Bücher zum Thema trans – meine Empfehlungen!

Seit meinem Beitrag Hallo ich bin’s – Linus haben mich Leser und Leserinnen immer wieder nach Büchern zum Thema trans gefragt. Jetzt habe ich es endlich geschafft, eine kleine Auswahl an Empfehlungen zusammenzustellen. Was mir dabei wieder auffiel: es gibt erschreckend wenig Bücher zum Thema trans – zumindest im deutschsprachigen Sprachraum. Wenn man selbst nicht zu einer Randgruppe gehört, fällt einem vielleicht gar nicht auf, dass man – wenn man weiß und heterosexuell ist – beinahe in jedem beliebigen Buch repräsentiert wird. Wenn ich dagegen mal ein Buch lesen möchte, in dem meine Identität repräsentiert wird, muss ich ganz schön lange danach suchen. Gerade für all die Kinder, die ich täglich im Buchladen sehe, wünsche ich mir, dass sie –  durch die Bücher die sie lesen und die ihnen vorgelesen werden – erfahren, wie divers ihre Welt sein kann. Und wie okay das ist.

Ein schädlicher Einfluss, Kate Bornstein: Al Bornstein durchlebt eine behütete Kindheit. Doch schon früh hat er das Gefühl, im falschen Körper zu stecken. Mit Anfang zwanzig überzeugen ihn Scientologen, dass Körper lediglich die Hüllen geschlechtsloser Seelen sind. Er tritt der Sekte bei und bleibt zwölf Jahre lang ein ranghohes Mitglied. Als er erfährt, dass die von ihm akquirierten Spendengelder veruntreut werden, fällt er vom Glauben ab. Al verlässt die Sekte und macht sich mutig auf den Weg, sein eigenes Schicksal zu ergründen.

Teddy Tilly, Jessica Walton: Teddy Thomas möchte kein Teddybär mehr sein. Er möchte lieber Tilly heißen, denn schon lange fühlt er, dass er eigentlich eine Teddybärin ist. Er traut sich nicht, seinem besten Freund davon zu erzählen. Aber mit Finn kann er über alles reden und Finn verischert ihm, dass er ihn immer lieb haben wird, ob er nun Thomas oder Tilly heißt.

Nenn mich Kai, Sarah Barczyk: Andrea ist transsexuell – so ein Satz ist leicht gesagt. Aber was bedeutet das eigentlich? In “Nenn mich Kai” geht es um innere Grenzen, um die Frage nach der eigenen, nach individueller Geschlechtsidentität.

George, Alex Gino: George ist zehn Jahre alt, geht in die vierte Klasse, liebt die Farbe Rosa und liest heimlich Mädchenzeitschriften, die sie vor ihrer Mutter und ihrem großen Bruder versteckt. Jeder denkt, dass George ein Junge ist. Fast verzweifelt sie daran. Denn sie ist ein Mädchen! Bisher hat sie sich noch nicht getraut, mit jemandem darüber zu sprechen. Noch nicht einmal ihre beste Freundin Kelly weiß davon. Aber dann wird in der Schule ein Theaterstück aufgeführt. Und George will die weibliche Hauptrolle spielen, um allen zu zeigen, wer sie ist.

Zusammen werden wir leuchten, Lisa Williamson: Es ist Davids vierzehnter Geburtstag und als er die Kerzen ausbläst, ist sein sehnlichster Wunsch … ein Mädchen zu sein. Das seinen Eltern zu beichten, steht auf seiner To-do-Liste für den Sommer – gaaaanz unten. Bisher wissen nur seine Freunde Essie und Felix Bescheid, die bedingungslos zu ihm halten und mit denen er jede Peinlichkeit weglachen kann. Aber wird David jemals als Mädchen leben können? Und warum fasziniert ihn der geheimnisvolle Neue in der Schule so sehr?

Stone Butch Blues, Leslie Feinberg: Buffalo, N.Y. – eine Industriestadt in den sechziger Jahren. Hier verbringt Jess Goldberg ihre Kindheit und Jugend. Jess ist ein Mädchen, doch sie sieht aus wie ein Junge. Mit 15 hält sie es daheim nicht mehr aus. Sie haut ab. Sie sucht sich einen Job. Die Bar Abba’s bietet Jess eine Heimat – eine bunte Gemeinschaft von Butches und Femmes, von Huren und Drag Queens, von Schwarzen und Weißen.

Und morgen sag ich es, Doris Meißner-Johannknecht: Paul ist 10, zieht gerade um und kommt in eine neue Schule. In Berlin war er noch Paula. Doch hier, in der Stadt des deutschen Fußballmeisters, ist alles anders. Wie werden Pauls Mitschüler, wie wird seine Umwelt auf seine Geschichte reagieren? Ich mochte keine Kleider und Röcke. Keine Mädchenschuhe. Ich liebte immer schon die Farben Blau und Grün und Türkis. Spielte am liebsten mit Autos und Lego. Kletterte gerne auf Bäume, machte mich gerne dreckig. Und meine Leidenschaft ist der Fußball. Seit drei Jahren bin ich Paul. Und das fühlt sich gut an. Und richtig.

