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    Margos Spuren – John Green

    Margos Spuren ist ein herrlich verrücktes, unterhaltsames und zugleich melancholisches Buch über ein verschwundenes Mädchen, einen verliebten Jungen und einen abenteuerlichen Road-Trip.

    1470379192022“Von all den Hunderttausenden von Häusern in den Tausenden von Neubausiedlungen in ganz Florida wohnte ich ausgerechnet in dem Haus neben Margo Roth Spiegelman.”

    Quentin ist schon als kleiner Junge in Margo, seine Nachbarin, verliebt. Für ihn ist sie das schönste und tollste Wesen auf Gottes Erden, sie ist mutig, impulsiv und vielleicht ein wenig all das, was Quentin nicht ist. Als beide neun Jahre alt sind, finden sie gemeinsam eine Leiche, einen Mann, der sich im Wald das Leben genommen hat. In der Nacht nach dem Leichenfund steht Margo am Fenster von Quentin, sie berichtet ihm, dass sie Nachforschungen angestellt hat und dass sie glaubt, dass der Mann sich das Leben genommen hat, weil alle Saiten in ihm gerissen sind. Jahre später, steht Margo wieder an seinem Fenster – ihre beste Freundin hat sie mit ihrem Freund betrogen und Margo überredet Quentin dazu, sie auf einen Rachefeldzug zu begleiten. In dieser Nacht hilft Quentin Margo dabei, sich an all denjenigen zu rächen, die ihr wehgetan haben.

    Margo hat Rätsel immer geliebt. Und bei allem, was später passierte, wurde ich den Gedanken nicht los, dass sie Rätsel vielleicht so liebte, dass sie selbst zu einem wurde.

    Am Tag nach dem Rachefeldzug verschwindet Margo spurlos. Es passiert nicht das erste Mal, dass sie wegrennt. Ihre Eltern sind den Dramen ihrer Tochter langsam überdrüssig, aber Quentin glaubt, dass er seine große Liebe finden muss. Margo hat bei ihrem Verschwinden geheimnisvolle Spuren hinterlassen. Doch sind diese Spuren wirklich für Quentin bestimmt? Möchte Margo von ihm gesucht und gefunden werden? Quentin überlegt nicht lange, was er möchte und macht sich auf die Suche nach den Spuren, die Margo hinterlassen hat. Schon bald ist er mittendrin in einer aufregenden Schnitzeljagd, immer auf der Suche nach der Margo, in die er sich vor vielen Jahren Hals über Kopf verliebt hat.

    Doch als ich über das Gras und seine unterschiedlichen Deutungen nachdachte, musste ich an all die Bilder denken, die ich von Margo hatte, die richtigen und die falschen. Auch von Margo gab es viele Deutungen. Bisher wollte ich vor allem wissen, was aus ihr geworden war, doch jetzt, als ich versuchte die Vielfältigkeit von Whitmans Gras zu verstehen, den Geruch ihrer Decke in meiner Nase, wurde mir klar, dass die wichtigste Frage war, nach wem ich suchte. Wenn es auf die Frage ‘Was ist das Gras?’ so viele Antworten gab, dachte ich, musste es bei der Frage ‘Wer ist Margo Roth Spiegelman?’ erst recht so sein.

    Ähnlich wie in Das Schicksal ist ein mieser Verräter hat John Green auch in Margos Spuren ein berührendes Porträt zweier junger Menschen geschaffen: Quentin ist ein sensibler Junge, der fast schon ein wenig zu erwachsen ist für sein Alter, und Margo ist die unerreichbare Schönheit. Auch wenn das ein wenig klingt wie ein Klischee, gelingt es John Green doch, aus diesen Zutaten eine zauberhafte, amüsante und berührende Geschichte zu kreieren. Neben Margo und Quentin ist es übrigens ein Gedichtband, der eine zentrale Rolle in diesem Buch spielt: die Grashalme von Walt Whitman. “Schraub die Schlösser von den Türen los! / Schraub die Türen selbst von ihren Pfosten los!” ist eine Zeile, die sich mir nach dem Lesen eingebrannt hat und John Green gelingt es ganz nebenbei, mir Lust auf einen Dichter zu machen, von dem ich zuvor noch nie etwas gelesen habe. An Margos Spuren hat mir nicht alles gefallen, manches ist tatsächlich etwas klischeehaft, etwas weit hergeholt, etwas unglaubwürdig. Für mich ist es immer ganz besonders wichtig, einer Geschichte glauben zu können und John Green übertreibt es leider stellenweise ein wenig mit seiner Phantasie. Auch das Ende hat sich ein wenig schal angefühlt für mich. Und doch ist der Kern des Buches so berührend wie einfach: ein Mensch ist einfach nur ein Mensch. Quentin hebt Margo aus der Ferne auf ein Podest, überstülpt sie mit Erwartungen, Wünschen und seiner eigenen Fantasievorstellung. Es ist kein Wunder, dass im Laufe des Buches sich immer stärker die Frage aufdrängt, wer Margo eigentlich wirklich ist.

    Dazu kommt noch, dass wir anscheinend Schwierigkeiten haben zu akzeptieren, dass andere Leute auch nur ganz normale Menschen sind. Entweder wir verehren sie wie Götter oder wir verachten sie wie Tiere.

    Alles in allem ist Margos Spuren ein lesenswertes Jugendbuch: es ist berührend, unterhaltsam und steckt voller wichtiger Fragen. Wer sind wir eigentlich und was sehen wir in anderen Menschen? Das ist große Erzählkunst mit ein paar wenigen Schwächen.

    John Green: Margos Spuren. Übersetzt aus dem Amerikanischen von Sophie Zeitz, Hanser Literaturverlag, Juli 2015. 336 Seiten, €16,90. 

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