Stirbt der linke Buchladen? fragt die taz.nord in ihrer heutigen Ausgabe. Die Diplom-Psychologin Judith Heckel versucht in einem umfassenden Interview eine Antwort auf diese Frage zu finden. Heckel arbeitet seit 12 Jahren als Vertreterin für unabhängige Sachbuch- und Belletristik-Verlage. Unter dem Namen “indiebooks” decken sie und ihre zwei Mitstreiterinnen die Landschaft der Buchläden in ganz Deutschland ab.
“Ein Buchladen prägt und vernetzt im echten Leben.”
Judith Heckel spricht über die Wichtigkeit von der Institution der Buchläden, auch im Vergleich zum Bucheinkauf im Internet. Ein Buchladen ist nicht nur eine Verkaufsplattform, sondern auch ein Ort des kulturellen Austauschs und der Vernetzung. Die Szene der linken Buchläden wird jedoch mittlerweile immer kleiner und kämpft zunehmend um ihr Überleben.
Die Tradition der sogenannten linken Buchläden, die sich vor allem auch durch ein breites Angebot an Sachbuchtiteln aus Verlagen wie Unrast, Schmetterling oder Assoziation A auszeichneten, entstammen der politischen Bewegung der sechziger und siebziger Jahre. Die ursprüngliche politische Ausrichtung geht mittlerweile immer stärker verloren und im heutigen Straßenbild finden sich neben den großen Buchhandelsketten kaum noch linke Buchläden. Wer links einkaufen will, kann das in ausgewählten Läden aber immer noch – wer in Norddeutschland wohnt, sollte einen Blick in den kleinen Einkaufsführer werfen.
Buchläden, die sich von ihrem Selbstverständnis her immer noch als links sehen, müssen jedoch zunehmend auch ökonomisch und kommerziell denken. Da bleibt es nicht aus, dass auch Indiebuchläden mal “50 Shades of Grey” für ihre Kunden bestellen. Judith Heckel bezeichnet diese Gratwanderung als die “Kröte des Selbstwiderspruchs”.
Einkaufsführer norddeutscher Indiebuchläden:
Zapata, Wilhelmplatz 6 24116 Kiel.
Guten Morgen, Bültenweg 87 38106 Braunschweig.
Ostertor-Buchladen, Fehrfeld 60 28203 Bremen.
Golden Shop, Fehrfeld 4 28203 Bremen.
Peter Panter, Zingelstraße 12 25704 Meldorf.
Schanzenbuchladen, Schulterblatt 55 20357 Hamburg.
9 Comments
julesiswriting
June 1, 2013 at 5:51 pmIch sage Danke für diesen Artikel, auch wenn ich es seltsam/fragwürdig/gefährlich halte, Lese-und Konsumverhalten ständig analysieren zu wollen oder zu müssen. Buchliebhaber werden immer suchen, und das ist auch gut so. Ich persönlich habe es satt, in großen Ketten auf immer denselben Einheitsbrei zu stoßen und gestoßen zu werden, und da ziehe ich die Vorzüge des Internets eindeutig vor.(Besonders gute Blogs;-) ) Und es ist völlig schadenfrohfrei, wenn ich mal darauf hindeute, dass Thalia sämtliche Filialen schließen wird. Worauf das zurückzuführen ist, mag jeder deuten wie er will.
buzzaldrinsblog
June 3, 2013 at 2:37 pmLiebe Julia,
ich stimme dir zu, dass man sicherlich nicht alles von hinten nach vorne und immer wieder neu analysieren muss. Dennoch glaube ich, dass es wichtig ist, auf bestimmte Phänomene aufmerksam zu machen. Ich kaufe auch nicht in Ketten, sondern lieber in kleinen inhabergeführten Buchläden. Wenn ich jedoch die einzige bin, die dass tut, wird es diese Buchläden bald nicht mehr geben oder immer weniger von ihnen. Eine Vorstellung, die mich sehr traurig macht. Deshalb finde ich es nicht schlecht, diesen Buchhandlungen etwas Aufmerksamkeit zu geben. Ich bin jedenfalls schon gespannt darauf, den Golden Shop zu besuchen, den ich vorher noch gar nicht kannte. 🙂
jancak
June 1, 2013 at 6:07 pmIch hab nicht ganz verstanden, was unter “linken Buchladen” zu verstehen ist. Die Alternativ oder Indie-Buchhandlungen oder die, wo sich die linken und die Kommunisten ihre gesellschaftskritischen Bücher kaufen? Da ist die Zeit wahrscheinlich nicht sehr gut dafür, zumindest ist in Wien die Zentralbuchhandlung schon lange eingegangen und die Bücher der Alt- und Neuachtundsechziger finden sich jetzt in den Bücherschränken. Es hat in Wien aber im vorigen Jahr eine neue Frauenbuchhandlung aufgemacht, nachdem das “Frauenzimmer” vor ein paar Jahren eingegangen ist und die verkauken, glaube ich, auch “Shades of grey” bzw. nennten sich gleich einmal frech “ChickLit”
Wahrscheinlich hängt es von den Käufern und den Käuferinnen ab, was sie lesen wollen und da würde ich einmal vermuten, ist die Zeit nicht sehr gesellschaftskritisch, sondern eher neoliberal kapitalistisch, also werden die Bestseller und die leichte Lektüre sehr gefragt sein und dann gibt es ja noch die Veränderungen durch den E-Book Markt und das Leseverhalten würde ich einmal behaupten geht auch zurück…
Aber natürlich sollten die linken Buchläden nicht sterben und Aktionen, wie der Indiebookday und die die Hotlist als Alternative zum deutschen Buchpreis, versuchen ja auch etwas dagegen zu machen.
