Demokratisierung Literaturkritik. Fluch oder Segen?

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Gestern habe ich bereits auf die Diskussionsveranstaltung, die unter dem Motto “Jetzt reden wir!” stand, hingewiesen – heute folgt der Bericht. Organisiert und moderiert wurde die gut besuchte Veranstaltung von litlog, einem Göttinger eMagazin über Kultur, Wissenschaft und Literatur.  Am gestrigen Abend ging es um Fragen, die auch mich bereits seit langem umtreiben:

  • wie steht es um das Berufsbild des Literaturkritikers?
  • sind Buchbesprechungen ein Spezialgebiet für die Profis (Germanisten oder Literaturwissenschaftler)?
  • was ist überhaupt eine gute Literaturkritik und wer kann und darf diese verfassen?

Über diese Fragen und noch vieles mehr, diskutierten der Medienwissenschaftler Harun Maye und der Blogger und Journalist Stefan Mesch, der mit den Worten angekündigt wurde, dass er das Sprechen über Literatur maßgeblich neu prägt. Beide begannen die Diskussionsrunde mit einem Einstiegsstatement, während Harun Maye sich in seinem Statement vor allem mit dem gedruckten Feuilleton beschäftigte, warf Stefan Mesch in sechs Minuten eine Vielzahl an Fragen auf, in deren Zentrum die Unterscheidung zwischen Kritik, Empfehlung, Rezension und Produktbewertung stand.

Interessant war das Verständnis von beiden davon, was eine gute Literaturkritik ausmacht: bei Literaturkritik würde es nicht um Tipps gehen, sondern um einen viel weiteren Fokus. Stefan Mesch verglich in diesem Zusammenhang Buchbesprechungen mit Hotelbewertungen, während es bei Literaturtipps darum geht, ob der Strand schön ist und wo sich die beste Hotelbar befindet, sollte eine Literaturkritik das Urlaubsland in einen größeren Kontext rücken, sich mit den Nachbarländern beschäftigen, einen Blick auf die dunklen und verrauchten Ecken des Landes werfen und auch die Geopolitik in den Blick nehmen. Für Harun Maye bedeutet eine gute Literaturkritik die eigene Auseinandersetzung mit einem Buch, in Blogs und auch im Feuilleton liest er jedoch immer häufiger Rezensionen, die einem verlängerten Klappentext ähneln. Maye, der sich 2011 mit VLogs beschäftigte, bezeichnet Blogs an einer Stelle sogar als das Schlechtere vom Schlechten. Das, was er bereits im Feuilleton nur ungern liest, findet er noch einmal schlechter nachgemacht auf einer Vielzahl von Blogs. Harter Tobak!

Natürlich stand auch die Digitalisierung im Zentrum des Gesprächs, von beiden Diskussionsteilnehmern wurde diese nicht unbedingt als Bedrohung eingestuft, sondern ganz im Gegenteil: beide sehen durch die sozialen Medien ganz neue Wege und Formen der Literaturkritik, die für ihr Verständnis jedoch noch viel zu selten genutzt werden. Harun Maye fehlt unter Buchbloggern das Innovative: wo sind die aufregenden und neuen Formen der Literaturkritik? Als Buchblogger hat man ein breites Spektrum an Möglichkeiten, da man eigentlich alles schreiben darf, was man möchte und in einen direkten und unverfälschten Dialog mit dem Leser treten kann (ohne ein dazwischen geschaltetes Zeitungsorgan). Laut Maye profilieren sich aber noch viel zu wenig Buchblogger in der Rolle des Dilettanten, sondern versuchen stattdessen etwas nachzuahmen, das es bereits gibt. Debattiert wurde auch über die ökonomische Dimension, die zum Beispiel Lovelybooks in den Augen von Harun Maye zu einer Literaturvermarktungsplattform macht und nicht zu einer Plattform der Literaturkritik.

Ich bin mit vielen neuen Ideen und Impulsen aus dieser Diskussion hervorgegangen, mit neuen Anstößen und mit vielen Fragen, die nun in meinem Kopf herumwirbeln. Eine wirkliche Antwort darauf, wie es mit der Literaturkritik, ob nun digital oder gedruckt, weitergeht, wurde nicht gefunden, doch hängen geblieben sind bei mir die abschließenden Worte von Stefan Mesch, der sagte, dass er einfach versuchen möchte “fleißig und hungrig” zu bleiben.

 

Comments

  1. packingbooksfromboxes says

    Hmm… ich habe die Diskussion zwar nur in deiner Zusammenfassung “kennengelernt”, aber irgendwie bleibt da doch ein negativer Nachgeschmack. Ich glaube, wenn jemand im großen Stil an seinem Blog schreibt, so wie vielleicht der Herr, der an der Diskussion teilgenommen hat, geht das Ganze vielleicht in Richtung Literaturkritik, aber zumindest bei den Menschen, mit denen ich hier so in Kontakt komme, meine ich immer herausgelesen zu haben, das wir in erster Linie einfach gern über die Bücher sprechen möchten, die uns im Leben begegnen. Jedenfalls habe ich nicht festgestellt, dass einer Reich-Ranicki spielen möchte und auch meinen Intention ist das nicht. Das kann einen fast ein bisschen wütend machen…
    Vielen Dank für diesen Einblick, liebe Mara, und einen schönen sonnigen Lesesonntag für dich!

    • says

      Ich kann deinen Kommentar sehr gut nachvollziehen, auch ich hatte das Gefühl, dass Harun Maye den Literaturbloggern Motive unterstellt, die die wenigsten von uns haben dürften. Auch ich führe, trotz aller Zeit und Mühe, die ich in meinen Blog stecke, diesen vor allen Dingen als Gedächtnisstütze und schreibe meine Bucheindrücke hobbymäßig. Natürlich wäre es toll, ab und an dafür entlohnt zu werden (z.B. finanziell), aber das bedeutet ja noch lange nicht, dass wir alle heimlich davon träumen, irgendwann die nächste Iris Radisch oder Elke Heidenreich zu werden.

      Ich hoffe, du lässt dir den sonnigen Sonntag nicht zu sehr von deiner Wut vergällen … :-)

      Liebe Grüße
      Mara

      • says

        stimmt. da frage / kucke ich oft in eine andere Richtung:

        Iris Radisch, Elke Heidenreich, Denis Scheck… so würde ich SO gerne arbeiten, in 5 bis 10 Jahren. unbedingt!