Von einer, die auszog, ein Mann zu werden, T Cooper: Wann ist ein Mann ein Mann? T Cooper, 40, weiß, Mittelschicht, verheiratet, zwei Kinder, ist ein Mann. Für T Cooper war das schon immer so. Für den Rest der Welt nicht. Dieses Buch erzählt die Geschichte von einer, die auszog, ein Mann zu werden – und dabei haarsträubende Abenteuer erlebte.

Letztendlich sind wir dem Universum egal, David Leviathan: Die Geschichte einer ungewöhnlichen ersten großen Liebe – und ein phantastischer Roman, wie er realistischer nicht sein könnte. Jeden Morgen wacht A in einem anderen Körper auf, in einem anderen Leben. Nie weiß er vorher, wer er heute ist. A hat sich an dieses Leben gewöhnt und er hat Regeln aufgestellt: Lass dich niemals zu sehr darauf ein. Falle nicht auf. Hinterlasse keine Spuren.

Das dänische Mädchen, David Ebershoff: Kopenhagen 1925. Der dänische Landschaftsmaler Einar Wegener führt mit seiner Frau Greta, ebenfalls eine Malerin, ein bewegtes Künstlerleben und eine glückliche Ehe. Bis Greta ihren Mann bittet, in Frauenkleidern für sie Modell zu stehen: Einar verwandelt sich in „Lili“, und schon bald ist seine Rolle als Frau mehr als nur ein Spiel. Schließlich steht Greta vor der Frage, was man tut, wenn der Mensch, den man liebt, plötzlich ein ganz anderer ist.

Trans Mission, Alex Bertie: Alex Bertie erzählt in Trans Mission von seiner Transition, die er bereits seit Jahren auf seinem YouTube-Kanal begleitet.

Before I Had The Words, Skylar Kergil: Skylar Kergil hat mit 17 Jahren angefangen Hormone zu nehmen und seine Transition vom ersten Tag an auf YouTube mit großer Offenheit begleitet. In Before I had the words erzählt er all das, was vor der Zeit seines YouTube-Kanal liegt.

To My Trans Sisters, Charlie CraggTo My Trans Sisters sind empowernde Briefe von trans Frauen, die von ihrem Weg, ihren Erfolgen und ihren Schwierigkeiten erzählen. Es kommen Wissenschaftlerinnen, Models, Autorinnen oder auch Schauspielerinnen zu Wort.

Meine Mutter, sein Exmann und ich, T.A. Wegberg: Geschiedene Eltern sind ja schon schlimm genug. Aber wie soll Joschka seinen Freunden bitte erklären, dass seine Mutter jetzt ein Mann ist – dem plötzlich ein Bart wächst und der Frederik heißt? Während seine Schwester Liska sich bemüht, offen mit der Veränderung umzugehen, empfindet Joschka nichts als Widerstand und große Wut. Er zieht zu seinem Vater und will nur noch Abstand von allem. Erst durch den neuen Mitschüler Sebastian, der an einer seltenen Krankheit leidet, und Joschkas Liebe zu der engagierten Emma öffnet er sich schließlich für seine neue Familiensituation. Denn wenn er ehrlich ist, hat sich eigentlich gar nichts Entscheidendes geändert …

Atalanta Läufer_in, Lilly Axster: In einem sensationellen 100-Meter-Lauf gewinnt der bisher unbekannte Lan Gold. Im Moment des größten Triumphes, einer Extrarunde durch das Stadion, wirft der schnellste Läufer der Welt seine Trainingsjacke in die jubelnde Menge. Aus der Jackentasche fällt ein kleines weißes Etwas heraus, das der Silbermedaillengewinner aufhebt – ein Tampon. Nun weiß noch jemand um das Geheimnis: Lan ist eine Läuferin.


Einen schönen Text zur Repräsentation von trans Figuren in Kinderbüchern gibt es übrigens auf Lithub. Und natürlich würde mich interessieren, ob ihr vielleicht noch Ergänzungen habt – welche Bücher kennt ihr? Habt ihr noch Empfehlungen für mich?

11 Comments

  • Reply
    tulitikku
    April 1, 2018 at 4:33 pm

    Meine erste Berührung mit dem Thema geschah mit der Romanfigur Anna Madrigal aus den Stadtgeschichten von Armistead Maupin, in denen das Thema offen und positiv thematisiert wird und die ersten Bände entstanden in den 70ern.

