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Alles Abseitige

Hallo, ich bin’s – Linus.

Ich teilte in den vergangenen Jahren auf meinem Blog immer wieder persönliche Veränderungen mit euch – sei es der Tod meines Hundes Bandit oder auch den einen oder anderen beruflichen Neuanfang. Es ist mir wichtig, euch nicht nur Bücher zu empfehlen, sondern dabei so authentisch zu sein, wie mir das möglich ist. Über eines habe ich zwar schon auf meinen sozialen Kanälen gesprochen, aber hier zuvor noch nie – und das möchte ich endlich ändern. Aus diesem Grund werde ich euch heute von der vielleicht wichtigsten Veränderung in meinem Leben erzählen.

Ich möchte euch nicht nur von einer kleineren Veränderung erzählen, sondern von einem turning point – dem wohl größten und wichtigsten Wendepunkt in meinem Leben. Es ist etwas mehr als einen Monat her, dass ich in einer Starbucks Filiale in Frankfurt zum allerersten Mal den Namen gesagt habe, den ich mir schon so lange für mich selbst wünsche. In fast allen Starbucks-Filialen wird man ja nach dem Namen gefragt, damit es später keine Verwechslungen gibt. An diesem Tag war meine Antwort Linus – ich erinnere mich noch ganz genau an die Situation, ich war sehr aufgeregt und habe fast vergessen, was ich eigentlich bestellen wollte, aber für mich hat sich etwas noch nie so passend angefühlt, wie in diesem Moment. Übrigens: den besagten Becher habe ich immer noch, er steht neben mir auf der Fensterbank. Für manche ist es nur ein Kaffeebecher, den sie wieder in den Müll werfen, für mich ist dieser Becher der Weg in ein Leben gewesen, das sich endlich richtig anfühlt und der Name ein Name, den ich mir schon seit Jahren für mich wünsche.

Mich zum ersten Mal Linus zu nennen, war eine Befreiung – seitdem fühle ich mich wesentlich wohler, glücklicher und selbstbewusster. Mich quält seitdem aber auch die Frage, wie ich euch davon erzählen kann. Viele von euch begleiten mich seit mehreren Jahren und haben mich als Mara – und als Bloggerin – kennen- und schätzengelernt. Ich verspreche euch: ich werde dieser Mensch bleiben, ich liebe es zu bloggen und werde das auch hoffentlich in den kommenden Jahren mit Begeisterung tun. Ich weigere mich nur, mich weiter selbst in eine Schublade zu stecken, in die ich nicht gehöre und in der ich nicht mehr sein möchte: ich bin keine Bloggerin – seit vielen Jahren ist mir klar, dass ‘Mara’ nicht mehr der richtige Name für mich ist und dass ich keine Frau bin. Ich wünsche mir deshalb von euch, dass ihr mich auch an diesem Ort ab jetzt Linus nennt.

Mir ist es zuvor noch nie so schwer gefallen, einen Blogbeitrag zu schreiben – ich habe lange darüber nachgedacht, ob ich euch davon erzählen möchte. Es ist mir wichtig, mein Glück, meine Geschichte und meine Identität nicht mehr länger nur für mich zu behalten, sondern all das mit euch zu teilen. Gleichzeitig hoffe ich, dass ich mit dieser Offenheit vielleicht auch andere ermutigen kann, zu sich zu stehen und so zu leben, wie sie sich ihr Leben wünschen – ganz ohne Scham und Angst.

Ich zeige und offenbare mich euch in der Hoffnung, dass ihr mich so akzeptieren könnt, wie ich bin und wie ich mich fühle. Wer weitere Informationen braucht, dem empfehle ich diese Seite – desweiteren dürft ihr mich natürlich auch alles fragen, was euch vielleicht unklar sein mag oder beschäftigt.

