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Alles Abseitige

Warum ich so lange keine Jugendbücher gelesen habe. Und warum ich jetzt damit anfange.

Jugendbuchstapel

1. Erwachsene, die Jugendbücher lesen

Ich habe jahrelang keine Jugendbücher mehr gelesen. Einen wirklichen Grund dafür gab es nicht. Damit verbunden war vielleicht die Vorstellung, dass man als Erwachsener nur noch das tut, was für Erwachsene vorgesehen ist. Ich treibe mich schließlich auch nicht mehr auf Spielplätzen herum oder auf der Rutsche im Schwimmbad. Aber warum eigentlich nicht? Erstaunlicherweise habe ich als Jugendliche zwar auch Jugendbücher gelesen, mich aber vorwiegend in der Bibliotheksecke für Erwachsene aufgehalten. Es war mir so wichtig erwachsen zu sein, da war es dann auch zweitrangig, dass ich den Roman von Proust eigentlich gar nicht wirklich verstanden habe. In den letzten Wochen hat sich das umgekehrt: ich bin endlich erwachsen, greife aber immer häufiger zu Jugendbüchern. Aus diesem Bedürfnis, Bücher in die Hand zu nehmen, die eigentlich für Jugendliche geschrieben wurden und von Jugendlichen erzählen, haben sich für mich einige Fragen ergeben: warum habe ich eigentlich so lange keine Jugendbücher gelesen, warum fange ich plötzlich damit an und muss mir dieses Bedürfnis etwa unangenehm sein?

2. Ein paar Theorien dazu

Eine wirkliche Theorie zu der Frage, warum ich keine Jugendbücher gelesen habe, habe ich eigentlich gar nicht. Ich glaube, dass ich mich – als Erwachsene – einfach nicht angesprochen gefühlt habe. Erst jetzt habe ich festgestellt, dass es sich auch als Erwachsene sehr passend anfühlen kann, zu Jugendbüchern zu greifen oder auch einmal ein Kinderbuch in die Hand zu nehmen. Zu der Frage, warum ich – und viele andere Erwachsene – zu Jugendbüchern greifen, habe ich dagegen mehrere Theorien:

  1. Jugendbücher haben einen Nostalgiefaktor
  2. Jugendbücher sind leichter zu konsumieren
  3. Jugendbücher geben einem die Chance, die eigene Kindheit aus der sicheren Perspektive des Erwachsenen noch einmal zu erleben
  4. Jugendbücher bieten kleine Lesefluchten

Für mich ist die Frage danach, warum man als Erwachsener Jugendbücher liest keine Frage, die sich um die Qualität dieser Bücher dreht. Für mich ist dies viel mehr eine sozial-psychologische Frage: was findet ein erwachsener Leser in Geschichten, die über und für Jugendliche geschrieben werden? Was geben mir Jugendbücher? Wenn ich von mir persönlich spreche, dann treffen alle Theorien ein wenig zu, aber die vierte Theorie ganz besonders: ich bin endlich erwachsen, darf in meiner eigenen Wohnung leben und Rechnungen bezahlen – eben all das, was Erwachsene tun. Aber so leicht ist das Leben als Erwachsene gar nicht. Ich bin zum Beispiel schon lange auf Jobsuche und das ist eine Suche, die nicht einfach und sehr frustrierend ist. Vielleicht kommt das Bedürfnis nach Jugendbüchern daher, dass ich nach einem Ausgleich suche: nach einer kleinen Leseflucht aus meinem erwachsenen Alltag.

Was ich – trotz aller Theorien feststellen muss ist, dass ich keine wirklichen Antworten finde, sondern sich immer mehr Fragen ergeben.

3. Kurze Geschichte der Jugendliteratur

EasyIntroductionTitleEine Frage, die sich ebenfalls ergeben hat, ist die Frage danach, ob eine Trennung zwischen Jugendliteratur und Erwachsenenbüchern überhaupt notwendig ist. Woher kommt eigentlich der Begriff Jugendliteratur?

