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    Furchtlose Frauen, die nach den Sternen greifen – Rachel Ignotofsky

    Rachel Ignotofsky ist Autorin und Illustratorin und der Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt darauf, wissenschaftliche und historische Themen möglichst zugänglich aufzubereiten. Dabei stehen bei ihr besonders die Frauen im Fokus – so auch in diesem Buch: Furchtlose Frauen, die nach den Sternen greifen versammelt 50 Porträts faszinierender Wissenschaftlerinnen.

    Im Lauf der Geschichte haben zahlreiche Frauen im Dienste der Wissenschaft alles riskiert. Dieses Buch erzählt die Geschichten einiger dieser furchtlosen Frauen, die – ob im antiken Griechenland oder in der modernen Welt – angesichts der ihnen in den Weg gelegten Steine sagte: “Ich lasse mich nicht aufhalten.”

    Rachel Ignotofsky stellt in diesem wunderbar illustrierten Buch 50 außergewöhnliche Wissenschaftlerinnen vor – von vielen davon hatte ich zuvor noch nie gehört, trotz ihrer wichtigen und zum Teil auch entscheidenden Arbeit. Da gibt es zum Beispiel die Zytogenetikerin Barbara McClintock, die die springenden Gene entdeckte, aber wegen ihres forschen, selbstbewussten und undamenhaften Verhaltens an ihrer Universität in der Kritik stand. Genauso wie Lise Meitner, die ihre Experimente in einem Keller durchführen musste, weil ihr der Zugang zu den Forschungseinrichtungen nicht gestattet war. Oder Marie Curie, die keine Fördergelder für die Einrichtung eines Labors erhielt. Oder die Astronomin Cecilia Payne-Gaposchkin, die für ihre Forschung kaum Anerkennung erhielt.

    Im Buch werden die fünfzig Wissenschaftlerinnen jeweils mit einem kurzen Abriss ihrer Biographie und einer Zeichnung vorgestellt. Die Texte sind unheimlich dicht und mit vielen Informationen und Namen angereichert, dadurch gleichzeitig aber auch sehr inspirierend – und auf vielen Seiten dachte ich: “Das reicht mir noch nicht, ich möchte mehr wissen. Gibt es vielleicht noch weitere Bücher über diese Frau?”

    Frauen stellen etwa die Hälfte der Weltbevölkerung. Da der Fortschritt der Menschheit von unaufhörlichen Streben nach neuen Erkenntnissen abhängig ist, ist die Intelligenz der Frauen unverzichtbar. Die in diesem Buch vorgestellten Wissenschaftlerinnen haben bewiesen, dass jeder Mensch – ungeachtet seines Geschlechts, seiner ethnischen Zugehörigkeit und seines familiären Hintergrunds – Großartiges vollbringen kann. Das Vermächtnis dieser furchtlosen Frauen lebt weiter. Auch heute noch setzen sich Frauen auf der ganzen Welt über große Widerstände hinweg, um  sich in der Forschung zu engagieren.  

    Was mir beim Lesen der fünfzig Porträts klar wurde: Frauen kämpfen mit Hürden, Hindernissen und Einschränkungen, die sich viele Männer nicht vorstellen können. Wahrscheinlich früher noch viel stärker als heute: Frauen wurde der Zutritt zu Bildungseinrichtungen verwehrt, genauso wie die Möglichkeit wissenschaftlich zu publizieren. Die Vorstellung, dass Frauen die Rolle der Ehefrau und Mutter vorbehalten ist, hat sich jahrzehntelang gehalten. All die fünfzig Frauen, die von Rachel Ignotofsky porträtiert werden, haben gegen diese Vorstellung angekämpft, angetrieben von ihrem Wissensdurst und ihrer Forschungsleidenschaft. Rachel Ignotofsky wünscht sich, dass diese Frauen – dass alle Frauen – nicht mehr unsichtbar gemacht werden: wenn wir von der DNA-Doppelhelix sprechen, sollten wir auch von Rosalind Franklin sprechen. Wenn wir von der Computertechnologie reden, muss auch Grace Hopper Erwähnung finden – nicht nur Steve Jobs und Bill Gates.

    Wenden wir uns also neuen Fragestellungen zu! Lasst uns unsere eigenen Entdeckungen machen, indem wir unser Wissen erweitern, Probleme in Angriff nehmen und Lösungen finden.

    Diesem Wunsch kann ich mich nur anschließen. Was ich mir außerdem wünsche: dass ihr dieses Buch kauft! Für euch selbst, für eure Kinder, für eure junge Verwandschaft, aber auch für die schon etwas eingestaubte Generation. Für Mädchen und für Jungen und für all die noch nicht geborenen Kinder.

    Rachel Ignotofsky: Furchtlose Frauen, die nach den Sternen greifen. Aus dem Amerikanischen übersetzt von Birgit Walter. mvg Verlag, München 2018. 127 Seiten, 16,99€. 


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