Geschlechterklischees, nein danke!

Ich arbeite seit mehr als eineinhalb Jahren als Buchhändler und eines der Dinge, die mich zu Beginn am meisten überraschten, war, wie stark viele Eltern in Geschlechterrollen verhaftet sind. Wenn Kunden und Kundinnen explizit nach Büchern für Jungen oder für Mädchen suchen, würde ich immer am liebsten sagen Bücher haben doch kein Geschlecht. Aber die Vorstellung bestimmter Rollenerwartungen und Geschlechterklischess scheint einfach fest verankert zu sein. Und das mehr denn je. Für alle Eltern, die etwas außerhalb der klassischen Geschichten über Prinzessinnen und Feuerwehrmänner suchen, habe ich ein paar Empfehlungen zusammengestellt.

“Es ist ein Mädchen und da geht es aber um einen Traktor.” – “Ich glaube, dass es für einen Jungen nicht gut sein kann, wenn ein Buch eine weibliche Hauptfigur hat.” – “Sie wissen ja was Jungs mögen – Bagger, Traktoren und die Müllabfuhr. So sind sie halt.”

Vor meiner Arbeit im Buchladen habe ich mich kaum mit Kinderbücher beschäftigt, abgesehen von dem einen oder anderen Jugendbuch, das ich las. Als ich damit anfing, mich durch die klassischen Kinderbücher zu lesen, schwankte ich zwischen Unglauben und Enttäuschung: die Rollenvorstellungen bei Conni oder Bobo Siebenschläfer sind klassisch und konservativ. Während die Mutter zu Hause bleibt und den Haushalt erledigt, geht der Vater arbeiten – und natürlich macht das Mädchen Mädchendinge und der Junge Jungendinge. Was ich daran besonders schade finde, ist, dass es eigentlich tolle, diverse und vielfältige Alternativen gibt – wir müssen sie alle nur lauter und nachdrücklicher empfehlen. Bücher prägen unser Weltbild und unsere Lebensvorstellung, deshalb glaube ich, dass es unglaublich wichtig ist, dass Kinder auch Bücher über starke handlungsmächtige Mädchen lesen – genauso wie über rollenuntypische Jungen.

Ich hoffe, ihr werdet in meinen Vorschlägen fündig – in allen Büchern geht es um Klischees, die aufgebrochen werden und um Kinder, die irgendwie anders sind!


Frau Bär mag es gemütlich. Sie isst fürs Leben gerne Honigbrote und hinterlässt mit ihren großen Tatzen auch hier und da mal ein paar klebrige Spuren. Sehr zum Missfallen von Herrn Hase. Denn Herr Hase ist ausgesprochen ordentlich. Kann eine solche Hausgemeinschaft gut gehen? Zuerst nicht. Aber dann merken die beiden, dass unterschiedliche Gepflogenheiten durchaus auch ihren Vorteil haben können.

Altersempfehlung: 4 – 6 Jahre, erschienen im Nord-Süd Verlag.


Schon die Kleinsten verstehen sofort: Hier geht`s um zwei, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Sorum ist groß, Anders ist klein. Sie ist aus Watte, er ist aus Stein. Wie praktisch, wenn einer Milchreis liebt und der andere Möhren. Was für ein Glück, dass nur einer laut ist und der andere lieber leise. Und wie spaßig, wenn einer aufrecht und der andere auf Händen läuft!
In knappen Reimen und plakativen, fröhlichen Illustrationen zeigt das neue Pappbilderbuch von Yvonne Hergane und Christiane Pieper, dass es die Unterschiede sind, die das Miteinander bunt und lustig machen. Ein ganz einfaches Plädoyer für die Vielfalt!

Altersempfehlung: 1 -4 Jahre, erschienen im Peter Hammer Verlag.


