Alice Munro gewinnt den Nobelpreis für Literatur 2013

Alice Munro Nobelpreis

Es war kurz nach 13 Uhr, als ich auf der Frankfurter Buchmesse zufällig am Stand des S. Fischer Verlags vorbeischlenderte und auf einem Zettel, der an einem Regalfach befestigt war, die Nachricht las: der Nobelpreis für Literatur 2013 geht an Alice Munro. Trotz des allgegenwärtigen Messewahnsinns habe ich kurz innegehalten und mir etwas Zeit genommen. Zeit, um mich zum einen über diese Nachricht zu freuen und Zeit dafür, durch ihre dort ausgestellten Bücher zu blättern. Es brauchte nur wenige Seiten, um mich erneut in die Welt von Alice Munro hineinzuziehen.

Alice Munro, die 1931 in Kanada geboren wurde, ist bekannt für ihr umfangreiches Werk, darunter eine Vielzahl an Kurzgeschichten, interessanterweise jedoch nur ein einziger Roman. Es gab eine Zeit in meinem Leben, zu der ich mich durch diese ganz besondere Welt der kurzen Geschichten von Alice Munro hindurch gelesen habe. Es war eine Zeit, zu der ich noch keine Rezensionen geschrieben habe – deshalb finden sich von ihr leider keine Spuren in meinem literarischen Gedächtnis, ihre Geschichten trage ich dennoch immer noch in meinem Herzen und eine solche Preisverleihung ist ja auch immer wieder ein schöner Anlass dafür, Bücher erneut zu lesen.

Dem Literaturnobelpreis wurde in den vergangenen Jahre immer mal wieder nachgesagt, bei der Auswahl der Preisträger vor allem politische Aspekte im Blick zu haben – dies kann bei Alice Munro ausgeschlossen werden. Besonders macht diese Auszeichnung in meinen Augen auch die Tatsache, dass das Werk von Alice Munro durch Kurzgeschichten bestimmt wird. Die sogenannten “short stories” sind kein leichtes Genre und auch ich habe mich lange mit dieser Literaturform nicht wirklich anfreunden können, doch Alice Munro beherrscht die Kurzgeschichten wie eine Meisterin. Mein Literaturherz schlägt höher, seitdem ich weiß, dass Alice Munro für ihre literarischen Welten, die mich selbst so lange begleitet und so intensiv geprägt haben, mit dem Literatur Nobelpreis ausgezeichnet wurde. Chapeau und Glückwunsch nach Kanada!

Wer Alice Munro noch nicht kennt, dem empfehle ich einen Blick in einen schönen Essay von Jonathan Franzen und in den umfangreichen Führer durch ihr Werk bei The Millions.

Alice Munro

36 Comments

  • Reply
    mrscoffee
    October 14, 2013 at 2:24 pm

    Ich habe leider noch nichts von ihr gelesen. Aber wie du ja auch sagtest, sind preisverleihungen eine gute gelegenheit etwas wieder hervorzukramen oder auch neu zu entdecken.

    • Reply
      buzzaldrinsblog
      October 15, 2013 at 2:13 pm

      Oh ja, für mich war es eine tolle Möglichkeit, noch einmal erneut einzutauchen in die Welt von Alice Munro – ohne Preisverleihung hätte ich das sicherlich eher nicht getan. Um so gespannter bin ich, ob mir ihre Erzählbände immer noch genauso gut gefallen werden, wie sie mir vor einigen Jahren gefallen haben. 🙂

  • Reply
    buechermaniac
    October 14, 2013 at 4:49 pm

    Ich freue mich für Alice Munro, dass sie den Literatur Nobelpreis erhalten hat und natürlich freue ich mich auch für Kanada, wo es noch einige tolle Schriftsteller gibt, die ich immer gerne lese. Mir ist eigentlich gar nicht bekannt, dass Munro auch einen Roman geschrieben hat. Ich dachte immer, es wären nur Kurzgeschichten gewesen.

    Liebe Grüsse
    buechermaniac

    • Reply
      buzzaldrinsblog
      October 15, 2013 at 2:12 pm

      Liebe buechermaniac,

      ich muss gestehen, dass ich diese Information von Wikipedia geklaut habe, mir war das zuvor auch nicht bekannt, denn ich habe lediglich ihre Kurzgeschichten gelesen – den Roman habe ich mir aber gleich mal für die Wunschliste notiert.

      Liebe Grüße
      Mara

  • Reply
    julesiswriting
    October 14, 2013 at 5:12 pm

    Danke hierfür! Ich liebe Kurzgeschichten, und ich liebe kanadische Kunst! Ist so gut wie gekauft…Liebe Grüße, Julia

    • Reply
      buzzaldrinsblog
      October 15, 2013 at 2:10 pm

      Liebe Julia,

      dann passt das ja! 😀 Viel Spaß mit der Kurzgeschichtenwelt von Alice Munro, ich beneide dich darum, dass es noch vor dir liegt, sie zu entdecken.