Bei Jugendliteratur handelt es sich um fiktionale Literatur für Jugendliche zwischen zwölf und achtzehn Jahren, in denen es häufig jugendliche Protagonisten gibt. In der Jugendliteratur sind alle möglichen Genres vertreten, vom Liebesroman bis hin zur Fantasy. Die Unterscheidung zwischen Jugend- und Erwachsenenliteratur ist auf Sarah Trimmer zurückzuführen, die Jugendliche im Jahre 1802 zum ersten Mal als eigenständige Lesergruppe ansah. Seit vielen Jahren ist die Jugendliteratur nicht mehr aus den Buchläden wegzudenken. Dabei verschwimmen zunehmend die Grenzen zwischen Jugend- und Erwachsenenliteratur: ein Buch wie zum Beispiel die Bücherdiebin ist keines, das nur für Jugendliche vermarktet wird, sondern Leser und Leserinnen aller Altersstufen anspricht.

4. Das Entdecken einer neuen Welt

Eine eindeutige Antwort auf die Frage, warum ich so lange keine Jugendbücher gelesen habe und warum ich damit jetzt wieder anfange, werde ich wohl nicht finden. Vielleicht brauche ich die auch nicht. Für mich ist das momentane Entdecken von Jugendbüchern wie das Entdecken einer neuen Welt. Erst letzte Woche war ich zum allerersten Mal in der Jugendbuchabteilung meiner Lieblingsbuchhandlung, die ich zuvor nur ignoriert hatte. Eine freundliche Buchhändlerin hat mich ganz wunderbar beraten und mich dabei aufmerksam gemacht auf den Magellan Verlag und Königskinder Verlag. Mein Stapel Jugendbücher ist erst einmal noch hoch genug, aber ich glaube, dass das nicht mein letzter Besuch dort gewesen ist. Da habe ich noch viel zu entdecken.

Abschließend bleibt mir nur noch übrig, euch alle zu ermutigen, auch mal ein Jugendbuch in die Hand zu nehmen. Ihr müsst keine falsche Scheu haben. Ganz im Gegenteil: ihr werdet sehen, dass es eine wahnsinnig spannende und aufregende neue Welt zu entdecken gibt. Wer von euch liest denn bereits Jugendbücher und warum? Und wer von euch hat vielleicht sogar noch tolle Tipps für mich?

Literaturblogs im Radio!

Geisel

Die Menschen zum Lesen zu verführen und dazu zu bringen, zu Büchern zu greifen, zu denen sie sonst nicht greifen würden, sie neugierig auf Literatur zu machen, das ist meine Blog-Mission.

Gestern lief auf Deutschlandradio Kultur ein Feature über Literaturblogs. Die Journalistin Sieglinde Geisel hat mit ganz unterschiedlichen Vertretern des Literaturbetriebs gesprochen – zu Wort kamen unter anderem Karla Paul, Wolfgang Tischer (Literaturcafe) oder Bersarin (Aisthesis). Auch ich wurde befragt und spreche über meine Blogmission, den Namen meines Blogs und Christine Westermann. Gesendet wurde der Beitrag unter dem Titel “Im Netz ist jeder Leser ein Kritiker” und es wurden Fragen aufgegriffen, die uns in der Blogosphäre zuletzt natürlich auch beschäftigt haben: was machen diese Literaturblogger da eigentlich und wie unterscheiden sich Blogs und das klassische Feuilleton?

Sie heißen Literaturcafé, Schöneseiten, Buzzaldrins Bücher – oder auch einfach Literaturen: Jenseits der klassischen Feuilletons sind Blogs dabei, die Karten der Literaturkritik neu zu mischen.

Zwischen all den aufgeregten Diskussionen, die zuletzt geführt wurden, gelingt Sieglinde Geisel mit diesem Beitrag eine ruhige und unaufgeregte Einordnung der Debatte. Es kommen natürlich auch Kritiker von Literaturblogs zu Wort, es werden mögliche Gefahren angesprochen, es wird aber auch deutlich, was Literaturblogs auszeichnen kann.

Wer Lust hat, sollte sich die Zeit nehmen und reinhören. Tun könnt ihr das hier. Ich bin gespannt, wie euch der Beitrag gefällt! :-)

ARD Buffet: Sommerbuchtipps von Karla Paul

Es gibt nicht viele Fernsehsendungen über Bücher und wenn es welche gibt, dann laufen die häufig kurz vor Mitternacht. Umso erfrischender ist es, dass es auch Ausnahmen gibt, die diesen Trend widerlegen. Eine solche Ausnahme ist zum Beispiel Karla Paul, die im Mai diesen Jahres die Verlagsleitung bei Edel eBooks übernommen hat und – neben vielem anderen – außerdem auch zweimal jährlich Buchtipps für das ARD Mittagsbuffet gibt.

