Deutscher Meister – Stephanie Bart

Stephanie Barts Roman Deutscher Meister ist nicht nur große Literatur, sondern auch ein großartiges Porträt eines Boxers. Es ist das Jahr 1933 und Johann Rukelie Trollmann begeistert das Boxpublikum. Doch gewinnen darf er nicht, denn er ist Sinto. Stephanie Bart erzählt nicht nur eine wahre Geschichte von einem Gewinner, der kein Gewinner sein durfte, sondern auch davon, wie der Nationalsozialismus eine ganze Gesellschaft zerfressen hat.

BartEs war der Kampf um den Titel des Deutschen Meisters im Halbschwergewicht am 9. Juni 1933 in der Bockbrauerei, Fidicinstraße, Berlin-Kreuzberg.

Es sind fast vier Monate, von denen Stephanie Bart in ihrem Roman Deutscher Meister erzählt – alles beginnt am 31. März 1933 und findet seinen Schlusspunkt im selben Jahr, am 21. Juli. Es sind vier Monate, die das Leben des Boxers Johann Rukelie Trollmann für immer verändern sollten. Die ganze Handlung kreist um den großen Meisterschaftskampf, der am 9. Juni 1933 stattfindet. Dem Kampf voraus ging eine Säuberung des ganzen Boxsportes – jüdische Kämpfer und Funktionäre wurden verbannt und von linientreuem Personal ersetzt. Trollmann, ein Sinto, ist einer der letzten, der der Säuberung bisher entgehen konnte – doch seine Herkunft grenzt ihn aus und der Politik ist er ein Dorn im Auge. Auch sein Nachweis ein richtiger Deutscher zu sein, hilft ihm nicht weiter. Und dennoch: er darf kämpfen, sogar um den Titel des deutschen Meisters. Nur gewinnen darf er nicht, dabei ist Trollmann beim Publikum beliebt, er boxt unkonventionell und unterhaltsam und er ist im Gegensatz zu seinem Gegner der deutlich bessere Boxer. Frauen, die dem Boxen sonst eigentlich eher fernbleiben, begeistert er mit seinem Charisma und guten Aussehen.

Trollmann hatte sich schon seit Herbst 1930 um den Titel beworben, war aber stets hingehalten und abgewiesen worden. Nicht nur, weil er Sinto war, sondern auch, weil er erst den falschen und dann gar keinen Manager gehabt hatte.

Deutscher Meister ist nicht nur das Porträt eines ungewöhnlichen Boxers, sondern darüber hinaus auch ein groß angelegtes Gesellschaftspanorama. Ein Panorama, das sich aus zahlreichen Erzählfäden und Figuren zusammensetzt, die jedoch alle um ein einziges Thema kreisen: die Machtergreifung des Nationalsozialismus. Vor dem Hintergrund des Kampfes um die deutsche Meisterschaft, erzählt Stephanie Bart davon, wie der Nationalsozialismus sich 1933 ausgebreitet hat. Einer Krebserkrankung ähnlich, hat dieser sich in allen Bereichen der Gesellschaft ausgebreitet, Metastasen gebildet und alles mit dem nationalistischen Gedankengut vergiftet.

Lasker-Schüler war weg. Nicht ganz. Kurzbein wusste eins von den Liebesgedichten auswendig. Nun gewöhnte sie sich an, das Gedicht in Gedanken sich immer wieder vorzusagen, damit es nicht verschwand. Die letzte Zeile der vierten Strophe: Niemand sieht uns, die bisher nur die Liebenden meinte, schloss jetzt die Dichterin mit ein.

Auch das Boxen blieb davon nicht verschont. Es sollte mithilfe eines Säuberungsplans auf nationalen Boden gestellt werden. Trollmann darf zwar um den Titel kämpfen, doch gewinnen darf er nicht, denn ein Zigeuner darf doch niemals deutscher Meister werden, oder? Trollmann sieht sich selbst nur als Boxer, akribisch bereitet er sich auf diesen so wichtigen Kampf vor – den Kampf seines Lebens, der von der ganzen Familie auf den Zuschauerrängen verfolgt wird. Von der deutschen Sportpolitik wird er jedoch nicht als Boxer gesehen, sondern als Ärgernis – er wird auf seine Nationalität reduziert, völlig losgelöst von seinen Boxqualitäten.

