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Alles Abseitige

“Zürich liest 2016” – und ich bin dabei

Der Oktober ist für mich durch die Buchmesse in Frankfurt immer ein ganz aufregender Monat. In diesem Jahr ist er aber ganz besonders aufregend, da ich Ende Oktober nach Zürich fahren werde, um das dortige Lesefestival zu begleiten. Ihr habt davon vielleicht auch schon bei meinen Bloggerkollegen gelesen – mit mir fahren nämlich auch noch vier weitere Blogger: Kapriziös, Die Buchbloggerin, Pinkfisch und der Kaffeehaussitzer.

Dass ein Festival auf die Idee kommt, sich Blogger mit ins Boot zu holen, die auf ihren Kanälen die Lesungen und das bunte Drumherum begleiten, ist etwas, das ich mir zuvor schon lange gewünscht habe! Ich reise unheimlich gerne und habe Spaß an Lesungen und literarischen Veranstaltungen – in Zürich werde ich also wahrscheinlich gut aufgehoben sein! Ich werde Zürich – eine Stadt, in der ich noch nie zuvor gewesen bin – vom 26.10. bis zum 30.10. unsicher machen und freue mich schon sehr darauf.

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Vorab musste ich mich übrigens entscheiden, welche Veranstaltungen ich mir anschauen möchte und das war gar nicht so leicht – das fünftägige Programm hat nämlich ziemlich viel zu bieten. Auf insgesamt hundert Seiten finden sich Veranstaltungen rund um das Buch und die Auswahl fiel dementsprechend schwer. Entschieden habe ich mich schließlich für das folgende Programm:

Mittwoch:

20:00 – 22:00 «Zürich liest’16»: Die Eröffnung. Mit Jonas Lüscher, Frédéric Zwicker und seiner Band Knuts Koffer

Donnerstag:

12:00-18:00: Gomringer & Gomringer

19:30-21:00: Tim Parks & Peter Stamm

Freitag:

15:00 – 17:00: Food Tasting at the Bookshop

17:00 – 18:00: Zürcher Verlage öffnen ihre Türen: Rotpunktverlag

19:30 – 21:00: Lukas Bärfuss liest

22:00 – 23:00: Nachtlesung in der Krypta mit Nadja Küchenmeister

Samstag:

11.00 Uhr: Keller, Joyce und Lenin – Führung durch die Bibliothek der Museumsgesellschaft

14:00 – 15:15: Grenzenlose Literatur – Michael Fehr und Raoul Schrott

14:00 – 18:00: Nachmittag der offenen Verlage

20.00 Uhr: Christian Kracht liest

Sonntag:

10:30 – 12:00 Frühstücken mit Laura de Weck
PicMonkey CollageEin ziemlich ausgefülltes Programm – auf das ich mich schon jetzt sehr freue! Ein besonderes Highlight für mich dabei ist übrigens die Lesung von Christian Kracht, auf die ich schon sehr gespannt bin! Ihr dürft euch übrigens in den kommenden Wochen und dann natürlich auch besonders während des Festivals auf einige Berichte, Bilder und Eindrücke von mir – und natürlich auch von meinen Bloggerkollegen – freuen.

Passend zum Lesefestival in Zürich wurden übrigens in der vergangenen Woche auch noch die nominierten Autoren und Autorinnen für den Schweizer Buchpreis bekannt gegeben:
PicMonkey CollageVier der fünf Bücher stehen ganz oben auf meiner Leseliste! Eine in jedem Fall sehr interessante Auswahl – ich ahne schon: mein diesjähriger Herbst wird schweizerisch!