  • Reply
    buchstabenchaos
    October 14, 2013 at 5:17 pm

    Sehr richtig, so eine Preisverleihung ist eine prima Gelegenheit, neue Autoren kennen zu lernen. Bisher habe ich von Alice Munro noch nichts gelesen, und ich gestehe, ich hatte wieder einmal sehr auf Murakami gehofft, aber was nicht ist kann ja noch werden. 😉

    • Reply
      buzzaldrinsblog
      October 15, 2013 at 2:09 pm

      Oh ja, Murakami wird ja jedes Jahr wieder gehandelt, zumindest in den Medien – es würde mich mal interessieren, ob er selbst dann auch immer wieder hofft. Ich muss gestehen, von ihm noch nichts gelesen zu haben, dass mich begeistern konnte; hast du eine besondere Empfehlung? 🙂

  • Reply
    sputniksweetheartffm
    October 14, 2013 at 5:31 pm

    Liebe Buzz Aldrin, sehr schöner Beitrag! Schon länger möchte ich etwas von Alice Munro lesen und jetzt nach dieser Auszeichnung ist die Neugier auf die Autorin noch einmal um ein großes Stück gewachsen. 🙂 Hast Du einen Tipp für mich mit welchem Band ich starten könnte? Fandest Du eine der Kurzgeschichten-Sammlungen ganz besonders toll?

    • Reply
      buzzaldrinsblog
      October 15, 2013 at 2:08 pm

      Ich danke dir für deinen Besuch und deinen Kommentar, ich habe mich sehr gefreut! 🙂 Was für ein Zufall, dass du schon länger etwas von Munro lesen möchtest, da ist diese Preisverleihung nun ja genau der richtige Anlasse. 🙂 Ich habe sehr gerne “Himmel und Hölle” gelesen, den Erzählband würde ich dir für den Start empfehlen und besonders ans Herz legen.

      Bitte berichte doch über deine Leseerfahrungen mit Alice Munro, ich wäre sehr interessiert! 🙂

      • Reply
        sputniksweetheartffm
        October 15, 2013 at 5:20 pm

        Sehr gerne! Ich mag Deine Berichte und Rezensionen sehr.

        Ja, das war allerdings ein Zufall. Ich habe vor 2 oder 3 Monaten eine Sendung mit Sylvia Beach Whitman gesehen, der Besitzerin vom Shakespeare & Company, und sie hatte ein Buch von Munro so begeistert empfohlen, dass ich dachte: Ok, ich muss einfach mal etwas von dieser Autorin lesen. 🙂 Die Preisverleihung ist nun noch der letzte Anstupser, den ich vielleicht gebraucht habe.

        Ich danke Dir sehr für die Empfehlung. “Himmel und Hölle” ist notiert. Ich werde es ganz bestimmt lesen und dann sehr gerne berichten. 🙂

  • Reply
    seitengeraschel
    October 15, 2013 at 5:55 am

    Ich habe von Alice Munro vor einigen Jahren “The Lives of Girls and Women” gelesen, und fand den Roman wirklich toll. Mit Kurzgeschichten habe ich es eigentlich nicht so, aber unter den gegebenen Umständen…

    • Reply
      buzzaldrinsblog
      October 15, 2013 at 2:06 pm

      Ich bin eigentlich auch kein Freund der Kurzgeschichten und kenne viele, denen es ähnlich geht – um so erstaunlicher empfinde ich die Tatsache, dass Alice Munro diesen Preis erhalten hat. Wie schön! 😀 Ich bin gespannt, ob du dich mit ihren Geschichten anfreunden kannst …

  • Reply
    ODudek
    October 15, 2013 at 12:01 pm

    Sehr schön! 🙂

    • Reply
      buzzaldrinsblog
      October 15, 2013 at 2:05 pm

      Danke, du hattest mich mit deinem Kommentar noch einmal dazu inspiriert! 😀

  • Reply
    ramagens
    October 15, 2013 at 5:14 pm

    Ich muss zugeben, dass Munro keine Autorin ist, die ich auf dem Schirm hatte, als es um den Literaturnobelpreis ging. Aber inzwischen ist es ja ohnehin (zumindest unter den Germanisten, die ich so kenne) häufiger so, dass die Tipps nach Ländern und nicht nach Personen abgegeben werden – auch schon bezeichnend, könnte man sagen. Mich interessiert jetzt aber wirklich, weshalb du davon ausgehst, dass man politische Motive bei der Vergabe in diesem Jahr ausschließen kann. Zumindest würde ich dagegen halten: Die Tatsache, dass es wieder eine weiße Person aus den so genanneten „westlichen Staaten“ war, hat doch eine gewisse politische Dimension.