Einen Großteil des Romans machen die Kampfhandlungen aus, die von Stephanie Bart in allen Einzelheiten geschildert werden – als würde man einen Boxkampf in Zeitlupe betrachten und ab und an hat man das Gefühl, gerade selbst von einem Leberhaken getroffen worden zu sein. Diese Passagen sind von großer Eindrücklichkeit und literarischer Qualität, noch stärker beeindruckt hat mich aber das politische Panorama, das von der Autorin entworfen wird: selten zuvor habe ich eine so gute Beschreibung davon gelesen, wie sich der Nationalsozialismus schleichend in alle Gesellschaftsschichten ausbreitet. Bis es ganz normal erscheint, abends zur Bücherverbrennung zu gehen – als würde man in’s Kino gehen.

Trollmann aber legte seine Rechte auf die Halterung des obersten Seils, berührte noch einmal mit beiden Füßen den Boden, ging leicht in die Knie, ließ den Impuls fürs Hochfliegen mit einem lockeren Einatmen aus der Hüfte kommen, schnellte nach oben, warf die Beine, das rechte vorweg, das linke hinterher, hinaus, schwang gegenläufig, wie ein Vogel den Flügel, seinen linken Arm, platzierte den Körperschwerpunkt über der aufgestützten Hand, schwebte fast waagrecht in der Luft über dem Seil, sah in das Dach der Orchesterbühne, drehte auf dem Zenit der Flanke die Hüfte aus dem Ring, ließ den Körperschwerpunkt hinübergleiten, ließ jenseits der Seile ausatmend die Beine herab, setzte mit beiden Füßen auf und federte weiter.

1933 durfte Johann Rukelie Trollmann nicht gewinnen, doch Dank Stephanie Bart ist er nun deutscher Meister für die Ewigkeit – sie hat ihm ein literarisches Denkmal von beeindruckender Qualität gesetzt. Eine große Leseempfehlung!

Vielleicht Esther – Katja Petrowskaja

Katja Petrowskaja erzählt nicht nur von den Schrecken des 20. Jahrhunderts, sondern auch von der eigenen Gegenwart. Vielleicht Esther ist eine Recherchereise zurück in die Vergangenheit der eigenen Familie, bis in das Jahr 1864. Es ist eine poetische, berührende, kluge und herzerwärmende Reise und eine großartige Lektüre.

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Woher kenne ich diese Geschichte in ihren Einzelheiten? Wo habe ich ihr gelauscht? Wer flüstert uns Geschichten ein, für die es keine Zeugen gibt, und wozu? 

Katja Petrowskaja begibt sich in ihrem Roman auf eine Reise, es ist die Reise in die eigene Vergangenheit und es ist eine Reise, die die Autorin von Warschau über Babij Jar bis nach Mauthausen führt. Die Wurzeln ihrer Familie führen zurück in die Ukraine, aber auch nach Russland, Deutschland und Österreich. Vielleicht Esther ist kaum mehr ein Roman, denn dafür stecken in diesem Text zu viele autobiographische Bezüge. Der Verlag selbst gibt dem Buch den Untertitel Geschichten. Es sind Familiengeschichten, die Geschichten der Familie von Katja Petrowskaja.

Am Anfang dachte ich, ein Stammbaum sei so etwas wie ein Tannenbaum, ein Baum mit Schmuck aus alten Kisten, manche Kugeln gehen kaputt, zerbrechlich wie sie sind, manche Engel sind hässlich und robust und überleben alle Umzüge. Jedenfalls war ein Tannenbaum der einzige Familienbaum, den wir hatten, er wurde jedes Jahr neu gekauft und dann weggeschmissen, einen Tag vor meinem Geburtstag.

Diese kurzen Geschichten wirken am Anfang der Lektüre etwas fragmentarisch, so löcherig, dass es schwer ist, Zusammenhänge herzustellen. Doch all diese Löcher werden gefüllt und gestopft, Geschichte für Geschichte. Im Zentrum steht die titelgebende Esther, die Großmutter des Vaters, die zu alt und unbeweglich ist, um 1941 fliehen zu können und alleine in ihrer Wohnung in Kiew zurückbleibt. Es ist die Großmutter des Vaters der Autorin, doch dieser weiß gar nicht mehr ganz genau, wie seine Großmutter hieß. Vielleicht Esther? Doch hieß diese Großmutter, die im Krieg sterben musste, wirklich Esther?  Katja Petrowskaja erzählt aber auch die Geschichte eines Großonkels, der 1932 als junger Mann ein Attentat auf einen deutschen Diplomaten verübt. Fritz von Twardowski wurde verletzt, der Großonkel Judas Stern verhaftet. Sie erzählt von ihrem Großvater, der in Kriegsgefangenschaft gerät, in ein Konzentrationslager kommt, ein Gulag überlebt und lebend nach Hause zurückkehrt. Sie erzählt von all ihren Verwandten, die an Gehörlosenschule gearbeitet haben. Verwandten, denen beinahe schon heilende Kräfte angedichtet wurden.