Alle Infos:

Zürich liest
Programm
Schweizer Buchpreis

5 Erkenntnisse aus 5 Blogjahren!

5 Jahre Buzzaldrins Bücher – auf den Tag genau! Ist das denn zu fassen? Heute vor fünf Jahren habe ich meine erste Rezension in die Welt hinausgeschickt und habe damals gespannt darauf gewartet, welche Reaktionen es geben wird. 5 Jahre ist das jetzt her, kaum zu glauben! In diesen 5 Jahren habe ich ganz viel erlebt und gelernt, von diesen Erfahrungen und Erkenntnissen möchte ich euch heute gerne erzählen.

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1.) Ich gestatte mir selbst, mich und meine Meinung immer mal wieder zu ändern: 

Wenn ich auf die vergangenen 5 Jahre zurück blicke, blicke ich nicht nur auf ein riesiges Archiv an Buchempfehlungen zurück, sondern auch auf das, was nicht geklappt hat und Ideen, die gescheitert oder nach kurzer Zeit wieder eingeschlafen sind. Ich glaube, dass Veränderungen zu einem Blog dazu gehören und das es erlaubt sein sollte, Dinge auszuprobieren, weiterzuentwickeln oder zu verwerfen. Vieles von dem, was ich vor Jahren gemacht habe, mache ich heutzutage ganz anders. Für mich ist einfach nur wichtig, immer offen für Veränderungen zu sein und auch dafür, mich weiterzuentwickeln.

2.) Zahlen sind nicht alles

Ich kann mich noch ganz genau an meine ersten Schritte als Buchbloggerin erinnern und vor allen Dingen daran, wie wichtig mir die Zahlen gewesen sind: wie viele haben meinen Beitrag gelesen, geliket, kommentiert? Wie vielen gefällt eigentlich meine Facebookseite? Und warum wurde mein Instagrambild dieses Mal nur dreiundzwanzig Mal geliket? Natürlich ist es ein großartiges Gefühl, wenn ein Beitrag von möglichst vielen Menschen gelesen wird – Zahlen sind aber nicht alles! Ich mache mich nicht mehr mit meinen Statistiken verrückt, denn ein Buchblog ist schließlich kein Wettbewerb. Eines kann ich euch verraten: Euer Leben wird auf gar keinen Fall glücklicher oder erfüllter sein, wenn ihr endlich dreihundert Besucher am Tag habt. Sobald ihr dreihundert Besucher am Tag habt, wollt ihr sechshundert haben und dann tausend und dann zweitausend. Mehr Besucher, mehr Kommentare, mehr Likes – das ist ein Kreislauf, der nie endet und das einzige, das mir damals geholfen hat, war ein bisschen mehr Gelassenheit. Ich habe heutzutage um die 500 Besucher am Tag, manchmal gibt es auch Wochen, in denen ich 300 Besucher habe – aber ich habe aufgehört, mir darüber Gedanken zu machen. Stattdessen tue ich einfach das, was mir am meisten Freude macht und glaube daran, dass meine Besucher schon ganz gerne bei mir bleiben wollen.

3.) Qualität ist immer wichtiger als Quanität

Ich hatte früher noch deutlich mehr Zeit für meinen Blog und es gab Wochen, in denen ich manchmal bis zu vier Beiträge veröffentlicht habe. Als ich im vergangenen Jahr dazu gezwungen gewesen bin, deutlich kürzer zu treten, ist mir klar geworden, dass es vielleicht gar nicht so klug gewesen ist, meine Leser so mit neuen Beiträgen zu überschütten. Wer kann das eigentlich noch alles lesen? Wer hat die Zeit, sich mit all diesen Buchtipps und Beiträgen zu beschäftigen? Heutzutage verzichte ich lieber mal auf den einen oder anderen Beitrag, bevor ich nur etwas veröffentliche, um Lücken zu füllen und nehme mir stattdessen etwas mehr Zeit dafür, einzelne Beiträge vorzubereiten. Mit einem einzelnen Post in der Woche kann ich manchmal mehr Leute erreichen, als mit drei oder vier Beiträgen – denn in den einen habe ich richtig viel Zeit und Mühe investiert. Außerdem habe ich so viel mehr Zeit für mich selbst, für das Lesen und dafür neue Ideen für meinen Blog zu entwickeln. Klingt gut, oder?

