Warum ich Literaturblogs mag

bloghilfe

Auch das heiße Wetter hält nicht davon ab, sich ermüdenden Themen zu widmen. Fabian Thomas hat das tot gerittene Pferd mit drei steilen Thesen über Literaturblogs wiederbelebt. Birgit von Sätze und Schätze konterte dann gestern treffend auf ihrem eigenen Blog. Der Vorwurf ist nicht neu: Literaturblogger seien der verlängerte Marketingarm der Verlage, benutzen Instagramfilter, seien unkritisch und immer darauf bedacht zu gefallen – den Autoren, den Verlagen und dem Betrieb. Die Besprechungen seien nicht wissenschaftlich genug – sie könnten zumindest fundierter sein. Und – oh nein – jetzt gibt es sogar noch Literaturblogger, die mit dem Börsenverein kooperieren.

Ich empfinde diese Debatte als ermüdend und nervend, natürlich können solche Diskussionen immer nützlich dafür sein, die eigenen Ansprüche und die eigene Position zu hinterfragen – diese Diskussion empfinde ich jedoch als überflüssig. Ich führe meinen Literaturblog mittlerweile seit fast vier Jahren und ich tue das, weil ich einfach eine große Freude daran habe zu lesen, zu schreiben und meine Begeisterung mit anderen zu teilen. Genauso gerne lese ich auch andere Literaturblogs – Bücher kann man ja nie genug haben. Als ich damals mit meinem Blog gestartet bin, gab es nur wenige andere Blogs. Mittlerweile gibt es ganz viele, die alle einen eigenen Zugang, eine eigene Herangehensweise, eigene Vorlieben und unterschiedliche Interessen haben. Was für eine spannende Bandbreite und ich selbst kann sogar noch ganz frei entscheiden, was ich davon lesen möchte und was nicht.

Es gibt Literaturblogger, die

  • trinken Cappuccino
  • essen Kuchen
  • verwenden gerne Filter von Instagram
  • besprechen Rezensionsexemplare
  • besprechen selbst gekaufte Bücher
  • wählen sich ihre Lektüre mit Bedacht aus
  • ersparen sich Verrisse
  • kritisieren gerne
  • schreiben kurz und knapp
  • geben intensive Einblicke in den betreffenden Roman
  • pflegen einen guten Kontakt mit der Literaturbranche
  • gucken auch mal über den Tellerrand
  • sind in einem intensiven Kontakt mit ihren Lesern

und dann gibt es noch ganz viele andere. Und all diese Literaturblogs haben ihre Existenzberechtigung und ihre Leser und Leserinnen. Wie schön, dass es bei Blogs kein richtig oder falsch gibt, niemanden, der von außen seine persönlichen Maßstäbe über uns stülpen kann.

Ich werde alles dafür tun, dass diese ganze Bandbreite des Bücherbloglebens erhalten bleibt und ich mir das auswählen kann, was zu mir passt und was ich vertreten will. Ich werde also mit großer Begeisterung euch weiterhin Bücher empfehlen, dabei auch mal einen Cappuccino trinken und Fotos davon auf Instagram posten.

Bachmannpreis 2015 – es wird wieder gelesen

Vor etwas mehr als einem Monat wurden die Teilnehmer und Teilnehmerinnen des Bachmannpreises bekannt gegeben. Ab morgen beginnen sie dann wieder, die Tage der deutschsprachigen Literatur. Am Mittwochabend (1. Juli) wird der Wettbewerb mit einer Rede eröffnet und die Lesereihenfolge wird ausgelost. Gelesen und diskutiert wird dann von Donnerstag bis Samstag – die Entscheidung wird am Sonntag getroffen. Der ganze Wettbewerb wird live auf 3sat, aber auch im Internet, übertragen.

Doch wer wird dieses Jahr überhaupt antreten?

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Anna Baar: wurde 1973 in Zagreb geboren und wuchs in Wien auf. Sie studierte Publizistik und Öffentlichkeitsarbeit und lebt heutzutage in Klagenfurt. Die Anreise ist also nicht weit. Sie arbeitet freiberuflich für Auftraggeber aus der Wissenschaft, Wirtschaft und Kunst. Ihr Roman Die Farbe des Granatapfels erscheint im August im Wallstein Verlag.