      • packingbooksfromboxes says

        Rmpf… jetzt habe ich gerade eine gut durchdachte Antwort in die Weiten der Prärie verjagt :D ich versuche aber noch einmal sie zusammen zu bekommen:

        Zuerst einmal lasse ich mir den Tag natürlich nicht davon verderben :) Um die ganze Diskussion konstruktiv kommentieren zu können, hätte ich ohnehin dabei sein müssen.
        Es gibt sicherlich Blogs, die eher das Recht haben überhaupt mit Literatur ansich in Verbindung gebracht zu werden, nicht zuletzt dein eigener. Denn, und das ist überzeugt als Kompliment gemeint, bei dir habe ich immer das Gefühl auf Literatur im eigentlichen Sinne zu stoßen und das finde ich so erfrischend. Ich würde nämlich auch in meinem Buchhändlerdasein gerne viel häufiger mit solchen Titeln hantieren, aber auch an meiner eigenen Titelauswahl auf meinem Blog siehst du, dass das nicht wirklich vorkommt.
        So positiv sollte aber auch mein Inhalt in Richtung Stefan Mesch sein (der Name war mir beim Kommentieren kurz entfallen, weshalb es sehr unpersönlich mit “der Herr” endete :D ). Ich möchte mich nämlich mit meinem “trivialen Alltagsgeplänkel” (und da bin ich realistisch, denn mehr ist es -im Moment noch- nicht) mit Blogs, auf denen wirklich das Potential für Literaturkritik zu finden ist, nicht auf eine Stufe heben. Und gerade im Bezug auf diese wirklich guten Bücherblogs, finde ich es noch tragischer, dass von einem “erweiterten Klappentext” gesprochen wird.

        • says

          Ich kann deinen Anmerkungen nur zustimmen, die Beobachtung, dass es sich bei Besprechungen, um einen erweiterten bzw. verlängerten Klappentext handelt, der die meisten Bücher bedingungslos abfeiert, finde ich auch verstörend bis tragisch. Tragisch vor allem für die Blogs, die sich dann doch ein bisschen mehr Mühe mit ihren Besprechungen geben.

          ich danke dir darüber hinaus sehr für deine lieben Worte bezüglich meines Blogs, darüber habe ich mich sehr gefreut! :-)

      • packingbooksfromboxes says

        Da nicht für, wie der fromme Norddeutsche sagt :D Kommt von Herzen!
        Übrigens habe ich gestern die ganze Zeit an das “Bücher-Nörgeli” denken müssen. Das war eine Quietschfigur in Reich-Ranicki Aufmachung, die wohl zu seiner Blütezeit hergestellt wurde. Im Zuge dessen fiel mir dann auch ein Buchtitel ein, den ich doch ganz passend finde und so möchte ich etwas belustigt noch einen kleinen antiquarischen Buchtipp da lassen ;)
        http://www.zvab.com/displayBookDetails.do?itemId=239944472&b=1

  2. says

    Abschließende Antworten auf die Frage, wo es mit der Literaturkritik hingeht, werden sich vermutlich auch nicht finden lassen, das wird die Zeit zeigen. Insgesamt klingt das ja eher danach als würden Buchblogger eher kritisch beurteilt – was ich tatsächlich, trotzdem ich einer von ihnen bin, nachvollziehen kann. Sehr viele Buchblogs stellen sich selbst und die Tatsache, dass sie lesen, viel zu sehr in den Vordergrund, durch dutzende Challenges und Listen und RUBS und SUBS ..da fragt man sich manchmal, womit sich die Betreiber mehr beschäftigen: Mit sich selbst und ihrer vermeintlichen Belesenheit oder mit der Literatur. Es gibt zwar unzählige Literaturblogs, in ihrer Vielzahl kaum zu überblicken, tatsächlich aber nur wenige, die dauerhaft qualitativ gute Sachen schreiben und anstoßen. Gut,mancher will es vielleicht auch gar nicht anders, der will einfach nur hobbymäßig was in die Tasten hauen.

    Dadurch aber, dass diese Form des Buchbloggens in der Mehrheit ist, ist es auch überwiegend das, was von Buchblogs wahrgenommen wird. Literaturkritik soll neu und aufregend und spannend sein – wird gesagt. Okay, aber Literaturkritik ist ja auch im Zeitalter der Digitalisierung eine ziemlich alte Kiste, weshalb sollte ich das Rad da unbedingt neu erfinden? Und wie stellt sich Harun Maye denn dieses Spannende und Aufregende vor? Ist er darauf eingegangen? Kam es denn nach der Diskussion noch zu Fragen aus dem Publikum oder war das Ganze gleich danach Schluss? Insgesamt klingt das nach einer spannenden Diskussion, die aber nicht unbedingt ein positives Fazit unter das Thema ,Buchblogs und neue Formen der Literaturkritik’ zieht ..so scheint es jedenfalls.

    • says

      Liebe Sophie,

      ich danke dir für deine interessante Wortmeldung … ich bin mir nicht sicher, ob Blogs so negativ dargestellt/wahrgenommen worden, wie ich dies vielleicht in meinem Rückblick zusammengefasst habe. Mein Eindruck ist sicherlich auch davon gefärbt, dass ich mich stellenweise in meiner Bloggerehre “angegriffen” gefühlt habe. Insgesamt wurde doch aber schon von beiden bemängelt, dass es Blogs an innovativen Ideen fehlt, um Literaturkritik online umsetzen. Der Schluss, dass Blogger lediglich Feuilletons nachahmen (nur noch schlechter), um irgendwann selbst für das Feuilleton schreiben zu dürfen, wurde von Harun Maye gezogen und auch mir fiel es schwer, in dieser Hinsicht mit ihm mitzugehen. Ich kann nur von mir sprechen, aber ich bin mir eigentlich nicht dessen bewusst, dass ich etwas nachahme, um damit irgendwann in der FAZ zu landen. Andererseits ist der Umkehrschluss natürlich schwierig: wie soll man im Zusammenhang mit der Literaturkritik das Rad – wie du sagst – neu erfinden? Punktuell kann das sicherlich gelingen, ich denke zum Beispiel an Caterina innovative Besprechung von Tilmann Rammstedt, aber darüber hinaus? Da bin ich wohl dann doch nicht innovativ genug.

