Mit einer Rede von Michael Köhlmeier zum Thema “Betrogene Liebe” wird der diesjährige Bachmann-Preis heute Abend eröffnet. Die sogenannten “Tage der deutschsprachigen Literatur” finden in der österreichischen Stadt Klagenfurt in diesem Jahr zum 37. Mal statt und womöglich auch zum letzten Mal. Über das mögliche Aus dieses prestigeträchtigen Wettlesens wird diskutiert, seitdem angekündigt wurde, dass der ORF überlegt, sich aus der Übertragung der Veranstaltung zurückzuziehen. Eine endgültige Entscheidung wird erst im November fallen. Ich hoffe, dass das Wettlesen in diesem Jahr nicht zum letzten Mal stattfinden wird, da es im deutschsprachigen Raum keine vergleichbare literarische Veranstaltung gibt.
Neben vielen literarischen Highlights ist der Bachmann-Preis vielen Menschen aber vor allen Dingen auch wegen dem legendären Auftritt von Rainhald Goetz in Erinnerung geblieben, der sich 1983 beim Lesen mit einer Rasierklinge die Stirnaufschnitt.
Ein lesenswertes Special zum Bachmann-Preis gab es in der vergangenen Ausgabe der Literarischen Welt, in der nicht nur Keywords zu Klagenfurt gesammelt wurden (über die Häschenschule bis zum Babyficker), sondern mit Daniela Strigl auch noch eine meiner Lieblingskritikerin vorgestellt wurde.
Insgesamt vierzehn Autoren und Autorinnen werden in den kommenden beiden Tagen lesen, 3sat wird sowohl Donnerstag als auch Freitag die Lesungen und Diskussionen live übertragen. Eine Übersicht über die Teilnehmer und Teilnehmerinnen findet sich hier. Ich freue mich vor allem auf Hannah Dübgen und Roman Ehrlich; bei beiden können wir uns mit “Strom” und “Das kalte Jahr” auf Veröffentlichungen im kommenden Bücherherbst freuen.
Zuletzt gewannen den Preis mit Maja Haderlap und Olga Martynowa zwei Frauen; ich bin gespannt, wer dieses Jahr gewinnen wird und freue mich schon auf die Lesungen und spannenden Diskussionen der nächsten beiden Tage.
19 Comments
Eva Jancak
July 3, 2013 at 2:59 pmDas werden wir uns ja alle den Rest der Woche wahrscheinlich anschauen. Ich habe mich jedenfalls in meiner Sommerfrische schon wieder auf das Schauen, darüber Schreiben und nachher Radfahren, wie ich es auch in den letzten Jahren tat, eingerichtet. Obwohl ganz ehrlich, so wichtig, daß das jetzt bleibt, ist es mir auch wieder nicht. Da kann ich mich einigen Argumenten, wie ich sie beispielsweise im letzten Wochenendstandard fand anschließen. Es ist natürlich schade, wenn der ORF Kultur einspart, es werden aber pro Jahr vierzehn Autoren und Autorinnen eingeladen und die anderen haben ohnehin keine Chance dazu, eine Handvoll gewinnt dann irgendwas und geht seinen oder ihren literischen Weg, ein paar Lekotren und Journalisten fahren jährlich zum “schönsten Betriebsausflug der Welt” und gehen in den See schwimmen und ein paar hundert oder tausend Literaturfreaks wie wir, nehmen uns vielleicht Urlaub und schauen vom Wohnzimmer oder der Terrasse aus über 3Sat oder Internet zu und den Rest der Welt interessiert es nicht, weil er lieber Fußball oder Autorennen schaut.
Um nicht mißverstanden zu verden, es ist natürlich schade, wenn das eingespart wird, aber das glaube ich eigentlich ohnehin nicht, daß sie sich das trauen, und das kleinere das dann nicht mehr stattfindet, wird von der Öffentlichkeit vielleicht gar nicht bemerkt.