Eines Morgens liegt unter Hannas Bett ein Zebra. Ein lebendiges Zebra! Einfach so. Hanna ist mit ihren beiden Papas neu in die Gegend gezogen und so ist es ihr recht, dass Bräuninger, so heißt das Zebra, sie in die Schule begleitet. Ein Zebra im Unterricht? Das geht nicht! Da Bräuninger aber verflixt gut schreiben, rechnen und turnen kann, darf er bleiben – zumindest fürs Erste. Diesen Schultag werden die Kinder nie vergessen: Schreiben lernen auf Bräuningers Streifen! Bocksprünge über seinen Rücken! Traumstunde! Doch plötzlich geht die Tür auf: Zwei Zoowärter erscheinen und führen Bräuninger ab. Was soll Hanna jetzt machen? Markus Orths erzählt witzig und tiefsinnig von Andersartigkeit und Fremdsein. Dass Hanna bei zwei Vätern aufwächst, wird herrlich unaufgeregt thematisiert.

Altersempfehlung: 6-8 Jahre, erschienen im Moritz Verlag.


Du siehst aus wie ein Mädchen’, ‘Das ist falsch, was du anhast’, rufen ihm die Kinder in der neuen Kita zu. Sie grenzen ihn aus, hänseln ihn. Jungs tragen keine Röcke. Jungs tragen dunkle Farben, Power-Ranger-T-Shirts und spielen mit Baggern. Röcke sind für Mädchen, genau wie Rosa und Prinzessin Lillifee. So vermittelt es zumindest unsere Gesellschaft und ist damit äußerst erfolgreich: Es gibt klare Vorstellungen davon, was männlich und was weiblich ist und wer was anziehen soll.

Altersempfehlung: 4-6 Jahre, erschienen bei minedition.


‘He, Paul, pass den Ball zu mir!’, rufen die anderen Jungs immer. Aber jeden Tag Fußballheld zu sein, das nervt langsam. Auch die kindergartenüblichen Jungenspiele mit Lasermessern, Kampfrobotern oder die Kleinen zu ärgern, werden echt langweilig. Heute will Paul lieber mit den Barbies spielen: Kinderkriegen, Monster verjagen, tanzen und all das. ‘Cool’, sagt Anton.

Pointiert, frech und witzig erzählt Lindenbaum von Kinderspielen und erfrischend rollenunspezifischem Verhalten.

Altersempfehlung: 4-6 Jahre, erhältlich bei fembooks.


Nicos Eltern staunen nicht schlecht, als ihm die schrullige Tante bei ihrem Besuch ausgerechnet eine Puppe mitbringt. »Das ist doch kein Spielzeug für Jungen!«, sind sich die Eltern einig, doch Nico schließt das Geschenk sofort ins Herz. Am liebsten würde er sein neues Lieblingsspielzeug mit in die Schule nehmen, aber da hat Papa ernste Bedenken. »Am Nachmittag gehen wir ins Geschäft und kaufen dir ein super Spielzeug. Ein richtiges Spielzeug für Jungen.«

Altersempfehlung: 4-6 Jahre, erschienen im Picus Verlag.


Zwei Brüder reden abends im Bett über Mädchen. Voll langweilig sind die, kämmen den ganzen Tag ihre Puppen, machen sich vor Angst in die Hosen beziehungsweise ins Nachthemd. Und glauben doch tatsächlich an Gespenster!!! Sowas Blödes, die gibt’s doch gar nicht! Oder? Oder doch? Plötzlich müssen die beiden dringend Pipi machen. Und danach finden sie ihr Bett nicht mehr, sondern flüchten zitternd zum friedlich schlafenden Schwesterchen, das nicht im Traum daran denkt, sich vor Gespenstern zu fürchten…

Altersempfehlung: 5-7 Jahre, erschienen im Beltz Verlag.


Eine liebevolle Bilderbuchgeschichte zum Thema Anderssein.
Teddy Thomas möchte kein Teddybär mehr sein. Er möchte lieber Tilly heißen, denn schon lange fühlt er, dass er eigentlich eine Teddybärin ist. Er traut sich nicht, seinem besten Freund davon zu erzählen. Aber mit Finn kann er über alles reden und Finn verischert ihm, dass er ihn immer lieb haben wird, ob er nun Thomas oder Tilly heißt. Tilly ist erleichtert und ihre Freundschaft ist noch viel größer geworden. In diesem Bilderbuch geht es um viel mehr, als um das Thema Transgender. Es ist eine zauberhafte Bilderbuchgeschichte, in der es um den Mut zum Anderssein geht. Um Mitgefühl, Akzeptanz, Toleranz und vor allem um bedingungslose Liebe. Ein Buch, das Kinder stark macht.

