Nina Sahm im Gespräch!

Nina Sahm hat in diesem Frühjahr den lesenswerten Roman “Das letzte Polaroid” vorgelegt – eine Geschichte über Freundschaft und davon, wie wichtig es ist, herauszufinden, wer man ist und sein möchte. Die junge Autorin hat 2012 an einer Schreibwerkstatt teilgenommen und arbeitet als Dramaturgin am Theater in Aalen und Gießen. Ich hatte die Möglichkeit, sie für ein Gespräch zu treffen und wir haben nicht nur über ihren neuen Roman gesprochen.

Nina Sahm, Autorin

© Stephan Sahm

Du bist dieses Jahr zum ersten Mal als Autorin auf der Buchmesse, wie fühlt sich das an?

Komisch, weil ich in Leipzig studiert habe und noch dieses Bild in Erinnerung habe, dass ich mit einer Jutetasche hier von Verlag zu Verlag laufe und mir die Stände anschaue. Von daher fühlt sich das erst einmal natürlich unwirklich an, dass ich plötzlich die Autorin bin und Interviews gebe und Lesungen habe. Das ist schon etwas, an das ich mich noch ein bisschen gewöhnen muss.

Am 17. Februar 2014 erschien dein Debütroman. Wie lang hast du daran gearbeitet?

Ich habe für mich so ein Jahr daran geschrieben und dann noch ein Jahr mit meinem Lektor daran gearbeitet. Alles in allem hat es zwei Jahre gedauert.

Was ist das für ein Gefühl, wenn das eigene Buch irgendwann in den Läden liegt? Arbeitest du bereits an einem neuen Projekt?

Das ist ein total unwirkliches Gefühl! Das Manuskript, das habe ich schon Monate vorher fertig und dann kriegt man ein Datum genannt, an dem das irgendwo steht und das ist noch Monate entfernt. Von daher ist dieses Gefühl es jetzt in den Läden zu sehen, ganz ganz komisch, gleichzeitig ist es aber natürlich auch schön.

Wie und warum bist du überhaupt auf die Idee gekommen, zu schreiben?

In erster Linie war ich einfach schon immer jemand, der viele Bücher gelesen hat. Also das hat als Kind angefangen, dass ich immer in der Bibliothek war und stapelweise Bücher mitgenommen habe. Irgendwann dachte ich mir dann: „Hey, jetzt willst du auch mal schreiben!“. Damals war ich vierzehn, fünfzehn Jahre alt und das Schreiben war ein Traum in weiter, weiter Ferne – irgendwann schreibe ich auch mal ein Buch und das wird dann auch jemand aus der Bibliothek ausleihen können. Ich habe dann Literatur- und Theaterwissenschaft studiert und war danach als Dramaturgin am Theater. Geschichten, Bücher und Theaterstücke waren immer ein Thema, aber ich war eher in einer anderen Position: ich habe gelesen, ausgewählt und bearbeitet. Nach vier Jahren am Theater habe ich einfach gemerkt, dass mir irgendetwas fehlt. Die Arbeit im Theater hat mich so aufgesaugt, dass ich einfach nichts anderes mehr machen konnte. Da war einfach keine Zeit mehr für etwas anderes. Ich habe nur noch beruflich gelesen und fast ausschließlich Theaterstücke und war dann irgendwann an einem Punkt, an dem ich gemerkt habe, dass mir das nicht mehr reicht. Ich bin ins kalte Wasser gesprungen, habe mich als Texterin selbstständig gemacht und irgendwann angefangen, diesen Roman zu schreiben.

Wann wusstest du, dass der Text, an dem du arbeitest, das Potential hat, veröffentlicht zu werden?

Ich habe schon immer Kurzgeschichten geschrieben, auch zwischendurch und dafür hat sich nie so richtig jemand interessiert und ich habe auch selber gemerkt, dass da noch etwas fehlt. Als ich an dem Roman geschrieben habe, erging es mir einfach so, dass ganz viel bei mir klappte. Es lagen plötzlich einfach keine Steine mehr im Weg, sondern der Weg wurde für mich stattdessen frei gemacht. Erstmal habe ich mit einem Blog angefangen, der heißt „Am Anfang“ und darauf habe ich meine Kurzgeschichten veröffentlicht. Ich hatte vier Texte online und dann hat mich eine Agentin kontaktiert und das war mir schon fast unheimlich, weil ich dachte, dass das doch jetzt nicht so schnell gehen sollte. Solche Sachen sind damals passiert und ich habe gemerkt, dass ich mir jetzt einfach die Zeit nehmen muss, diesen Roman zu schreiben.