    • Reply
      buzzaldrinsblog
      October 16, 2013 at 1:48 pm

      Natürlich ist es möglich, in jede Entscheidung eine politische Dimension hinein zu interpretieren – ich persönlich finde das aber mächtig langweilig. 😉 Ich kann mir bei der Vergabe des Preises an eine 82 Jahre alte Kanadierin keine politischen Hintergedanken vorstellen. Ganz im Gegenteil stelle ich mir vor, dass endlich einmal die Literatur gewürdigt wird. Menschen, die Spaß daran haben, das (politische) Haar in der Suppe zu finden, können aber natürlich auch in diesem Fall ganz viel interpretieren und vermuten. Mir macht das aber keinen Spaß, ich lese in der Zeit lieber ein gutes Buch! 😀

      • Reply
        ramagens
        October 16, 2013 at 5:57 pm

        Da reden wir gerade aneinander vorbei. 😀 Mir geht es nicht um politische Hintergedanken, sondern um die politische Bedeutung, die dieser Preis hat. Meist beschränkt sich die Vergabe auf zwei Bereiche: Eine Person aus dem „westlichen Kulturkreis“ oder eine Person, die sich dezidiert für diese Kultur stark gemacht hat und deshalb ggf. verfolgt wird. Das führt m.E. dazu, dass nur solche Literaten sichtbar werden, die zu einem stark eingeschränkten Kreis gehören. Literatur aus Zentralafrika oder Indochina zum Beispiel wird sehr selten hoch gehandelt oder gar ausgezeichnet. Dabei gibt es dort selbstverständlich großartige Sachen, die hat man nur nicht auf dem Schirm. Weil der Preis ja aber als eine Art „größter Literaturpreis der Welt“ rezipiert wird, führt das dazu, dass die Weltliteratur sich auf gewisse Staaten zu beschränken scheint und z.B. die Literaturen Mozambiques oder Laos international so unbekannt bleiben, wie sie es gerade sind. Es freut mich auch, das Literatur gewürdigt wird, aber es stört mich, dass es letztlich immer sehr ähnliche Literatur ist – übrigens nicht nur in politischer Dimension auf bestimmte Staaten beschränkt, sondern auch, was Gattungen angeht.

        • Reply
          buzzaldrinsblog
          October 17, 2013 at 4:18 pm

          Dann haben wir in der Tat aneinander vorbeigeredet – ich finde es dennoch schwierig, deinem Punkt zu folgen. Der Literaturnobelpreis ist ja nicht dazu da, um auf andere oder unentdeckte Länder oder Ländergruppen aufmerksam zu machen, sondern dafür, bemerkenswerte Literatur auszuzeichnen. Was das ist, ist natürlich auch immer eine Frage des Geschmacks. Mit Alice Munro wurde übrigens eine Frau ausgezeichnet, was nicht so häufig vorkommt beim Literaturnobelpreis und sogar für Kurzgeschichten, was ganz selten vorkam bisher – kleine, auf einen Kulturkreis beschränkte, Überraschungen gibt es also doch immer mal wieder. 🙂

  • Reply
    nako83
    October 16, 2013 at 12:31 am

    Sie hat es so so so sehr verdient. Und ich freue mich um so mehr, dass sie als “Meisterin der zeitgenössischen Kurzgeschichte” ausgezeichnet wurde. Kurzgeschichten werden viel zu oft unterschätzt.

    • Reply
      buzzaldrinsblog
      October 16, 2013 at 1:35 pm

      Ach, wie schön, diese Begeisterung aus deinem Kommentar herauszulesen! 😀 Erstaunlich, dass das Genre der Kurzgeschichten irgendwie dann doch immer etwas verschmäht wird – und umso schöner, dass Alice Munro nun endlich für ihre ausgezeichnet wurde. Bei den männlichen Autoren von Kurzgeschichten kann ich dir übrigens sehr Tobias Wolff ans Herz legen, falls du ihn noch nicht kennen solltest.