Altersempfehlung: ab 4 Jahren, erschienen im S. Fischer Verlag.


Luzie Libero liebt ihren Lieblingsonkel sehr. Solange ihre Eltern auf Mallorca sind, geht sie mit ihm in Cafés und Schwimmen und alles ist wunderbar. Doch eines Tages sitzt noch jemand anderes in der Küche des Onkels: Günther aus Waldwimmersbach. Luzie Libero findet, dass er sofort wieder nach Waldwimmersbach zurück gehen sollte. Luzie Libero ist enttäuscht und wütend und eifersüchtig. Aber dann lernt sie den Freund des Onkels näher kennen – und ist froh, weil er nämlich sehr gut Fußball spielt!

Altersempfehlung: 4-6 Jahre, erschienen im Beltz Verlag.


Otto hat vier Brüder. Jeder ist etwas ganz Besonderes. Und zusammen haben sie immer viel Spaß. Gemeinsam mit Ottos großer Kuscheltiersammlung schlafen sie alle unter einer Decke. Doch als Riesenkuschelschwein Elke auch noch mit ins Bett soll, gibt es Protest. Das Gedränge nervt, nörgeln die Brüder. Schnell muss eine Lösung her, denn Otto braucht sie alle – auch seine Brüder. Wie gut, dass Bertil die Bären-Brüder-Bettmaschine erfindet!

Altersempfehlung: ab 4 Jahren, erschienen im Sauerländer Verlag.


Eines Tages geht zwei befreundeten Kindern ihr WIR-Gefühl verloren, weil sie sich zuviel gestritten und weil sie immer zuviel “ICH!” gesagt haben. Das WIR ist scheu und hat sich versteckt. Die beiden Kinder vermissen es sehr. Ohne das WIR bleibt alles grau und ohne Freude. Und so machen sie sich auf die Suche nach ihm. Wo steckt das WIR? Die beiden Kinder schreiben ihm Briefe und bitten es, zu ihnen zurückzukommen. Und schließlich ist das WIR wieder Teil ihres Lebens – und die Freude ist groß.

Altersempfehlung: 4-7 Jahre, erschienen im Carlsen Verlag.


So sehr er sich auch bemühte wie die anderen zu sein, Irgendwie Anders war irgendwie anders. Deswegen lebte er auch ganz allein auf einem hohen Berg und hatte keinen einzigen Freund. Bis eines Tages ein seltsames Etwas vor seiner Tür stand. Das sah ganz anders aus als Irgendwie Anders, aber es behauptete, genau wie er zu sein…

Altersempfehlung: 4-6 Jahre, erschienen im Oetinger Verlag (online gibt es zusätzliches Material für Erzieher und Erzieherinnen).


Immer wenn Wanda ins Wasser springt, lachen die anderen. Ich bin zu schwer zum Schwimmen, sagt Wanda. ? Nein, sagt der Schwimmlehrer, du musst nur denken, was du sein möchtest! Wanda probiert es aus, und der Trick funktioniert. Sie denkt Känguru ? und springt im Turnunterricht ganz hoch. Sie denkt Hase ? und mag sogar Karotten. Und beim nächsten Schwimmunterricht denkt Wanda sich leicht. Sie schwimmt wie ein Hai, eine Sardine, gar wie ein Segelboot und ein Kajak. Aber wagt sie sich auch vom Sprungturm? Davide Cals unbeschwerte Geschichte knüpft an kindliche Erfahrungen an; im Wasser fühlt.

Altersempfehlung: 5-7 Jahre, erschienen im dtv Verlag.


In dieser kleinen Geschichte steht die Welt der Klischees Kopf und parodiert die real existierenden Klischees unserer gesellschaftlichen Geschlechterbilder. „Alle fragen immer: Was stimmt denn nicht mit dem Jungen?”. Denn David will lieber mit den Mädchen raus, wild spielen und sich schmutzig machen.
Er muss aber wie normale Jungs zuhause bleiben und malen. Die anderen Kinder finden es komisch, wenn er zu Fasching als Superheld verkleidet kommt und überhaupt wird von Jungs nun mal erwartet, dass sie sich rosa anziehen.