[...] ich dachte, mit ihnen werde ich den Familienbaum blühen lassen, den Mangel auffüllen, das Gefühl von Verlust heilen, aber sie standen in einer dicht gedrängten Menge vor mir, ohne Gesichter und Geschichten, wie Leuchtkäfer der Vergangenheit, die kleine Flächen um sich herum beleuchteten, ein paar Straßen oder Begebenheiten, aber nicht sich selbst.

Vielleicht Esther ist ein seltsames Buch, das sich jeder Einordnung verweigert. Es befindet sich irgendwo zwischen Fakten und Fiktion, zwischen Roman und Autobiographie, zwischen Wahrheit und Erfindung. Vielleicht Esther ist nicht nur ein Buch, das Erinnerungen erzählt, sondern gleichzeitig auch ein Buch über Erinnerungen. Was macht man mit all den Verwandten, von denen man nur einen Namen kennt – wenn überhaupt. Was macht man mit all diesen Lücken und Löchern, die den eigenen Familienstammbaum in ganz viele Teile zersplittern. Wie geht man mit solchen Erinnerungen um? Katja Petrowskaja entscheidet sich dazu, sich auf eine Recherchereise zu begeben, auf eine Wurzelsuche, auf Ahnenforschung. Sie entscheidet sich für einen unbekümmerten Umgang mit Erinnerungen – es gibt keine Gewissheit und keine Bestätigung, aber schmerzhafte Lücken können manchmal schon allein durch die Kraft von Phantasie und Vorstellung geschlossen werden.

Katja Petrowskaja beschäftigt sich bei dieser Recherchereise sehr eindrücklich auch mit den Quellen, auf die sie zurückgreifen kann. Was kann man tun, wenn es plötzlich keine Menschen gibt, die man befragen kann? Wenn das einzige, das bleibt Erinnerungsfetzen, zweifelhafte Notizen und Dokumente in fernen Archiven ist. Die Autorin reist in Archive und Gedenkstätten, sie greift aber auch auf moderne Wege zurück – sie nutzt nicht nur Google. sondern auch Facebook und Ebay.

Rosa kritzelte mit ihren Zeilen gegen die Blindheit an, sie häkelte die Zeilen ihrer entschwindenden Welt. Je dunkler es um sie herum wurde, desto dichter beschrieb sie die Blätter. Manche Stellen waren unentwirrbar wie verfilzte Wolle, die Kartoffelpreise Ende der achtziger Jahre verknoteten sich mit Erzählungen aus dem Krieg und von flüchtigen Begegnungen. Das eine oder andere Wort sickerte durch das wollene Dickicht, die ‘Kranken’, ‘Moskau’, ‘Herzblut’. Jahrelang dachte ich, sie ließen sich entziffern, in Amerika gibt es Geräte, die solche Zeilen entwirren können, bis ich verstand, dass Rosas Schriften nicht zum Lesen gedacht waren, sondern zum Festhalten, ein dick gedrehter, unzerreißbarer Ariadnefaden.

Vielleicht Esther ist ein Kunstwerk, dass das klassische Korsett eines Romans abgestreift hat. Die Autorin Katja Petrowskaja verlässt bei der Aufarbeitung der Schrecken des 20. Jahrhunderts bereits ausgetretene Erzählpfade und geht eigene, experimentelle, Wege. Entstanden ist dabei ein Fragment aus Geschichten, das nicht nur berührt und bewegt, sondern auf seltsame Weise auch das Herz zu wärmen weiß.

Wie Liebe entsteht – Raija Siekkinen

Die finnische Schriftstellerin Raija Siekkinen erzählt in Wie Liebe entsteht eigentlich gar nicht vom Enstehen der Liebe, sondern viel mehr von ihrem Vergehen. Zehn Erzählungen beschäftigen sich mit dem Moment, in dem die Liebe erlischt, durch die Hintertür verschwindet. Getragen werden die Geschichten von einer leichten Schwere, von heller Düsterkeit.

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Es gab die Zeit davor und die danach und das Einzige, was blieb, war weiterzumachen.

Wie Liebe entsteht ist ein schmales Bändchen. Gerade einmal knappe 160 Seiten umfassen die zehn Erzählungen, denen ein lesenswertes Nachwort des Schriftstellers David Wagner folgt. Allen Erzählungen gemein ist die Tatsache, dass Raija Siekkinen von Frauen erzählt. Frauen, die am Scheideweg stehen. Frauen, die Entscheidungen treffen müssen. Die Situationen, die die Autorin beschreibt, wirken wie aus dem Alltag gegriffen und doch haben all ihre Figuren etwas heldinnenhaftes an sich. Alltagsheldinnen.