4.) Ich möchte andere an meinem Wissen teilhaben lassen

Ich glaube, dass ich eine der ersten Buchblogger auf einer Bloggerkonferenz gewesen bin, damals habe ich mich ziemlich exotisch gefühlt, heutzutage habe ich schondeutlich mehr von uns animiert, mit mir zu kommen. Die Möglichkeit, sich gemeinsam mit anderen über das zu unterhalten, was ich so gerne tue, macht einfach Freude. Ebenso viel Freude macht es mir, mein eigenes Wissen zu teilen: entstanden ist daraus in den vergangen Jahren die Kategorie #bloghilfe, der Blogger Newsletter und nun auch mein Literaturbloggerbuch (habe ich euch  schon erzählt, wie aufgeregt ich deshalb bin?).

Insgesamt ist es mir einfach wichtig, mir Zeit für andere zu nehmen, für die Kommentare hier auf meinem Blog, für Mails, die mich erreichen, für Wortmeldungen auf meinen sozialen Kanälen. Mein Blog ist für mich nicht nur ein Publizierungsorgan, sondern auch ein Interaktionsmedium!

5.) Ich bin ich selbst

Es ist für mich lange nicht leicht gewesen herauszufinden, wie ich mich sehe und wie ich sein möchte. Es gab in den vergangenen fünf Jahren immer wieder Momente, in denen mir die Rezensionsexemplare über den Kopf gewachsen sind. Rezensionsexemplare, die ich mir bestellt habe, weil ich sie auf anderen Blog gesehen habe – nicht, weil ich sie lesen wollte. Auf Buchblogs passiert tagtäglich so viel, dass es für mich nicht immer leicht gewesen ist, nicht ständig nach rechts und links schauen zu wollen. Heutzutage lautet mein Motto: ich möchte den Blog schreiben, den ich selbst gerne lesen würde! Für mich ist es nicht hilfreich, ständig zu anderen Blogs rüber zu schielen und mich zu vergleichen – ich habe meinen Stil, meine eigene Meinung und meinen Geschmack. Das gefällt nicht allen, aber immerhin gefällt es mir! Ich kann euch verraten, dass diese Sichtweise ungemein entspannt!


1473405850431Den größten Anteil an meinem Blog habt aber ihr – ich freue mich immer wieder wie ein kleines Kind über jeden Kommentar von euch, jeden Austausch und jede Rückmeldung. Deshalb gibt es auch ein kleines Dankeschön zum fünfjährigen Geburtstag – unter all denjenigen, die diesen Beitrag bis zum 30.9.2016 kommentieren, verlose ich eine selbstgenähte Buchstabentasche.

Viel Glück, vielen Dank und auf die nächsten fünf Blogjahre!

 

Meine liebsten Buchhandlungen in Hamburg

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Als ich vor fast genau einem Jahr nach Hamburg gezogen bin, da war ich vor allen Dingen gespannt darauf, ob ich hier eine neue Heimatbuchhandlung finden werde. Ich bin immer auf der Suche nach neuen Buchhandlungen und neuen Orten rund um das Buch. Eine feste Stammbuchhandlung habe ich nicht gefunden, dafür aber ganz viele schöne, außergewöhnliche und gut sortierte Buchhandlungen, die ich immer wieder gerne ansteuere. Heute möchte ich euch diese Buchhandlungen gerne vorstellen, klickt euch durch und besucht so viele davon wie möglich, wenn ihr das nächste Mal in Hamburg seid.

