Ingeborg-Bachmann-Preis geht an Tex Rubinowitz!

Der Bachmannpreis 2014 geht an Tex Rubinowitz, der für seinen Text “Wir waren niemals hier” ausgezeichnet wurde – Daniela Strigl lobte Rubinowitz für eine “wunderschöne und sehr seltsame Liebesgeschichte”. Tex Rubinowitz, der eigentlich Dirk Wesenberg heißt und nicht nur Autor, sondern auch Zeichner, Maler und Cartoonist ist, darf sich über 25.000 € freuen – trotz bedenklicher Qualitäten als Vorlesender. Der Text überzeugte vor allem durch seinen Humor und eine ordentliche Portion Schnodderigkeit, im Publikum hatte der Autor die Lacher auf seiner Seite. “Wir waren niemals hier” gehört jedoch nicht zu den literarisch anspruchsvollsten Texten dieses Jahres. Humor allein, sollte keine Kriterium dafür sein, mit einem Literaturpreis ausgezeichnet zu werden – als Literat konnte mich Tex Rubinowitz nicht überzeugen.

Der Kelag-Preis (10.000 €) geht an Michael Fehr, der 3sat-Preis (7.500 €) an Senthuran Varatharajah, Mr. Heyn’s Ernst-Willner-Preis (5.000 €) an Katharina Gericke und der Publikumspreis wurde an Gertraud Klemm verliehen.

Die Jury überzeugte in diesem Jahr nicht unbedingt durch Einigkeit, es gab mehrere Runden der Stichwahl – keine der getroffenen Entscheidungen war eindeutig oder fiel gar in der ersten Runde. Das kann zum einen dafür sprechen, dass die Texte in ihrer Qualität nahe beieinander waren, aber auch dafür, dass niemand der Teilnehmer und Teilnehmerinnen wirklich hervorstechen konnte. Mich konnten Senthuran Varatharajah und Roman Marchel überzeugen, bei beiden würde ich mich freuen, bald einen Roman lesen zu können.

Wer sich übrigens für die statistische Seite des Bachmann-Preises interessiert, sollte schnell noch einen Blick werfen auf die gesammelten Zahlen von Kathrin Passig zur Klagenfurt-Statistik.

 

10 Comments

  • Reply
    schifferw
    July 6, 2014 at 10:02 am

    Herzlichen Dank für die schnelle Information an alle, die nicht dabei sein konnten und sich auch andernorts nicht “schlau machen” wollten!

  • Reply
    s.
    July 6, 2014 at 10:06 am

    varatharajah und marchel waren zwei meiner favoriten; dass marchel leer ausgegangen ist, ist sehr schade… marchels kickboxen mit lu ist auch zu empfehlen, wenn du es nicht ohnehin schon gelesen hast.

    • Reply
      buzzaldrinsblog
      July 6, 2014 at 10:08 am

      Nein, das Buch kenne ich noch nicht – ich werde es nun aber definitiv lesen. Varatharajah und Marchel waren, wie erwähnt, auch meine Favoriten und ich bedauer es, dass Roman Marchel sogar ganz leer ausgegangen ist.
      Tex Rubinowitz hat sicherlich Qualitäten als “Entertainer” oder auch “Humorist” – literarisch konnte mich seine Darbietung aber nicht überzeugen.

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    atalantes
    July 6, 2014 at 10:42 am

    Ich stimme vollkommen mit Dir überein. Ich habe gerne bei Rubinowitz gelacht, aber viele der anderen Texte hatten höhere Qualität, besonders Marchel und Varatharajah. Und nicht nur die. Ein Sympathiesieger, dem seine Bachmann-Prominenz nicht geschadet hat. Schade!

