Liebe im Miniaturformat

Es ist mittlerweile bekannt, dass ich mich gerne begeistere und mich auch immer wieder Hals über Kopf in Bücher verlieben kann. Meine größte Freude dabei ist, andere mit meiner Begeisterung anzustecken. Nicht immer gelingt das – aus ganz unterschiedlichen Gründen.

Manchmal gelingt zwar die Ansteckung, das Buch wird anschließend aber dennoch nicht erworben. Ein häufiger Grund dafür ist sicherlich die Tatsache, dass Hardcoverausgaben, die ich häufig bespreche, nicht gerade günstig sind – mittlerweile kosten gebundene Bücher in den meisten Fällen zwischen 20 und 25€ und sind damit nicht unbedingt etwas, das man sich schnell mal nebenbei erlauben kann. Aus diesem Grund habe ich mich in dieser Woche mal durch die Vorschauen gewühlt, um nach ganz bestimmten Büchern Ausschau zu halten. Nach Büchern, die ich vor vielen Monaten gerne gelesen habe und die nun in der schmalen und kostengünstigeren Taschenbuch-Variante erschienen sind oder noch erscheinen werden. Bücherliebe im Miniaturformat, quasi.

Wenn die literarische Ansteckung damals noch gescheitert ist, funktioniert sie vielleicht jetzt – ich würde es allen neun Büchern wünschen, die einen ganz besonderen Platz in meinem literarischen Herzen haben.

Teil 1 Teil 2 Teil 3

Tom Liehr – Leichtmatrosen (am 13. Februar erschienen)

Sarah Moss – Schlaflos (am 16. Februar erschienen)

Dina Nayeri – Ein Teelöffel Land und Meer (am 16. Februar erschienen)

Lena Gorelik – Die Listensammlerin (erscheint am 27. Februar)

Amity Gaige – Schroders Schweigen (erscheint am 1. März)

Maggie Shipstead – Leichte Turbulenzen bei erhöhter Strömungsgeschwindigkeit (erscheint am 1. März)

Svenja Leiber – Das letzte Land (erscheint am 7. März)

Anna Funder – Alles was ich bin (erscheint am 26. März)

Wolfgang Herrndorf – Arbeit und Struktur (erscheint am 27. März)

Viel Spaß beim Stöbern – vielleicht entdeckt ihr ja das eine oder andere Buch, bei dem ihr euch von meiner Begeisterung anstecken lasst. :-)

Lebensleseprojekt …

Von den eigenen Kindern kann man sich ja manchmal überfordert fühlen, ob das auch für Patenbücher gilt, ist mir nicht bekannt. Letzte Woche Freitag wurden von der Leipziger Buchmesse die Bloggerpaten bekannt gegeben und ich freue mich darüber, eine Patenschaft übernehmen zu dürfen. Hinter dem Begriff Bloggerpaten verbirgt sich eine spannende Aktion: fünfzehn Literaturblogger und -bloggerinnen erhalten die Möglichkeit, eines der nominierten Bücher im Vorfeld der Preisvergabe zu lesen und auf ihrem Blog vorzustellen.

Horcynus Orca

Mit diesem Vorgehen wagt die Leipziger Buchmesse einen ungewöhnlichen und mutigen Schritt; die aktive Zusammenarbeit mit Literaturbloggern ist in meinen Augen mehr als begrüßenswert und ich bin gespannt darauf, inwiefern eine solche Zusammenarbeit auch für die Zukunft tragfähig ist oder gar noch ausbaufähig sein wird. Ich freue mich auf jeden Fall schon jetzt auf die Rezensionen der vierzehn anderen Bloggerpaten und -patinnen.

Um noch einmal auf mein Patenbuch zurückzukommen: die große Freude über meine Patenschaft wurde im ersten Augenblick von einem leichtem Entsetzen abgelöst. Ich übernehme die Patenschaft für Horcynus Orca von Stefano D’Arrigo. Horcynus Orca ist ein Meeresepos, das 40 Jahre lang als unübersetzbar galt und nach vielen Jahren und etlichen Rückschlägen nun doch noch von dem Übersetzer Moshe Kahn ins Deutsche übertragen wurde. Auf 1471 Seiten edelstem Dünndruckpapier wird eine Geschichte erzählt, die gerade einmal vier Tage umfasst. Den Übersetzer dieses ungewöhnlichen Romans begleitet die Geschichte übrigens bereits seit dem Jahr 1975 – also ein wahres Lebensprojekt. Ich hoffe sehr darauf, dass meine Lektüre nicht ganz so lange dauert und dass aus diesem spannenden, aber wahrlich auch herausfordernden Leseprojekt kein Lebensprojekt wird.