Ein Lebenszeichen aus Berlin

Ich denke, dass die meisten von euch mitbekommen haben werden, dass ich nach Berlin gezogen bin und dort Anfang November in der Buchbox angefangen habe – wer es von euch noch nicht wusste: es gibt gleich mehrere Buchboxen in Berlin, ich arbeite in der Buchbox in der Grünbergerstraße und freue mich natürlich jederzeit über Besuch von euch. Es ist gerade alles noch sehr aufregend und – angesichts des nahenden Weihnachtsgeschäfts – auch sehr arbeitsintensiv, aber ich gewöhne mich Schritt für Schritt ein und fühle mich sehr wohl und richtig an meinem neuen Arbeitsplatz.

Apropos: auch Berlin entdecke ich zunehmend – und natürlich habe ich bereits die eine oder andere Buchhandlung besucht und selbstverständlich auch das eine oder andere Buch gekauft. Ich kann einfach nicht anders – dabei habe ich jetzt doch deutlich weniger Platz für meine Bücher!

Ich habe auch zum allerersten Mal einen Lesekreis besucht – in der Buchhandlung Ocelot haben wir in einer netten Gruppe über Zwischen ihnen von Richard Ford und Underground Railroad von Colson Whitehead gesprochen. An alle Berliner und Berlinerinnen: am 22.1. treffen wir uns das nächste Mal, um über Alias Grace von Margaret Atwood zu sprechen. Kommt gerne alle vorbei!

Meinen Blog werde ich aber trotz all dieser Veränderungen selbstverständlich weiterführen – ich weiß nur noch nicht, wann ich die Zeit finden werde, mich hier wieder ausführlicher zu Wort zu melden. Alles kann, nichts muss – ich bin da ganz tiefenentspannt. Ich muss aber gestehen, dass ich mich auch darauf freue, euch endlich von all den Büchern zu erzählen, die ich zuletzt gelesen habe.

Übrigens: wenn ihr noch Tipps für mich habt, was ich mir in Berlin unbedingt anschauen muss, würde ich mich sehr freuen! Wenn ihr Vorschläge habt, dann immer her damit! Welche Buchhandlungen muss ich besuchen? Welche Cafés sind empfehlenswert? Und was gibt es hier sonst noch so zu sehen?

200. Geburtstag von Henry David Thoreau: “Wir müssen lernen, wieder wach zu werden.” –

Manchmal können die Wege, auf denen Bücher uns finden, seltsam sein – von Henry David Thoreaus Buch Walden las ich zum allerersten Mal vor vielen Jahren in vielleicht lieber morgen von Stephen Chbosky und wurde sofort neugierig auf das Buch. Als ich es dann las, war ich schnell fasziniert: nicht unbedingt nur von diesem einfachem Leben des Autors in einer einsamen Hütte im Wald, sondern vor allem von dem Gedanken, dass wir unser Leben immer wieder umkrempeln und neu beginnen können. Es geht in dem Buch gar nicht so sehr darum, ein einfaches oder spartanisches Leben zu führen, sondern darum ein reines Leben zu leben und zu uns selbst zu finden. Thoreau zieht in den Wald, um – in einfachsten Verhältnissen – mehr über sich und sein Leben herauszufinden. Klingt das nicht – obwohl das Buch bereits vor 150 Jahren erschienen ist – so wie das, was sich so viele Menschen heutzutage wünschen? In Walden geht es um Do it yourself, Minimalismus und den Wunsch danach, herauszufinden, warum man eigentlich lebt – Henry David Thoreau also als Vorreiter und Trendsetter.

Henry David Thoreau wurde 1817 als David Henry Thoreau geboren. Er war das dritte von vier Kindern – seinem Vater gehörte eine Fabrik zur Herstellung von Bleistiften. 1833 ging Thoreau zum Studium nach Havard, nach seinem Abschluss arbeitete er eine Zeit lang als Lehrer, bevor er sich dazu entschloss, für den Rest seines Lebens in der Fabrik seines Vaters zu arbeiten. 1845 zog er in die einsame Hütte am Walden Pond, die seinem Freund Ralph Waldo Emerson gehörte. Zwei Jahre, zwei Monate und zwei Tage lang lebte er dort – nicht in völliger Einsamkeit, aber doch abgeschieden von der restlichen Zivilisation. Zehn Jahre lang brauchte er anschließend dafür, ein Buch über diese Zeit am Walden Pont zu schreiben.