Altersempfehlung: ab 8 Jahren, erschienen im Jaja Verlag.


Alle Welt erwartet, dass eine Märchenprinzessin den Märchenprinzen heiratet. Doch Prinzessin Pfiffigunde hat überhaupt keine Lust zum Heiraten. Um sich der lästigen Bewerber um ihre Hand zu erwehren, greift sie zu einem bewährten Mittel: Sie stellt ihnen knifflige Aufgaben. Doch die allerkniffligste Aufgabe muss sie schließlich selbst lösen …

Altersempfehlung: 4-6 Jahre, erschienen im Carlsen Verlag.


Ich habe eine Freundin, die ist Notärztin: Anja hat einen Beruf, in dem sie vielen Menschen helfen kann: Sie ist Notärztin. Als Marie sich das Bein bricht, weiß Anja sofort, was zu tun ist. Und für Marie vergeht die Zeit im Krankenhaus ganz schnell, denn sie hat ja ihre Freundin Anja, die ihr alles erklärt …

Altersempfehlung: 2-5 Jahre, erschienen im Carlsen Verlag.


Keine Lust auf Tüll! Olivia macht nie, was andere Schweinekinder tun.

Olivia weiß zwar nicht so richtig, was oder wer sie sein will. Aber eins steht fest: ganz bestimmt keine Prinzessin! Immer wollen alle Prinzessinnen sein, mit rosa Tüllröcken und Glitzerkrönchen. An Pippas Geburtstag und auch bei der Halloween-Feier wimmelt es von Prinzessinnen – nur Olivia verkleidet sich als Warzenschwein. Warum wollen bloß immer alle gleich sein? Es gibt doch so viele Möglichkeiten!

Altersempfehlung: 4-5 Jahre, erschienen im Oetinger Verlag.


Hilda liebt es, die verwunschenen Täler ihrer nordischen Heimat zu durchstreifen und Freundschaft mit den skurrilsten Geschöpfe zu schließen. Die Suche nach einem Bergtroll aber erweist sich als gefährliches Abenteuer – die blauhaarige Entdeckerin wird inmitten der Wildnis von einem heftigen Schneesturm überrascht. Auf ihrer Suche nach dem Heimweg entgeht Hilda nur um Haaresbreite dem mächtigen Fuß eines ahnungslosen Riesen und trifft schließlich auf ein einsames Holzmännchen…

Eine charmante, unerschrockene Heldin und eine liebevoll-fantastische Welt machen Luke Pearsons „Hilda“ zum aufregendsten All-Ages-Comic der letzten Jahre.

Altersempfehlung: ab 8 Jahren, erschienen bei Reprodukt.


Ada Lovelace (1815–1852), Tochter des Dichters Lord Byron und einer Mathematikerin, beschäftigt sich schon früh mit Mathematik. Das fantasievolle Mädchen begeistert sich für die technischen Erfindungen der Industrialisierung und lernt mit 16 Charles Babbage kennen, den Erfinder der »Analytical Machine«. Für diesen Vorläufer des modernen Computers entwickelt Ada ein komplexes Programm und gilt so als erste Programmiererin der Welt. Diese Bilderbuchbiografie ist das fesselnde Porträt einer Frau, die in Zahlen das kreative Potenzial gesehen hat.

Altersempfehlung: 6-8 Jahre, erschienen bei Knesebeck.


Im Golf von Mexiko tauchte Sylvia Earle mit dreizehn Jahren zum ersten Mal. Von da an kannten ihre Liebe zum Meer und ihr Forscherdrang keine Grenzen mehr. Sie tauchte immer tiefer und blieb immer länger in der Unterwasserwelt. Schwamm zwischen Walen, Engelhaien und winzigsten Geschöpfen, die in der Dunkelheit der Meerestiefe glühen.

In eindrucksvollen Bildern erzählt Claire A. Nivola die Lebensgeschichte der weltbekannten Meeresforscherin und Umweltschützerin, die ganz nebenbei auch einen Rekord im Tauchen aufstellte, was ihr den Titel ihre Tiefheit eintrug.

Altersempfehlung: 6-8 Jahre, erschienen im Verlag Freies Geistesleben.