Ich werde euch Bericht erstatten und mich einstweilen mit meinem Patenbuch ein wenig zurückziehen!

Frauen, die lesen …

Stefan Bollmann widmet sich in zwei wunderbaren Büchern lesenden Frauen in Malerei und Fotografie und nimmt den Leser dabei mit auf eine großartige Reise quer durch die Jahrhunderte und zu einigen der schönsten Bildern lesender Frauen.

Frauen die lesen

Die kleine Galerie dieses Buches mit Bilder von Leserinnen funktioniert wie ein imaginäres Museum. Vor- und zurückblätternd, kann der Betrachter darin flanieren, Augenblicke erhaschen und Zusammenhänge ersehen. 

Ich liebe es nicht nur, Bücher zu lesen, sondern ich liebe es fast genauso sehr, Bücher über Bücher oder auch Bücher über das Lesen zu lesen. Was kann es denn Schöneres geben? Lesen ist meine größte und meine liebste Leidenschaft und aus diesem Grund ist es für mich auch immer wieder ein ganz großes Vergnügen, nicht nur zu lesen, sondern auch in die Geschichte des Lesens einzutauchen. Bereits vor einem Jahr habe ich Frauen und Bücher von Stefan Bollmann gelesen, das den herrlichen Untertitel Eine Leidenschaft mit Folgen trägt. Wer wirklich an einer weiblichen Kulturgeschichte des Lesens interessiert ist, sollte zu diesem Buch greifen. Allen anderen kann ich zwei weitere Bände von Stefan Bollmann empfehlen: Frauen, die lesen, sind gefährlich und Frauen, die lesen, sind gefährlich und klug.

In beiden Büchern beschäftigt sich Stefan Bollmann mit lesenden Frauen in der Malerei und Fotografie. Die Tatsache, dass (auch) Frauen Bücher lesen, ist heutzutage nicht mehr außergewöhnlich. Doch früher – wenn man zurück geht in das 18. und 19. Jahrhundert –  mussten Frauen sich den Anspruch auf literarische Lektüre erkämpfen. Der Pädagoge Karl G. Bauer befürchtete 1791 sogar noch schlimme gesundheitliche Konsequenzen für lesende Frauen:

Der Mangel aller körperlichen Bewegung beym Lesen, in Verbindung mit der so gewaltsamen Abwechslung von Vorstellung und Empfindungen führe zu Schlaffheit, Verschleimung, Blähungen und Verstopfungen in den Eingeweiden, die bekanntermaßen bey beyden, namentlich bey dem weiblichen Geschlecht, recht eigentlich auf die Geschlechtstheile wirkt.

Frauen die lesen 1

Frauen, die lesen und schreiben konnten, wurden damals als gefährlich eingestuft. Elke Heidenreich erinnert sich in ihrem Vorwort in Frauen, die lesen, sind gefährlich daran, dass im 18. Jahrhundert in die Einbände mancher Romane noch Faden und Nadel gelegt wurden, damit die Frauen nicht vergessen, was ihre eigentliche Aufgabe ist. Auch wenn ich Elke Heidenreich nicht in allem zustimme, was sie schreibt, ist ihr Vorwort dennoch ein herrliches Sammelsurium an wunderbaren Zitaten über Literatur. Im Gedächtnis geblieben ist mir ein Satz von Montesquieu, der sagte: Ich hatte niemals einen Kummer, den eine Stunde Lesens nicht verscheucht hätte.

Trotz aller Befürchtungen, wurde Europa zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert von einer unbändigen Leselust erfasst – man sollte sicherlich nicht von einer Leserevolution sprechen, aber im Laufe dieser beiden Jahrhunderte fanden ganz sicherlich immer mehr Frauen Zugang zu Büchern und wurden dadurch nicht nur klug, sondern auch gefährlich. Dieser Umstand findet sich auch in der Malerei und Fotografie wieder: von Rembrandt, über van Gogh bis zu Vermeer – sie alle malten lesende Frauen. In diesen Kunstwerken, die in beiden Büchern versammelt sind, wird sichtbar, dass Bücher für Frauen nicht nur ein Genussmittel gewesen sind, sondern ihnen einen ganz neuen Zugang zur Welt ermöglicht haben. Wir sehen Frauen in intimen Momenten, voller Konzentration auf den zu lesenden Text. Wir sehen Frauen, die von Worten verzaubert wurden. Wir sehen empfindsame Frauen, selbstbewusste Frauen. Frauen, die von Worten völlig absorbiert sind und dafür die Hausarbeit auch einmal liegen lassen. Was wir aber auch sehen, ist, dass das Lesen eine einsame Tätigkeit ist, die zwischen dem Text und den Frauen stattfindet – ganz selten befinden sich noch weitere Menschen auf den Bildern.