Ich ging in die Wälder, denn ich wollte wohlüberlegt leben und nur den wesentlichsten Dingen des Lebens gegenüberstehen. Ich wollte versuchen, ob ich nicht seine Weisheiten empfangen könnte, damit ich nicht in der Todesstunde innewürde, dass ich gar nicht gelebt hatte. Nichts anderes als das Leben wollte ich leben. Das Leben ist so kostbar. Wenn es irgend möglich war, wollte ich nicht verzichten. Intensiv leben wollte ich, das Mark des Lebens in mich aufsaugen. Hart und spartanisch wollte ich leben, um alles auszurotten, was nicht Leben war, einen breiten Schwaden zu schlagen dicht über dem Boden. In die Enge wollte ich das Leben treiben und es auf die einfachste Formel bringen. Erwies es sich als wertlos, gut, dann wollte ich seine ganze unverminderte Nichtigkeit erfahren und der Welt kundtun. War es aber herrlich, so wollte ich das aus eigener Anschauung kennenlernen und bei meinem nächsten Ausflug einen wahrheitsgetreuen Bericht geben.

Ich liebe Geburtstage von Autoren, die vielleicht ein bisschen Gefahr laufen, so langsam aus unseren Bücherregalen zu verschwinden – denn ich glaube, dass wir auch heutzutage immer noch Henry David Thoreau lesen und etwas daraus lernen können. Wer Lust darauf hat, diesen 200. Geburtstag des Autors zum Anlass zu nehmen, etwas von oder auch über Thoreau zu lesen, der kann aus einem breiten Angebot wählen. 

Walden | Vom Spazieren | Denken mit Henry David Thoreau | Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat | Waldgänger und Rebell | Tagebuch 1 | Tagebuch 2 | American Bloomsbury

„Ein Haus ohne Bücher ist arm, auch wenn schöne Teppiche seinen Boden und kostbare Tapeten und Bilder die Wände bedecken.“

Hermann Hesse wurde am 2. Juli 1877 geboren und wäre somit am heutigen Tag 140 Jahre alt geworden. Zum ersten Mal begegnete mir dieser Schriftsteller während der Schulzeit – im Unterricht lasen wir eines seiner Gedichte und ich war sofort elektrisiert. Später habe ich dann auch seine anderen Bücher entdeckt, ich habe mit großer Begeisterung DemianDer Steppenwolf und später auch Narziss und Goldmund verschlungen. Ich bin mir nicht sicher, ob mich die Bücher heutzutage immer noch genauso bewegen würden wie damals – als Jugendliche hat mich Hermann Hesse aber mit seiner Sprache und vor allem auch mit seinen Themen für sich eingenommen. Viele seiner Figuren haben darum gekämpft, einen Platz in dieser Welt zu finden und durch das Lesen ihrer Geschichten habe ich gelernt, dass man es schaffen kann, diesen Platz zu finden, wenn man durchhält und auf sich selbst vertraut. Hermann Hesses Bücher haben mir in vielen Phasen meines jungen Lebens nicht nur Trost gespendet, sondern auch Mut gemacht, an mich selbst zu glauben.

Hermann Hesse hat jedoch nicht nur ein beeindruckendes Werk vorzuweisen, das auch heute noch lohnt, entdeckt zu werden, sondern es finden sich darin auch viele kluge Gedanken zum Lesen:

“Ein Haus ohne Bücher ist arm, auch wenn schöne Teppiche seinen Boden und kostbare Tapeten und Bilder die Wände bedecken.”

“Es gibt keine tausend oder hundert «beste Bücher», es gibt für jeden einzelnen Menschen eine besondere Auswahl dessen, was ihm verwandt und verständlich, lieb und wertvoll ist.”

“Es gibt keine Liste von Büchern, die man unbedingt gelesen haben müßte und ohne welche kein Heil und keine Bildung ist! Aber es gibt für jeden einzelnen Menschen eine beträchtliche Zahl von Büchern, in welchen gerade er, dieser Eine, Befriedigung und Genuß erleben kann.”

“Von den vielen Welten, die der Mensch nicht von Natur geschenkt bekam, sondern sich aus eigenem Geiste erschaffen hat, ist die Welt der Bücher die größte.”

