007 den “Ohrenschmaus- Literatur für und von Menschen mit Lernschwierigkeiten (zum Beispiel von solchen mit Down Syndrom)” und in Deutschland eine Zeitschrift mit Namen “Ohrenkuß” mit solchen Texten, ich bin da in der Jury und staune jedes Jahr über die vielen schöne Texte. Freilich so erzählend und so lang, um damit einen Roman zu füllen, sind die meisten nicht, aber die ursprüngliche Idee der Veranstalter war, Barrieren zu durchbrechen und zum Beispiel bis zum Bachmannpreis vorzudringen.
        Das wird wahrscheinlich nicht gehen, da die meisten Einreicher nicht dreißig Minuten lesen wollen oder können, aber sich damit auseinanderzusetzen, ist wahrscheinlich nicht schlecht und natürlich ist es blödsinnig für den dBp eine Quote zu fordern und ich denke, das ist mit diesen Debatten auch nicht gemeint.
        Für mich sind sie aber ein Hinweis, daß es viel mehr als zwanzig schöne Bücher pro Jahr gibt und das zu wissen und die auf mehr als zwei Tische zu legen, auf einen vielleicht auch das Buch und die Cassette mit den Texten vom “Ohrenschmaus”, damit man das auch bemerkt, wäre schon ein lohnendes Ziel

  • Reply
    Tom
    August 20, 2014 at 9:40 am

    Naja. Ich kann das nicht so nachvollziehen. Es stehen auch viele Männer nicht drauf. Allein ein Blick auf die Statistik des Deutschen Buchpreises zeigt ja: Neun Preisträger, davon sechs Frauen und drei Männer. Da finde ich es schon steil, hier über eine Unterrepräsentierung von Frauen zu sprechen.

    • Reply
      Mara
      August 20, 2014 at 6:01 pm

      Lieber Tom,

      ich kann mich nur anschließen, auch wenn ich als Frau das Gefühl habe, eine andere Haltung einnehmen zu müssen. Ich kann die Diskussion, so wie sie geführt wird, nur schwer nachvollziehen. Mir fehlen in diesem Jahr übrigens vor allem Seethaler, Kirchhoff und Kleeberg. Alles alte, weiße Männer.

      Liebe Grüße
      Mara

  • Reply
    J. Kienbaum
    August 20, 2014 at 11:28 am

    Alles, nur keine Quote. Die haben zu keiner Zeit an keinem Ort wirklich irgend etwas gebracht.
    Bei der Diskussion über die Qualität von Texten, und nur die halte ich für relevant, ist mir erst einmal völlig egal, ob der von einer Frau oder einem Mann geschrieben wurde.

    • Reply
      Mara
      August 20, 2014 at 5:59 pm

      Lieber Jochen,

      den Gedanken an eine Quote halte ich auch für unsinnig. Im Endeffekt sollte es um die literarische Qualität des Textes gehen und weniger um das Geschlecht der Autoren. Darüber hinaus frage ich mich, ob die durch die Longlist generierte Aufmerksamkeit wirklich so enorm ist. In meiner heimischen Buchhandlung gibt es immer noch kein Lesebuch und die Verkäuferin wusste nicht einmal, was diese Longlist eigentlich ist. 😉