Sobald alle Wünsche und Hoffnungen dahin sind, dachte Anna, hat der Mensch eine Grenze überquert und schüttelt auf der anderen Seite den Kopf über seine Taten und Motive, löst sich schließlich. Dann folgt die Beerdigung.

Die Titelgeschichte erzählt von einer Frau, die plötzlich erkennen muss, dass sie schon lange nicht mehr jung ist und der große Teil ihres Lebens bereits vorbei ist. Es gibt nichts mehr im Leben, das sie festhalten möchte, auch ihren Mann liebt sie schon lange nicht mehr. Der Tag, an dem sie dies erkennt, ist ausgerechnet der Tag, an dem ihr Mann ihr seine immer noch andauernde Liebe erklärt. In einer anderen Geschichte fragt ein Mann seine Freundin: Sollen wir nicht doch heiraten? Die ganze Erzählung kreist um diese fünf Worte, die so dahin gesagt sind und doch ein ungeheuer schweres Gewicht haben. Könnte es eine lieblosere Liebeserklärung geben?

An einem Abend ging ich danach noch hinaus, spazierte durch den Schnee und sah zu unserem Haus, dessen Fenster hell leuchteten, und dachte, dass ich in meinem eigenen Leben feststeckte und es keinen anderen Ort gab, an den ich gehen konnte. Ich kehre in meinen Fußstapfen zurück, an der Tür kam mir die Wärme entgegen.

Alle zehn Geschichten, die von Elina Kritzokat hervorragend ins Deutsche übertragen wurden, erzählen von einem Vergehen. Liebe entsteht nicht, Liebe vergeht, doch dafür ensteht vielleicht etwas Neues: eine Freiheit, ein neues Leben, ein Aufbruch in eine neue Zukunft. Das Entstehen und Vergehen spiegelt sich in den Geschichten wider: in fast allen von ihnen spielen Renovierungsarbeiten eine Rolle – etwas Altes vergeht, etwas Neues entsteht. Die Protagonistinnen von Raija Siekkinen stecken fest, empfinden ihr Leben als Falle – alle Illusionen haben sie schon lange verloren, die Liebe fühlt sich für die meisten von ihnen nur noch schal an.

Die Geschichten haben den Charakter eines Kammerspiels. Beim Lesen habe ich das Gefühl, durch die finnische Landschaft zu laufen: die Sonne scheint vom Himmel, doch es ist eisig kalt und eine Schneedecke begräbt alles Lebendige unter sich. Raija Siekkinen verliert nicht viele Worte über ihre Figuren, über die Handlung ihrer Geschichten und doch entfalten diese beim Lesen eine ungeheure Wucht. Worte, die so luftig und lockerleicht daher kommen, besitzen plötzlich eine erschreckende Schwere. Die Autorin macht Worte schwer, gibt Sätzen Gewicht und beschreibt dabei einen in seiner Alltäglichkeit schier bedrückenden Alltag.

Ja, suchten nicht alle Menschen ihr Leben nach diesen Einheiten ab, nach Anfängen und Enden, teilten ihre Zeit in Episoden ein, in denen sie immer eine neue Hauptfigur waren? Auch sie hatte Phasen abgeschlossen und zugeklappt wie ein vollgeschriebenes Tagebuch, das man nie wieder las, höchstens kurz durchblätterte, ehe man es verbrannte. Aber dann war ihr alles wieder aufs Neue begegnet, und sie hatte begriffen, dass so das Leben beschaffen war.

Selten zuvor habe ich Erzählungen gelesen, die auf so wenig Seiten so viel Wucht entfalten, so viel Schwere und Traurigkeit und all das mit einer ungeheuren Leichtigkeit. David Wagner beschreibt sie in seinem Nachwort als leicht-schwer und so verzweifelt und ich möchte mich ihm eigentlich nur noch anschließen. Ja, leicht-Schwer und verzweifelt und doch sind die Geschichten mit so viel Offenheit geschrieben, dass ich als Leserin die einzelnen Fäden nehmen und damit meine eigenen Geschichten spinnen kann.

Frankfurter Buchmesse!

