Ein Jahr in Büchern

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Ich kann es kaum glauben, weil es so schnell vergangen ist, aber auch das Lesejahr 2014 neigt sich mittlerweile dem Ende zu. Das neue Jahr, voller neuer Bücher und Lesestunden, ist nicht einmal mehr zwei Wochen entfernt. Die dunklen Tage und das ungemütliche Wetter laden dazu ein, sich in die Decken und Kissen zu kuscheln – gemeinsam mit einem guten Buch und einer Tasse Tee. Genau das mache auch ich, so dass noch nicht mit letzter Sicherheit gesagt ist, dass in den letzten Tagen dieses Jahres nicht doch noch ein anderes Lesehighlight um die Ecke kommen wird.

Dennoch habe ich diesen Sonntag dazu genutzt, durch mein Blogarchiv zu klicken, das ich nicht zufällig auch gerne als mein literarisches Gedächtnis bezeichne.  Dabei habe ich festgestellt, dass ich nicht nur mehr als hundert Bücher gelesen habe, sondern dass darunter so viele tolle Geschichten, wunderbare Figuren und verzaubernde Worte waren, dass ich mich kaum entscheiden konnte, welche zu meinen Lieblingsbüchern gehören – deshalb gibt es bei mir auch keine Top 10, sondern gleich eine Top 15.

Ich werde übrigens häufig gefragt, warum es bei mir so viele begeisterte Besprechungen gibt: ich gebe unumwunden zu, dass mich Bücher tatsächlich begeistern, berühren, bewegen und zu Tränen rühren können. Für mich sind Bücher nicht nur Lesestoff und Arbeitsmaterial, sondern können gleichzeitig auch Kleinod und ein literarischer Schatz sein. Ich trage Bücher in meinem Herzen und manche lassen dieses sogar etwas höher schlagen. Natürlich kann einen nicht alles begeistern, das man liest, so erging es mir auch mit einigen Büchern in diesem Jahr. Ich wähle mir meine Lektüre jedoch sehr sorgfältig aus, warum sollte ich auch Bücher lesen, bei denen ich schon vorher weiß, dass sie mir möglicherweise nicht gefallen würden? Ich gestehe: ich lasse mich einfach gerne begeistern! Und diese fünfzehn Bücher haben mich in diesem Jahr besonders begeistert:

Saša Stanišić – Vor dem Fest

Karl Ove Knausgård – Leben

Alexander Hemon – Das Buch meiner Leben

Pia Ziefle – Länger als sonst ist nicht für immer

Karen Köhler – Wir haben Raketen geangelt

Finn-Ole Heinrich – Räuberhände

Nina Sankovitch – Tolstoi und der lila Sessel

Nicole Balschun – Ada liebt

Wolfgang Herrndorf – Bilder deiner großen Liebe

Sun-Mi Hwang – Das Huhn, das vom Fliegen träumte

Katja Petrowskaja – Vielleicht Esther

Donna Tartt – Der Distelfink

Elisabeth Tova Bailey – Das Geräusch einer Schnecke beim Essen

Stephanie Bart – Deutscher Meister

Siri Hustvedt – Leben, Denken, Schauen

All diese Bücher haben mich auf ganz unterschiedliche Art und Weise berühren und begeistern können und ich trage ihre Geschichten immer noch in mir. Die Titel machen sich nicht nur gut auf einer Liste voller Jahreshighlights, sondern – für all diejenigen, die Geschenke ähnlich spät besorgen wie ich – natürlich auch unter dem Weihnachtsbaum. Wie praktisch, dass es einige der Bücher mittlerweile schon als Taschenbuch gibt – das schadet dem Geldbeutel dann nicht allzu sehr.

Ich schwelge noch in den Erinnerungen und Geschichte dieses Jahres und bin gleichzeitig schon ganz gespannt auf das kommende Lesejahr und auf die Entdeckungen, die ich machen werde. Wie war denn euer Lesejahr 2014? Habt ihr ein Lesehighlight, das euch besonders im Gedächtnis geblieben ist?

Happy Birthday, Joan Didion!

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Happy Birthday, Joan Didion – die großartige Journalistin und Schriftstellerin wird am heutigen Tag achtzig Jahre alt. Bereits seit den sechziger Jahren veröffentlicht sie in regelmäßigen Abständen Bücher und schreibt für unterschiedliche Zeitungen. Bekannt geworden ist sie nicht nur durch ihre Romanen, sondern vor allem auch durch ihre politischen und kulturkritischen Essays. Als ihr Mann John Gregory Dunne 2003 plötzlich an einem Herzinfarkt stirbt, während die gemeinsame Tochter Quintana im Koma liegt, verarbeitet sie diesen Verlust in einem vielbeachteten und beeindruckenden Buch: Das Jahr des magischen Denkens. 

Ich schreibe ausschließlich, um herauszufinden, was ich denke, was ich betrachte, was ich sehe und was es bedeutet. Was ich will und was ich fürchte.

Dieses Buch ist meine erste Begegnung gewesen mit der Schriftstellerin Joan Didion und ich habe mich in den folgenden Jahren durch einen Großteil ihrer Bücher gelesen. Viele dieser Bücher sind so unheimlich klug. Ich habe durch Joan Didion ganz viel über den Tod gelernt, über Verlusterfahrungen und  Trauer, über Erinnerungen und darüber, wie wir damit umgehen können, dass uns die Zeit häufig durch die Finger rinnt. Zuletzt las ich von ihr Blaue Stunden, ein Buch, in dem sie den Verlust ihrer Tochter aufarbeitet, die nur zwei Jahr nach dem Tod ihres Manne ebenfalls verstirbt.

