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    Joan Didion: “Die Mitte wird nicht halten”

    Seit dem 27. Oktober läuft auf Netflix eine großartige und sehr sehenswerte Dokumentation über die Schriftstellerin und Journalistin Joan Didion, die ich euch auf diesem Wege unbedingt empfehlen muss!

    Leid kommt, wenn es eintrifft, in nichts dem gleich, was wir erwarten.

    Joan Didion wurde 1934 geboren und gilt als eine der bekanntesten und wichtigsten Stimmen in Amerika. Bereits seit den sechziger Jahren veröffentlicht sie in regelmäßigen Abständen Bücher und schreibt als Journalistin für unterschiedliche Zeitungen. Bekannt geworden ist sie nicht nur durch ihre Romane, sondern vor allem auch durch ihre politischen und kulturkritischen Essays. Als ihr Mann John Gregory Dunne 2003 plötzlich an einem Herzinfarkt stirbt, während die gemeinsame Tochter Quintana im Koma liegt, verarbeitet sie diesen Verlust in einem vielbeachteten und beeindruckenden Buch: Das Jahr magischen Denkens

    Ich schreibe ausschließlich, um herauszufinden, was ich denke, was ich betrachte, was ich sehe und was es bedeutet. Was ich will und was ich fürchte.

    Dieses Buch war meine erste Begegnung mit der Schriftstellerin Joan Didion. Mein Exemplar des Buches ist bereits etwas zerfleddert und abgegriffen, so häufig habe ich es schon gelesen. Ich habe durch Joan Didion ganz viel über den Tod gelernt, über Verlusterfahrungen und  Trauer, über Erinnerungen und darüber, wie wir damit umgehen können, dass uns die Zeit häufig durch die Finger rinnt. Zuletzt habe ich von ihr Blaue Stunden gelesen, ein Buch, in dem sie den Verlust ihrer Tochter aufarbeitet, die nur zwei Jahr nach dem Tod ihres Mannes ebenfalls verstirbt.

    Der Charakter, also die Bereitschaft, Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen, ist die Quelle des Selbstrespekts.

    In der Dokumentation Die Mitte wird nicht halten erfahren wir mehr darüber, wie Joan Didion zum Schreiben kam, wie sie gelebt hat und wie sie die schweren Schicksalsschläge verarbeitet hat. Sie erzählt davon, wie sie mit gerade einmal zwanzig Jahren nach New York kommt und sich dort nicht nur in die Stadt verliebt, sondern auch in den Autor John Gregory Dunne, mit dem sie in all den folgenden Jahren eine ganz besondere Verbindung hat. Später ziehen beide nach Los Angeles und umgeben sich dort mit bekannten Stars wie Martin Scorsese, Harrison Ford oder auch Janis Joplin.

    Am meisten beeindruckt mich aber die Kraft und die Stärke von Joan Didion, der man zwar ihr Alter ansieht, die aber nichts von ihrer Energie und ihrer Lebensfreude verloren hat. Der Tod ihres Mannes und der gemeinsamen Tochter waren eine Zäsur, die ihr Leben in zwei Teile geschnitten hat und dennoch ist es ihr gelungen, aus diesem schmerzhaften Schicksal Literatur werden zu lassen – mit Das Jahr des magischen Denkens und Blaue Stunden hat sie zwei autobiographische Bücher veröffentlicht, die sicherlich vielen anderen Menschen halfen, die sich in ähnlichen Lebenslagen befinden. Gedreht wurde der Film übrigens von Griffin Dunne, dem Neffen von Joan Didion, dem es gelingt, viel Nähe und Intimität herzustellen.

    Die Mitte wird nicht halten zeigt das Leben einer interessanten, faszinierenden und mutigen Frau und macht nebenbei – wie das eine gute Dokumentation über Literatur tun sollte – Lust darauf, die Bücher von Joan Didion zu entdecken. Also tut das bitte auch: schaut den Film und lest danach ein Buch von dieser wunderbaren Autorin!

    Blaue StundenWir erzählen uns Geschichten, um zu lebenDas Jahr magischen DenkensSentimentale ReisenIm Land Gottes

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