Also, lasst uns anstoßen auf einen großartigen Autor und diesen feierlichen Anlass nutzen, heute vielleicht mal wieder eines seiner Bücher aufzuschlagen!

DemianDer SteppenwolfNarziß und GoldmundDas Glasperlenspiel – Gunnar Decker: Hesse. Der Wanderer und sein SchattenDie Briefe 1924 – 1932 – Herbert Schnierle-Lutz: Auf den Spuren von Hermann Hesse – Bärbel Reetz: Hesses Frauen

Die Überlebensbibliothek

Am heutigen Sonntag feiern wir den Welttag des Buches. Es ist ein Tag, an dem nicht nur fleißig gelesen werden muss, sondern auch ein Tag, an dem Bücher gekauft und verschenkt werden sollten. Zugegeben, das ist an einem Sonntag natürlich nicht ganz so leicht, kann aber morgen problemlos noch nachgeholt werden! Der Welttag des Buches fällt nicht zufällig auf den 23. April, sondern geht zurück auf den Georgstag: laut katalanischer Tradition wurden früher am Namenstag des Volksheiligen St. Georg Rosen und Bücher verschenkt. Wie schön, dass dieses Ritual auch weiterhin fortgeführt wird. Übrigens soll am heutigen Tage auch Shakespeare geboren und gestorben sein – auch die Geburtstage von Miguel de Cervantes und Halldor Láxness fallen auf diesen durch und durch literarischen Tag.

Brauchen wir wirklich einen Feiertag, der uns daran erinnert, was wir eigentlich sowieso schon am liebsten tun? Wir wahrscheinlich nicht, dennoch finde ich diesen Tag wunderbar – nicht nur, um andere mit der eigenen Leidenschaft für Bücher anzustecken, sondern auch, um mich selbst daran zu erinnern, warum ich eigentlich so gerne lese.

Vergangenes Jahr habe ich den Welttag des Buches zum Anlass genommen, euch zahlreiche Bücher über Bücher vorzustellen. Ich muss gestehen, dass ich Bücher liebe, in denen sich Menschen mit ihrer eigenen Leidenschaft für das Lesen beschäftigen. Einen festen Platz auf meinem Nachttisch hat aus dieser Sammlung auch heute noch Die Überlebensbibliothek von Rainer Moritz. Darin schreibt Rainer Moritz, Leiter des Literaturhauses in Hamburg, dass Bücher erste Hilfe leisten können – sie können trösten, anregen, aufrütteln und eben Hilfestellung in besonderen Lebenslagen leisten.

Das ist etwas, an das ich auch ganz fest glaube – deshalb mag ich auch besonders gerne den Titel dieses kleinen Büchleins: Überlebensbibliothek. In seiner Überlebensbibliothek sammelt Rainer Moritz Bücher für Menschen mit Schwächen und Lastern; Bücher, um das Leben zu bestehen; Bücher, um sich an fremde Orte zu begeben oder auch Bücher, um mit existenziellen Erfahrungen zurechtzukommen.

Ich habe mich am heutigen Welttag des Buches vor mein Regal gesetzt und ein wenig darüber nachgedacht, welche Bücher wohl in meiner Überlebensbibliothek stehen würden. Aufgefallen ist mir dabei, dass es vor allem ältere Bücher sind, die einen besonderen Platz in meinem Herzen haben und mir glückliche Lesemomente beschert haben – das spiegelt sich auch darin wider, dass ich nur drei der Bücher meiner Überlebensbibliothek (Blaue Stunden, 4321 und Der Duft des Regens) auf meinem Blog besprochen habe, alle anderen Bücher begleiten mich zwar heute immer noch, die Lektüre fällt aber in die Zeit, bevor es Buzzaldrins Bücher gegeben hat. Das erinnert mich wieder daran, dass ich schon lange vorhabe, mir die Zeit dafür zu nehmen, besondere Bücher ein zweites Mal zu lesen, um sie euch hier noch einmal vorstellen zu können.