Büchereck Niendorf

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Die Buchhandlung von Christiane Hoffmeister ist im Hamburger Stadtteil Niendorf gelegen. In schönem Ambiente findet man im Büchereck alles, was das literarische Herz begehrt: von Kinderbüchern, über Krimis, bis zu einer schönen Auswahl zeitgenössischer Literatur. Neben vielen tollen Lesungen sind ein besonderes Highlight auch immer wieder die schön gestalteten Schaufenster sowie die innovativen Bestellmethoden – Bücher könnt ihr bei Christiane nämlich auch per Twitter oder WhatsApp bestellen. Wenn du Hamburg besuchst, solltest du auf jeden Fall in Niendorf vorbeischauen!

Cohen+Dobernigg

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Die Buchhandlung cohen+dobernigg liegt mitten im Schanzenviertel und hat mich vor allen Dingen durch ein wunderbares Ambiente überzeugt. Die Bücher sind auf einer kreisrunden Auslagefläche angerichtet (die sich aber nicht dreht!) und jedes Mal, wenn ich wieder da bin, stoße ich dort auf Titel, die ich sonst nirgendwo entdecke: es finden sich dort viele Bücher aus kleinen und unabhängigen Verlagen. Neben dem tollen Buchangebot gibt es hier übrigens auch die Möglichkeit, literarische Zeitungen zu kaufen.

Buchhandlung & Antiquariat Lüders

1470488413441Die Buchhandlung Lüders findet sich in der belebten Osterstraße im Hamburger Stadtteil Eimsbüttel. Lüders ist eine bunte Mischung aus Sortimentsbuchhandlung und Antiquariat. Beim Betreten des Buchladens habe ich immer das Gefühl, dass hier jeder einzelne Quadratzentimeter mit Büchern belegt ist – bis unter die Ecke. Es herrscht einfach eine Atmosphäre, die direkt zum Stöbern einlädt – bei Lüders finde ich nicht nur zwischen all den Romanen etwas, sondern häufig auch bei den Kinder- und Jugendbüchern.

Buchhandlung Heymann (Eppendorfer Baum)

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Bei der Buchhandlung Heymann handelt es sich um eine Kette, die mehrere Filialen in Hamburg betreibt – unter anderem auch in der Osterstaße. Ich besuche allerdings besonders gerne die an der U-Bahnhaltestelle Eppendorfer Baum. Ich kenne kaum eine andere Buchhandlung, die so verwinkelt ist, wie diese. Neben Romanen, gibt es hier auch eine bunte Auswahl an Sach- und Fachbüchern sowie tollen Artikeln rund um das Buch. Hier habe ich übrigens auch zum ersten Mal die sogenannten Blind-Date-Bücher entdeckt!

Buchhandlung Stolterfoht

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Die Buchhandlung Stolterfloth ist eigentlich nur ein kleiner Bücherpavillon, der ganz unscheinbar in der Rothenbaumchaussee steht. Wirklich auffallen, tut er nur nachts, wenn das Schaufenster hell erleuchtet ist. Hier findet man alles abseits des Mainstreams: eine handverlesene Auswahl an kaum bekannten Büchern. Ein Paradies für wahre Buchliebhaber und auf jeden Fall einen Besuch wert!

Buchhandlung stories!

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Die Buchhandlung stories! gibt es gleich zweimal in Hamburg – besonders gerne besuche ich die in der Nähe der Grindelallee. stories! verfolgt ein ganz eigenes Designkonzept: die Regale wachsen in die Höhe, viele Bücher werden frontal präsentiert und alles ist in weiß und ganz schlicht gehalten. Neben den Romanen finden sich hier auch Koch- und Designbücher sowie Lebensratgeber. Eine bunte Mischung, die mich immer wieder dazu einlädt, zu stöbern und Bücher zu entdecken, die ich sonst vielleicht nie in die Hand genommen hätte. stories! hat auch ein kulinarisches Angebot und lädt zum Stöbern und Kaffeetrinken ein.


So – und wie sieht es bei euch aus, liebe Hamburger und Hamburgerinnen? Welche Buchläden fehlen noch auf meiner Liste? Welche müsste ich unbedingt noch entdecken?

Ein Traum geht in Erfüllung!

