Von Büchern und Verlagshunden

Am Freitag habe ich mich auf den Weg zur Außenalster gemacht, denn dort  befindet sich der Hoffmann & Campe Verlag – umgeben von viel Grün und vielen Villen. Gefunden habe ich ihn nur dank hilfreicher Wegweisungen, denn die Villa, in der sich der Verlag befindet, liegt etwas versteckt. Der Hoffmann & Campe Verlag ist allein deshalb schon großartig, weil er Skipper hat – ein hündisches Verlagsmaskottchen. Doch es gibt nicht nur Skipper, sondern auch das Zamperl – dazu aber später mehr.

Collage Hoca

Karla Paul, die seit Juli dieses Jahres für den Verlag arbeitet und für das digitale Programm verantwortlich ist, hat mich mit auf eine Führung genommen, mitten durch die heiligen Räume des Verlages. Diese Räume waren während meines Besuches überwiegend verlassen, denn ein Großteil der Verlagsmitarbeiter befand sich bei der Verleihung des ersten Siegfried-Lenz-Preis. Den hat übrigens der Schriftsteller Amos Oz erhalten.

Ich habe euch ein paar Impressionen aus dem Verlag mitgebracht, aus all den unterschiedlichen Abteilungen, die ich besucht habe: aus der Grafikabteilung, dem Marketing und der Presseabteilung. Ich war auch dort, wo über das Finanzielle entschieden und da, wo über die Lizenzen verhandelt wird. Auch in das Lektorat konnte ich hineinschauen: dort kommen pro Tag zwischen zehn und fünfzehn Manuskripte an, die alle geprüft werden müssen. Dass ein unbekannter Autor auf diesem Weg entdeckt wird, kommt aber übrigens nur höchst selten vor – die Manuskripte müssen dennoch weiterhin gesichtet werden, ansonsten könnte einem ja ein mutmaßlicher Rohdiamant entgehen. Fast in jedem der Verlagsräume gibt es eine Unmenge an Büchern, Büchern, Büchern. Es würde mir aber nicht schwer fallen, zu entscheiden, in welches Büro ich am liebsten ziehen würde, denn das Büro des Verlegers Daniel Kampa hat mich bereits auf den ersten Blick verzaubert. Der Schreibtisch war überhäuft mit Papier und überall stapelten sich Bücher … das Büro eines Büchermenschens. Ich hatte das Gefühl, dass hier wirklich an und mit Literatur gearbeitet wird.

Collage Daniel Kampa

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Ich konnte schon mal einen Blick auf das Frühjahrsprogramm werfen …

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Im Verlag wird auch immer noch mit Papier gearbeitet.

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Die Manuskripte, die sich im Verlag stapeln

Der heimliche Chef im Hause ist aber das Zamperl, der Hund von Karla Paul, der in sozialen Netzwerken bereits eine kleine Berühmtheit ist und bestimmt schon seinen eigenen Fanclub hat … und wenn nicht, dann würde ich nun einen gründen, denn am liebsten hätte ich ihn mit nach Hause genommen. Was soll ich sagen? Ich liebe Verlage und ich liebe es, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen. Was ich dabei erneut festgestellt habe, ist, wie viele Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen am Herstellungsprozess eines Buches beteiligt sind. Wenn ich ein Buch, als Endprodukt, in den Händen halte, war mir bisher nie wirklich bewusst, durch wie viel fleißige Hände es vorher gegangen ist. Das fängt beim Lektorat an und geht über die Covergestaltung bis zu der Frage, ob ein Lesebändchen verwendet werden soll.

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Ich hatte im Hoffmann & Campe Verlag einen tollen Tag und habe dabei interessante Einblicke in die Arbeit eines Verlages gewonnen. Ich konnte auch schon mal kurz ins Frühjahrsprogramm linsen und darf euch verraten, dass wir uns auf so einiges freuen dürfen.

Ein Gruß vom open mike

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Dieses Wochenende ist es etwas stiller auf meinem Blog, denn ich treibe mich im Heimathafen Neukölln auf dem open mike rum – nicht nur als Zuschauerin, sondern als offizielle Bloggerin. Das ein oder andere Interview habe ich bereits geführt und es macht unheimlich viel Spaß, genauso wie die Lesungen von zahlreichen neuen und spannenden Stimmen der jungen deutschen Literatur.