      Harun Maye hat übrigens in der Tat zwei Ideen geäußert: ein Vorschlag war, dass man eine Rezension der FAZ Satz für Satz mit Fußnoten versehen sollte, um deutlich zu machen, was einem daran nicht gefällt. Der zweite Vorschlag war – wenn ich Maye richtig verstanden habe – sich in der Rezension dem Stil des Romans anzupassen, wenn dieser einem gut gefallen hat (vielleicht ähnlich wie Caterina das gemacht hat). Stefan Mesch erwähnte noch, dass er auch “Themenbesprechung” macht, beispielsweise hat er mal 30 Dorfromane unter dem Titel “Held gegen Welt” besprochen.

      Aus dem Publikum gab es anschließend noch eine Anmerkung von jemandem, der darauf hinwies, dass die Bloggerszene (und auch die Zeitungsszene) vielleicht doch etwas heterogener ist, als das in der Diskussion deutlich wurde. Dem stimme ich zu, aber leider hast du in der Tat Recht damit, dass “die anderen” vielleicht doch präsenter sind und häufiger gesehen werden, als die Blogs, die qualitativ hochwertige Besprechungen bieten. Warum auch.

      Liebe Grüße
      Mara

      • says

        Liebe Mara,

        okay, jetzt kann ich mir etwas mehr vorstellen unter diesen innovativen Formen. Ich tue mich immer ein bisschen schwer bei solchen stetigen Rufen nach Innovation, weil es immer den etwas bitteren Beigeschmack der Überzeugung hat, dass alles, was bisher war, eben irgendwie altbacken und schlecht ist. Die bisherige Literaturkritik – sei sie nun im Feuilleton oder anderswo – ist ja nicht grundsätzlich verdammenswert schlecht. Sie ist nur, vereinzelt, etwas trocken und einheitlich, will sagen, es werden in nahezu allen Feuilletons fast zeitgleich dieselben Bücher besprochen. Aber, ich finde, da besetzen Blogger schon eine gewisse Nische, indem sie eben auch über Bücher sprechen, die im klassischen Feuilleton wenig Erwähnung finden oder denen aufgrund mangelnder Aktualität gar nicht erst ein Platz zugesprochen wird. Ist ja auch so ein Irrglaube ..dass es sich nur lohnt, über aktuelle Literatur zu sprechen. Als würde die Literatur sich alle paar Monate auflösen und mit den Novitäten neu zusammensetzen ..ich glaube, hier können Blogger durchaus ein bisschen entschleunigend wirken.

        Ich glaube, das, was vielfach den Eindruck erweckt, das Feuilleton kopieren zu wollen,ist der Wunsch, als seriöse Buchbesprecher anerkannt zu werden. Die meisten Blogger haben schließlich keinen fachwissenschaftlichen Hintergrund, da kann es leicht passieren, dass manch einer ihnen gar nicht erst zugesteht, trotz dieses “Mangels” eine inhaltlich ansprechende und qualitativ hochwertige Rezension zu schreiben. Sigrid Löffler sagte es ja – Literaturkritik ist nichts für Laien. Und vermutlich ist in manchen Kreisen diese Meinung weit verbreitet. Vielleicht geht es aber auch gar nicht so sehr darum, fachlichen Standards zu genügen, schließlich schreibe ich ja keine Dissertation, sondern Menschen zu erreichen und für Literatur zu begeistern. Möglicherweise hat die Buchbloggerszene da einfach noch nicht den Mittelweg gefunden, zwischen Feuilleton-Anbiederung und völlig unkritischer Begeisterung.

        Liebe Grüße

        • says

          Liebe Sophie,

          ich kann sehr gut nachvollziehen, dass du dich mit diesen Innovationsrufen schwer tust – mir ergeht es nicht anders. Es gibt immer wieder welche, die finden, dass immer das selbe Vokabular verwendet, die Besprechung zu lang, zu langweilig, zu gleich finden, die Innovation und Abenteuer wünschen. Ja, bitte gerne – dann macht doch mal, denke ich mir dann immer. ;-) Ich glaube auch, dass Literaturkritik im Feuilleton nicht nur schlecht ist – positiv erwähnt wurde gestern Dietmar Dath, der wohl eine Nische besetzt im Feuilleton.

          Ich muss gestehen, dass dieser Gedanke des Nachmachens, gestern zum aller ersten Mal erwähnt wurde und bisher nie mein Denken gestreift hat. Natürlich möchte auch ich als seriöse Buchbesprecherin anerkannt werden, aber das bedeutet doch nicht, dass man etwas nach macht – für mich bedeutet das lediglich, (möglichst) fehlerfreie und (halbwegs) durchstrukturierte Texte vorzulegen, um einen Hauch von Seriosität zu gewinnen. Ich glaube, dass es wahrscheinlich stark auf die Begrifflichkeiten ankommt: wenn du sagst, dass es dir darum geht, Menschen zu erreichen und zu begeistern, dann betreibst du im engeren Sinne wohl keine Literaturkritik, sondern gibst anspruchsvolle Literaturtipps. Diese Frage hatte Stefan Mesch auch in seinem wirklich hörenswerten Eingangsstatement aufeworfen – schade, dass ich es nicht aufgezeichnet habe.

          Liebe Grüße und wie schön, dass ich dich zu einem Beitrag inspirieren konnte!