Es wird euch sicherlich aufgefallen sein, dass es hier zuletzt auf dem Blog ein wenig ruhiger zuging. Der Grund dafür ist, dass ich in den letzten Wochen ganz viel Zeit gebraucht habe, um ein anderes Projekt abzuschließen: mein Herz pocht jetzt wie wild und ich bin ziemlich aufgeregt, denn lange war es mein kleines Geheimnis, aber endlich darf ich davon erzählen! Ha! Mein eigenes Buch, ganze 150 Seiten über das Thema, das mir am meisten am Herzen liegt!

Ja, genau – ihr seht richtig! Unter dem Titel “Literaturbloggerbuch” wird mein erstes eigenes Buch erscheinen, in dem ich euch ganz viele Tipps, Tricks und Hinweise rund um das Bloggen über Bücher weitergeben möchte. Für mich ist das ein ganz großer Teil der Freude, die ich am Bloggen habe: dass ich mein erworbenes Wissen mit anderen teilen kann. Ich muss gestehen, dass das ziemlich aufregend für mich ist und dass mich gerade kurz vor Veröffentlichung so leichte Selbstzweifel einholen: wird es wohl meinen Lesern gefallen? Sind die Tipps hilfreich gut genug? Was habe ich überhaupt noch einmal geschrieben? Oh Gott, was habe ich mir dabei gedacht!

Es klingt wie ein Klischee, aber ich habe immer schon davon geträumt, mal ein Buch zu schreiben und ich freue mich, dass dieser Traum wahr geworden ist. Es handelt sich übrigens um ein eBook und es wird am 30.9.2016 erscheinen. Ihr könnt es aber schon jetzt vorbestellen.
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Infos zum Buch:
Titel: Literaturbloggerbuch
ISBN: 9783955308773
Preis: 4,99€
Seitenzahl: 150 Seiten
Erscheinungsdatum: 30.9.2016

Bestelllink: Amazon, ebook.de, Hugendubel

Euch danke ich für all die Unterstützung in den letzten Jahren, für jeden Kommentar, jedes Like und jede Bestätigung – denn all das hat mir den Mut gegeben, dieses Projekt in Angriff zu nehmen. Ich hoffe, dass ich euch mit meinem Buch etwas von mir weitergeben kann, dass euch weiterhilft, euch neue Ideen gibt und euch ermutigt, auch weiterhin über Bücher zu bloggen oder damit anzufangen. Ich freue mich übrigens über jede Rückmeldung, über Lob, Kritik, Wünsche und Ergänzungen!

Bloomsday

In der Literarischen Welt, die der letzten Ausgabe der Welt beilag, gab es unter dem Titel Joyce und ich einen wunderbaren Essay über den Schriftsteller James Joyce – geschrieben von Karl Ove Knausgard. In diesem Jahr ist es bereits 100 Jahre her, dass “Ein Porträt des Künstlers als junger Mann” erschien, für Knausgard ist das Buch aber auch heute noch eines, das eine wichtige Rolle in seinem Leben spielt. Für ihn ist es ein Bildungsroman über Identität und darüber, was uns zu dem formt, was wir sind – ihm zeigte es, was Individualität eigentlich bedeutet.

Joyce und ich

Auch Ulysses, das größte und sicherlich bekannteste Werk von James Joyce, hat Knausgard gelesen … oder, man müsste schon fast sagen, studiert:

Ich las das Buch wie ein Archäologe, der eine Erinnerung an die Vergangenheit ausgräbt, indem er Schicht für Schicht freilegt, Teilchen um Teilchen, und dann versucht, daraus ein sinnvolles Ganzes herzustellen; und die ganze Zeit stand mir meine eigene Unterlegenheit und Begrenzung diesem Werk gegenüber klar vor Augen. 