Hast du zwischendurch an dir oder auch an dem Text gezweifelt?

Oh ja – ich glaube, das gehört auch einfach dazu, Zweifel können auch wichtig sein. An mir habe ich natürlich auch gezweifelt, natürlich ist es etwas Besonderes einen Roman zu schreiben und am Anfang wusste ich gar nicht, was da für Hürden auf mich zukommen würden. Alles in allem habe ich vielleicht kurz gezweifelt, aber es ging dann irgendwie immer weiter. Zum Glück war es nie so, dass es monatelang einfach nur da lag oder ich sogar mit dem Gedanken gespielt habe, es ganz aufzugeben.

Du hast an einer Schreibwerkstatt teilgenommen, inwieweit hat dich das, was du dort gelernt hast, beim Schreiben beeinflusst?

Ja, ganz extrem sogar, weil ich mich mit dem Romananfang für diese Schreibwerkstatt beworben habe, das waren damals um die zwanzig Seiten Text und ich steckte wirklich noch ganz am Anfang und von daher hat mir diese Schreibwerkstatt unheimlich viel gebracht. Mich hat es vor allem davor bewahrt, dass ich 300 Seiten schreibe und dann merke, dass es nicht läuft. Ich fand die Arbeit dort – gerade auch, was den Plot angeht – unheimlich hilfreich, weil ich gemerkt habe, dass ich mir viele Gedanken einfach gar nicht gemacht habe, dass ich viele Handlungsstränge nebeneinander hatte, aber davon nichts so wirklich verknüpft war. Das war mir am Anfang gar nicht so bewusst, da war ich einfach so fasziniert vom Schreiben und von meiner Idee. Darüber hinaus war es auch sicherlich eine gute Abhärtung, dass damals Kritik kam und zwar sehr geballte Kritik.

Wie fühlst du dich überhaupt als junge Autorin im Literaturbetrieb? Ist Schreiben das, was du für immer machen möchtest? Ist Autorin dein Wunschberuf?

Das ist schwer zu sagen – Autorin ist auf jeden Fall ein Wunschberuf, aber ich kenne natürlich auch die Realität. Als junge Autorin ist es einfach so, dass man nicht von Anfang an vom Schreiben leben kann. Ich glaube, so geht es den meisten – bei mir ist es zumindest so. Ich arbeite nebenbei noch als Texterin, um Geld zu verdienen. Von daher ist das natürlich erst einmal ein sehr schönes Gefühl, dass dieses Buch in den Läden liegt, aber ich glaube, so richtig einschätzen, wie die nächsten Jahre verlaufen werden oder ob es das ist, was ich für immer machen möchte, ist im Moment schwer.

Du hast es gerade schon erwähnt, du bist nicht nur Autorin, sondern auch Texterin – unterscheiden sich diese beiden Arbeitsprozesse?

Total und das ist vielleicht auch das Gute daran! Wenn ich als Texterin arbeite, dann arbeite ich häufig im Auftrag von Agenturen – da gibt es Projekte, für die die mich brauchen, da habe ich ein Briefing, einen Abgabetermin. Da ist alles sehr strukturiert und es gibt ganz klare Vorgaben. Das Texten ist eine ganz andere Art der Arbeit, ich mache das nebenbei und es strukturiert meinen Tag.

Du betreibst den wunderbaren Prosa-Blog, auf dem du Anfänge sammelst. Was macht für dich einen guten Anfang aus?

Ein Anfang ist dann gut, wenn ich unbedingt weiterlesen will! Wenn Neugier geweckt wird, wenn es irgendwie spannend klingt und ich einfach in die Geschichte reingezogen werde.

2 Comments

  • Reply
    fraupixel
    June 11, 2014 at 6:07 pm

    Total sympathisch 😉 Tolles Interview auch. In Kombination mit der Rezension bin ich jetzt ganz neugierig. Blumenbar macht auch immer so besondere Titel, da kann man richtige Schätze heben.

    • Reply
      buzzaldrinsblog
      June 13, 2014 at 4:43 pm

      Ich habe bei Blumenbar auch schon tolle Titel entdeckt, dieser gehört auf jeden Fall dazu! Schön, dass das Interview und meine Rezension dich neugierig machen konnte! 😀

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