      • says

        Puuuh, um mal an einem Rand der brodelnden (und sehr interessanten) Diskussion bzw vorgestellten Debatte einzusteigen: In meiner persönlichen Wahrnehmung würde ich sofort zustimmen, dass die Mehrzahl der Buch- und Literaturblogs ein großes Potential “verspielt”. Was Ausschöpfen der Möglichkeiten, Mittel und Inhalte angeht –> Kreativität. Ähnelt oft einander und ja, ähnelt oft auch “nur” einem erweiterten Klappentext. Der um Wölkchen und Sternchen Skalen erweitert wurde. Und jetzt mache ich auch schon zumindest in der Konnotation das, was in der Debatte wohl auch ganz direkt gemacht wurde: werten. Abwerten. Ich weiß gar nicht, wie es mir im Publikum dieser Debatte ergangen wäre. Sobald eine polarisierende “entweder das eine ODER das andere” einsetzt (und dabei noch eine Art Hierarchie mitschwingt), fühle ich mich wie eine tickende Zeitbombe. Da kann ich sofort verstehen, dass du dich in deiner Blogehre angegriffen fühlst, wenn es in eine solche Richtung geht (verallgemeinernd noch dazu). Was mir deshalb fehlt in deinem Nachbericht: Maras Perspektive. (Aber natürlich ist es kein Zufall, wenn die dort nicht klar steht … ;))

        • says

          Liebe Alexandra,

          ich danke dir für deine Wortmeldung! :-) Ich bin mir nicht sicher, ob Buchblogger wirklich Kreativitätspotential verspielen – wir müssen bedenken, dass niemand von uns hauptberuflich bloggt, niemand wird dafür bezahlt und die Zeit, die man dafür aufwenden kann, ist durch Berufe und Verpflichtungen begrenzt. Wie soll man dann auch noch das Rad der Literaturkritik gänzlich neu erfinden?
          Ich tue mir auch schwer damit, andere Dinge abzuwerten – gestern Abend war dies sicherlich auch dem Debattenmomentum geschuldet, Debatten leben ja nun mal von starken Positionen und dennoch musste ich manchmal schlucken, sei es nun angesichts von Kommentaren über uns Buchblogger oder eben auch Aussagen über Lovelybooks.
          Meine eigene Perspektive habe ich in der Tat erst einmal ausgeklammert, es ging mir vor allem um eine Berichterstattung und nun finde ich es spannend zu beobachten, welche Perspektiven und Meinungen hier nun geäußert werden.

          Liebe Grüße
          Mara

      • says

        Auch wenn ich mich hier ein bisschen in eure Diskussion einmische, scheinen mir die Verbesserungsvorschläge von Maye, bzw. Mesch doch einiges voraus zu setzen, dass ein Blogger, der hauptberuflich etwas anderes macht, oft noch Familie, Freunde und andere Hobbys hat, einfach nicht in der Form leisten kann.
        Für 30 Romane brauche ich zum Beispiel 4 bis 6 Monate Lesezeit. Diese dann in einer einzigen Rezension abzufeiern, so innovativ das auch sein mag… da könnte ich meinen Blog gleich schließen oder müsste zumindest pausieren.

        Ich finde es auch problematisch, dass von Maye so vehement herausragende Kreativität gefordert wird. Wie Du schon gesagt hast, ist der eigene Blog für viele Blogger einfach eine Gedächtnisstütze. Da geht es doch in erster Linie um die Beantwortung folgender Fragen:
        Hat mir das Buch gefallen? Ja/Nein? Warum? Damit eine Rezension entsteht, die mir auch Jahre nach der Lektüre meine damaligen Eindrücke in Erinnerung rufen kann.
        Ich denke, wer nur für ein potenzielles Publikum schreibt und so genau das tut, was Maye bemängelt, nämlich mit dem Feuilleton konkurrieren, wird schnell enttäuscht werden und bei der ersten Besucherflaute aufgeben.

        LG, Katarina :)

        • says

          Liebe Katarina,

          du mischt dich doch keinesfalls in eine Diskussion ein, es ist doch schön, wenn jeder seine Meinung äußert. Ich kann dir darin zustimmen, dass solch innovative Formate natürlich auch immer Zeit brauchen. Zeit, die man nicht hat, wenn man das Bedürfnis/den Anspruch hat, seinen Blog regelmäßig zu befüllen.

          Ich glaube, dass es wichtig ist zu unterscheiden: es gibt einfach nicht DEN Literaturblogger. Es gibt sicherlich viele Blogger, die ihren Blog einfach als Gedächtnisstütze betreiben, als Hobby. Es gibt aber auch ambitionierter Blogger, die viel Zeit und Mühe in ihre Blogs stecken.
          Den Impuls zur Innovation von Harun Maye habe ich auch als schwierig empfunden, gleichzeitig aber auch als wichtig: ich denke, dass sich mit den Literaturblogs etwas formiert und dass es vielleicht wichtig ist, dass wir noch stärker unsere Stärken und Vorteile nutzen, in dem wir innovative und kreative Ideen haben – das kann zum Beisiel so etwas sein wie Reading Murakami oder auch das “5 lesen 20″-Projekt.

          Liebe Grüße
          Mara

  3. says

    Danke für den Bericht! Ich seh das Ganze ähnlich wie packingbooksfromboxes: Die meisten haben doch mit dem Bloggen begonnen, um ihre Leseerlebnisse zu rekapitulieren, dauerhaft festzuhalten und sich darüber mit anderen auszutauschen. Zwar ist mein Eindruck schon, dass Blogger eine Alternative zum klassischen Literaturjournalismus darstellen wollen, aber keiner erhebt doch den Anspruch, das Schreiben über Literatur zu revolutionieren oder – wie meine Vorrednerin so schön formulierte – Reich-Ranicki nachzueifern. Letztlich muss man auch immer im Hinterkopf behalten, was Blogs ursprünglich waren: Online-Tagebücher – und dieses Subjektive, dieses öffentliche Festhalten des Erlebten bzw. Empfundene beim Lesen ist doch das, was Blogs ausmacht und sie vom Journalismus abhebt. Dass also nun ein Blogger in seinen Besprechungen sich davon distanzieren soll oder die Beiträge gar eine Art Allgemeingültigkeit bzw. alleinige Wahrhaftigkeit erhalten sollen, in dem nicht das persönliche Leseerlebnis, sondern nur noch der Gesamtkontext betrachtet wird, sehe ich daher ein wenig kritisch. Natürlich sollten Blogger auch Diskussionen anregen, neue Perspektiven eröffnen und Dinge thematisieren, die im Feuilleton keinen Platz finden, aber der Grundgedanke des Bloggens sollte m.E. nie verloren gehen.

    Insgesamt bin ich daher auch ein wenig enttäuscht von den Äußerungen am gestrigen Abend. Gerade bei Mesch, der Blogger und Journalist ist, also beide Seiten kennt, hätte ich mir eine differenziertere Auseinandersetzung mit der Thematik gewünscht, ein stärkeres Ausloten, was Bloggen kann bzw. ausmacht und wo die Grenzen des Bloggens liegen (sollten).