Karl Ove Knausgards Essay, der von Ulrich Sonnenberg übersetzt wurde und auch auf Englisch bereits in der New York Times erschien, ist eine schöne Erinnerung an einen Schriftsteller, dessen Name mir in meinem Leben zwar immer wieder begegnet ist, den ich bisher aber noch nicht gelesen habe.

Ein schöner Anlass dazu, wäre vielleicht der heutige Tag, also der 16. Juni, an diesem Tag wird nämlich der Bloomsday gefeiert. Der Bloomsday geht auf die literarische Figur Bloom aus Joyce’ Ulysses zurück und ist damit wohl einer der wenigen Feiertage, die sich tatsächlich auf eine literarische Person berufen – wie könnte man diesen Tag also besser zelebrieren, als mit der Lektüre von James Joyce?

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Alternativ könnt ihr an diesem Tag aber auch modemäßig an Joyce erinnern und dunkle Kleidung und einen „Qualitätshu“ tragen – so heißt die Kopfbedeckung im Ulysses, denn Bloom trägt einen „Hu“, weil das „t“ der Aufschrift im Lederband schon abgerieben ist.

Wie auch immer ihr den Bloomsday begehen wollt, für mich war Knausgards Essay eine schöne Erinnerung an einen spannenden Schriftsteller, den ich nun doch unbedingt noch entdecken möchte.

Lebensbücher

Wenn ich eines liebe, dann sind es diese Literaturbeilagen, die regelmäßig den großen Tages- und Wochenzeitungen beiliegen: zu Weihnachten, zu den Buchmessen und natürlich auch zur Sommerzeit. Der neue Literaturspiegel, der der aktuellen Ausgabe des SPIEGELS beiliegt, kommt dieses Mal als Sommerausgabe daher: es werden zehn Schriftsteller und Schriftstellerinnen nach den Büchern ihres Lebens gefragt, nach Büchern, die sie verwandelt, verändert und geprägt haben. Für mich ist so etwas immer eine Einladung, auf Entdeckungsreise zu gehen: ein Buch, das für andere ein Buch des Lebens gewesen ist, das könnte doch auch für mich interessant sein, oder? Es sind Navid Kermani, Elke Heidenreich, Joachim Meyerhoff, Feridun Zaimoglu, Orhan Pamuk, Katja Petrowskaja, Juli Zeh, Saša Stanišić, Eva Menasse und Zeruya Shalev die Auskunft über ihre Lektüre geben. Der schönste Satz, den ich mir in der Beilage angestrichen habe, stammt übrigens von Eva Menasse:

Und all das viele, was man gelesen hat, ist am Ende nur ein Papierschiffchen auf dem Meer des Genialen, Ungelesenen.

Es ist wunderbar durch die Leseempfehlungen der Schriftsteller und Schriftstellerinnen zu blättern, ihrer Begeisterung nachzuspüren und dabei bekannte und noch ganz und gar unbekannte Bücher zu entdecken.

Erwähnung finden unter anderem die folgenden Bücher:

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Navid Kermani empfiehlt Auf der Suche nach der verlorenen Zeit von Marcel Proust, Elke Heidenreich Homer Hickam mit Albert muss nach HauseJoachim Meyerhoff erwähnt Sylvia Plath und ihren Roman Die Glasglocke, Feridun Zaimoglu nennt Hiob von Joseph Roth, von Orhan Pamuk kommen die Tipps Bekenntnisse von Jean-Jacques Rousseau und Die Dämonen von Fjodor Dostojewski, Eva Menasse empfiehlt Zeiten des Aufruhrs von Richard Yates und Tipps für die Wildnis von Margaret Atwood, Katja Petrowskaja weist auf Alice im Wunderland von Lewis Carroll hin, während Juli Zeh gleich mehrere Lieblingsbücher hat (Freiheit von Jonathan Franzen und Unendlicher Spaß von David Foster Wallace). Ach, und von Zeruya Shalev wird Das öde Land von T.S. Eliot als Lebensbuch genannt.