Mein Aufenthalt hier steht unter dem Motto der Annäherung an die Lyrik, ob das gelingen wird und wie das genau aussieht, werde ich euch auf jeden Fall noch einmal genauer erzählen, wenn ich wieder zurück bin. :-)

Frankfurter Buchmesse!

So ganz in der Wirklichkeit wieder angekommen bin ich immer noch nicht. Ein Teil von mir wandert weiterhin durch die Gänge auf der Frankfurter Buchmesse, von Halle 3.1 zu Halle 4.0, von Stand zu Stand und vorbei an lauter interessanten Büchern. Drei Tage lang bin ich über die Frankfurter Buchmesse gestreift und habe dabei viel zu viel erlebt, um über all die Eindrücke schreiben zu können: ich habe nicht nur viele Bloggerkollegen und -kolleginnen getroffen, sondern auch den einen oder anderen Verlagsmitarbeiter. Darüber hinaus habe ich natürlich auch  in Frankfurt ein paar Interviews geführt – ich bin schon ganz gespannt darauf, wie sie euch gefallen werden.

Meine Zeit auf der Frankfurter Buchmessse begann in der Halle des diesjährigen Gastgeberlandes – dieses Jahr ist Finnland das Gastland der Buchmesse und ich habe mich sehr darauf gefreut, dem Land und der finnischen Literatur näher zu kommen. Bis vor kurzem habe ich nämlich – bis auf Sofi Oksanen – noch keine finnische Literatur gelesen. Die Halle des Gastgeberlandes stand unter dem Slogan Finnland.Cool - das Design war hell, gespielt wurde mit den finnischen Nationalfarben. Doch der Pavillon wusste nicht nur äußerlich zu überzeugen, sondern auch inhaltlich: ich habe diesen Ort bei meinem Besuch als unheimlich fantasievoll erlebt und bin für eine Weile abgetaucht in die Welt der finnischen Literatur und Poesie, bin da und dort stehen geblieben, habe immer wieder aufmerksam gelauscht und beobachtet. Mitgenommen aus der finnischen Welt habe ich mir Katja Kettus Roman Wildauge und bin schon gespannt auf die Lektüre.

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Wer aufgrund der Bilder Lust auf finnische Literatur bekommt, sollte mal einen Blick auf den Blog der Klappentexterin werfen.

Selbstverständlich war ich jedoch nicht nur in der Halle des Gastgeberlandes, sondern bin auch durch all die anderen Hallen gestreift, bis ich Abends ins Bett fiel – mit müden Füßen und angefüllt mit allerlei Eindrücken. Auch wenn dies kaum vorstellbar erscheint, habe ich zwischen all den mir bereits bekanntes Verlagen auch noch den einen oder anderen unbekannten Verlag entdeckt – besonders im Gedächtnis geblieben ist mir der Thiele Verlag – nicht nur aufgrund der wohl passendsten Verlagswerbung, sondern vor allen Dingen wegen des hochspannenden Programms.

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Aber auch darüber hinaus gab es viele tolle Bücherstände – in Erinnerung geblieben ist mir der Bus bei Kein & Aber, aber auch die fast schon erschlagende literarische Wand bei Droemer Knaur, genauso wie all die liebevoll gestalteten Stände der unabhängigen Verlage.

Auf der Frankfurter Buchmesse geht es aber selbstverständlich nicht nur um Bücher, sondern auch um Büchermenschen. Es gibt kaum einen anderen Ort, an dem man so viele begeisterte Bücherliebende auf einen Haufen trifft. Wenn man so durch die Gänge streift, kann es passieren, dass einem plötzlich Ijoma Mangold entgegen kommt oder Lutz Seiler auf der Rolltreppe an einem vorbeirollt. Überall gibt es Lesungen und Veranstaltungen, bei denen ich immer wenige Minuten zugehört habe, bevor ich weitergezogen bin. Die Frankfurter Buchmesse ist ein ganz bisschen wie eine Parallelwelt, doch es ist eine wunderbare Parallelwelt, in die ich für einige Tage im Jahr sehr gerne abtauche. In Erinnerung bleiben wird mir wohl auch der Besuch des Business Club, dort diskutierte Paulo Coelho über die Zukunft des Lesens und darüber, sich den digitalen Entwicklungen anpassen zu müssen, um nicht irgendwann abgehängt zu werden. Zwischendurch wurde auch noch ein neuer Nobelpreisträger bekannt gegeben, der mir zwar vom Namen bekannt gewesen ist, den ich aber literarisch noch entdecken muss.