Ansonsten finden sich auf meinem Stapel viele bekannte Autoren: von Jeffrey Eugenides, über Kazuo Ishiguro bis hin zu Siri Hustvedt, Michael Cunningham, Margaret Atwood und John Irving. Einen besonderen Platz in meiner Bibliothek hat aber auch Franz Kafka, der mich mit seinen Büchern und Erzählungen schon lange begleitet. Genauso wie Die Mitte der Welt von Andreas Steinhöfel, das ich zum ersten Mal vor mehr als fünfzehn Jahren gelesen habe. Ein Buch aus meiner Überlebensbibliothek, in dem ich mich sofort wieder festgelesen habe, ist Vom Atmen unter Wasser von Lisa-Marie Dickreiter. Große Bedeutung hat für mich auch So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein von Christoph Schlingensief, denn durch dieses Buch habe ich ganz viel über das Leben, den Tod und schwere Erkrankungen gelernt.

Bücher sind natürlich kein Allheilmittel und doch kann ich mir ein Leben ohne sie nicht mehr vorstellen – ich bin eine gierige Leserin und Bücherkäuferin und freue mich darüber, dass ich euch auf all meinen Kanälen tagtäglich Bücher empfehlen kann und dabei hoffentlich mit meiner Begeisterung anstecke.

Ich würde mich darüber freuen, wenn ihr den Welttag des Buches dafür nutzt, ganz viel zu lesen, zu kaufen, zu verschenken und zu empfehlen – und wenn ihr mir vielleicht auch noch verraten würdet, welche Bücher wohl in eurer Überlebensbibliothek stehen würden, würde mich das sehr freuen!

Das Leben und das Schreiben: 5 Ratschläge von Kurt Vonnegut

Heute vor zehn Jahren ist der Autor Kurt Vonnegut gestorben – für mich entdeckt habe ich diesen Autor vor langer Zeit durch seinen beeindruckenden Roman Schlachthof 5, der erst kürzlich in einer Neuauflage bei dem Verlag Hoffmann & Campe erschienen ist. Diese Neuauflage gab es vollkommen zu Recht! Die Art und Weise wie Kurt Vonnegut in diesem Roman seine deutsche Kriegsgefangenschaft und die Luftangriffe auf Dresden verarbeitet und beschreibt, ist ein zeitloses und bewegendes literarisches Dokument.

Ich habe mich damals nach dieser Entdeckung, die bestimmt schon über zehn Jahre zurückliegt, einmal quer durch das literarische Werk von Kurt Vonnegut gelesen. Besonders beeindruckt hat mich dabei ein kleines Büchlein mit dem Titel Mann ohne Land, in dem Vonnegut autobiographisch vom Leben, dem Schreiben und der Politik von George Bush erzählt. Anlässlich des heutigen Todestages habe ich mich erneut durch das Buch gelesen und dabei ist mir aufgefallen, wie viele kleine Ratschläge und Lebensanweisungen sich darin eigentlich verstecken – die fünf schönsten, klügsten und witzigsten davon habe ich für euch zusammengestellt.

Verwendung von Satzzeichen:

Hier kommt eine Lektion in Kreativem Schreiben. Erste Regel: Benutzt keine Semikola. Sie sind hermaphroditische Transvestiten, die absolut nichts bedeuten. Sie bedeuten höchstens, dass ihr auf dem College wart.

Die Bedeutung des Schreibens:

Wenn ihr eure Eltern wirklich quälen wollt und nicht den Nerv habt, schwul zu werden, könnt ihr es zumindest mit den Schönen Künsten versuchen. Hab keinen Spaß gemacht. Mit der Kunst kann man sich keinen Lebensunterhalt verdienen. Sie ist eine sehr menschliche Methode, das Leben erträglicher zu machen. Eine Kunst auszuüben, egal, wie gut oder schlecht, ist eine Methode, die Seele wachsen zu lassen, verdammtnochmal. Singt unter der Dusche. Tanzt zur Musik im Radio. Erzählt Geschichten. Schreibt jemand Liebem ein Gedicht, gern auch ein lausiges. Macht es so gut, wie ihr nur irgend könnt. Ihr werdet eine Riesenbelohnung dafür kriegen. Ihr werdet etwas geschaffen haben.