    Wie Sophie bin ich natürlich auch neugierig, ob auch Fragen aus dem Publikum gestellt wurden und – sofern das der Fall war – worum sich diese drehten.

    • says

      Ich glaube auch, dass Harun Maye Literaurblogs eine Dimension unterstellt hat, die diese selbst vielleicht gar nicht unbedingt für sich in Anspruch nehmen (wollen). Natürlich würde ich mich nicht zieren, wenn mir jemand den Job von Denis Scheck anbieten würde (haha), aber ich ahme niemanden nach, um dieses Ziel potentiell irgendwann zu erreichen. Ich glaube, wenn Blogger plötzlich anfangen würden, statt persönlicher Empfehlungen, detaillierte und feuilletonähnliche Besprechungen zu schreiben, würde sehr viel von dem Charme den Blogs haben, verloren gehen. Und doch glaube ich, dass das, was Stefan Mesch sagt, wichtig sein kann: hungrig bleiben, sich weiter entwickeln, lernen wollen. Zumindest trifft das auf mich zu, ich möchte mit meinem Blog keinen Stillstand haben, sondern immer neue Möglichkeiten ausloten – das gelingt mir mal mehr, mal weniger.

      Aus dem Publikum gab es wie erwähnt nur noch eine Anmerkung, die Harun Maye betraf: der Fragesteller wies auf dessen “Aggressivität” dem Feuilleton und den Blogs gegenüber hin, die dann vielleicht doch heterogener sind, als sie hier dargestellt wurden.

      • says

        “Ich glaube, wenn Blogger plötzlich anfangen würden, statt persönlicher Empfehlungen, detaillierte und feuilletonähnliche Besprechungen zu schreiben, würde sehr viel von dem Charme den Blogs haben, verloren gehen.” Exakt! Gerade das ist es doch auch, was viele Leser zu den Blogs zieht. Dass auch Blogger sich weiterentwickeln sollen, ist dabei kein Gegensatz. Genau wie man sich als Privatmensch oder auch im Job weiterentwickelt, sollte man das auch als Blogger tun – sich dabei aber eben treu bleiben. Neues einzuführen, nur um bspw. ganz oben auf einer Trendwelle mitzuschwimmen oder Anforderungen anderer gerecht zu werden, ist da der falsche Weg. Offen für Neues sollte man aber sein. Das kann durch Austausch erfolgen, bspw. indem man Diskussionen oder Konferenzen besucht oder an Workshops teilnimmt. Es kann aber auch eine “sichtbarere” Entwicklung sein: ein Blogger kann sich auf bestimmte Themen spezialisieren oder eigene Projekte ins Leben rufen. “Blogger schenken Lesefreude” und “We read Indie” (insbesondere der von euch eingeführte Indie Book Day) sind für mich hier gute Beispiele für gelungene Bloggerinititiaven.

        Schade finde ich allerdings, dass sich das Publikum nicht stärker bei der Diskussion einbrachte. Konntest du wenigstens im Nachhinein ein paar Eindrücke anderer Besucher einfangen oder ergab sich hierfür keine Möglichkeit?

  4. says

    Obwohl ich die Veranstaltung, da ich nicht dabei gewesen bin, nicht wirklich beurteilen kann, möchte ich mich dem ersten Kommentar anschließen und auch mein Unbehagen vermelden oder schreiben, daß da wahrscheinlich auch nichts Neueres, als die Bestätigung der alten Vorurteile herausgekommen ist. Das kommentiert wohl auch der Artikel, daß Litblogs das Schlechteste von allem Schlechten seien oder die Ansichten Sigrid Löfflers bezüglich der sogenannten Laienrezensenten, die man an anderer Stelle nachlesen kann.
    Die Gräben sind wohl noch sehr tief und Brücken über die man zueinander finden könnte, gibt es wohl keine. Zumindest sehe ich die nicht, denn ich habe mir, als ich die Ankündigung der Veranstaltung gelesen habe, als erstes gedacht, toll, interessant, schade, daß ich da nicht zuhören kann.
    Dann habe ich mir die Lebensläufe der Diskutanten angesehen und mich gefragt, warum ist Mara Giese nicht dabei, die ja wohl etwas dazu sagen könnte und wohl sicher so was wie einen “qualifizierten Blog” betreibt. Warum eigentlich nicht? Gab es wenigstens Diskussionsmöglichkeit?
    Ich betreibe das “Literaturgeflüster” nun schon fast seit sechs Jahren, bin etwas über Sechzig, habe Psychologie und nicht Germanistik studiert, schreibe seit 1973, mache meine Bücher selber, krebse seit sicher über vierzig Jahren im Wiener Literaturbetrieb herum, beschreibe das in inzwischen 1800 Artikeln und bekomme gelegentlich noch immer Kommentare, daß das “trottelig” sei, was ich mache oder man so etwas “Schlechtes” noch nie gelesen hätte!
    Nun gut es gibt die Internettrolls, so heißen sie ja, habe ich mir sagen lassen, aber dann war unter denen, die das meinten, auch ein anerkannter österreichischer Autor, der das “Literaturgeflüster” wohl nicht wirklich genau gelesen hat. Nun gut, daß ich manchmal nicht sehr verständlich schreibe, habe ich auch schon gehört…
    Die Gräben sind eben noch sehr sehr tief, Brücken keine zu sehen, aber das Internet hat den Betrieb gewandelt und während man darüber stöhnt, daß so wenig Leute lesen würden oder schreiben können, wächst die Zahl der Bücherblogger und das finde ich sehr sehr schön. Da gibt es sicher welche, die ihre Chicklits und Fantasy beschreiben und Challenges veranstalten, ist auch gut und soll so sein und dann welche, wie Christianes Zintzens “inadäquat”, den von Alban Nikolai Herbst, Buzzaldrin, Literaturen und und und…
    Alles sehr verschieden und von den verschiedensten Seiten und Ansprüchen her zu betrachten und die sogenannten hauptberuflichen Literaturkritiker kommen her und sagen, das interessiert uns nicht, das ist nicht gut, das nehmen wir vorsichtshalber nicht wahr, was ich ein bißchen blöd und auch schade finde, aber auch bekennen muß, daß ich die in der FAZ etc erschienenen Rezensionen meistens nicht lese, weil sie mir zu abgehoben sind, beziehungsweise nicht hören will, daß ist jetzt das Schlechteste vom Schlechtesten, wie beispielsweise MRR über Jörg Fauser, dessen literarische Ansichten ich oft nicht nachvollziehen konnte und sie für sehr subjektiv halte, aber er war ein guter Redner und eine sehr impossante Persönlichkeit.
    Ich denke abschließend, es ist gut, wenn sich die Literaturinstitute mit den Bloggern beschäftigen, aber sie sollten dann auch welche auf ihr Podium einladen und nicht nur Leute, die vielleicht nicht wirklich sehr viel Ahnung davon haben, weil sie sich mit sowas “laienhaften” nicht beschäftigen und ich warne auch die Blogger sich dafür zu halten.
    Ich tue das jedenfalls nicht, denn ich beschäftige mich schon seit über vierzig Jahren mit dem Literaturbetrieb und weiß daher zwangsläufig mehr darüber, als der, der heute die Universität verläßt, obwohl diese jungen Leute auch sehr engagiert sein können und wenn sie dann noch selber bloggen ist da ja auch sehr fein!