Valerie Fritschwurde 1989 in Graz geboren und absolvierte ein Studium an der Akademie für angewandte Photographie. Vor vier Jahren erschien ihr Debütroman VerkörperungEN, in diesem Jahr erschien ein Gedichtband und der Roman Winters Garten im Suhrkamp Verlag.

Saskia Hennig von Lange: wurde 1976 geboren und studierte Angewandte Theaterwissenschaften und Kunstgeschichte. Sie arbeitet an einer Dissertation und hat zuletzt die Novelle Alles, was draußen ist und den Roman Zurück zum Feuer veröffentlicht.

Michaela Falkner: wurde 1970 in Oberösterreich geboren, sie lebt und arbeitet heutzutage in Wien. Ihr Buch A fucking Masterpiece erschien 2005 im Czernin Verlag, Du blutest, Du blutest 2011 im Residenz Verlag. Sie ist vor allem für ihre Performances bekannt.

Dana Grigorceawurde 1979 in Bukarest geboren und studierte dort später Deutsche und Niederländische Philologie. Im August erscheint ihr zweiter Roman Das primäre Gefühl der Schuldlosigkeit im Dörlemann Verlag.

Tim Krohn: wurde 1965 geboren und feierte seinen Durchbruch mit dem Roman Vrenelis Gärtli. Der Autor wurde bereits mit zahlreichen Auszeichnungen und Stipendien bedacht und war lange Zeit Vorsitzender des Schweizer Schriftstellerverbands. Von Tim Krohn erschien zuletzt Aus dem Leben einer Matratze bester Machart.

Jürg Halter: wurde 1980 in Bern geboren und arbeitet als Dichter, Musiker und Performance-Poet (was für eine wunderbare Berufsbezeichnung!). Er hat bereits einige Gedichtbände veröffentlicht, zuletzt erschien im Wallstein Verlag Wir fürchten das Ende der Musik.

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Nora Gomringer: wurde 1980 geboren und leitet sei April 2010 das Internationale Künstlerhaus Villa Concordia. Sie schreibt Lyrik, ist aber auch im Radio zuhören und veröffentlicht Texte im Feuilleton. Zuletzt erschien von ihr Morbus.

Teresa Präauer: wurde 1979 geboren und lebt heutzutage in Wien. Ihr Debütroman Für den Herrscher aus Übersee wurde 2012 mit dem aspekte-Preis ausgezeichnet. Mit Johnny und Jean war sie sogar für den Leipziger Buchpreis nominiert.

Katarina Poldjanwurde 1971 in Moskau geboren und hat anschließend Angewandte Kulturwissenschaft studiert und eine Ausbildung als Schauspielerin gemacht. 2011 hat sie ihren Debütroman In einer Nacht, woanders vorgelegt.

Ronja von Rönne: wurde 1992 in Berlin geboren und arbeitet seit diesem Jahr als Redakteurin für das Feuilleton der Welt. Ihre Nominierung hat wohl für das meiste Aufsehen gesorgt, denn die junge Autorin ist angesichts ihrer Texte umstritten.

Sven Recker: wurde 1973 in Bühl geboren und arbeitete jahrelang als Sportjournalist. Später engagierte er sich als Not- und Katastrophenhelfer, heutzutage schult er Journalisten aus Libyen, Tunesien oder Ägypten. Ende August erscheint in der Edition Nautilus sein Debütroman Krume Knock Out.

Monique Schwitter: wurde 1972 in Zürich geboren. Sie hat Schauspiel und Regie studiert und war an zahlreichen Schauspielhäusern engagiert. Ihr neues Buch Eins im Andern erscheint im September.

Peter Truschnerwurde 1967 in Klagenfurt geboren. Er studierte Philosophie, Politik und Kommunikationswissenschaft und lebt heutzutage als freier Schriftsteller in Berlin. Sein Romandebüt Schlangekind erschien bereits 2001. Seitdem hat er nicht nur einen weiteren Roman veröffentlicht, sondern auch Theaterstücke, Essays, ein Libretto und Reiseberichte in Zeitungen und Zeitschriften. Zuletzt erschien von ihm im Hanser Verlag Das fünfunddreißigste Jahr. 