Um es mit einem schönen Bild von Max Frisch zu sagen, das mir in besonderer Weise in unseren Kontext zu passen scheint: Wer Romane liest, probiert Geschichten an wie Kleider.

Bei beiden Büchern liegt der Schwerpunkt auf den Kunstwerken – zwar gibt es einmal ein Vorwort von Stefan Bollmann und einmal ein Nachwort, in dem er ganz kurz die weibliche Geschichte des Lesens streift, doch hauptsächlich geht es um die Bilder. Zu allen abgebildeten Kunstwerken gibt es einen kurzen erläuternden Text. An dieser Stelle muss ich gestehen, dass ich – anders als bei dem geschrieben Wort – nur schwer einen Zugang zur Malerei finde. Das war schon immer so; als Kunstkennerin würde ich mich also ganz sicherlich nicht bezeichnen. Die zusätzlichen Erklärungen, die die Kunstwerke etwas genauer unter die Lupe nehmen und dabei auch bezüglich Gattung und Epoche einordnen, waren für mich also unheimlich hilfreich.

Stefan Bollmann legt mit Frauen, die lesen, sind gefährlich und Frauen, die lesen, sind gefährlich und klug zwei Bücher vor, die kleinen Schatzkisten gleichen. Schatzkisten voller wunderbarer Bilder von lesenden Frauen. Beim Lesen habe ich mich ein bisschen gefühlt, wie bei einem Streifzug durch ein Museum – ergänzt werden beide Bücher mit ausführlichen Literaturhinweisen. Für all diejenigen, die gerne weiterlesen wollen. Ob Frauen, die lesen, nun wirklich gefährlich sind, das weiß ich nicht. Ich weiß aber, dass diese beiden Büchlein zwei ganz besondere Bücher sind – zum Selberlesen, aber auch zum Verschenken.


Bollmann, Stefan: Frauen, die lesen, sind gefährlich. 160 Seiten und 60 Abbildungen, Elisabeth Sandmann Verlag.
Bollmann, Stefan: Frauen, die lesen, sind gefährlich und klug. 160 Seiten und 100 Abbildungen, Elisabeth Sandmann Verlag.

Preis der Leipziger Buchmesse 2015!

Druck

Heute wurden die nominierten Autoren und Autorinnen für den Preis der Leipziger Buchmesse bekannt gegeben, der in diesem Jahr zum insgesamt elften Mal verliehen wird. Unter der Leitung von Hubert Winkels, hat die Jury eine Auswahl treffen müssen – beteiligt haben sich insgesamt 115 Verlage, die 405 Werke eingereicht haben. Insgesamt 15 Autoren und Autorinnen wurden für die folgenden Kategorien nominiert: Belletristik, Sachbuch/Essayistik und Übersetzung.

Kategorie Belletristik:

Kategorie Sachbuch/Essayistik:

Kategorie Übersetzung

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Nach all der Aufregung um die Longlist des Deutschen Buchpreis im vergangenen Jahr, scheint die Jury für den Preis der Leipziger Buchmesse (bewusst) einen anderen Weg einzuschlagen: unter den nominierten Büchern finden sich zahlreiche Überraschungen, besonders in der Kategorie Belletristik. In den vergangenen Jahren hatte ich viele der nominierten Titel bereits auf der Wunschliste stehen, in diesem Jahr sind mir alle fünf Bücher noch gänzlich unbekannt. Besonders schön finde ich, dass mit Regentonnenvariationen auch zum aller ersten Mal ein Gedichtband nominiert ist. Ich glaube, dass Preise wie der der Leipziger Buchmesse dazu anregen können und sollten, andere Gattungen zu entdecken.

Listen sind immer ein fürchterliches Instrument, da sie in den seltensten Fällen allen gerecht werden können – über diese Liste freue ich mich jedoch, da sie meine Neugier und Entdeckungslust weckt und mich auf Titel aufmerksam macht, auf die ich ansonsten wohl nicht aufmerksam geworden wäre. Und wie geht es euch? Habt ihr Favoriten? Kennt ihr vielleicht schon das eine oder andere der nominierten Bücher? Und welche der Bücher wollt ihr gerne lesen?