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Zuletzt gab es von ihr Büchertipps zu Ostern, nachschauen könnt ihr das hier. Mich hatte sie damals neugierig auf den Roman von Gila Lustiger gemacht, der seit kurzem bei mir im Regal steht – es besteht also Wunschzettelgefahr.

Auch heute wird es wieder Buchtipps von Karla Paul geben und zwar sommerliche. Anschauen könnt ihr euch das ab 12.15 Uhr live in der ARD, natürlich gibt es die Sendung auch im Livestream oder anschließend in der Mediathek.

Einen Blick auf die vorgestellten Bücher könnt ihr auch jetzt schon hier werfen:

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Anthony Doerr: Alles Licht, das wir nicht sehen – Alain Monnier: Die wunderbare Welt des Kühlschranks in Zeiten mangelnder Liebe – Martin Walker: Brunos Kochbuch – Sylvia Beach: Schakespeare and Company

Eine – wie ich finde – sehr spannende Auswahl, von der ich bisher nur den Roman von Anthony Doerr kenne, den ich sehr gerne gelesen habe. Die Bücher haben mir übrigens alle vier Verlage schnell und großzügig zur Verlosung zur Verfügung gestellt (auch wenn es das Buch von Sylvia Beach leider nicht mit auf das Foto geschafft hat). :-) Hinterlasst mir einfach bis zum 22.07.2015 einen Kommentar und verratet mir, auf welches der vier Bücher ihr nun am neugierigsten seid – und schon habt ihr die Chance darauf, das Buch zu gewinnen. Ihr könnt mir alternativ natürlich auch eine E-Mail an mara.giese@buzzaldrins.de schreiben.

Gewinnspiel

Hotlist 2015

Hotlist

Gestern wurden die 30 Kandidaten für die Hotlist 2015 bekannt gegeben. Vergeben wird dieser Preis bereits seit dem Jahr 2009, es gibt aber bestimmt immer noch Menschen, die nicht so ganz genau wissen, worum es dabei eigentlich geht. So erging es mir nämlich auch lange.

Die Hotlist zeichnet sich dadurch aus, dass für diese Liste einzig und allein Titel aus unabhängigen Verlagen nominiert werden. Unabhängige Verlage aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, dürfen jeweils einen Titelvorschlag einreichen, anschließend stimmt die offizielle Jury über die 30 Kandidaten, die es auf die große Longlist schaffen, ab. Das ist nun bereits geschehen und die 30 Kandidaten stehen fest! Auf der Hotlist der besten Bücher aus unabhängigen Verlagen sollen am Ende dann zehn Titel stehen. Wir Leser und Leserinnen haben übrigens die Chance, selbst drei der dreißig Titel auf die Hotlist zu befördern – über die anderen sieben entscheidet wiederum eine Jury. Zum Wahllokal geht es übrigens hier entlang! Nutzt euer Stimmrecht und wählt ganz fleißig!

Das Besondere an der Hotlist ist für mich, dass Titel aus unabhängigen (und dadurch auch unbekannteren) Verlagen nominiert werden. Obwohl ich selbst viel lese, sind mir viele der nominierten Titel unbekannt. Deshalb ist für mich die Hotlist vor allen Dingen auch eine wunderbare Möglichkeit der Entdeckungsreise: ich werde auf Titel aufmerksam gemacht, die ich ansonsten wohl nie entdeckt hätte. Von allen dreißig Kandidaten habe ich erst einen einzigen Titel gelesen: Dinaw Mengestus Roman Unsere Namen. Ungelesen im Regal steht bereits Irmina von Barbara Yelin, das zuletzt von der Klappentexterin hervorragend besprochen wurde. Aber seht einfach selbst wer nominiert ist – und viel Freude beim Stöbern!