Geburtstage sind ja häufig ein toller Anlass dafür, sich Autoren wieder zurück ins Gedächtnis zu rufen. Genau dies tut auch die Ullstein-Verlegerin Siv Bublitz, die auf dem Blog Resonanzboden darüber schreibt, wie sie Joan Didion für sich entdeckt hat. In diesen Ruf würde ich heute gerne einstimmen: nehmt euch zwischen all diesen wahnsinnig spannenden Neuerscheinungen mal einen Moment Zeit, um Joan Didion kennenzulernen. Ich verspreche euch, ihr werdet auf eine großartige, kluge und spannende Autorin treffen.

Von Büchern und Verlagshunden

Am Freitag habe ich mich auf den Weg zur Außenalster gemacht, denn dort  befindet sich der Hoffmann & Campe Verlag – umgeben von viel Grün und vielen Villen. Gefunden habe ich ihn nur dank hilfreicher Wegweisungen, denn die Villa, in der sich der Verlag befindet, liegt etwas versteckt. Der Hoffmann & Campe Verlag ist allein deshalb schon großartig, weil er Skipper hat – ein hündisches Verlagsmaskottchen. Doch es gibt nicht nur Skipper, sondern auch das Zamperl – dazu aber später mehr.

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Karla Paul, die seit Juli dieses Jahres für den Verlag arbeitet und für das digitale Programm verantwortlich ist, hat mich mit auf eine Führung genommen, mitten durch die heiligen Räume des Verlages. Diese Räume waren während meines Besuches überwiegend verlassen, denn ein Großteil der Verlagsmitarbeiter befand sich bei der Verleihung des ersten Siegfried-Lenz-Preis. Den hat übrigens der Schriftsteller Amos Oz erhalten.

Ich habe euch ein paar Impressionen aus dem Verlag mitgebracht, aus all den unterschiedlichen Abteilungen, die ich besucht habe: aus der Grafikabteilung, dem Marketing und der Presseabteilung. Ich war auch dort, wo über das Finanzielle entschieden und da, wo über die Lizenzen verhandelt wird. Auch in das Lektorat konnte ich hineinschauen: dort kommen pro Tag zwischen zehn und fünfzehn Manuskripte an, die alle geprüft werden müssen. Dass ein unbekannter Autor auf diesem Weg entdeckt wird, kommt aber übrigens nur höchst selten vor – die Manuskripte müssen dennoch weiterhin gesichtet werden, ansonsten könnte einem ja ein mutmaßlicher Rohdiamant entgehen. Fast in jedem der Verlagsräume gibt es eine Unmenge an Büchern, Büchern, Büchern. Es würde mir aber nicht schwer fallen, zu entscheiden, in welches Büro ich am liebsten ziehen würde, denn das Büro des Verlegers Daniel Kampa hat mich bereits auf den ersten Blick verzaubert. Der Schreibtisch war überhäuft mit Papier und überall stapelten sich Bücher … das Büro eines Büchermenschens. Ich hatte das Gefühl, dass hier wirklich an und mit Literatur gearbeitet wird.

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Ich konnte schon mal einen Blick auf das Frühjahrsprogramm werfen …

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Im Verlag wird auch immer noch mit Papier gearbeitet.

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Die Manuskripte, die sich im Verlag stapeln

Der heimliche Chef im Hause ist aber das Zamperl, der Hund von Karla Paul, der in sozialen Netzwerken bereits eine kleine Berühmtheit ist und bestimmt schon seinen eigenen Fanclub hat … und wenn nicht, dann würde ich nun einen gründen, denn am liebsten hätte ich ihn mit nach Hause genommen. Was soll ich sagen? Ich liebe Verlage und ich liebe es, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen. Was ich dabei erneut festgestellt habe, ist, wie viele Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen am Herstellungsprozess eines Buches beteiligt sind. Wenn ich ein Buch, als Endprodukt, in den Händen halte, war mir bisher nie wirklich bewusst, durch wie viel fleißige Hände es vorher gegangen ist. Das fängt beim Lektorat an und geht über die Covergestaltung bis zu der Frage, ob ein Lesebändchen verwendet werden soll.

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Ich hatte im Hoffmann & Campe Verlag einen tollen Tag und habe dabei interessante Einblicke in die Arbeit eines Verlages gewonnen. Ich konnte auch schon mal kurz ins Frühjahrsprogramm linsen und darf euch verraten, dass wir uns auf so einiges freuen dürfen.

Ein Gruß vom open mike

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Dieses Wochenende ist es etwas stiller auf meinem Blog, denn ich treibe mich im Heimathafen Neukölln auf dem open mike rum – nicht nur als Zuschauerin, sondern als offizielle Bloggerin. Das ein oder andere Interview habe ich bereits geführt und es macht unheimlich viel Spaß, genauso wie die Lesungen von zahlreichen neuen und spannenden Stimmen der jungen deutschen Literatur.

Mein Aufenthalt hier steht unter dem Motto der Annäherung an die Lyrik, ob das gelingen wird und wie das genau aussieht, werde ich euch auf jeden Fall noch einmal genauer erzählen, wenn ich wieder zurück bin. :-)