    • says

      Liebe Eva,

      danke für deine umfangreiche und interessante Wortmeldung! :-) Ich muss gestehen, dass ich mich natürlich gefreut hätte, wenn ich gefragt worden wäre – es hat aber niemand gefragt. Darüber hinaus hat Stefan Mesch als Journalist UND Blogger sicherlich auch ein Stück weit die “Bloggerperspektive” vertreten, während Harun Maye ja “lediglich” Leser (und Medienwissenschaftler) ist, selbst aber keine Kritiken schreibt.
      Ich finde es auch schade, dass Blogs und Feuilletons scheinbar nicht zueinander finden – ich glaube, dass da ungeheures Potential verspielt wird. Ich glaube, dass man sich nicht nur als Konkurrenz empfinden sollte, sondern auch schauen, an welchen Stellen man voneinander profitieren könnte. Diese Aufgeschlossenheit fehlt mir im deutschen Literaturbetrieb noch ein wenig, dafür scheinen Buchblogs in der breiten Masse einfach noch nicht genug akzeptiert zu werden. Ich glaube, dass Blogger ein Händchen dafür haben, Menschen für Bücher zu begeistern – das ist sicherlich nicht mit der seriösen Literaturkritik vergleichbar und doch glaube ich, dass Feuilletons diese Begeisterung ab und an ganz gut zu Gesicht stehen würde.

      Dass du ab und an “gemeine” Kommentare erhälst, finde ich schade und bedauerlich – mir ist das zum Glück noch nicht passiert. Ich finde es bedenklich, wie sehr unsere Art der Kommunikation unter den sozialen Medien leidet, denn ich glaube, dass die wenigsten dir diese Meinung auch ins Gesicht sagen würden – ohne den Computer, der dazwischen geschaltet ist.

      Liebe Sonntagsgrüße
      Mara

    • says

      Liebe Petra,

      ich freue mich sehr darüber, dass ich dich zu einem Beitrag inspirieren konnte, dem ich auch noch so uneingeschränkt beipflichten kann. Auch wenn es mühsam erscheinen mag, ich glaube, dass es unheimlich wichtig ist, dass wir als Blogger in der Diskussion bleiben.

      Liebe Grüße
      Mara

      • says

        Da stimme ich dir zu, liebe Mara, es sollte nur eine andere Diskussion sein bzw. eine Richtungsänderung in der Debatte eingeleitet werden. Blogs streben nicht unbedingt den “Heiligen Gral der professionellen Literaturkritik” an, weswegen der ständige Vergleich wenig Sinniges erbringt, für beide Seiten. Ob nun eine Rezension, ein Buch-Tipp oder kurze Käuferkommentare mit vielen Sternchen mehr für den Abverkauf eines Buchs tut, ist völlig unerheblich (außer vielleicht für die Verlage, von denen etliche ja durchaus das Potenzial der Buchblogs erkannt haben).
        Viel interessanter ist doch die Tatsache, wie viele Menschen sich aktiv mit Büchern, mit Literatur überhaupt befassen – und das in Zeiten, wo man meint, Werbung für die Aktivität Lesen machen zu müssen. Und so findet jede und jeder ihr oder sein passendes Medium, um sich auszutauschen oder nur mal kurz seine Meinung kundzutun. Das Lamento über das große Büchersterben wird damit obsolet. Eine Betrachtung der Vielfalt ist wesentlich interessanter!

  5. says

    Liebe Mara,
    danke fuer Deinen interessanten Bericht von der Veranstaltung. Ich waere gerne dabei gewesen und haette mitdiskutiert. Die kritischen Aussagen zur “Nachahmung” des Feuilletonstils finde ich durchaus bedenkenswert. Ich glaube, ich werde mir da in Zukunft auch an die eigene Nase fassen und meinen Rezensionsstil überdenken. Wie die innovativen Wege aussehen könnten, das ist mir ad hoc auch unklar, aber darüber nachzudenken finde ich wichtig. Für mich jedenfalls klingt die geäußerte Kritik eher konstruktiv – sie hätte ja auch im Iljoma Mangold-Stil elitär ausfallen können.
    Herzlich
    Tobias

  6. RoM says

    Grüß Dich, Mara.
    Ich denke, daß jeder dazu in der Lage ist die eigene Meinung zu einer Story in seine Worte zu kleiden. Egal wie einfach oder komplex die Sätze dazu gestrickt sein mögen. Eine eigene Meinung bleibt mir eine lesenswerte. Und so besehen schätze ich die Posts in all den Buchblogs meiner Wahl. Egal welchen “Niveaus”.