PicMonkey CollageMerle Kröger: Havarie – Thomas Pregel: Der ertrunkene See – Joachim Zelter: Wiedersehen – Dinaw Mengestu: Unsere Namen – Monika Rinck: Risiko und Idiotie – Christian Bommarius: Der gute Deutsche – Eugeniusz Tkaczyszyn-Dycki: Tumor linguae – Éric Faye: Zimmer frei in Nagasaki – Sven Recker: Krume Knock Out – Architekturzentrum Wien (Hrsg.): Wien. Die Perle des Reiches – Julian Mclaren-Ross: Von Liebe und Hunger – Susanne Willems: Auschwitz – Ernest van der Kwast: Fünf Viertelstunden bis zum Meer – Rauni Magga Lukkari/ Inger-Mari Aikio-Arianaick: Erbmütter – Welttöchter – Peter Neitzke: Morelli verschwindet

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Klaas Huizing: Bruderland – Akram Aylisli: Steinträume – Sifiso Mzobe: Young Blood – Heike Geißler: Saisonarbeit – Arno Camenisch: Die Kur – Kai Weyand: Applaus für Bronikowski – Wu Ming: 54 – Sólrún Michelsen: Tanz auf den Klippen – Florian L. Arnold: Ein ungeheuerlicher Satz – Giuliano Musio: Scheinwerfen – Klaus Johannes Thies: Unsichtbare Übungen – Joachim Lottmann: Happy End – Patrick Deville: Kampuchea – Anke Stelling: Bodentiefe Fenster – Barbara Yelin: Irmina

Ingeborg-Bachmann-Preis 2015 geht an Nora Gomringer

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Der Bachmann-Preis 2015, der mit 25.000 Euro dotiert ist, geht in diesem Jahr an die Lyrikerin und Poetry Slammerin Nora Gomringer. Der Vortrag ihres Textes, der mit Fakten und Fiktion spielt, war beeindruckend, doch sie hat nicht nur mit ihrer Präsenz überzeugt, sondern auch mit ihrer Poesie und einem wunderbaren Sprachrhythmus. Dem Text vorwerfen kann man einzig und allein, dass er möglicherweise zu perfekt gewesen ist und zu sehr auf den Vortrag beim Bachmannpreis abgestimmt war. Da bleibt die Frage dann im Raum, ob die Performance oder das Literarische ausgezeichnet wird. In ihrer Dankesrede bedankte Nora Gomringer sich übrigens herzlich bei jedem, der ihr die Auszeichnung gönnt und schließt mit den Worten: “The points are not the point. The point is poetry.”

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Der Kelag-Preis (10.000€) und der Publikumspreis (7000€) gehen beide an Valerie Fritsch, der 3sat-Preis (7500€) wurde von Dana Grigorcea gewonnen. Damit ist die Preisvergabe in diesem Jahr ganz und gar in weiblicher Hand gewesen.

Die Jury überzeugte in diesem Jahr nicht unbedingt durch Einigkeit, es gab mehrere Runden der Stichwahl – keine der getroffenen Entscheidungen war eindeutig oder fiel gar in der ersten Runde. Dennoch habe ich das Gefühl, dass es dieses Jahr einen stärkeren Jahrgang gab als im vergangenen Jahr: die Bücher von Valerie Fritsch und Dana Grigorcea werde ich mit in jedem Fall kaufen, auch auf Nora Gomringer bin ich neugierig geworden. Mitgefühl muss man mit Teresa Präauer haben, die in jedem Wahlgang dabei war, doch am Ende dennoch leer ausging.

Wer übrigens alles noch einmal ganz genau nachlesen möchte, der sollte sich auf der Webseite des Bachmann-Preis umschauen – dort finden sich auch alle Texte der teilnehmenden Autoren und Autorinnen.

Warum ich Literaturblogs mag

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Auch das heiße Wetter hält nicht davon ab, sich ermüdenden Themen zu widmen. Fabian Thomas hat das tot gerittene Pferd mit drei steilen Thesen über Literaturblogs wiederbelebt. Birgit von Sätze und Schätze konterte dann gestern treffend auf ihrem eigenen Blog. Der Vorwurf ist nicht neu: Literaturblogger seien der verlängerte Marketingarm der Verlage, benutzen Instagramfilter, seien unkritisch und immer darauf bedacht zu gefallen – den Autoren, den Verlagen und dem Betrieb. Die Besprechungen seien nicht wissenschaftlich genug – sie könnten zumindest fundierter sein. Und – oh nein – jetzt gibt es sogar noch Literaturblogger, die mit dem Börsenverein kooperieren.