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Ihr merkt an meinem Bericht und an meinen Bildern sicherlich, dass ich eine tolle Zeit in Frankfurt gehabt habe. Wie sagt man so schön: nach der Messe ist vor der Messe, nächstes Jahr ist das Gastland übrigens Indonesien und für mich bedeutet das, dass ich erneut eine mir bisher ganz fremde Literatur entdecken kann.

Für all diejenigen, die es nicht nach Frankfurt geschafft haben, verlose ich ein kleines Trostpflaster, das aus meinen Messeerrungenschaften besteht. Hinterlasst mir einfach bis zum 20.10.2014 einen Kommentar und ihr hüpft automatisch mit in den Lostopf.

Knigi

Die Macht der Bücher

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Das Artikelbild ist ein Diorama, das von Claudia Klein erstellt wurde.

In der Samstagsausgabe der Süddeutschen Zeitung gibt es dieses Mal einen wunderbaren Artikel in der Rubrik Wochenende. Kurt Kister setzt sich unter der Überschrift Die Macht der Bücher mit allerlei literarischen Themen auseinander. Entstanden ist dabei ein Essay eines begeisterten Lesers und Büchermenschen – eine großartige Lektüre, bei der ich gerne jeden Satz zweimal angestrichen hätte, um dabei laut: Ja, genauso ist das! zu rufen.

Wer Bücher liebt, kauft sie nicht unbedingt, um sie zu lesen. Das ist einer der gr0ßen Unterschiede zwischen Büchermenschen und, kaum despektierlich gemeint, Textherunterladern. Bücher hat man, um sie zu haben, um sie in die Hand zu nehmen […].” 

Es geht natürlich um das böse Amazon, den Feind von Bücherorten. Es geht aber auch um das Lesen als lebenslange Kettenreaktion. In jedem Buch kann man auf ein anderes Buch stoßen, oder von Autoren und Autorinnen lesen, die man anschließend unbedingt selbst entdecken muss und möchte. An vielen Stellen habe ich mich wiedererkannt, es war ein erschreckend klares und deutliches Wiederkennen.

Wer immer einem einreden möchte, das Lesen und Besitzen von Büchern sei ein hochkultureller Akt, der macht sich nur wichtig. Bücher sind Leben und davon kann man nie genug haben. Man soll lesen, was man in die Finger kriegt, und wenn einem etwas nicht gefällt, dann legt man es eben wieder weg.

Bücher sind Leben, oh ja – da kann ich nur zustimmen. Auch für mich haben Bücher eine ganz besondere Bedeutung und Macht, Kurt Kister klingt in seinem Artikel vielleicht ein klein wenig altmodisch, aber wenn dem so sei, dann bin ich wohl auch altmodisch angehaucht, denn es gelingt ihm, seine Bücherliebe in großartige Worte zu fassen, denen ich nur beipflichten kann. Kurt Kister reflektiert auch den Alterungsprozess einer Bücherliebe. Es ist spannend, dass Autoren und Autorinnen, die man vor zehn oder zwanzig Jahren gerne gelesen hat, mittlerweile vielleicht eher verschämt in die zweite Reihe ins Bücherregal gestellt werden. So erging es mir lange mit Stephen King, dem ich mich erst vor kurzem wieder angenähert habe.

Das größte Problem mit den Büchern ist die Zeit. Grundsätzlich muss man als Büchermensch immer zwischen fünf und zwanzig Büchern zugleich lesen. Sonst wird das nichts.

Insgesamt ist Die Macht der Bücher ein wunderbares Plädoyer für das Lesen und für die Liebe zu Büchern.

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 Empfehlung aus dem Artikel.