Josephine Baker brachte tanzend den Jazz und Charleston nach Europa und engagierte sich für die Rechte von Schwarzen. Tove Jansson, Schöpferin der Mumins, lebte offen die Liebe zu ihrer Lebenspartnerin. Und die liberianische Bürgerrechtlerin Leymah Gbowee setzt sich in gewaltfreiem Kampf für die Sicherheit von Frauen ein. Unerschrocken schreiten diese eigensinnigen Frauenfiguren der Weltgeschichte durchs Leben. Vorreiterinnen, Querdenkerinnen und jede eine Heldin auf ihre ganz eigene Art. Ob Schamanin oder Entdeckerin, Leuchtturmwärterin oder gefeierte Leinwandhexe – diese Frauen haben ihre Bestimmung gefunden.

Altersempfehlung: ab 15 Jahren, erschienen bei Reprodukt.


„Kaum jemand weiß: Rosie ist eine wahre Erfinderin. Nichts liebt sie mehr als heimlich nachts die unglaublichsten Apparate zu basteln, wie etwa einen Hotdog-Spender oder die Helium-Hose. Doch still und schüchtern, wie sie ist, spricht sie lieber nicht über ihren Traum, eine große Ingenieurin zu werden. Als dann auch noch die Bruchlandung ihres Käsekopters für Gelächter sorgt, ist sie drauf und dran, das Erfinden aufzugeben – wäre da nicht ihre Tante Rose. Sie bringt Rosie bei, dass man erst dann wirklich versagt, wenn man aufgibt und dass Scheitern dazu gehört. In humorvollen Reimen wird so nicht nur Rosie Mut gemacht, an die eigenen Träume zu glauben.“

Altersempfehlung: 5-7 Jahre, erschienen im Knesebeck Verlag.


Der Song “California Dreamin”, war 1965 Millionenseller der Band “The Mamas and the Papas”. Die Graphic Novel beschreibt den holprigen Weg der Sängerin Cass Elliott zum Erfolg.
Sie wird als Kind jüdischer Einwanderer in Baltimore geboren und hat schon früh den Traum, ein Star zu werden. Aber sie ist dick – und was schon in der Schule schwierig ist, wird im Showgeschäft zum Hindernis. Dank einer großen Stimme, solidem Selbstvertrauen und Freunden, die sie so lieben, wie sie ist, schafft sie es.

Altersempfehlung: ab 14 Jahren, erschienen im Carlsen Verlag.


Wer heißt denn schon Gertrude?! Gertrude ist neu in Inas Klasse und sie ist anders als alle Mädchen, die Ina kennt: Sie trägt Westklamotten, ihr Lächeln haut einen um und niemand hat so klare blaue Augen. Aber Gertrude ist auch deshalb anders, weil ihr Vater Dichter ist und die Familie einen Ausreiseantrag gestellt hat. Damit sind sie in den späten 70er-Jahren in der DDR Staatsfeinde. Nicht nur die Schule ist gegen ihre Freundschaft, auch Inas Mutter macht sich große Sorgen. Alles gerät aus den Fugen. Was soll man machen, wenn man die Freundin fürs Leben gefunden hat, aber alles so kompliziert ist? Ina und Gertrude schmieden einen Plan: Kommando Rose, um ihre Freundschaft gegen alle Widerstände leben zu können.

Altersempfehlung: 10-12 Jahre, erschienen im Gerstenberg Verlag.


Es ist höchste Zeit, die Weltgeschichte zu ergänzen: um all ihre vergessenen Heldinnen. Jenseits der üblichen Klischees – die schöne Kleopatra, die grausame Lucrezia Borgia, die mutige Jeanne d’Arc – erzählt dieses Buch von Frauen, die Geschichte machten und die trotzdem kaum jemand kennt: von Sitt-al-Mulk, die in den WIrren des Streits zwischen Schiiten und Sunniten das Amt des Kalifen von Kairo übernahm. Von Malintzin, ohne deren Hilfe die Spanier Mexiko nicht erobert hätten. Von Wu-Zetian, die als »chinesischer Kaiser« dazu beitrug, den Buddhismus in China zu verbreiten. Und von Ada Lovelace, die das erste Computerprogramm schrieb und damit nicht nur das digitale Zeitalter einläutete, sondern auch Fragen zur künstlichen Intelligenz stellte.