Ich empfinde diese Debatte als ermüdend und nervend, natürlich können solche Diskussionen immer nützlich dafür sein, die eigenen Ansprüche und die eigene Position zu hinterfragen – diese Diskussion empfinde ich jedoch als überflüssig. Ich führe meinen Literaturblog mittlerweile seit fast vier Jahren und ich tue das, weil ich einfach eine große Freude daran habe zu lesen, zu schreiben und meine Begeisterung mit anderen zu teilen. Genauso gerne lese ich auch andere Literaturblogs – Bücher kann man ja nie genug haben. Als ich damals mit meinem Blog gestartet bin, gab es nur wenige andere Blogs. Mittlerweile gibt es ganz viele, die alle einen eigenen Zugang, eine eigene Herangehensweise, eigene Vorlieben und unterschiedliche Interessen haben. Was für eine spannende Bandbreite und ich selbst kann sogar noch ganz frei entscheiden, was ich davon lesen möchte und was nicht.

Es gibt Literaturblogger, die

  • trinken Cappuccino
  • essen Kuchen
  • verwenden gerne Filter von Instagram
  • besprechen Rezensionsexemplare
  • besprechen selbst gekaufte Bücher
  • wählen sich ihre Lektüre mit Bedacht aus
  • ersparen sich Verrisse
  • kritisieren gerne
  • schreiben kurz und knapp
  • geben intensive Einblicke in den betreffenden Roman
  • pflegen einen guten Kontakt mit der Literaturbranche
  • gucken auch mal über den Tellerrand
  • sind in einem intensiven Kontakt mit ihren Lesern

und dann gibt es noch ganz viele andere. Und all diese Literaturblogs haben ihre Existenzberechtigung und ihre Leser und Leserinnen. Wie schön, dass es bei Blogs kein richtig oder falsch gibt, niemanden, der von außen seine persönlichen Maßstäbe über uns stülpen kann.

Ich werde alles dafür tun, dass diese ganze Bandbreite des Bücherbloglebens erhalten bleibt und ich mir das auswählen kann, was zu mir passt und was ich vertreten will. Ich werde also mit großer Begeisterung euch weiterhin Bücher empfehlen, dabei auch mal einen Cappuccino trinken und Fotos davon auf Instagram posten.

Bachmannpreis 2015 – es wird wieder gelesen

Vor etwas mehr als einem Monat wurden die Teilnehmer und Teilnehmerinnen des Bachmannpreises bekannt gegeben. Ab morgen beginnen sie dann wieder, die Tage der deutschsprachigen Literatur. Am Mittwochabend (1. Juli) wird der Wettbewerb mit einer Rede eröffnet und die Lesereihenfolge wird ausgelost. Gelesen und diskutiert wird dann von Donnerstag bis Samstag – die Entscheidung wird am Sonntag getroffen. Der ganze Wettbewerb wird live auf 3sat, aber auch im Internet, übertragen.

Doch wer wird dieses Jahr überhaupt antreten?

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Anna Baar: wurde 1973 in Zagreb geboren und wuchs in Wien auf. Sie studierte Publizistik und Öffentlichkeitsarbeit und lebt heutzutage in Klagenfurt. Die Anreise ist also nicht weit. Sie arbeitet freiberuflich für Auftraggeber aus der Wissenschaft, Wirtschaft und Kunst. Ihr Roman Die Farbe des Granatapfels erscheint im August im Wallstein Verlag.

Valerie Fritschwurde 1989 in Graz geboren und absolvierte ein Studium an der Akademie für angewandte Photographie. Vor vier Jahren erschien ihr Debütroman VerkörperungEN, in diesem Jahr erschien ein Gedichtband und der Roman Winters Garten im Suhrkamp Verlag.

Saskia Hennig von Lange: wurde 1976 geboren und studierte Angewandte Theaterwissenschaften und Kunstgeschichte. Sie arbeitet an einer Dissertation und hat zuletzt die Novelle Alles, was draußen ist und den Roman Zurück zum Feuer veröffentlicht.