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Wer sich übrigens noch eingehender informieren möchte, der kann sich auch vorab schon einmal die Porträts der vierzehn Autoren anschauen.

Ich bin auf jeden Fall schon ganz gespannt auf den diesjährigen Bachmannpreis. Besonders gespannt bin ich auf den Performance-Poeten, auf die wilde Ronja von Rönne, auf Teresa Präauer und Katerina Poladjan, aber auch auf Dana Grigorcea. Der Bachmannpreis scheint in diesem Jahr ganz in weiblicher Hand zu sein, so dass ich natürlich auch gespannt darauf bin, wie sich die Männer schlagen werden. Möge ein großartiger und interessanter Wettbewerb beginnen!

Die Buchpreisblogger

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Die Longlist des Deutschen Buchpreis wird erst in einem Monat verkündet, doch im Hintergrund haben wir bereits länger an einem neuen Literaturblogprojekt rund um den Buchpreis gearbeitet. Jetzt ist es – mit dem Erscheinen der Pressemitteilung – endlich ganz offiziell:

Digitale Lesereise: Blogger diskutieren die Longlist-Titel des Deutschen Buchpreises 2015

Sieben Blogger diskutieren die Titel der Longlist / Vorstellung der Teilnehmer ab 2. Juli unter www.facebook.com/DeutscherBuchpreis / Offizieller Start am 20. August 2015

Noch 7 Wochen, dann steht die Longlist des Deutschen Buchpreises 2015. Ab dem 20. August stellen sieben Literaturblogs als „Die Buchpreisblogger“ die nominierten Titel vor. Die Blogger lesen die 20 Bücher der Longlist, stellen sie zur Diskussion, bieten Hintergrundinformationen und kritische Debattenbeiträge. Bereits in den kommenden Wochen stellen sich die Blogger auf der Facebook-Seite des Deutschen Buchpreises unter www.facebook.com/DeutscherBuchpreis vor.

Zusammengeführt werden die Blogs auf der Facebook-Seite des Deutschen Buchpreises und unter dem Hashtag #dbp15.

Mit dabei sind:

·        Birgit Böllinger, Sätze&Schätze
·        Simone Finkenwirth, Klappentexterin
·        Mara Giese, Buzzaldrins Bücher
·        Uwe Kalkowski, Kaffeehaussitzer
·        Jochen Kienbaum, lustauflesen.de
·        Jacqueline Masuck, masuko13
·        Tobias Nazemi, buchrevier

buchpreis_blogger_buttonMit dem Deutschen Buchpreis verbindet mich eine ganz besondere Geschichte, denn dieses Jahr begleite ich zum dritten Mal die Preisverleihung mit einem Bloggerprojekt. Es fing alles vor zwei Jahren mit 5 lesen 20 an – damals hatten wir uns, etwas unbedarft und sehr optimistisch, zu fünft vorgenommen, die Longlist zu lesen. Ich möchte es kaum laut sagen, dass ich zuerst geglaubt hatte, das auch alleine schaffen zu können! Im vergangenen Jahr gab es dann LongListLesen und wir waren nicht mehr nur zu fünft, sondern haben uns geöffnet: die nominierten Bücher wurden von ganz vielen unterschiedlichen Bloggern gelesen und vorgestellt. Entstanden ist dabei ein toller Austausch – auch wenn nicht alles so geklappt hat, wie wir uns das vorgestellt hatten.

Nun gibt es dieses Jahr die Buchpreisblogger (das tolle Logo für unsere Aktion wurde übrigens von Jochen Kienbaum entworfen) und ich bin gespannt darauf, wie es uns sieben mit der Longlist ergehen wird. Auch wenn es noch einen Monat dauern wird, bis wir wieder wissen werden, welche Bücher nominiert sind, kann ich den Buchpreisherbst schon jetzt kaum mehr erwarten. Wir sind zwar dieses Mal wieder eine „geschlossene“ Gruppe, aber mein größter Wunsch ist es, dass wir alle über die nominierten Titel ins Gespräch kommen. Ich hoffe also, dass ihr schon genauso gespannt seid wie ich – auf die Longlist und auf die Buchpreisblogger.

