Von mutigen Forscherinnen und brillianten Künstlerinnen

Wenn Kinder zu mir in den Buchladen kommen, überlege ich mir immer: was würde ich ihnen gerne mit auf den Weg geben? Was sollte das eine sein, was sie in Kinderbüchern lernen? Mir haben Bücher fast alles beigebracht, was ich heute weiß – sie haben mich gelehrt zu leben, zu lieben und zu trauern. Doch eine der wichtigsten Funktionen, die Bücher – gerade auch Kinderbücher – haben können, ist, dass sie die Geschichte von Menschen erzählen, die für uns Vorbild und Inspiration sein können.

Ich möchte heute vier Kinderbücher vorstellen, die einen Blick in das Leben von vier ganz besonderen Frauen ermöglichen: Ada Lovelace, Frida Kahlo, Louise Bourgeois und Sylvia Earle.


Ada Lovelace kam Anfang des neunzehnten Jahrhunderts zur Welt und war ein mathematisches Wunderkind – ausgestattet mit ganz viel Phantasie. Wenn man heutzutage über große Erfindungen rund um den Computer spricht, spricht man zumeist von Bill Gates oder Steve Jobs – es war jedoch Ada Lovelace, die das weltweit erste Computerprogramm entwickelte.

Sie war die Tochter von Anne Isabelle Milbanke und Lord Byron – die Mutter war Mathematikerin, der Vater ein berühmter Dichter, der ebenso talentiert wie sprunghaft war. Seine Familie ließ er früh im Stich, seine Tochter lernte er nie wirklich kennen. Mit sechzehn Jahren wird Ada in das gesellschaftliche Leben eingeführt und trifft auf Persönlichkeiten wie Charles Dickens, Michael Faraday und Mary Fairfax Somervile. In einem dieser Salons begegnet sie schließlich auch Charles Babbage, einem Ingenieur, Mathematiker und Erfinder. Gemeinsam mit ihm entwickelte sie die analytische Maschine, die jedoch nur auf dem Papier existierte und nie umgesetzt wurde. Für eine Umsetzung fehlten die finanziellen Mittel, zudem verstarb Ada Lovelace bereits mit sechsunddreißig Jahren.

Fiona Robinson erzählt in Ada Lovelace und der erste Computer die beeindruckende Geschichte einer klugen und inspirierenden Frau, die ihr ganzes Leben lang darum kämpfte, ihre Ideen ausleben und umsetzen zu dürfen. Ergänzt wird der Text von wunderbaren Zeichnungen, die mit japanischen Aquarellfarben angefertigt und danach ausgeschnitten und neu zusammengestellt wurden. Durch diesen Effekt tauchen die Leser und Leserinnen beim Lesen tatsächlich in die Geschichte und die Ideenwelt von Ada Lovelace ein.

Es war einmal ein Mädchen namens Ada, das davon träumte, ein dampfbetriebenes fliegendes Pferd zu bauen. Damit brachte sie ihre Mutter zur Verzweiflung, denn die wollte, dass Ada mit beiden Beinen fest auf dem Boden blieb. Sie wollte, dass ihre Tochter heiratete und das gewöhnliche Leben einer englischen Lady aus dem neunzehnten Jahrhundert führte, Doch mit ihren Ideen setzte sich Ada Lovelace weit über das Gewöhnliche hinweg. Sie wurde die erste Computerprogrammiererin der Welt.

Fiona Robinson: Ada Lovelace und der erste Computer. Knesebeck Verlag, 2017. Übersetzt von Carolin Müller. 12,95€, 40 Seiten. Altersempfehlung: ab 6 Jahren.


Monica Brown widmet sich in diesem wunderbaren Bilderbuch den Tieren von Frida Kahlo. Was erstmal ungewöhnlich klingt, ist doch recht nahe liegend: Die Werke von Frida Kahlo gehören zu den bedeutendsten der Kunstgeschichte – und auf vielen von ihnen kann man immer wieder die Haustiere der Künstlerin entdecken. Im Bilderbuch Erwähnung finden zwei Affen, ein Papagei, drei Hunde, zwei Truthähne, ein Adler, eine schwarze Katze und ein Rehkitz.