Ich gehe jetzt also eine Runde Radfahren und dann noch hundert Seiten in der Badewanne “Kristin Lasvranstochter” lesen, bevor ich mich zu der Eröffnung um halb neun setze. Eine schöne Zeit!
buzzaldrinsblog
July 5, 2013 at 12:09 pmLiebe Eva,
der Rest der Welt mag – wenn er will – gerne Autorennen und Fußball schauen und am Sonntag dann den Tatort, aber da wo die Masse ist, muss ja nicht gleich der gute Geschmack sein. 😉 Die Zahl derjeniger, die es interessiert, ist sicherlich gering, aber es gibt sie. Ich habe z.B. bei Poetry on the Road die beglückende Erfahrung gemacht, dass es ein Publikum gibt, das sich von Sprache und Worten begeistern lässt – diesem Publikum sollte man etwas bieten, auch wenn es nur wenige sein mögen. Vielleicht kommen mit der Zeit ja noch welche dazu. 🙂
Ich habe die Lesungen gestern auf jeden Fall gerne verfolgt und freue mich schon auf die weiteren Eindrücke. Und wer weiß, vielleicht wirst du – wenn der Preis weiter bestehen bleibt – ja eines Tages auch mal eingeladen. Dann würde ich auf jeden Fall Autorennen Autorennen sein lassen und mal wieder den Bachmannpreis anschauen. 🙂
Bis dahin liebe Grüße
Mara
Eva Jancak
July 5, 2013 at 3:14 pmNa, da schauen wir mal
Karo
July 3, 2013 at 7:25 pmOCCUPY KLAGENFURT!!!
buzzaldrinsblog
July 5, 2013 at 12:02 pmGute Idee! 😀
Kef Khaos
July 4, 2013 at 3:20 pmHey, endlich komme ich hier mal ins Internet. Ich werde vermutlich morgen Roman Ehrlich interviewen und falls du Fragen hast, die du gerne beantwortet hättest, kannst du sie mir gerne schreiben. Schreib am besten an: kef.khaos@hotmail.de Alles weitere kommt hoffentlich bald. Wir rennen hier von einer Veranstaltung zur nächsten ^^
buzzaldrinsblog
July 5, 2013 at 11:58 amLiebe Kef,
dass hört sich ja großartig an! 😀 Genieße die Zeit dort und viel Spaß bei dem Interview – Fragen habe ich so spontan leider keine, ich wünsche dir jedoch gutes Gelingen und freue mich schon auf deine Berichte zu deiner Zeit in Klagenfurt.
skyaboveoldblueplace
July 5, 2013 at 8:57 amHallo Mara,
hier
http://www.ksta.de/kultur/buch-fuer-die-stadt-koehlmeier-eroeffnet-bachmann-tage,15189520,23587658.html
kann man die komplette Eröffnungsrede von Michael Köhlmeyer nachlesen. Ich finde sie grossartig, denn sie fasst einerseits das (mein) ganzes Unbehagen, das man gegenüber dieser literarischen Casting-Show bei allen Verdiensten haben kann sehr gut zusammen (Jörg Fauser steht hier für viele) um aber dann doch am Ende zu dem Ergebnis zu kommen, dass das, was der ORF sprich öffentlich-rechtlicher Rundfunk mit Kulturauftrag da vorhat – nämlich die Absetzung der Veranstaltung (und damit sage und schreibe 350.000 € einzusparen) schlicht ein Skandal ist. Einer, den wir auch bei unseren öffentlich-rechtlichen Anstalten ständig beobachten können. Sehr ambivalent das ganze, so auch mein Gefühl der Veranstaltung selber gegenüber, und trotzdem… Naja, Ambivalenz ist ja durchaus auch ein literarisches Merkmal, so gesehen passt es dann wieder.
Liebe Grüsse, Kai
buzzaldrinsblog
July 5, 2013 at 12:12 pmLieber Kai,
ich danke dir für den Link! 😀 In einem Artikel hatte ich bereits gelesen, dass die Rede und die Erwähnung von Jörg Fauser wohl hohe Wellen geschlagen haben – konnte aber nicht mehr darüber erfahren. Nun freue ich mich bereits darauf, heute Abend in aller Ruhe einen Blick in die Rede zu werfen. Ich mag Michael Köhlmeier, nachdem ich ihn in diesem Jahr für mich entdeckt habe, sowieso sehr gerne als Schriftsteller und bin schon auf seine Gedanken gespannt.