    Liegt vielleicht auch daran, daß ich von Klagenfurt-Preisträgerinnen bis hin zum SF-Heftchenroman, in der Breite gestreut, lese. :-)

    bonté

  7. Harun Maye says

    Liebe Mara,

    ein weiteres gutes Argument für Blogs ist ja unter anderem deren Geschwindigkeit, am Samstag gab es eine Diskussion in Göttingen, am Sonntag kann man schon einen Bericht darüber lesen. Damit die Kommentare – vor allem von Schreibenden, die gar nicht vor Ort waren – nicht in eine falsche Richtung gehen, möchte ich Ihren Bericht auch kurz kommentieren: Ich finde es ganz hervorragend, dass es Literaturblogs gibt. Ich bin kein Kritiker von Blogs und habe auch nicht gesagt, dass Blogs das Schlechtere vom Schlechten sind. Ich habe lediglich gesagt, dass ich bisher nicht so viele gefunden habe, die mich besonders begeistern und dass ich mir mehr Innovation und Kreativität wünschen würde. Aber das sage ich als Leser, der sich freut, wenn er etwas Interessantes liest, nicht als Literaturkritiker, der ich gar nicht bin. Für einen negativen Nachgeschmack besteht gar kein Grund, Stefan Mesch und ich haben die Existenz von Blogs an sich ausdrücklich und immer wieder gelobt. Ich finde auch nicht, dass alle Literaturkritiken in Blogs immer nur verlängerte Klappentexte sind, aber es gibt solche Beispiele und nur von denen habe ich geredet. Die Unterscheidung zwischen Profis und Dilettanten halte ich für nicht produktiv, bzw. habe ich gestern Abend ganz explizit den Dilettantismus als Haltung gelobt, denn ich bin ein Fan von Dilettanten und habe 1998 mit einem Freund eine kleine Sammlung von Texten dazu veröffentlicht:
    http://www.culture.hu-berlin.de/verstaerker/vs003/
    Vor allem die Texte von Stanitzek und Schüttpelz entsprechen ziemlich genau meiner Auffassung von der Produktivität des Dilettantischen und auch meinen Bedenken, wenn sich jemand selbst als “professionell” im Unterschied zum Laien bezeichnet. Also: ein Hoch auf Hobbies und geniale Dilettanten!

    Grüße von
    Harun Maye

    • says

      Lieber Harun,

      ich finde es großartig, dass Du Dich hier noch einmal zu Wort meldest, weil sich dadurch sicherlich noch einmal die Perspektive auf das Diskussionsthema erweitert. Ich habe mir für meinen Bericht einige Notizen gemacht und die Worte “das Schlechtere vom Schlechten” sind gestern Abend im Zusammenhang mit den Feuilletonbesprechungen (die nur noch schlechter von den Bloggern nachgemacht werden) gefallen, so aus dem Kontext gerissen mag sich das aber sicherlich negativer anhören, als es möglicherweise gemeint war. Natürlich betrifft das sicherlich nicht alle Blogs, ich hätte mich aber gefreut, wenn es zumindest Erwähnung gefunden hätte, dass es mittlerweile doch auch einige Ausnahmen (von der rosaroten Regel) gibt. Das waren Punkte, die ich hier zur Diskussion stellen wollte – dass dies nun auch von Bloggern aufgegriffen, interpretiert und gedeutet wurde, die selbst gar nicht dabei gewesen sind, liegt wahrscheinlich in der Natur der Dinge. Dennoch denke ich, dass eine solche Auseinandersetzung auch immer fruchtbar sein kann. Vielleicht ist das Lob für die Blogs, das Du hier noch einmal betonst, in der dann doch geäußerten Kritik etwas untergegangen. Überwiegend kam bei mir jedoch die Message an: Blogs ahmen nach (nur noch schlechter), feiern Bücher ab und sind dabei auch noch völlig innovationslos. :-) Scheinbar scheinen aber genau die Punkte, die ich angesprochen habe, eben für viele Blogger ein wunder Punkt zu sein und haben deshalb eine größere Diskussion angestoßen.
      Ich habe trotz allem viel aus der Diskussion mitgenommen, vor allem den Impuls, an mir als Bloggerin zu arbeiten, an meinem Stil, an meinem Zugang zu Besprechungen und dabei auch immer wieder den Versuch zu wagen, innovativ zu sein. Für mein Empfinden war die geäußerte Kritik so konstruktiv, dass ich sie in vielerlei Hinsicht annehmen konnte. Ohne die Diskussionsveranstaltung hätte ich diesen Impuls vielleicht gar nicht erhalten.

      Liebe Grüße
      Mara

      P.S.: Danke für den Link, ich werde einen Blick reinwerfen!

    • says

      Ich halte das Wort “Dilettantismus” für nicht sehr schö,n sondern eher für diskriminierend, würde mich nicht als solche bezeichnen und denke, daß das wahrscheinlich auch für die meisten anderen Blogger zutrifft. Wozu diese Gräben und einen Ausdruck des Neunzehntenjahrhunderts für eine sehr moderne Internettätigkeit?

    • says

      Lieber Herr Maye, – das klingt tatsächlich ja nun vollkommen anders als der Bericht. Es freut mich sehr, dass die Meinungen da doch nicht so harsch und negativ sind. Bei Ihnen jedenfalls nicht. Bei anderen wahrscheinlich schon (wie auch Diskussionen an anderer Stelle und frühere Äußerungen bekannterer Literaturkritiker zeigen), weshalb es vielleicht gar nicht so schlecht ist, durch diesen Artikel zur Debatte darüber angeregt worden zu sein, was man womöglich noch unversucht gelassen hat. Vielen Dank für diese Rückmeldung.

      • says

        Wollen Sie eine Dilettantin sein, ein wenig “herablassend” ist diese Richtigstellung wohl zu empfinden oder irre ich mich da?

