Matthes & Seitz feierte ein sommerliches Fest …

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Nach all den grauen und verregneten Tagen wurde das Sommerfest des Literarischen Colloquium Berlins, in dessen Rahmen in diesem Jahr das zehnjährige Verlagsjubiläum von Matthes & Seitz gefeiert wurde, mit reichlich Sonnenschein beschenkt. Um 15.30 Uhr wurde die Veranstaltung von Ingo Fessmann und Andreas Rötzer, dem Verleger von Matthes & Seitz, eröffnet. Das jährliche Verlagsfest fand in den vergangen Jahren in den Verlagsräumen statt – zum zehnjährigen Jubiläum wurde jedoch unter strahlendem Himmel am wunderschönen Wannsee gefeiert.

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Der Berliner Verlag Matthes & Seitz zeichnet sich vor allem durch eine reizvolle Vermischung von Wissenschaft und Literatur aus, ist aber auch für viele Übersetzungen aus dem Französischen bekannt. Matthes & Seitz als kleineren Verlag zu bezeichnen ist irreführend – bei 30 brandneuen Titeln, die in diesem Herbst erscheinen, kann man den Verlag getrost als großen Verlag unter den kleineren Verlagen bezeichnen. Unter den Neuerscheinungen befinden sich viele hochspannende Titel, die sich wohl am besten irgendwo zwischen Wissenschaft und Literatur verorten lassen – weit ab von klassischer Unterhaltungsliteratur. Besonders pointiert findet sich das in der Naturkundenreihe, die von Judith Schalansky gestaltet wird und sich immer größerer Beliebtheit erfreut.

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Das Programm des Sommerfestes gab einen wunderbaren Einstieg und Überblick in die Programmvielfalt von Matthes & Seitz: den Anfang machte Marie-Luise Scherer, die aus ihrem Roman Die Hundegrenze vorlas und die Hintergründe dieses seltsam poetischen Romans im Gespräch erläuterte. Es folgte ein Abtauchen in fremde Welten: die Literaturübersetzer Valerie Engler, Nathalie Mälzer und Andreas Jandl sprachen über professionelles Übersetzen, die einsame Arbeit am Computer und Tandemübersetzungen. Auch Maruan Paschen, der aus seinem Internatsroman Kai las, Esther Kinsky, die Am Fluß vorstellte (das für die Longlist nominiert ist) und Celine Minard, die aus Mit heißer Haut vorlas, stellten ihre neuen Romane vor. Ebenso beeindruckend war die Lesung von Tomas Espedal, der immer wenige Sätze auf Norwegisch vorlas, gefolgt von seinem Übersetzer Hinrich Schmidt-Henkel mit der deutschen Übersetzung. Beim Zuhören entstand dabei ein faszinierendes Wort- und Sprachspiel, in das man wunderbar eintauchen konnte. 

Collage 3Ich habe mein erstes Sommerfest und meinen ersten Besuch des LCB sehr genossen – dieser literarische Ort, direkt am Wannsee gelegen, ist wirklich ein ganz besonderer Veranstaltungsplatz. Mein persönlicher Höhepunkt war übrigens der Programmpunkt Wiederentdeckte Natur: Jutta Person, Judith Schalansky, Cord Riechelmann und Rainer Moritz sprachen über Esel und Krähen. Vor allen Dingen Jutta Person konnte mich mit ihrer Begeisterung und Symphatie für Esel anstecken. Sie hat schon jetzt genug Material für einen weiteren imaginären Band – mal schauen, ob es dazu kommen wird. Judith Schalansky machte zum Abschluss noch neugierig auf die neuen Bände der Naturkundenreihe. Auf die Schnecken, die im nächsten Jahr erscheinen sollen, freue ich mich genauso wie auf die wahren Monster und die Pilze. Die von ihr gestaltete Reihe der Naturkunden ist so ungewöhnlich und anders als vieles andere, was heutzutage erscheint und ich empfinde es als unheimlich interessant, dass ausgerechnet diese Reihe der schön gestalteten Bücher immer populärer wird. 

Zwischendurch wurde noch gefährlich philosophiert, bevor das Sommerfest dann mit Tanz und Gesang endete: DJ Mehrheitsgesellschaft bat aufs Parkett. Das war ein wunderbarer Tag und festhalten lässt sich, neben vielem anderen, dass wir uns auf jeden Fall auf das Herbstprogramm dieses spannenden Verlags freuen dürfen!

Lesesommer 2014

DSC_1438Der Sommer hat sich zwar schon etwas verzogen, ist aber (hoffentlich) noch nicht vorbei und es gibt sicherlich noch viele, die sich auf ihren Sommerurlaub freuen dürfen. Bei Urlauben gibt es für echte Leseratten natürlich das leidige Platzproblem – ich fahre zwar nicht in den Sommerurlaub, aber der Winterurlaub ist bereits geplant. Statt vielen gedruckten Büchern, werde ich einen vollgepackten E-Reader mitnehmen – ich könnte nicht in den Urlaub fahren, ohne das Gefühl zu haben, alles dabei zu haben, was ich theoretisch lesen könnte.