Liebe Grüße
Mara
skyaboveoldblueplace
July 5, 2013 at 10:12 pmKurzer Nachklapp: richtig komplett, sogar als pdf download, gibt es die Rede hier
http://presse.bachmannpreis.eu/D/tddl2013/koehlmeier_rede.pdf
Der Link von vorher gibt zwar schon einen ziemlich grossen Auszug, aber nicht wirklich die ganze Rede. Der Nachklapp musste sein, manchmal ist so ein Bibliothekar ja ein echter Korinthenkacker…
atalantes
July 6, 2013 at 2:12 pmTja, jetzt ist es leider schon wieder vorbei, fast.
Ich habe zwei Favoriten, Heinz Helle und Benjamin Maack. Auf meiner Seite findet ihr eine Rückschau auf Donnerstag und Freitag, den heutigen Samstag werde ich später kommentieren.
buzzaldrinsblog
July 8, 2013 at 9:16 amLiebe atalante,
ich danke für den Hinweis, dann werde ich gleich mal bei dir vorbeischauen! 😀 Benjamin Maack hat mich auch begeistert, seinen Roman aus dem mairisch Verlag habe ich mir heute morgen umgehend bestellt und bin schon ganz gespannt. Von Heinz Helle gibt es leider noch keine Veröffentlichung, soweit ich das gesehen habe, er hat mich aber auch neugierig machen können. 🙂
Liebe Grüße
Mara
atalante
July 8, 2013 at 9:29 amHelles Roman erscheint im Frühjahr 2014 bei Suhrkamp. Maack Kurzgeschichten werde ich auch lesen und gespannt den neuen Band mit dem Kerbtiernerd erwarten.
Stammt Meyerhoffs Geschichte eigentlich tatsächlich aus dem zweiten Band seiner Trilogie? Ich dachte, es sei eine Bachmann-Bedingung nur unveröffentlichte Texten zu lesen? Weißt Du da mehr?
buzzaldrinsblog
July 8, 2013 at 11:53 amAuf den Roman von Heinz Helle freue ich mich schon, wenn es denn dann den Suhrkamp Verlag hoffentlich noch gibt. 😉
Ich habe mal ein bisschen recherchiert, um rauszufinden, woraus der Ausschnitt von Meyerhoff stammt, konnte dies aber nicht herausfinden. Bei den meisten anderen Teilnehmern wurde erwähnt, woraus ihre Texte stammen … schon erstaunlich. Heute Abend blättere ich noch einmal durch den zweiten Band, der hier noch ungelesen steht ….
atalantes
July 9, 2013 at 7:47 amEs wäre toll, wenn Du Dir die Mühe machen würdest. Es wurde vorgestern in einem Zeitungsartikel erwähnt, den ich leider nicht mehr finde.
Aber die wichtigere Frage ist, ob bei Bachmann nur unveröffentlichte Texte zugelassen werden?
buzzaldrinsblog
July 10, 2013 at 10:32 amIch habe nun einmal gestern Abend das Buch durchgeblättert und konnte die Passage nicht finden. Es scheint also ein eigenständiges Dokument zu sein und nicht aus dem bereits veröffentlichten Buch. Soweit ich weiß und recherchieren konnte, ist es beim Bachmann-Preis Bedingung, dass die Autoren und Autorinnen aus bisher unveröffentlichten Texten vortragen …
jancak
July 10, 2013 at 4:04 pmVeröffentlichte Arbeiten werden nicht zugelassen und das gilt auch für Lesungen und so weit ich weiß, ist man da sehr genau, so ist Gabriele Petricek, 2005, glaube ich, schon im Zug gesessen und dann zurückgefahren, weil ihr Text schon veröffentlicht war. In diesem Fall wäre es ja egal, weil nichts gewonnen, aber ein Geschrei würde es wohl geben, sollte es so sein, wie kommt man übrigens darauf?
atalantes
July 11, 2013 at 1:45 pms.o., ein Zeitungsartikel hatte es so geschildert, na ja, Journalisten irren nicht selten.
jancak
July 11, 2013 at 1:51 pmAha