So ganz in der Wirklichkeit wieder angekommen bin ich immer noch nicht. Ein Teil von mir wandert weiterhin durch die Gänge auf der Frankfurter Buchmesse, von Halle 3.1 zu Halle 4.0, von Stand zu Stand und vorbei an lauter interessanten Büchern. Drei Tage lang bin ich über die Frankfurter Buchmesse gestreift und habe dabei viel zu viel erlebt, um über all die Eindrücke schreiben zu können: ich habe nicht nur viele Bloggerkollegen und -kolleginnen getroffen, sondern auch den einen oder anderen Verlagsmitarbeiter. Darüber hinaus habe ich natürlich auch  in Frankfurt ein paar Interviews geführt – ich bin schon ganz gespannt darauf, wie sie euch gefallen werden.

Meine Zeit auf der Frankfurter Buchmessse begann in der Halle des diesjährigen Gastgeberlandes – dieses Jahr ist Finnland das Gastland der Buchmesse und ich habe mich sehr darauf gefreut, dem Land und der finnischen Literatur näher zu kommen. Bis vor kurzem habe ich nämlich – bis auf Sofi Oksanen – noch keine finnische Literatur gelesen. Die Halle des Gastgeberlandes stand unter dem Slogan Finnland.Cool - das Design war hell, gespielt wurde mit den finnischen Nationalfarben. Doch der Pavillon wusste nicht nur äußerlich zu überzeugen, sondern auch inhaltlich: ich habe diesen Ort bei meinem Besuch als unheimlich fantasievoll erlebt und bin für eine Weile abgetaucht in die Welt der finnischen Literatur und Poesie, bin da und dort stehen geblieben, habe immer wieder aufmerksam gelauscht und beobachtet. Mitgenommen aus der finnischen Welt habe ich mir Katja Kettus Roman Wildauge und bin schon gespannt auf die Lektüre.

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Wer aufgrund der Bilder Lust auf finnische Literatur bekommt, sollte mal einen Blick auf den Blog der Klappentexterin werfen.

Selbstverständlich war ich jedoch nicht nur in der Halle des Gastgeberlandes, sondern bin auch durch all die anderen Hallen gestreift, bis ich Abends ins Bett fiel – mit müden Füßen und angefüllt mit allerlei Eindrücken. Auch wenn dies kaum vorstellbar erscheint, habe ich zwischen all den mir bereits bekanntes Verlagen auch noch den einen oder anderen unbekannten Verlag entdeckt – besonders im Gedächtnis geblieben ist mir der Thiele Verlag – nicht nur aufgrund der wohl passendsten Verlagswerbung, sondern vor allen Dingen wegen des hochspannenden Programms.

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Aber auch darüber hinaus gab es viele tolle Bücherstände – in Erinnerung geblieben ist mir der Bus bei Kein & Aber, aber auch die fast schon erschlagende literarische Wand bei Droemer Knaur, genauso wie all die liebevoll gestalteten Stände der unabhängigen Verlage.

Auf der Frankfurter Buchmesse geht es aber selbstverständlich nicht nur um Bücher, sondern auch um Büchermenschen. Es gibt kaum einen anderen Ort, an dem man so viele begeisterte Bücherliebende auf einen Haufen trifft. Wenn man so durch die Gänge streift, kann es passieren, dass einem plötzlich Ijoma Mangold entgegen kommt oder Lutz Seiler auf der Rolltreppe an einem vorbeirollt. Überall gibt es Lesungen und Veranstaltungen, bei denen ich immer wenige Minuten zugehört habe, bevor ich weitergezogen bin. Die Frankfurter Buchmesse ist ein ganz bisschen wie eine Parallelwelt, doch es ist eine wunderbare Parallelwelt, in die ich für einige Tage im Jahr sehr gerne abtauche. In Erinnerung bleiben wird mir wohl auch der Besuch des Business Club, dort diskutierte Paulo Coelho über die Zukunft des Lesens und darüber, sich den digitalen Entwicklungen anpassen zu müssen, um nicht irgendwann abgehängt zu werden. Zwischendurch wurde auch noch ein neuer Nobelpreisträger bekannt gegeben, der mir zwar vom Namen bekannt gewesen ist, den ich aber literarisch noch entdecken muss.

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Ihr merkt an meinem Bericht und an meinen Bildern sicherlich, dass ich eine tolle Zeit in Frankfurt gehabt habe. Wie sagt man so schön: nach der Messe ist vor der Messe, nächstes Jahr ist das Gastland übrigens Indonesien und für mich bedeutet das, dass ich erneut eine mir bisher ganz fremde Literatur entdecken kann.

Für all diejenigen, die es nicht nach Frankfurt geschafft haben, verlose ich ein kleines Trostpflaster, das aus meinen Messeerrungenschaften besteht. Hinterlasst mir einfach bis zum 20.10.2014 einen Kommentar und ihr hüpft automatisch mit in den Lostopf.

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