Altersempfehlung: 12-16 Jahre, erschienen im Kein & Aber Verlag. Ergänzend eine kritisch einordnende Rezension dazu.


Francis führt in der Schule ein einsames, unglückliches Leben, denn er ist der einzige Junge, der sich für Mode interessiert und selbst Kleidung näht. Das perfekte Opfer. In Jessica findet er zum ersten Mal eine Freundin. Doch Jessica ist ein Geist, der seit über einem Jahr in der Stadt herumschwebt – bisher allerdings vollkommen unsichtbar. Wieso nicht für Francis? Auch die kleinwüchsige, «unmädchenhafte» Andi und der übergewichtige Roland können Jessica sehen und hören. Bald schon verbindet die vier Außenseiter eine Freundschaft, die keiner von ihnen zuvor gekannt hat. Die Frage ist: Was haben sie alle gemeinsam? Und warum ist Jessica überhaupt als Geist unterwegs?

Altersempfehlung: ab 12 Jahren, erschienen im Rowohlt Verlag.


Ich hoffe, dass das eine oder andere Buch auch für euch und eure Kinder dabei ist – und ich würde mich sehr freuen, wenn ihr meine Auswahl mit eigenen Tipps ergänzen könntet. Es gibt bestimmt noch so viel mehr, dass ich nur noch nicht entdeckt habe.

Wer noch weiter stöbern möchte, der kann das gerne tun: auf meinem Blog gibt es noch Empfehlungen für Kinderbücher über Regenbogenfamilien und außerdem Büchertipps zum Thema trans. Zudem gibt es die Broschüre Himmelblau und Rosarot mit vielen weiteren tollen Büchertipps. Auch auf dem Blog mama-notes gibt es schöne Tipps für feministische Kinderbücher und mehr Diversity in Kinderbüchern.


Ergänzung aus Gründen der Transparenz: ich habe unter meinen Empfehlungen auch das Bilderbuch König & König aufgelistet – ich wurde darauf hingewiesen, dass sich das Buch kolonialrassistischer Stereotype bedient und habe die Empfehlung deshalb wieder gestrichen.

19 Comments

  • Reply
    Passion4Books
    September 28, 2018 at 6:00 pm

    Das ist wirklich ein sehr schöner und meiner Meinung nach auch ein sehr wichtiger Beitrag. Ich finde es relativ einfach als Eltern seine Kinder in dem zu unterstützen, was sie mögen und sei es bei Jungen Puppen und Mädchen der Fußball (o.ä.), sofern die Eltern dafür offen sind. Allerdings finde ich es heutzutage noch sehr schwer, sich in seinem Umfeld zu behaupten. Oft muss man die Entscheidungen rechtfertigen und da Kinder viel von der Einstellung ihrer Eltern übernehmen, ist es für Kinder in Kindergärten und Schulen auch schwierig sich zu behaupten, wenn sie “anders” sind.

    Ich habe leider noch keine Kinder, aber deine Auswahl gefällt mir wirklich gut 🙂

    Liebe Grüße
    Anna

  • Reply
    Lesen... in vollen Zügen
    September 28, 2018 at 8:16 pm

    Eine sehr schöne Zusammenstellung!
    Hilda lieben mein Großer und ich sehr und just heute Abend haben wir angefangen, auch die Serie zu schauen.
    Letztes Schuljahr hatte seine Klasse “Die Insel der blauen Delfine” als Lektüre und tatsächlich waren einige Jungs genervt, daß sie ein “Mädchenbuch” lesen mussten.
    Mein Großer meinte nur: “Hey, die hat ein Massaker überlebt und 18 Jahre lang allein überlebt… Like. A. Boss! Das würden diese Jungs niiie schaffen!” 😂

  • Reply
    Hannah
    September 29, 2018 at 12:28 pm

    Hallo lieber Linus,

    vielen Dank für den großartigen Beitrag!