      Liebe Grüße
      Mara

  • Reply
    jancak
    August 20, 2014 at 11:45 am

    Ach ja, ich glaube auch, daß diese Aufschreie kommen, weil die Leute halt was sagen wollen, sollen oder müßen.
    Das mit den jungen Frauen, das sie diesmal fehlen, ist wahrscheinlich Zufall und ich denke, es ist dumm, da Rassismus oder so zu unterstellen.
    Denn da gibt es ja eine Jury und die hat einen Geschmack und wählt nach diesem, was sie sowieso nicht kann, die zwanzig besten Bücher, aus.
    Das in dieser aber vielleicht bevorzugt ältere Männer sitzen, ist eine andere Sache, aber da gibt es ja auch diese Geschichten und Gerüchte mit den sogenannten Freäuleinwundern, die ja behaupten, daß die alten Herren bevorzugt, die jungen schönen Mädchen auf ihre Listen wählen und von diesen möglicherweise vorherauch noch etwas verlangen und vielleicht auch bekommen.
    Vor einigen Jahren fand man plötzlich viele sehr junge Frauen mit ihren Debuts ganz oben, das das diesmal nicht so ist, ist wahrscheinlich Zufall, denn wenn man sich ja angeblich für zwanzig entscheiden muß, bleibt das einundzwanzigste über und das ich dagegen etwas habe, habe ich schon öfter betont.
    Ich kann mich übrigens erinnern, daß ich, als ich einmal in der GAV-Aufnahme Jury war und ohnehin nur wenige Leute ablehnte, weil ich das ja nicht will, wir ein Veto bekamen, weil wir drei Frauen, Kinderbuchautorinnen, nicht aufnehmen wollten.
    Vielleicht sollte man um diese Debatten zu beenden, ein Schluß von Auswahl und Listen fordern und jeden das lesen und schreiben lassen, was er will, sich für alles interessieren, auch für die sogenannten no Names, die ihre Bücher selber machen, aber dann würden die Verlage und Buchhändler aufschreien, also lassen wir es und empören uns, daß diesmal die jungen Frauen fehlen und im nächsten Jahr die alten Männer und danach die Selbstpublisher, da wär ich sehr dafür!

  • Reply
    Dorte
    August 20, 2014 at 11:45 am

    Braucht wir tatsächlich diese Diskussionen?
    Literarische Qualität soll sich durchsetzen; unabhängig vom Geschlecht des Verfassers/der Verfasserin.

    • Reply
      Mara
      August 20, 2014 at 5:57 pm

      Liebe Dorte,

      ich stimme dir zu, auch ich empfinde diese Diskussion als überflüssig – es ist sicherlich nicht verkehrt, die Rolle von Frauen im Literaturbetrieb zu thematisieren, aber sicherlich nicht so. Ich tue mir auf jeden Fall mit der Diskussion, wie sie geführt wird, schwer. Es möchte doch schließlich niemand auf der Longlist stehen, weil er eine junge Frau ist, sondern wegen des Textes.

      Liebe Grüße
      Mara

  • Reply
    Christoph
    August 20, 2014 at 12:31 pm

    Letzten Endes sollte beim Deutschen Buchpreis ja ohnehin die literarische Qualität (nach welchen Kriterien auch immer man die nun definieren möchte) eines Romans und nicht das Geschlecht der Verfasserin bzw. des Verfassers ausschlaggebend sein. Sicher ist es bedauerlich, dass diesmal gar keine von Frauen verfassten Romane auf der Longlist stehen (zumal es ja nicht so ist, dass im abgelaufenen Jahr keine “guten” Bücher von Autorinnen veröffentlicht wurden), aber allzu sehr sollte man das nicht überbewerten. In diesem Jahr hat sich eben diese einseitig anmutende Konstellation ergeben – beim nächsten Buchpreis sieht es sicher wieder ganz anders aus…

    • Reply
      Mara
      August 20, 2014 at 5:56 pm

      Lieber Christoph,

      erst einmal stimme ich dir zu, der Texte sollte entscheiden und keinerlei andere Kriterien.

      Dann kann ich dich beruhigen, denn ganz so schlimm ist es dann doch nicht: in diesem Jahr stehen fünf Frauen auf der Longlist, vielen ist das aber zu wenig und einigen sind die Frauen auch zu alt. Es fehlen eben die jungen Frauen – wobei ich finde, dass man das nicht so sagen darf. Höhstens fehlen Bücher – aber es würde ja auch niemand sagen, dass die Nichtraucher oder die Behinderten fehlen.

      Liebe Grüße
      Mara

      • Reply
        Christoph
        August 20, 2014 at 7:37 pm

        Stimmt – hätte ich mir die Longlist vorher noch einmal genauer angeschaut, wäre die Hälfte meines Kommentars hinfällig gewesen :-).