Also lesen lesen lesen, auf meiner Leseliste steht derzeit eher etwas Seichtes, wie beispielsweise Donna Leon, aber die faßt auch sehr kritische Themen an und bereitet sie so zu, daß sich eine große Masse davon angesprochen fühlt und da können wir jetzt diskutieren, ob das gut oder schlecht ist?
Noch ein schönes Lesewochenende und vielen Dank für den interessanten Artikel, der sonst an mir vorbeigegangen wäre. Ich kann aber aufs nächste Volksstimmefest, das Ende des Sommers kommen wird, verweisen und da gibt es auch immer ein “Linkes Wort” und eine Anthologie, die jährlich daraus entsteht. In den letzten beiden hat Nadine Kelgele einen Text, die heuer in Klagenfurt lesen wird.
buzzaldrinsblog
June 3, 2013 at 2:34 pmLiebe Eva,
ich danke dir ganz herzlich für deinen aufschlussreichen und interessanten Kommentar. Deine erste Frage ist natürlich berechtigt: die taz versteht unter “linken Buchläden” vor allen Dingen politisch linke Buchläden. Dies habe ich ja auch in meiner Zusammenfassung versucht deutlich zu machen. Diese ursprüngliche politische Idee ist jedoch immer mehr aufgeweicht und kommerzialisiert worden. “Linke Buchläden”, die wirklich noch politisch links sind und von entsprechendem Publikum frequentiert werden, sind mittlerweile Mangelware.
Deiner Analyse kann ich nur zustimmen: ich glaube auch, dass die Tatsache, dass linke Buchläden vom Aussterben bedroht sind mit unserer heutigen Zeit zusammenhängt. Da fehlt vielleicht nicht nur das Interesse an politischen Büchern, sondern das Interesse an Politik überhaupt.
Etwas irritierend empfand ich die Begrifflichkeiten, denn “indie” bedeutet für mich nicht unbedingt politisch oder links. Dennoch glaube ich, dass es gut ist, unabhängige und alternative Buchläden zu unterstützen. Mit unserem Projekt “We Read Indie” können ich und meine Bloggerkolleginnen vielleicht auch einen kleinen Teil dazu beitragen, dass die kleinen und unabhängigen Verlage etwas mehr Aufmerksamkeit erhalten. 🙂
Donna Leon kenne ich als Schriftstellerin übrigens noch nicht, lediglich die Verfilmungen ihrer Bücher sagen mir etwas. Ich werde sie mal auf meinen umfangreichen Wunschzettel setzen, denn leichtere Unterhaltung brauche auch ich ab und an.
Liebe Grüße
Mara
Karin Braun
June 2, 2013 at 11:07 amLiebe Mara, Zapata in Kiel ist mein bevorzugter Buchdealer. Harald Mücke ist so engagiert und kämpft so hart ums Überleben. Danke fürs Verlinken dieses Artikels. Alles Liebe Karin
Karin Braun
June 2, 2013 at 11:15 am… ach ja, der Link zum Zapata funktioniert im Moment nicht. Die Seite ist vom Netz oder gehackt wurden …
buzzaldrinsblog
June 3, 2013 at 2:20 pmLiebe Karin,
danke für den Hinweis. Ich hoffe, die Seite geht bald wieder online. 🙂
buzzaldrinsblog
June 3, 2013 at 2:22 pmLiebe Karin,
danke für deinen Kommentar. Um ehrlich zu sein wohne ich zwar in Bremen, kannte von den erwähnten Buchhandlungen jedoch nur die im Ostertor. Für diese Woche steht aber schon ein Besuch im Golden Shop an. Ich finde es toll, so engagierte Buchhändler, wie auch den Buchhändler von Zapata, zu unterstützen. Ich lasse mein Geld lieber in inhabergeführten Buchläden, als in großen Ketten. Falls es mich mal nach Kiel verschlagen sollte, werde ich auf jeden Fall auch die erwähnte Buchhandlung besuchen. 🙂
Karin Braun
June 3, 2013 at 3:58 pmLiebe Mara, mach das unbedingt. Es ist so ein schöner Laden und Harald Mücke ein toller und engagierter Buchhändler. Alles Liebe Karin