    Im Kinderbuch-Genre kenne ich mich aktuell gar nicht so aus, aber umso mehr freue ich mich über den tollen Artikel. Den werde ich allen Müttern und Vätern gleich mal ans Herz legen. 🙂

    Auf meinem Blog habe ich ebenfalls “Mädchenbücher” und “Jungenbücher” diskutiert. Vielleicht magst Du ja mal reinschauen: https://wonderworld-of-books-from-hannah.blogspot.com/2018/08/literatursommer-madchenbucher-vs.html

    Viele liebe Grüße und Dir wünsche ich ein schönes Wochenende,
    Hannah

  • Reply
    [Blog Glück] September 2018 – Seitenglueck
    September 30, 2018 at 9:11 am

    […] von buzzaldrins hat eine klasse Liste über Kinderbücher zusammengestellt, die eben nicht den klassischen Genderklischees entsprechen. Er arbeitet im […]

  • Reply
    Simon
    October 1, 2018 at 7:50 am

    Hallo Linus, danke für den tollen Beitrag. Als kleiner Verbesserungsvorschläg: ich würde mich über grobe Altersempfehlungen freuen.

    • Reply
      Buzzaldrins Bücher
      October 1, 2018 at 9:38 am

      Hi Simon,

      danke dir für den Impuls, ich habe die Alterangaben nun ergänzt!

      Liebe Grüße
      Linus

  • Reply
    Daniel Roos
    October 2, 2018 at 9:53 am

    Danke! Bei uns wird man in der einzigen größeren Buchhandlung der Stadt (50.000 Einwohner!) sehr schräg angeschaut, wenn man Conni-Bücher nicht für die einzig wahre Lektüre für eine Fünfjährige hält.

  • Reply
    Markus
    October 2, 2018 at 10:30 am

    Ich glaube, die Leute, die so unbedarft fragen, habe ein fach keinen Schimmer, wie die Kinder von heute ticken. Natürlich beobachte auch ich, dass Fußball eher von Jungs gespielt wird und dass das Puppenrevier eher von Mädels frequentiert wird. Aber die “falschen” Geschlechter sind längst keine Ausnahme mehr, sondern werden akzeptiert.

    Meine klassische Gegenfrage (ich bin aber keinerlei Händler, sondern einfach nur “so” Papa und werde gelegentlich mal nach Geschenktipps gefragt) lautet: Was spielt/macht/tut/… xxx denn gerne? Und wenn dann immer noch das Klischee ausgerollt wird, dann frage ich: Also soll ich für die Torhüterin in der Mannschaft meines Sohnes besser kein Fußballgeschenk besorgen? Spätestens dann klickt es. 🙂

    Auf jeden Fall Danke für die Büchertipps – da bin ich tatsächlich schon fündig geworden – Weihnachten kann kommen 😉

    LG Markus

  • Reply
    Feather
    October 2, 2018 at 2:07 pm

    Ich war eher auf der anderen Seite, nämlich als die Person, die gern ein Kinderbuch kaufen wollte. Als ich im Laden gefragt wurde, ob man mit helfen könnte, sagte ich, dass ich ein Kinderbuch suche. Noch bevor nach dem Alter des Kindes gefragt wurde oder ob das Kind schon lesen kann, oder ähnliches, war die erste Frage der Verkäuferin “Für ein Mädchen, oder einen Jungen?” und als ich sagte: “Das ist doch egal,oder?” Wurde ich darüber aufgeklärt, dass das keinesfalls egal sei, weil selbstverständlich alle Bücher entweder nur für Mädchen oder nur für Jungen geeignet seien. Nach einer etwas längeren Diskussion hat man mir ein einziges Kinderbuch angeboten, das laut Aussage der Verkäuferin vielleicht sowohl für einen Jungen, als auch für ein Mädchen geeignet wäre.
    Ich verstehe es bis heute nicht.

  • Reply
    jana
    October 4, 2018 at 11:47 am

    Danke – dieser tolle Beitrag ist wirklich längst überfällig und absolut lesenswert. Für alle, die Bücher lieben, lesen, verkaufen, kaufen, vorlesen oder was auch immer damit machen.
    Ich hab noch einen Tipp: Elena Favilli Francesca Cavallo: Good Night Stories for Rebel Girls

  • Reply
    Lesenswerte Links – Kalenderwoche 40 in 2018 - Ein Ostwestfale im Rheinland
    October 5, 2018 at 6:01 am

    […] Geschlechterklischees, Nein Danke! sagt Lukas. […]

  • Reply
    Juliatherese
    October 5, 2018 at 1:20 pm

    Lieber Linus!