Doch Monica Brown stellt nicht nur Fridas Tiere vor, sondern deutet auch hier und da an, wie vielschichtig ihr Leben darüber hinaus gewesen ist. So wird auch Frida Kahlos Beziehung zu Diego Rivera thematisiert – genauso wie ihre schwere Erkrankung. Frida Kahlo erkrankte mit sechs Jahren an Polio und wurde mit achtzehn Jahren bei einem Busunfall schwer verletzt – seitdem hatte sie ihr Leben lang mit Schmerzen und gesundheitlichen Einschränkungen zu kämpfen.

Die Zeichnungen sind wunderschön farbenprächtig und lebendig. Doch das Schönste ist vielleicht die Botschaft, die in diesem Buch steckt: manchmal können geliebte Tiere und eine große Leidenschaft dabei helfen, mit Einschränkungen und Schmerzen zurecht zu kommen. Oder wie Monica Brown schreibt: “Ihre Kunst ist auch ein Geschenk an diejenigen, die still mit einer Krankheit zu kämpfen haben. Frida benutzte ihre Pinsel, um aus Schmerz Schönheit zu machen und inmitten von Leid Kraft zu finden.

Monica Brown: Frida Kahlo und ihre Tiere. Nord-Süd Verlag, 2017. Übersetzt von: Elisa Martins. 15€, 40 Seiten. Altersempfehlung: 4 – 6 Jahre.


Amy Novesky erzählt in Lied für Louise die Geschichte der weltberühmten Bildhauerin Louise Bourgeois. Louise Bourgeois wurde 1911 in Paris geboren und starb fast hundertjährig 2010 in New York City. Berühmt wurde sie mit ihrem Werk vor allem auch deshalb, weil es ihr gelang in ihren Kunstwerken immer wieder ihre eigene Vergangenheit und Lebensgeschichte zu verweben.

Bevor ich das Buch aufschlug, wusste ich nicht, wer Louise Bourgeois war – nach dem Lesen bin ich tief eingetaucht in das Leben einer faszinierenden Frau und Künstlerin. Das Buch erzählt von ihrer Kindheit, der liebevollen Mutter und von dem Moment, in dem Louise Bourgeois damit beginnt, durch die Kunst ihren Gefühlen Ausdruck zu verleihen.

“Louise studierte noch, da starb ihre Mutter, der Tod brauch ihr das Herz. Sie fühlte sich völlig verlassen. Wie ein abgerissener Faden. Sie kehrte dem Mond und den Sternen den Rücken und verschrieb sich der Malerei. Darüber hatte sie schon so viel gelernt.”

Ergänzt wird die Lebensgeschichte der Künstlerin durch wunderbare Zeichnungen von Isabelle Arsenault. Ich glaube, dass es tatsächlich kaum ein schöneres Buch geben kann, um Kinder an so etwas wie Kunst und Kreativität heranzuführen.

Illustriert von Isabelle Arsenault und geschrieben von Amy Novesky: Lied für Louise. Das bunte Leben von Louise Bourgeois. Seemann Henschel, 2016. 40 Seiten, 16,95€. Altersempfehlung: ab 8 Jahren.


In “Das blaue Herz des Planeten” wird die Geschichte der Meeresforscherin Sylvia Earle erzählt: Sie war dreizehn Jahre alt, als sie zum ersten Mal im Golf von Mexiko tauchte. Von diesem Moment an kannten ihre Liebe zum Meer und ihr Forscherdrang keine Grenzen mehr. Zusammen mit ihrer Taucher*innenbrille tauchte Sylvia immer tiefer und tiefer und blieb dabei immer länger und länger in der Unterwasserwelt. Sylvia Earle machte schließlich ihre Leidenschaft zum Beruf und wurde Meeresforscherin.

Das Buch vermittelt einerseits einiges an Wissen darüber, warum Gewässer so wichtig sind für unser Leben und wieso wir sie deshalb schützen müssen und pfleglich mit ihnen umgehen sollten – Sylvia Earle war nicht nur eine große Forscherin, sondern auch eine engagierte Umweltschützerin. Andererseits erzählt Claire Nivola die inspirierende Geschichte eines jungen Mädchens, die Forscherin wurde. Das ist eine Geschichte, die oft noch viel zu selten erzählt wird.

Claire A. Nivola: Das blaue Herz des Planeten. Verlag Freies Geistesleben. 40 Seiten, 16€. Altersempfehlung: ab 6 Jahren.

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