Beschäftigung mit Literatur

Ich denke, dass es enorm erfrischend sein kann, wenn ein Literaturschaffender etwas anderes im Kopf hat als die Geschichte der Literatur bis zum heutigen Tag. Literatur sollte nicht in ihrem eigenen Arschloch verschwinden, sozusagen. (aus: Paris Review Volume 1)

Die Mechanik des Erzählens

So viel von dem, was beim Geschichtenerzählen passiert, ist Mechanik, hat mit den technischen Problemen zu tun, wie man erreicht, dass eine Geschichte funktioniert. Cowboygeschichten und Polizistengeschichten enden zum Beispiel mit Schießereien, weil Schießereien die verlässlichsten Mechanismen sind, um solche Geschichten zu Ende zu bringen. Nichts ist besser als der Tod, um zu sagen, was zu sagen schrecklich künstlich ist: das Ende. Ich versuche tiefschürfende Liebe aus meinen Geschichten herauszuhalten, weil es schier unmöglich ist, über etwas anderes zu reden, wenn das Thema erst auftaucht. Leser wollen von nichts anderem hören. Sie drehen bei Liebe förmlich durch. Wenn der Liebhaber in einer Geschichte seine wahre Liebe für sich gewinnt, ist  das das Ende der Erzählung, selbst wenn der Dritte Weltkrieg losbräche und der Himmel sich mit fliegenden Untertassen schwarz färbte. (aus: Paris Review Volume 1)

Und zuletzt: ein Ratschlag für das Leben


Wer jetzt vielleicht Lust darauf bekommen hat, die Bücher von Kurt Vonnegut zu entdecken, der kann sich gerne durch die folgende Auswahl stöbern.

Schlachthof 5Denis Scheck: Kurt VonnegutHundert-Dollar-KüsseDer taubenblaue Drache

Leseurlaub und Buchvorsätze

Den Jahreswechsel habe ich wie in den vergangenen beiden Jahren auch auf der wunderschönen Insel Amrum verbracht. Für diesen ungewöhnlichen Winterurlaub haben wir uns vor zwei Jahren zum ersten Mal entschieden, da die Insel einer der wenigen Orte in Deutschland ist, der an Silvester überwiegend knallfrei ist und Bandit – mein damaliger Hund – große Angst vor Böllern hatte.

Im vergangenen Jahr haben wir uns dazu entschieden, trotz seines Todes wieder auf die Insel zu fahren und dort Abschied von ihm zu nehmen – in diesem Jahr sind wir schließlich zum ersten Mal mit unserem neuen Hund Torito und ganz vielen Büchern im Gepäck gefahren. 

Dieser Urlaub steht für mich also in einer ganz besonderen – natürlich auch traurigen – Tradition. Die Zeit auf Amrum ist für mich nicht nur ein Leseurlaub, sondern auch immer wieder die Zeit des Jahres, zu der ich auf das, was gewesen ist, zurückblicke und Pläne für das schmiede, was 2017 anstehen könnte.

Ich habe den Urlaub dazu genutzt Bis ich dich finde von John Irving zu verschlingen und kann euch verraten, dass es in einem kleinen Ferienhäuschen – von Sturm und Regen umtost – kaum etwas Besseres gibt, als einen dicken Roman von John Irving zu lesen! Voller Lebensweisheiten und Sätzen, die ich mir in mein Lesejournal geschrieben habe! Überhaupt: nach Bandits Tod habe ich gemerkt, wie wichtig mir das Lesen ist, wie wichtig die Bücher und wie tröstlich die Gedanken darin sein können. Es muss ja nicht immer Amrum sein, aber ich kann euch nur empfehlen, mal ab und an die Büchertasche zu packen und sich an einen einsamen Ort zurückzuziehen. In diesem Jahr habe ich – wie in den Jahren zuvor – übrigens wieder viel weniger geschafft, als ich mir an Büchern mitgenommen habe. Aber das soll wohl einfach so sein: der Urlaub war eben nicht nur angefüllt mit Büchern, sondern stattdessen auch mit langen Spaziergängen, einem Besuch in der Buchhandlung Quedens und viel Familienzeit.