Eine – wie ich finde – tolle und spannende Mischung aus aktuelleren Büchern und Klassikern, einige davon sind direkt auf meine Wunschliste gewandert. Besonders neugierig geworden bin ich auf Albert muss nach Hause. Wenn ich darüber nachdenken würde, welches Buch mein Lebensbuch ist, dann könnte ich mich übrigens nur schwer entscheiden, auch wenn es natürlich einige Bücher gibt, die mich besonders geprägt haben – das sind weniger Neuerscheinungen, sondern eher Bücher, die ich bereits vor vielen Jahren gelesen habe. Ich denke dabei zum Beispiel an Der Fänger im Roggen, vielleicht lieber morgen oder Buzz Aldrin wo warst du in all dem Durcheinander.

Wie ergeht es euch denn: habt ihr Bücher, die ihr als Lebensbücher bezeichnen würdet? Bücher, die euch besonders geprägt haben? Ich bin gespannt! 🙂

Ein Tag bei Suhrkamp

Als ich die Einladung erhalten habe, einen Tag beim Suhrkamp Verlag zu verbringen, da konnte ich nicht nein sagen – zu groß war die Versuchung, mal einen Blick hinter die Kulissen zu werfen. Vergangene Woche war es dann endlich so weit und ich war von Donnerstag bis Freitag in Berlin.

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Mit mir gemeinsam sind vierzehn weitere Blogger nach Berlin gereist, um sich den Verlag mal von innen anzuschauen. Waren die Frauen früher immer in der Mehrheit, war das Geschlechterverhältnis dieses Mal ausgeglichen – es ist schön zu sehen, dass es immer mehr männlichen Bloggernachwuchs gibt. Mit dabei war zum Beispiel Ilja Regier von Muromez, dessen Bericht ihr hier lesen könnt.

Unser Aufenthalt in Berlin startete mit einem Besuch des Deutschen Theaters, dort wurde nämlich der Roman Mittelreich von Josef Bierbichler aufgeführt, der 2011 im Suhrkamp Verlag erschienen ist. Vorab erhielten wir die Möglichkeit, uns mit Christiane Schneider zu unterhalten, die den Theater Verlag von Suhrkamp leitet und uns ein wenig von ihrer Arbeit berichtete. Ich muss an dieser Stelle gestehen, dass ich nicht allzu häufig ins Theater gehe, umso schöner war es, durch diesen Besuch wieder einmal an das Erzählen auf der Bühne herangeführt zu werden. Die Umsetzung von Mittelreich – für die übrigens Anna-Sophie Mahler verantwortlich ist – hat auf jeden Fall dazu angeregt, auch mal einen Blick in das Buch zu werfen.

Suhrkamp Begrüßung

Der nächste Tag bot dann ein proppenvolles Programm und einen Schnelldurchlauf durch die Buchproduktion in einem Verlag. Wir haben die Presseabteilung besucht, die daran arbeitet, möglichst viele Titelbesprechungen in die Zeitungen, ins Radio oder ins Fernsehen zu bekommen. Anschließend haben wir einen Abstecher in die Abteilung für Rechte und Lizenzen gemacht – dort hat uns Nora Mercurio Einblicke in ihre Arbeit gewährt. Bei dem Versuch Titellizenzen ins Ausland zu verkaufen,  sind sogenannte sample translations übrigens zu einem der wichtigsten Instrumente geworden. Genauer heißt das, dass zu bestimmten Titeln Probeübersetzungen angefertigt werden, die an die ausländischen Verlage versendet werden – dies dient dazu, den Verlagen einen ersten Einblick in die angebotenen Titel zu gewähren. Anschließend haben wir uns mit der Herstellungsleiterin Alexandra Stender getroffen und es wurde bibliophil: sie hat uns einige ihrer besonders aufwendig gestalteten Bücher präsentiert und es ging um Fadenheftung, Lesebändchen, Vorsatzpapier und die Wahl des passenden Leinens. Die größten Trends in der Herstellung sind momentan übrigens der Farbschnitt, die Klappbroschur und der große Wunsch endlich ein Material zu finden, das nicht schnabelt. Kennt ihr eigentlich den Begriff schnabeln? Ich kannte ihn bis dahin auch nicht, gemeint ist damit, dass der Buchdeckel im Laufe der Zeit an Spannung gewinnt und hochklappt.