      • says

        Liebe Sophie, wenn du dir meinen Bericht noch einmal durchliest, wird dir vielleicht auffallen, dass dieser gar nicht so negativ ist. Ich glaube, dass dieser viele Interpretationen und Deutungen nach sich gezogen hat, die in der Veranstaltung gar nicht intendiert waren – sicherlich auch, weil ein wunder Punkt der Blogger getroffen wurde. Der einzige Punkt der mich gestört hat, war der Vorwurf, dass Blogger etwas Schlechtes noch schlechter interpretieren. Darüber hinaus beinhaltete die Diskussion auch viel Konstruktives und gute Anstöße und genau das hab ich ja auch dokumentiert. :-)

      • says

        Dann sollte man vielleicht etwas über den Begriff diskutieren und nachforschen, ob er wirklich nur in Österreich als negativ und herablassend gesehen wird, was ich mir eigentlich nicht vorstellen kann und mich frage, was ein Begriff aus dem neunzehnten Jahrhundert in einer Internetdiskussion soll und wenn einer eine Dilettantin wäre, dann ich, denn ich habe nicht vergleichende Literaturwissenschaft studiert, andere auf dieser Seite sehr wohl und Sophie Weigard ist, glaube ich, Buchhändlerin und da staune ich immer, wie qualifiziert der Blog einer so jungen Frau sein kann, auch wenn ich mit ihr, beispielsweise, was die Qualität der Blogger und die Diskussion, um die Rezensionsexemplare nicht immer einer Meinung bin.
        Was ist also ein Dilettant? Ein Internetblogger? Die auf deren Seiten ich lese, habe meistens Literaturwissenschaften studiert und sind wohl eher dem jungen Prekariat zuzurechenen, die ihre Leistungen sehr wohlfeil und auch oft umsonst anbieten müssen und jemand, der Denis Scheck Rolle einnehmen will, kann sich wohl auch nicht ernsthaft als einer bezeichnen.
        Wieso muß Herr Maye, der übrigens, wie ich fürchte, auch keine sehr viel andere Position, wie Sigrid Löffler, einnimmt, einen sehr elitären Literaturbegriff also, von dem positiven Diletantentum bei Bloggern sprechen, meiner Meinung nach vertreten, die, was ganz anderes.
        Die kommen, egal ob mit oder ohne Studium frisch daher und probieren Neues aus und das war auch bei mir so, ich habe vor sechs Jahren angefangen, ohne viel Ahnung zu haben, wie ich es machen will. Vorbilder gab es nicht sehr viele und so ist das “Literaturgeflüster” etwas ziemlich Einzigartiges geworden und genau das, wie ich es will.
        Vielleicht ist das das Innovative, das Herr Maye einfordert, der meiner Meinung nach, da von seiner elitären Seite, die Quadratur des Kreises will und von den Bloggern, denen man ja immer mangelnde Qualität vorwirft, das Neue das Unmögliche, das noch nie Dagewesene und das alles höchstwahrscheinlich unbezahlt haben will!
        Was mich an seinem Standpunkt etwas wundert, ist, daß er von Nachhamung der Feuellitonisten spricht, was er da sehen würde. Habe ich ja immer nur gehört, daß die Blogger, die vierzehnjährigen Mäderln sind, die umsonst Rezensionsexemplare wollen und dann begeistert “Toll” kreischen und ihre Rezensionen abkumpfern.
        Die Blogs, die ich lese, sind meistens anders und natürlich soll man besser werden, kann aber vielleicht auch vor den “elitären Herren”, die “Noch nicht gut genug gebrüllt, Löwe!”, schreien und dazu überheblich lächeln, vielleicht ein bißchen selbstbewußter auftreten. Ich werde das jedenfalls tun und habe jetzt auch diese V-Blog Diskussion gelesen und habe da bemerkt, daß die sogenannten Fantasyblogger sehr selbstbewußt sind und ihr Licht nicht unter den Scheffel stellen und sich vorsichtshalber für das, was vielleicht beleidigend oder herablassend ist, bedanken.

      • says

        Und noch rasch ein wenig nachgegooglet, was vielleicht auch als “dilettantisch” gilt.
        Bei http://de.wikipedia.org/wiki/Dilettant steht: In der heutigen Umgangssprache werden die Begriff “Dilettant” und “dilettantisch” abwertend verwendet. Eine dilettantisch ausgeführte Tätigkeit wird dann gleichgesetzt mit: unfachmännisch, unsachgemäßt, fehlerhaft, stümperhaft oder oberflächlich ausgeführt.

  8. says

    Die Frage – “wer darf oder kann diese verfassen” – finde ich grenzgenial!

    Amazon hat es ja vorgemacht. Hinz und Kunz darf seine Meinung zu einem Produkt hinterlassen; sogar “gute schnelle Lieferung” gilt als Rezension ;-).

    Dann gibts aber die, die sich stundenlang hinsetzen und sich Gedanken machen. Ich gehöre da sicherlich auch dazu….

    Jeder “ordentliche” Blogger wird das kennen, dass eine Rezension gut und gerne mal 2 Stunden oder auch länger braucht, um das Buch, den Inhalt, den Autor zu beschreiben.

    Wer darf das also?

    Diese Frage ist eine grauschwarze Grenze, über die Amazon schon längst hinaus ist und Zeitungen und Zeitschriften mittlerweile aufnehmen, weil sich die studierten Literaturkritiker vor Angst ins Hemd machen, dass ein Blogger besser sein könnte. Intensiver liest sicherlich der Blogger – das ist meine Meinung.

    Und wie ich auch bei Petra schon schrieb: ich muss mir eine “Plauderecke” einrichten, damit ich solche großartigen Gedanken “rebloggen” kann.

    Lg Petra

  9. says

    Reblogged this on Meine Buchtipps and commented:
    Ich finde das Thema einfach wichtig – und dafür gibt es nun eine “Dies oder Jenes” Ecke auf meinem Blog.

    Hier also ein sehr guter – lesenswerter Artikel – von Buzzaldrinsblog.

    Die Frage – “wer darf oder kann diese verfassen” – finde ich grenzgenial!
    Amazon hat es ja vorgemacht. Hinz und Kunz darf seine Meinung zu einem Produkt hinterlassen; sogar “gute schnelle Lieferung” gilt als Rezension ;-).
    Dann gibts aber die, die sich stundenlang hinsetzen und sich Gedanken machen. Ich gehöre da sicherlich auch dazu….
    Jeder “ordentliche” Blogger wird das kennen, dass eine Rezension gut und gerne mal 2 Stunden oder auch länger braucht, um das Buch, den Inhalt, den Autor zu beschreiben.
    Wer darf das also?
    Diese Frage ist eine grauschwarze Grenze, über die Amazon schon längst hinaus ist und Zeitungen und Zeitschriften mittlerweile aufnehmen, weil sich die studierten Literaturkritiker vor Angst ins Hemd machen, dass ein Blogger besser sein könnte. Intensiver liest sicherlich der Blogger – das ist meine Meinung.
    Lg Petra

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