David Mitchell, der als Autor vor allem durch seine Romane “Wolkenatlas” und “Die tausend Herbste des Jacob de Zoet”, bekannt geworden ist, tritt nun zum ersten Mal auch als Übersetzer in Erscheinung. Mitchell, der mit einer Japanerin verheiratet ist, hat den Erfahrungsbericht “The Reason I Jump” von Naoki Higashida aus dem Japanischen ins Englische übersetzt. Higashida hat “The Reason I Jump” mit gerade einmal 13 Jahren veröffentlicht – der japanische Junge gilt als schwer autistisch behindert, hat aber durch eine spezielle “Papptastatur” gelernt zu schreiben und zu kommunizieren.
Auch der Sohn von David Mitchell ist autistisch. Mit drei Jahren wurde die Erkrankung bei ihm diagnostiziert, die Eltern haben die Diagnose mit einer Mischung aus Angst und Erleichterung aufgenommen. David Mitchell und seine Frau haben “The Reason I Jump” zunächst heimlich übersetzt, “nur für die Therapeutinnen” des Sohnes, aber dann haben sie sich gemeinsam mit Mitchells Verleger doch entschieden, das Manuskript zu veröffentlichen, um es einer breiteren Leserschaft zur Verfügung zu stellen. Das Buch hat David Mitchell dabei geholfen, nicht nur Antworten auf brennende Fragen zu finden, sondern auch als Vater besser und anders mit der Erkrankung seines Sohnes umgehen zu können.
Wer den Erfahrungsbericht von David Mitchell, der am Wochenende in der Literarischen Welt veröffentlicht wurde, in Gänze lesen möchte, kann das hier tun. Im Original gibt es den Artikel hier. Ich habe die Lektüre als sehr lesenswert und interessant empfunden.
8 Comments
macg82
July 8, 2013 at 11:20 amSerhr interessant. Bin gerade dabei “Der Wolkenatlas” zu lesen und da mir dieser bisher gut gefällt, kommen Infos über andere Projekte des Autors gerade recht. Kommt auf jeden Fall auf die lange Warteliste des “toread” und hört sich von der Vorgeschichte bis zum Endprodukt sehr spannend an.
buzzaldrinsblog
July 10, 2013 at 10:50 amHallo Marc,
ich freue mich sehr über deinen Besuch bei mir! 😀 Wie passend, dass der Artikel für dich gerade zur rechten Zeit kommt. Häufig interessieren mich Autoren und Autorinnen als private Personen beim Lesen eines Buches nicht, aber ich finde es immer spannend, zusätzliche Informationen zu erhalten. Auf dein Fazit zum “Wolkenatlas” bin ich auch schon sehr gespannt!
macg82
July 11, 2013 at 6:25 pmIch habe mir den Artikel mittlerweile durchgelesen und finde es erschreckend, einmal wie hilflos das Umfeld auf die Diagnose reagiert und andererseits wie an dem Kind herum probiert wird ohne direkte Erkenntnisse für eine Verbesserung des Zustandes zu gewinnen. Das Buch ist durch den Artikel noch mehr in meinen Fokus gerückt. Womöglich gehe ich es noch dieses Jahr an, denn schon alleine mit diesem Artikel spricht mir Mitchell, da ich ja selber Vater eines kleinen Sohnes bin, voll und ganz aus dem Herzen…
buzzaldrinsblog
July 12, 2013 at 12:13 pmLieber Marc,
schön, dass dich der Artikel so angesprochen hat, dass du auch gleich darüber nachdenkst, dir das Buch zu besorgen. Ich hoffe – wie gesagt – auf eine deutsche Übersetzung, da mich dieser Bericht auch sehr reizt. Dabei habe ich nicht einmal Kinder, sondern nur einen Hund. 😉 Wenn du das Buch in Angriff nehmen solltest, bin ich natürlich schon sehr auf deine Eindrücke und Gedanken dazu gespannt!
Sonnige Grüße
Mara
skyaboveoldblueplace
July 8, 2013 at 3:16 pmHallo Mara,
habe gerade den Artikel gelesen, sehr berührend. Danke für den Hinweis!
Schöne Grüsse, Kai
buzzaldrinsblog
July 10, 2013 at 10:49 amGern geschehen, lieber Kai! 😀
Ich habe den Artikel am Samstag gelesen und sofort gewusst, dass ich ihn hier gerne vorstellen würde, so sehr hat mich der Bericht von David Mitchell berührt.
Bücherphilosophin
July 8, 2013 at 9:29 pmIch wusste gar nicht, dass David Mitchell einen autistischen Sohn hat. Das ändert jetzt auf einmal meinen Blick auf diesen Autor… Ich hatte mich im Winter via die Autobiografie von Tessa Korber “Ich liebe dich nicht, aber ich möchte es mal können” mit dem Thema Autismus auseinander gesetzt, aber natürlich aus der Sicht des Elternteils, bzw. der Betreuenden.
“The Reason I Jump” interessiert mich sehr. Ich muss mich nur mal erkundigen, ob es auch jetzt schon in meiner Preisklasse zu haben ist. Denn auch in dem von mir erwähnten Buch wird die Weltsicht, bzw. die sensorische Wahrnehmung von Autisten zumindest angeschnitten. Die dort gebrachten Beispiele liegen so weit außerhalb der Norm für Nichtautisten, dass sie mir kurz die Sprache verschlugen. “The Reason I Jump” liefert da sicher weitere interessante Einsichten.
LG, Katarina 🙂
buzzaldrinsblog
July 10, 2013 at 10:36 amLiebe Katarina,
ich wusste dies, bis ich am Samstag die WELT aufschlug und den Artikel las, auch nicht. Schriftsteller scheinen einfach nicht so sehr im Rampenlicht zu stehen, wie andere öffentliche Personen – oder ich habe entsprechende Berichte bisher immer überlesen. Ich habe die Auseinandersetzung von ihm mit der Erkrankung seines Sohnes als sehr berührend und lesenswert empfunden und natürlich wirft dies noch einmal ein ganz anderes Licht auf den Autor. An deine Rezension zu Tessa Korbers Bericht erinnere ich mich noch sehr eindrücklich; ich empfinde dieses Thema – obwohl ich in keiner Form persönlich betroffen bin – als sehr spannend. Zufällig hatte ich gerade als ich den Artikel von David Mitchell las auch das Buch von Matthew Dicks in Arbeit, in dem es auch um einen autistischen Jungen geht.
“The Reason I Jump” interessiert mich auch sehr, da meine englischen Sprachkenntnisse wohl aber leider nicht für eine Lektüre reichen, kann ich nur warten und auf eine deutsche Ausgabe hoffen. 🙂
Liebe Grüße
Mara