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Die Einblicke, die das Lektorat gab – Auskunft gegeben haben Frank Wegner, der für die internationale Literatur zuständig ist, sowie Doris Plöschberger, die für die nationale Literatur verantwortlich ist – waren ebenfalls interessant. Beide berichteten nicht nur über ihre Arbeit, sondern stellten auch die besonderen Highlights des kommendes Programms vor. Wir haben erfahren, dass es in Verlagen immer weniger Zeit für das Lektorat gibt und die Mitarbeiter häufig auch durch Sachzwänge zu Entscheidungen gezwungen werden. Wenn die Herstellung oder aber auch der Verkauf drängen, dann bleibt manchmal keine Zeit für einen weiteren Korrekturdurchgang. Doris Plöschberger hat auch ein wenig aus dem Nähkästchen geplaudert und erzählt, dass sie als Lektorin bei Marion Poschmann und Friederike Mayröcker immer besonders wenig zu tun hat – beide sind akribische Arbeiterinnen.

Auf diese Bücher aus dem Herbstprogramm könnt ihr euch übrigens schon mal besonders freuen:

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Elena Ferrante: Meine geniale Freundin – Callan Wink: Der letzte beste Ort – Nina Weijers: Die Konsequenzen – Anna Kim: Die große Heimkehr – Emma Braslavsky: Leben ist keine Art mit einem Tier umzugehen

Die Einblicke in die Arbeitswelt eines so großen Traditionsverlags waren unheimlich spannend, ich hätte übrigens fast an jeder Ecke ein Foto machen können, da es einfach überall Bücher, Bücher, Bücher gibt. Ich hoffe, mithilfe der Bilder kann ich euch zumindest ein ganz klein bisschen an meinen Eindrücken teilhaben lassen – sozusagen eine virtuelle Verlagsführung.

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20160521_142500Zum Ende des Tages zogen wir noch einmal in die Druckwerkstatt von Erik Spiekermann um. Dort las Emma Braslavsky aus ihrem neuen Roman und machte Lust auf mehr. Insgesamt acht Jahre lang hat sie dafür recherchiert. Der Titel – Leben ist keine Art mit einem Tier umzugehen – ist übrigens ein von ihr selbst übersetztes Zitat von Kurt Vonnegut. Zusätzlich zum Buch wird es auch noch ein Rechercheheft und eine Website geben – so etwas finde ich immer ganz besonders spannend! Als dieser aufregende Tag dann so langsam zu Ende geht, wird mir noch einmal deutlich, wie sehr sich das Standing, der Einfluss und die Wahrnehmung von Literaturblogs in den vergangenen fünf Jahren dann doch verändert hat. Es ist eine Veränderung, die ich mit Spannung verfolge und bei der ich mich hin und wieder frage, wohin sie noch führen wird. Obwohl es immer noch schwer ist, den Einfluss und die Relevanz von Literaturblogs zu messen, sind Verlage immer wieder offen dafür, mit Bloggern zu kommunizieren und zusammenzuarbeiten. Das freut mich sehr!

Mitgebracht habe ich jedoch nicht nur ganz viele Fotos, sondern auch ein kleines Trostpflaster für all diejenigen, die nicht dabei gewesen sind: unter all denjenigen, die diesen Beitrag bis zum 31.5.2016 kommentieren verlose ich Letztes Lied einer vergangenen Welt von Anthony Marra, die gedruckten Vorschauen und einen Suhrkamp Jutebeutel. Viel Glück!

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