Michaela Falkner: wurde 1970 in Oberösterreich geboren, sie lebt und arbeitet heutzutage in Wien. Ihr Buch A fucking Masterpiece erschien 2005 im Czernin Verlag, Du blutest, Du blutest 2011 im Residenz Verlag. Sie ist vor allem für ihre Performances bekannt.

Dana Grigorceawurde 1979 in Bukarest geboren und studierte dort später Deutsche und Niederländische Philologie. Im August erscheint ihr zweiter Roman Das primäre Gefühl der Schuldlosigkeit im Dörlemann Verlag.

Tim Krohn: wurde 1965 geboren und feierte seinen Durchbruch mit dem Roman Vrenelis Gärtli. Der Autor wurde bereits mit zahlreichen Auszeichnungen und Stipendien bedacht und war lange Zeit Vorsitzender des Schweizer Schriftstellerverbands. Von Tim Krohn erschien zuletzt Aus dem Leben einer Matratze bester Machart.

Jürg Halter: wurde 1980 in Bern geboren und arbeitet als Dichter, Musiker und Performance-Poet (was für eine wunderbare Berufsbezeichnung!). Er hat bereits einige Gedichtbände veröffentlicht, zuletzt erschien im Wallstein Verlag Wir fürchten das Ende der Musik.

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Nora Gomringer: wurde 1980 geboren und leitet sei April 2010 das Internationale Künstlerhaus Villa Concordia. Sie schreibt Lyrik, ist aber auch im Radio zuhören und veröffentlicht Texte im Feuilleton. Zuletzt erschien von ihr Morbus.

Teresa Präauer: wurde 1979 geboren und lebt heutzutage in Wien. Ihr Debütroman Für den Herrscher aus Übersee wurde 2012 mit dem aspekte-Preis ausgezeichnet. Mit Johnny und Jean war sie sogar für den Leipziger Buchpreis nominiert.

Katarina Poldjanwurde 1971 in Moskau geboren und hat anschließend Angewandte Kulturwissenschaft studiert und eine Ausbildung als Schauspielerin gemacht. 2011 hat sie ihren Debütroman In einer Nacht, woanders vorgelegt.

Ronja von Rönne: wurde 1992 in Berlin geboren und arbeitet seit diesem Jahr als Redakteurin für das Feuilleton der Welt. Ihre Nominierung hat wohl für das meiste Aufsehen gesorgt, denn die junge Autorin ist angesichts ihrer Texte umstritten.

Sven Recker: wurde 1973 in Bühl geboren und arbeitete jahrelang als Sportjournalist. Später engagierte er sich als Not- und Katastrophenhelfer, heutzutage schult er Journalisten aus Libyen, Tunesien oder Ägypten. Ende August erscheint in der Edition Nautilus sein Debütroman Krume Knock Out.

Monique Schwitter: wurde 1972 in Zürich geboren. Sie hat Schauspiel und Regie studiert und war an zahlreichen Schauspielhäusern engagiert. Ihr neues Buch Eins im Andern erscheint im September.

Peter Truschnerwurde 1967 in Klagenfurt geboren. Er studierte Philosophie, Politik und Kommunikationswissenschaft und lebt heutzutage als freier Schriftsteller in Berlin. Sein Romandebüt Schlangekind erschien bereits 2001. Seitdem hat er nicht nur einen weiteren Roman veröffentlicht, sondern auch Theaterstücke, Essays, ein Libretto und Reiseberichte in Zeitungen und Zeitschriften. Zuletzt erschien von ihm im Hanser Verlag Das fünfunddreißigste Jahr. 

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Wer sich übrigens noch eingehender informieren möchte, der kann sich auch vorab schon einmal die Porträts der vierzehn Autoren anschauen.

Ich bin auf jeden Fall schon ganz gespannt auf den diesjährigen Bachmannpreis. Besonders gespannt bin ich auf den Performance-Poeten, auf die wilde Ronja von Rönne, auf Teresa Präauer und Katerina Poladjan, aber auch auf Dana Grigorcea. Der Bachmannpreis scheint in diesem Jahr ganz in weiblicher Hand zu sein, so dass ich natürlich auch gespannt darauf bin, wie sich die Männer schlagen werden. Möge ein großartiger und interessanter Wettbewerb beginnen!

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