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      buzzaldrinsblog
      July 7, 2014 at 2:36 pm

      Liebe Atalante,

      ja, ich habe dies auch als schade empfunden. Humor ist sicherlich wichtig, Tex Rubinowitz ist auch sicherlich sympathisch – mit dem Bachmannpreis verbinde ich dann aber doch einen etwas anderen (literarischen) Anspruch. Ich hoffe auf ein besseres nächstes Jahr. 🙂

      Liebe Grüße
      Mara

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    Brigitte
    July 6, 2014 at 11:11 am

    Das ist mal wieder so ein Jahrgang gewesen, bei dem ich mich voller Wehmut an z. B. 2004 erinnere. Aber das war wahrscheinlich einmalig: Tellkamp, Herrndorf (und wenn man noch bedenkt, was alles daraus wurde …).
    Varatharajah habe ich auch die Daumen gedrückt und Frau Gericke. Überrascht war ich, dass Anne-Kathrin Heier es zwar auf die Shortlist geschafft hat, aber sonst nur wenige Male Stimmen bekam. Aber für den Text brauchte es wohl Mut – ihn zu schreiben, ihn zu lesen … und ihn zu wählen.

    • Reply
      buzzaldrinsblog
      July 7, 2014 at 2:34 pm

      Liebe Brigitte,

      ja, der Jahrgang 2014 gehört für mein Empfinden wirklich nicht zu den stärksten Jahrgängen, im vergangenen Jahr gab es viel mehr Texte, die mir auf Anhieb mehr zugesagt haben. Dass der Preis dann ausgerechnet an Tex Rubinowitz verlieehen wurde, habe ich dann als Krönung dieses Jahres empfunden. 😉
      Für Anne-Kathrin Heier tat es mir auch sehr leid, dass sie einerseits zwar auf die Shortlist gewählt wurde, aber andererseits kaum Stimmen erhalten hat. Wenn ich mich nicht irre, war Hubert Winkels der einzige Juror, der für sie gestimmt hat. Schade, ihren Namen habe ich mir auf jeden Fall notiert und auf einen Roman würde ich mich sehr freuen.

      Liebe Grüße
      Mara

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    Tanja
    July 6, 2014 at 12:30 pm

    Ich hatte so sehr gehofft, dass Senthuran Varatharajah den diesjährigen Bachmann Preis gewinnt. Schade! Aber Anne-Kathrin Heiers Roman werde ich unbedingt lesen wollen, ich denke immer noch über ihren Text nach und bin sehr angetan von ihrem Wortspiel. Ich denke, dass ihr literarischer Text sehr viel Raum für Eigeninterpretation bietet und darüber hinaus viel Stoff für eine heitere Diskussionsrunde. Zum Beispiel im Rahmen einer Leserunde. Nach wie vor finde ich es sehr schade, dass Karen Köhler wegen ihrer Krankheit nicht teilnehmen konnte. Eine Videokonferenz wäre doch die perfekte Lösung gewesen, die Technik ist doch da.

    LG 😉

    • Reply
      buzzaldrinsblog
      July 7, 2014 at 2:30 pm

      Liebe Tanja,

      ja, ich finde es auch immer noch schade, dass Karen Köhler nicht dabei sein konnte – die Technik hätte es wohl zugelassen, aber nicht die Statuten des Wettbewerbs, die eine Anwesenheitspflicht verlangen schade. Auch mit dem Preisträger konnte ich mich nicht anfreunden, Senthuran Varatharajah oder auch Roman Marchel haben mir viel besser gefallen. Bei Anne-Kathrin Heier hat mich überrascht – wie ein anderer Kommentar dies auch erwähnt – dass sie zwar auf die Shortlist befördert wurde, danach aber – außer von Hubert Winkels – kaum eine Stimme erhalten hat. Schade.

      Liebe Grüße
      Mara

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    Streit um die Literatur: Der Bachmann-Preis 2014
    July 8, 2014 at 7:33 am

    […] Bachmann-Preis hat, nicht unumstritten, Tex Rubinowitz gewonnen. Buzzaldrin bemerkt in ihrer Zusammenfassung, dass sie dessen Text als Literatur nicht überzeugen konnte. […]

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