  • Reply
    Saphirosa
    April 1, 2018 at 6:10 pm

    Ich hätte noch als Empfehlung “Als ich Amanda wurde” von Meredith Russo, es handelt von einer jungen Transfrau in den Vereinigten Staaten, die alle geschlechtsangleichenden Prozesse abgeschlossen hat und an einer anderen Schule einen Neuanfang startet, da sie an der alten schwer gemobbt wurde. Dort gewinnt sie, zum ersten mal in Leben, richtige Freunde und es kommt auch zu einer Liebesgeschichte, während die Vergangenheit sie einholt und die Frage im Raum steht, ob diese Beziehung eine Chance hat.
    Ich selber als Trans* Person, konnte mich perfekt in die Figur hineinversetzen und es hätte auch eins zu eins ich sein können, es stellt zudem auch sehr gut die Realität da, was wohl auch daran liegt, dass die Autorin selber Trans* ist.

  • Reply
    Jule
    April 1, 2018 at 9:00 pm

    Lieber Linus,
    Vielen Dank für diesen Beitrag. Ich hatte nach Ostern tatsächlich vor dir eine Nachricht zu schreiben und nach Empfehlungen zu fragen. Und schon haust du diesen Beitrag raus. Vielen Dank, denn da werde ich mich definitv einmal durchklicken.
    Liebe Grüße von der Kinokasse.
    Jule

  • Reply
    jancak
    April 2, 2018 at 2:44 am

    Als ich mich bei “Paul und Paula” http://www.jancak.at/auszug_paulundpaula.html mit diesem Thema beschäftigte, habe ich auch nach Literatur dazu gesucht.
    Da wurde mir John Irvings “In einer Person”https://literaturgefluester.wordpress.com/2016/02/13/in-einer-person/ empfohlen, Sybille Bergs “Vielen Dank für das Lebenhttps://literaturgefluester.wordpress.com/2016/03/07/vielen-dank-fuer-das-leben/, Antje Ravic Strubel hat auch zu diesem Thema geschrieben xhttps://literaturgefluester.wordpress.com/2016/04/15/in-den-waeldern-des-menschlichen-herzens/, inzwischen hat sich diesbezüglich, glaube ich, auch sehr viel getan, liebe Grüße aus Wien, beziehungsweise Harland bei St. Pölten

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    Lilly Sjöberg
    April 3, 2018 at 11:27 am

    Lieber Linus,

    danke für Deine Mühe. Das sind echt wenig Bücher. Ich hatte tatsächlich viel, viel mehr erwartet.
    “Letztlich sind wir dem Universum egal” ist wirklich ein großartiges Buch.
    Letzten Monat habe ich mir George als Hörbuch gekauft. Bin schon gespannt darauf.

    Lieben Grüße
    Petrissa

  • Reply
    Joel
    April 4, 2018 at 7:17 pm

    “Letztlich sind wir dem Universum egal” hört sich nach einem wirklich tollen Buch an. Nach genauerem Informieren werde ich nun über einen Kauf entscheiden.
    Mit feundlichen Grüßen
    Joel von Büchervergleich.org

  • Reply
    Liselotte Wunderlich
    April 22, 2018 at 7:30 pm

    vielen Dank für die Zusammenstellung! Ich finde es gut, dass du das auch mal so labelst, dass eben Menschen aus Randgruppen selten repräsentiert sind. Ich gehöre zur Randgruppe der Menschen mit Körperbehinderung und sehe mich auch kaum repräsentiert in Belletristik. Andererseits gibt es wahrscheinlich kaum etwas wodurch ich mich repräsentiert fühle, da ich ja doch mehr bin als nur ein Aspekt. 😉
    Liebe Grüße

  • Reply
    Damaris
    April 23, 2018 at 8:48 am

    Das ist eine tolle Auswahl von Büchern. Das ein oder kenne ich noch gar nicht. Tolle Inspiration.

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    Beauty Books
    April 24, 2018 at 7:32 am

    “Letztendlich sind wir dem Universum egal” fand ich sooo toll 🙂 “George” und “Zusammen werden wir leuchten” möchte ich auch noch lesen! Danke für deine tollen Tipps (:

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    Lovely Bloggestöber #18 |
    May 7, 2018 at 6:15 pm

    […] dem er uns seinen neuen Namen Linus und seine Geschichte vorstellt, wurde er immer mal wieder nach Buchtipps zum Thema trans gefragt. Und daher hat er nun seine Empfehlungen in einem Blogbeitrag für uns zusammengestellt. […]

  • Reply
    Nornengestöber und Diversität – Nornennetz
    May 20, 2018 at 7:02 am

    […] kennt ihr Linus, der offen über seine Erfahrungen zum Thema trans schreibt. Er hat auch dazu eine Liste an […]

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