      Liebe Grüße
      Mara

      • Reply
        nako83
        October 16, 2013 at 1:46 pm

        Ha, ich hatte Tobias Wolff mal eine Zeitlang auf dem Schirm, aber bisher nie etwas von ihm gelesen. Daher: Danke für die Erinnerung. 🙂

        Liebe Grüße

        • Reply
          buzzaldrinsblog
          October 17, 2013 at 4:21 pm

          Ach, schön, dass ich dich auf dir noch Unbekanntes aufmerksam machen konnte – du solltest ihn lesen, er ist ein großartiger Autor! 🙂

  • Reply
    juttareichelt
    October 16, 2013 at 9:28 am

    Toller Blog, schöner Beitrag und klasse Link auf Franzen! Den Artikel werde ich in Ruhe lesen. Was mich beim Überfliegen schon “angesprungen” hat – dass es bei Munro so zentral (so ausschließlich?) um Figuren und ihre Entwicklung geht, wie bei wenig anderen Schriftsteller_innen. Und dabei um den Blick auf das “ganze Leben”, auf Lebensverläufe. Was wiederum erklärt, warum in ihren Texten weit mehr “erzählt” wird, als dass ein Schreibratgeber normalerweise erlauben würde. Vielleicht freut mich das meisten an der Preisvergabe: Dass diese wunderbaren Texte “eigentlich” gegen alle möglichen Regeln oder Erwartungen verstoßen;-)

    • Reply
      buzzaldrinsblog
      October 16, 2013 at 1:29 pm

      Liebe Jutta,

      danke für deinen Besuch und deinen Kommentar – ich freue mich sehr! 🙂 Ich bin ein großer Bewunderer von Jonathan Franzen und freue mich deshalb immer sehr, ihn in irgendwelchen Zusammenhängen erwähnen zu können. In diesem Fall hat es gut gepasst. Die Entscheidung für Alice Munro ist in der Tat ungewöhnlich, gerade weil sie so einen genau Blick hat, ganze Lebensverläufe ins Auge fasst und auf wenigen Seiten beschreibt. Wenn ich mich nicht irre, ist sie die erste Preisträgerin, die für ein Werk von Kurzgeschichten ausgezeichnet wird – was für eine erfrischende Entscheidung!

      Liebe Grüße
      Mara

      • Reply
        juttareichelt
        October 16, 2013 at 1:59 pm

        Liebe Mara,

        ich schätze Franzen auch sehr – seine literarischen Texte, wie auch seine Essays. Mit großer Begeisterung habe ich die in diesem Jahr erschienene Aufsatz-Sammlung “Weiter weg” gelesen und darin den Text “Über autobiographische Literatur”. Das ist ein seltsam kompliziertes Thema und Franzen schreibt darüber so klug und aufschlussreich, dass ich mir ein kleines Zitat nicht verkneifen kann: “… je größer der autobiographische Gehalt im Werk eines Schriftstellers, desto geringer die oberflächliche Ähnlichkeit mit seinem eigentlichen Leben.”

        Herzliche Grüße!

        Jutta

        • Reply
          buzzaldrinsblog
          October 17, 2013 at 4:21 pm

          Liebe Jutta,

          auch wenn der Essayband nicht den Weg auf meinen Blog gefunden hat, habe ich ihn auch mit Begeisterung gelesen und den Satz, den du daraus zitierst, ruft mir dieses herrliche Werk in Erinnerung. Zu den modernen Medien vertritt Franzen ja eine sehr strikte Meinung, die ich nicht immer teile, aber davon abgesehen hat er einfach sehr viel zu sagen. Schön, dass wir diese Begeisterung teilen. 🙂

          Liebe Grüße
          Mara

  • Reply
    Elena Fernández del Valle
    October 16, 2013 at 10:11 pm

    Tolle Links. Ich habe auch über Munro meinen letzten Post geschrieben. Grüsse aus Mexiko!

  • Reply
    Buecherphilosophin
    October 24, 2013 at 7:46 pm

    Ich finde es einfach wunderbar, dass Munro gewonnen hat. Das ist wirklich der perfekte Abschluss für die Karriere dieser beeindruckenden Schriftstellerin.
    Ich habe ihre Kurzgeschichten über mein Studium kennen und lieben gelernt. Ihre Fähigkeit ein ganzes Menschenleben auf lediglich dreißig Seiten einzufangen ist einzigartig. Es gibt so viele Preisträger, die aus dem Schwafeln gar nicht mehr herauskommen, dass es mich persönlich sehr freut, dass dieses Jahr eine Frau gewonnen hat, die es versteht sich kurz zu fassen.

    LG, Katarina 🙂

    • Reply
      buzzaldrinsblog
      October 25, 2013 at 1:28 pm

      Liebe Katarina,

      ach, wie toll – diese kleine Lobrede auf diese großartige Schriftstellerin hast du wirklich schön geschrieben. 🙂 In der Tat empfinde ich die Kunst sich kurz zu fassen von Alice Munro auch mal als eine erfrische Abwechslung. Und wie schön, dass sich dieses Jahr bezüglich der Begeisterung bei der Preisvergabe auch fast alle einig sind.

      Liebe Grüße
      Mara

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