Was den Blog betrifft, habe ich einige Pläne und Ideen geschmiedet – ganz oben auf der Liste steht der große Wunsch, endlich wieder regelmäßiger zu bloggen. Ich bin gespannt, ob ich das schaffen werde! Einige Beiträge, die darauf warten, veröffentlicht zu werden, habe ich auf jeden Fall schon in der Schublade. Auch über den Blog hinaus habe ich ein paar literarische Ziele in diesem Jahr: ich möchte unbedingt nach Belgien und das Book Village in Redu besuchen. Und in Berlin möchte ich die schönsten Buchläden entdecken – falls ihr noch Tipps haben solltet, dann immer her damit!

Wenn ich es mir genau überlege, dann ist meine sogenannte Bucket List mit Buchvorsätzen bereits jetzt ganz schön lang!

Meine Büchertaschen für den Urlaub realistischer packen
Auch wenn ich ganz gerne damit kokettiere, dann strengt es mich selbst doch ein wenig an, dass ich immer viel mehr Bücher mitnehme, als ich jemals lesen könnte. Ich habe mir fest vorgenommen, die Menge an mitzunehmenden Büchern für die kommenden Reisen auf jeden Fall realistischer einzuschätzen. Und zur Not gibt es vor Ort ja auch immer noch eine Buchhandlung!

Buchhandlungsreisen
Ich entdecke so gerne Buchhandlungen und möchte dieser Leidenschaft in diesem Jahr noch viel stärker nachgehen: ganz oben auf meiner Liste stehen Berlin und München, wenn ihr noch weitere Tipps für besonders lohnenswerte Buchhandlungsstädte habt, würde ich mich aber sehr freuen.

Analoges Lesejournal
Bei den ganzen digitalen Möglichkeiten vergesse ich manchmal, wie schön es sein kann, Dinge mit der Hand auf zu schreiben. Im Urlaub habe ich damit begonnen, ein analoges Lesejournal zu führen und mir fest vorgenommen, das ein Jahr lang durchzuhalten. Erinnert mich also unbedingt nächstes Jahr daran und fragt mich nach meinem Lesejournal!

Ausgetretene Lesepfade verlassen
In den vergangenen zwei Jahren habe ich meine Vorliebe für Jugendbücher und Autobiographien entdeckt – diesen beiden Leidenschaften möchte ich auf jeden Fall weiter nachspüren und auch mal zu Büchern greifen, die abseits meiner Lesepfade liegen.

Mir mehr Zeit für meinen Blog nehmen
Ich habe noch nie so wenig gebloggt, wie im vergangenen Jahr – was nicht nur daran liegt, dass ich weniger Zeit hatte, sondern auch daran, dass ich schlecht organisiert gewesen bin! Da ich meine Gedanken zu Gelesenem so gerne mit euch teile, macht es mich natürlich traurig, wenn ich dazu nicht allzu häufig komme. Für dieses Jahr steht also Organisation und Planung ganz oben auf der Liste, direkt neben dem Punkt Prioritäten setzen – der eine oder andere Blogbeitrag lässt sich nämlich wahrscheinlich prima in der Zeit schreiben, die man sonst dafür benötigt, eine sinnlose Diskussion auf Facebook zu führen! Ich habe damit am Wochenende übrigens gleich angefangen und ein wenig an meinem Blog gebastelt – leider ist dabei etwas schief gegangen, wodurch einige von euch mit einer Flut an E-Mails belästigt wurden. Das tut mir sehr leid! Falls ihr jetzt keine Benachrichtigung bekommen solltet, dann schaut einfach nochmal in eurem Spamordner nach – ich hoffe sehr, dass nun alles wieder funktioniert!


Wie auch immer es kommen mag: ich freue mich auf das neue gemeinsame Blogjahr, auf neue Bücher und hoffentlich viele neue Erlebnisse. Wenn ihr mich dabei begleiten wollt, würde ich mich sehr freuen! Und natürlich würde es mich interessieren, wie es mit euren Buchvorsätzen aussieht? Was habt ihr euch für das kommende Jahr vorgenommen?

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