    Danke für die tolle Bücherliste, ich werde sie ganz schnell an alle Eltern in meinem Freundeskreis weiterleiten..!
    Ich bin ein wenig auf deinem Blog hängen geblieben.. You are inspiring!
    Eine weitere Leseempfehlung hätte ich noch: Von Sebastian Meschenmoser – Die verflixten sieben Geißlein. Selten habe ich mich so schief gelacht bei einem Kinderbuch, das ganz nebenbei die Rollenklischees vom bösen Wolf und den braven Geißlein umdreht.. Vielleicht gefällt es dir ja..
    Alles Liebe!

  • Reply
    dienuf
    October 7, 2018 at 6:23 am

    Vielen Dank. Allein das Notärztinnen-Buch haben wir gefühlt 200 Mal gelesen. Es wird immer wieder aus dem Stapel der Männerberufe gefischt.
    Ich suche mir jetzt die Bücher für die Älteren raus und hoffe, dass sie genauso gut ankommen.

  • Reply
    Livia
    October 7, 2018 at 9:04 am

    Lieber Linus

    Ich danke dir sehr, sehr, sehr herzlich für diese bunte Zusammenstellung. Auch ich achte beim Beschenken von frischgebackenen Eltern konsequent auf genderneutrale Babykleidung (Frösche und Mäuse gehen wirklich immer und passen doch sooo gut zu den kleinen Zwergen) und auf bunte Bilder- und Kinderbücher, die mit Rollenbildern brechen. Das ist gar nicht immer so einfach und deshalb notiere ich mir deine Tipps gleich einmal.

    Ich verstehe es aber auch, dass Eltern in eine Buchhandlung kommen und ein Buch für “Tochter” und nicht ein Buch für ihr “Kind” suchen. Das ist ja normal. Dass dann aber gleich solche Klischees folgen…schrecklich.

    Alles Liebe dir und mach unbedingt weiter so
    Livia

  • Reply
    blaugelbgemischtes
    October 8, 2018 at 10:01 pm

    Lieber Linus,
    vielen Dank für deine tolle Liste. Ganz ehrlich habe ich mich als ich in Deutschland war auch darüber erschrocken wie geschlechterspezifisch die Aufteilung in der Bibliothek war… hier die Piraten, da die Pferdegeschichten, dass haben wir in Schweden gar nicht so. Auch wenn auch hier die Geschlechterrollen weiter aufgebrochen werden müssen. Verschiedene Familienformen dürften auch gern mehr thematisiert werden können. Ich mag gern noch ein weiteres Buch empfehlen, kennst du “Die Prinzessin in der Tüte” von Robert Munsch? Absolute Empfehlung!

    • Reply
      Buzzaldrins Bücher
      October 24, 2018 at 8:57 pm

      Lieben Dank für die tolle Empfehlung, ich hab das Buch heute auf der Arbeit durchgeblättert und war direkt verliebt. Werde es auf jeden Fall hier auch nochmal vorstellen.

      Was die Geschlechterrollen betrifft, kann ich dir nur zustimmen – ich hoffe sehr, dass wir da irgendwann nochmal einen deutlich Schritt nach vorne machen.

      Liebe Grüße
      Linus

  • Reply
    Karin
    November 21, 2018 at 12:27 pm

    Eine feine Kollektion. Meine Enkelinnen lieben Prinzessin Pfiffigunde. Außerdem die Bücher von Marc.Uwe Kling. “Der Tag, an dem Oma das Internet kaputt gemacht hat” und so.

  • Reply
    Jakobina
    November 26, 2018 at 5:36 am

    Hallo! Vielen Dank für die Liste! Ein Buch gehört meiner Meinung nach dringend noch darauf: “Die Prinzessin in der Tüte”. Selbige besiegt mit Lust und Tücke einen Drachen und entscheidet dann, den schnöseligen Prinzen doch nicht heiraten zu wollen. Ein wirklich tolles Buch. Herzliche Grüße!

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