Sommerliche Lesetipps!

Lektüre im Liegen

In dieser Woche lohnt sich mal wieder der Gang zum Zeitschriftenkiosk, denn Autoren der Wochenzeitung ZEIT stellen ihre Bücher des Sommers vor. Was macht man im Sommer auch schon anderes, als faulenzend in der Sonne liegen und lesen? Unter dem Motto Lektüre im Liegen kommen unter anderem Iris Radisch, Jens Jessen, Adam Soboczynski und Ursula März zu Wort.

Es werden zwölf Bücher vorgestellt, einige davon sind gleich auf meine Wunschliste gewandert – obwohl ich doch so viel lese, kenne ich übrigens erst eins der zwölf Bücher. Auf meine Wunschliste geschafft haben es zwei der Bücher: Unter den Lebenden von Eyal Megged und Das Salz in der Wunde von Jean Prévost.

Sommerbücher Wunschliste

Als ich so durch die sommerlichen Buchtipps blätterte, habe ich überlegt, ob ich so etwas eigentlich auch kennen: gibt es sie wirklich, die sogenannten Sommerbücher? Meine Lektüre teilt sich eigentlich nicht nach Jahreszeiten, ich lese im Sommer keine anderen Bücher, als im Winter. Meistens lese ich im Sommer jedoch deutlich mehr. Der Sommer bedeutet Urlaub und Ferienzeit, die Tage bleiben lange hell und ich fühle mich andauernd zum Lesen eingeladen. Könnte es etwas Schöneres geben, als irgendwo im Freien zu sitzen und ein Buch zu lesen? Dabei greife ich intuitiv zu schmalen und leichteren Büchern, während ich mir die dicken Brocken häufig für die langen Wintertage aufhebe.

Inspiriert von der Beilage der ZEIT bin ich heute mal an mein Bücherregal herangetreten und habe Ausschau nach sommerlichen Büchern gehalten: ein Sommerbuch ist für mich ein Buch, das ich leicht und flott lesen kann, das aber dennoch auch einen literarischen Anspruch hat, mich vielleicht nachdenklich macht oder mich bewegt.

Sommerbücher

Maria Semple hat mit Wo steckst du, Bernadette? ein witziges und erfrischendes Buch vorgelegt, das herrlich ungewöhnlich ist. Auch Altes Land von Dörte Hansen ist leicht und locker zu lesen, enthält darüber hinaus aber auch eine sehr berührende Familiengeschichte. Ein ganz besonderes Jahr habe ich an nur einem einzigen Tag durchgelesen – auf dem Balkon sitzend. Es ist eine leichte und kitschige Lektüre, aber irgendwie ist es auch wunderbar, wie Thomas Montasser darüber schreibt, dass Literatur unser Leben verändern kann. Sommer in Maine von J. Courtney Sullivan ist für mich der Inbegriff von Sommerlektüre – das Buch gibt es mittlerweile schon als Taschenbuch und es ist eine großartige Sommerlektüre mit genau der richtigen Mischung aus Leichtigkeit und Tiefgang. In diese Kategorie fällt auch Ein Jahr auf dem Land von Anna Quindlen. Eleamor & Park ist ein Jugendbuch – eigentlich greife ich nur selten zu Jugendbüchern und dieses hier ist nicht einmal wirklich leicht, sondern sogar ziemlich traurig. Ich habe aber einfach noch kein besseres Buch über die erste große Liebe gelesen – es ist witzig, berührend und bittertraurig. .

Vielleicht ist in eurem Urlaubskoffer in diesem Jahr noch ein Plätzchen frei, ich würde mich freuen, wenn eines meiner Sommerbücher darin Platz finden würde.

Und ihr? Habt ihr in diesem Jahr schon so ein richtiges Sommerbuch gelesen, das ihr mir für meinen Koffer empfehlen könntet?