05/25/14

Demokratisierung Literaturkritik. Fluch oder Segen?

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Gestern habe ich bereits auf die Diskussionsveranstaltung, die unter dem Motto “Jetzt reden wir!” stand, hingewiesen – heute folgt der Bericht. Organisiert und moderiert wurde die gut besuchte Veranstaltung von litlog, einem Göttinger eMagazin über Kultur, Wissenschaft und Literatur.  Am gestrigen Abend ging es um Fragen, die auch mich bereits seit langem umtreiben:

  • wie steht es um das Berufsbild des Literaturkritikers?
  • sind Buchbesprechungen ein Spezialgebiet für die Profis (Germanisten oder Literaturwissenschaftler)?
  • was ist überhaupt eine gute Literaturkritik und wer kann und darf diese verfassen?

Über diese Fragen und noch vieles mehr, diskutierten der Medienwissenschaftler Harun Maye und der Blogger und Journalist Stefan Mesch, der mit den Worten angekündigt wurde, dass er das Sprechen über Literatur maßgeblich neu prägt. Beide begannen die Diskussionsrunde mit einem Einstiegsstatement, während Harun Maye sich in seinem Statement vor allem mit dem gedruckten Feuilleton beschäftigte, warf Stefan Mesch in sechs Minuten eine Vielzahl an Fragen auf, in deren Zentrum die Unterscheidung zwischen Kritik, Empfehlung, Rezension und Produktbewertung stand.

Interessant war das Verständnis von beiden davon, was eine gute Literaturkritik ausmacht: bei Literaturkritik würde es nicht um Tipps gehen, sondern um einen viel weiteren Fokus. Stefan Mesch verglich in diesem Zusammenhang Buchbesprechungen mit Hotelbewertungen, während es bei Literaturtipps darum geht, ob der Strand schön ist und wo sich die beste Hotelbar befindet, sollte eine Literaturkritik das Urlaubsland in einen größeren Kontext rücken, sich mit den Nachbarländern beschäftigen, einen Blick auf die dunklen und verrauchten Ecken des Landes werfen und auch die Geopolitik in den Blick nehmen. Für Harun Maye bedeutet eine gute Literaturkritik die eigene Auseinandersetzung mit einem Buch, in Blogs und auch im Feuilleton liest er jedoch immer häufiger Rezensionen, die einem verlängerten Klappentext ähneln. Maye, der sich 2011 mit VLogs beschäftigte, bezeichnet Blogs an einer Stelle sogar als das Schlechtere vom Schlechten. Das, was er bereits im Feuilleton nur ungern liest, findet er noch einmal schlechter nachgemacht auf einer Vielzahl von Blogs. Harter Tobak!

Natürlich stand auch die Digitalisierung im Zentrum des Gesprächs, von beiden Diskussionsteilnehmern wurde diese nicht unbedingt als Bedrohung eingestuft, sondern ganz im Gegenteil: beide sehen durch die sozialen Medien ganz neue Wege und Formen der Literaturkritik, die für ihr Verständnis jedoch noch viel zu selten genutzt werden. Harun Maye fehlt unter Buchbloggern das Innovative: wo sind die aufregenden und neuen Formen der Literaturkritik? Als Buchblogger hat man ein breites Spektrum an Möglichkeiten, da man eigentlich alles schreiben darf, was man möchte und in einen direkten und unverfälschten Dialog mit dem Leser treten kann (ohne ein dazwischen geschaltetes Zeitungsorgan). Laut Maye profilieren sich aber noch viel zu wenig Buchblogger in der Rolle des Dilettanten, sondern versuchen stattdessen etwas nachzuahmen, das es bereits gibt. Debattiert wurde auch über die ökonomische Dimension, die zum Beispiel Lovelybooks in den Augen von Harun Maye zu einer Literaturvermarktungsplattform macht und nicht zu einer Plattform der Literaturkritik.

Ich bin mit vielen neuen Ideen und Impulsen aus dieser Diskussion hervorgegangen, mit neuen Anstößen und mit vielen Fragen, die nun in meinem Kopf herumwirbeln. Eine wirkliche Antwort darauf, wie es mit der Literaturkritik, ob nun digital oder gedruckt, weitergeht, wurde nicht gefunden, doch hängen geblieben sind bei mir die abschließenden Worte von Stefan Mesch, der sagte, dass er einfach versuchen möchte “fleißig und hungrig” zu bleiben.

 

05/27/13

Buzzaldrins Bücher bei The Hive!

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Ich war am Wochenende in Berlin und habe die Blogger Konferenz The Hive besucht, die in diesem Jahr zum zweiten Mal statt fand. Zwei Tage dauerte die Konferenz, die von beinahe 200 Bloggern und Bloggerinnen besucht wurde. Wobei man im Falle von The Hive sich die Blogger beinahe sparen könnte. Ich glaube, dass es kaum eine andere Social Media Konferenz gibt, bei der das Geschlechterverhältnis so eindeutig verteilt ist: es kamen 90% Frauen und 10% Männer.

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The Hive fand im betahaus statt und das Geschehen verteilte sich über vier Etagen. Es gab dieses Wochenende also nicht nur viel Input für das Bloggergehirn, sondern man tat durch das ständige Rauf- und Runterlaufen auch noch etwas für die körperliche Fitness. Das betahaus wurde extra für The Hive wunderbar dekoriert. Eine besondere Anziehungskraft hatte eine Landkarte, an die die Teilnehmer ihre Visitenkarten pinnen konnten, um zu kennzeichnen, woher sie kamen. The Hive hatte Besucher aus fast allen europäischen Ländern: aus Ungarn, der Türkei, Schweden, Dänemark, Holland oder auch England reisten Bloggerinnen nach Berlin.

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Die beiden Tage waren gefüllt mit spannenden Keynotes rund um Blogs – an dieser Stelle sollte ich erwähnen, dass die Verkehrssprache an diesem Wochenende Englisch war. Die Themen reichten von Editorial Calenders bis zu Newslettern bis zu trockener Statistik. Es ist wahrscheinlich kein Wunder, dass der SEO-Workshop und die Präsentation von Google Analytics von Männern gehalten wurden. ;-) Angereichert wurde das Programm durch Mini-Groups und Workshops.

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Auch wenn ich als Literaturbloggerin in der absoluten Minderheit war an diesem Wochenende, habe ich aus den beiden Tagen nicht nur eine Goodie Bag, sondern doch auch einiges für mich und meinen Blog mitnehmen können und zwar vor allen Dingen eines: Ideen, Ideen, Ideen. Nicht umsonst wurden die Konferenzräume mit den Worten “The buzz is around” ausgeschildert: bei beinahe zweihundert Bloggerinnen, die durchs Betahaus schwirrten, entstand eine elektrisierende und inspirierende Atmosphäre.

Ich hatte ein informatives und inspirierendes Wochenende, aus dem ich viel mitnehme, den wichtigsten Hinweis habe ich aber wohl in dem Vortrag von Tina Fussel erhalten, die über das Thema “Blogging for the fun of it” sprach: vergesst bei all den Zahlen, Daten und Statistiken nicht den Spaß am Bloggen.