Diejenigen, die mit ihrem E-Reader noch in den Sommerurlaub düsen, sollten dringend noch einmal einen Blick in das neue Thalia Magazin tolinos welt  werfen – dort gibt es 44 Leseideen für einen perfekten Lesesommer. Die Lesetipps reichen von lesenswerten Büchern aus älteren Tagen (ich habe mich sehr über die Erwähnung von Middlesex gefreut), bis hin zu brandaktuellen E-Books aus allen möglichen Genres: vom Krimi bis zum Thriller, vom Inselroman bis zum Liebesroman – es ist alles dabei. Zwischen all den Buchtipps finden sich noch einige lesenswerte Interviews. tolinos welt liegt kostenlos in allen Thalia Buchläden aus und es lohnt sich, einen Blick reinzuwerfen und sich inspirieren zu lassen!

Mein persönlicher Lesetipp für die letzten Sommertage ist der Roman Sommer in Maine von J. Courtney Sullivan – eine großartige Sommerlektüre mit genau der richtigen Mischung aus Leichtigkeit und Tiefgang.

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Wer den Sommerurlaub bereits geplant hat, aber noch keinen E-Reader besitzt und bereits den ersten Ehestreit wegen Übergepäck hinter sich gebracht hat, der hat jetzt die Chance darauf, bei mir einen E-Reader zu gewinnen und zwar den neuen tolino vision. Dafür müsst ihr nicht viel tun: hinterlasst mir einfach bis zum 27.08.2014 einen Kommentar und verratet mir darin, was euer Lesetipp für diesen Sommer ist. Ich wünsche euch viel Glück!

#aufschrei

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Die letzte #aufschrei-Debatte liegt mehr als ein Jahr zurück, Ausgangspunkt war damals ein Artikel der Journalistin Laura Himmelreich, die dem Politiker Rainer Brüderle sexistisches Verhalten vorwarf. Es folgte eine monatelange Debatte über Sexismus, die vor allem  auch auf Twitter geführt wurde.

Jetzt ruft die Journalistin und Schriftstellerin Dana Buchzik zu einer erneuten Debatte auf, denn ihrer Meinung nach ist der nächste #aufschrei fällig.

Dass auf der Longlist des Deutschen Buchpreises keine Frauen stehen, ist kein Zufall. Der Literaturbetrieb ist sexistisch.

Grund dieser Debatte ist die Tatsache, dass in diesem Jahr viele junge Frauen auf der Longlist fehlen: Nino Haratischwili, Olga Grjasnova, Karen Köhler. Doch fehlen diese Autorinnen nur auf der Longlist, oder werden sie auch darüber hinaus zu wenig beachtet, vom Literaturbetrieb gar ignoriert?

Der Staffelstab der Debatte wurde bereits von Jan Drees aufgegriffen, der auf seinem Blog (Lesen mit Links) Stimmen von Männern und Frauen aus dem Literaturbetrieb zu genau diesem Thema sammelt. Lustigerweise sind in diesem Jahr sogar vier Frauen in der Jury tätig, aber nur drei Männer – aber das nur am Rande …

Büchermobiliar

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In Valeria Luisellis Essayband Falsche Papiere befindet sich ein großartiger Essay mit dem Titel Umzüge: Die Rückkehr zu den Büchern, der sich mit dem Buch als Mobiliar beschäftigt. Luiselli bewahrt ihre Bücher in Kisten auf, auch wenn ihr bewusst ist, dass es schwierig ist, einzelne Bücher zu finden – doch ihr fehlt ein Kriterium, um zu entscheiden, in welcher Reihenfolge die Bücher in ein Regal gestellt werden sollten.

Es ist schwer einzuschätzen, wie groß der Einfluss eines Buchtitels auf den danebenstehenden Titel ist. Vielleicht ziehen die Bücher ja auch den Zufall der “leisen Langeweile der Ordnung” vor, wie Walter Benjamin notiert hat, während er seine Bibliothek einräumte.

Dass das Einsortieren von Büchern weitreichende Folgen haben kann, beweist eine Anekdote über die Entstehung der Metaphysik: ein Bibliothekar wusste nicht, wohin im Regal er das Buch von Aristoteles stellen sollte und platzierte es hinter den Büchern der Physik. Um es später wiederfinden zu können, notierte er sich noch den Standort: “tá méta tá física” (das, was hinter der Physik steht). Valeria Luiselli fragt dennoch, ob es sich überhaupt noch lohnt, das Bücherregal einzuräumen.

“Zweifellos: Gefüllte Bücherregale sehen gut aus und regen dazu an, Fragen zu stellen. Andererseits haben nur die Bücher, die aus ihrem vertikalen Schlummer erwacht sind, ein Eigenleben. Ein Buch, das auf dem Bett liegt, ist ein diskreter Begleiter, ein vorübergehender Liebhaber; eines, das auf dem Nachtisch liegt, ein Gesprächspartner; das auf dem Sessel ist ein Kissen für den Mittagsschlaf; das Buch, das seit einer Woche auf dem Beifahrersitz liegt, ein treuer Reisegefährte.”

Collage BuchWie haltet ihr es mit den Büchern und den Buchregalen? Habt ihr ein Sortierungssystem oder lagert ihr eure Bücher etwa auch in Kisten? Und wohin in eurer Wohnung dürfen Bücher überall? Dürfen sie sich nur in den Regalen aufhalten, oder auch auf den Nachttisch, ins Badezimmer oder Stapel auf dem Teppich bilden?