        Allerdings finde ich die Debatte nun noch ein wenig absurder…

      • Reply
        tinelesemomente
        August 21, 2014 at 12:10 pm

        Haha, das Nichtraucherbeispiel finde ich schön. Das zeigt doch echt, wie absurd das ganze ist. 😀

  • Reply
    dj7o9
    August 20, 2014 at 5:48 pm

    So – jetzt muß ich mal was fragen. Auf der Longlist die ich mir angucke stehen Frauen oder kapiere ich etwas nicht ? Frau Streeruwitz, Frau Klüssendorf … ich habe da zB hier geschaut: http://www.deutscher-buchpreis.de/de/809428

    Würde auf dieser Longlist die aus – wenn ich zumindest noch richtig zählen kann – 20 Büchern besteht überhaupt keine Frau stehen – dann würde das – meiner Ansicht nach – zu Recht zu einer Diskussion führen sollen. Jetzt aber möchte ich erst mal verstehen – was hier jetzt Sache ist. Reden wir über unterschiedliche Longlists oder bin ich doof oder was jetzt ? 😉

    • Reply
      Mara
      August 20, 2014 at 5:51 pm

      Liebe Sabine,

      wir reden über dieselbe Longlist, nur einige sind der Meinung, dass es zu wenige und zu alte Frauen sind – ich glaube, dass darin die Problematik liegt. Daneben stößt auch die doch sichtbare Unterrepräsentation der Frauen auf.

      Ich finde es müßig darüber zu diskutieren, aber es gibt einige, die finden, dass das ein wichtiges Thema ist! 😉

      Liebe Grüße
      Mara

  • Reply
    dj7o9
    August 20, 2014 at 6:48 pm

    Danke Mara – dann war das Zitat von Dana Buchzik irgendwie a bisserl irre führend
    Mich hat unsere Diskussion hier auf jeden Fall gerade dazu gebracht das folgende Buch der Man Booker Prize Longlist zu bestellen: http://www.themanbookerprize.com/books/blazing-world 🙂

  • Reply
    Kerstin
    August 22, 2014 at 12:19 pm

    Ich bin ja sehr beruhigt, dass es hier in den Kommentaren keinen gibt, der eine Frauenquote im Literaturbetrieb fordert. Wenn ich nominiert würde und würde dann erfahren, dass ich nur auf der Longlist stehe, weil ich weiblich bin – was wäre das bitte für ein Schlag ins Gesicht. Bei der Emanzipation geht es um Chancengleichheit – und die ist nicht durch irgendwelche Quoten gegeben. Was man sich angucken müsste, wäre, wie viele der 167 Romane (sind’s, glaube ich) von Frauen und wie viele von Männern geschrieben wurde, und ob sich das in der Waage hält. Aber selbst da wäre ich vorsichtig – denn ganz ehrlich, diese ganze Gender Diskussion nervt schon ziemlich. Kein Seminar mehr an der Uni, in dem es nicht angesprochen wird.
    Um zum Punkt zu kommen: Es wäre doch viel, viel schlimmer, wenn 10 Nominierungen von Autoren und 10 Nominierungen von Autorinnen sein müssten. Denn dann würde eventuelle Qualität auf männlicher/weiblicher Seite nicht gewürdigt, weil die Quote erfüllt werden muss.
    Ist schon gut so, wie es ist. Und solche Projekte, die die literarische Arbeit von Menschen mit Behinderung würdigen, finde ich klasse! Aber wenn wir ehrlich sind, würde doch niemand fordern, dass auf der Longlist mindestens so und so viele nominierte Autoren eine Behinderung haben, oder homosexuell sind, oder farbig, oder Migrationshintergrund haben oder oder oder – dann verlöre man doch den Fokus aus den Augen.

  • Reply
    Muromez
    August 22, 2014 at 10:06 pm

    Mit einem Wort: unnötig!

  • Reply
    aspekte-Literaturpreis: ein Frauenerfolg! - Buzzaldrins Bücher
    September 8, 2014 at 10:57 am

    […] dem #aufschrei, der dem Deutschen Buchpreis und seiner männerlastigen Longlist folgte, dürfte es nun […]

  • Reply
    Franz Friedrich im Gespräch! - Buzzaldrins Bücher
    December 17, 2014 at 10:04 am

    […] Diskussionen rund um die Longlist des Deutschen Buchpreis liegen mittlerweile schon wieder ein paar Monate […]

  • Reply
    Preis der Leipziger Buchmesse 2015! - Buzzaldrins Bücher
    February 5, 2015 at 10:57 am

    […] all der Aufregung um die Longlist des Deutschen Buchpreis im vergangenen Jahr, scheint die Jury für den Preis der […]

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