Stephanie Bart im Gespräch!

Stephanie Bart (c) Leo FellingerIn diesem Herbst erschien Stephanie Barts Roman “Deutscher Meister” – ein großes Stück Literatur über den Boxer Johann Rukelie Trollmann. Es ist der zweite Roman der Autorin, die 1965 geboren wurde und Ethnologie und Politische Wissenschaften studierte.

In diesem Herbst erschien Ihr zweiter Roman „Deutscher Meister“ – wie lange haben Sie daran gearbeitet?

Die reine Arbeitszeit betrug zweieinhalb Jahre. Das war nur mithilfe der zwei Stipendien des Deutschen Literaturfonds möglich, und vorher musste ich den Stoff lange mit mir herumtragen, ohne recht zu wissen, wie ich ihn angehen sollte.

Ist der Moment, in dem das Buch dann im Buchladen liegt, eher mit Freude verbunden, oder auch mit Aufregung und Angst?

Die Aufregung dominiert, natürlich freu ich mich wie Bolle, Angst habe ich keine, weil ich mich bei diesem Roman auf die Hauptfigur verlassen kann.

Bereits in Ihrem ersten Roman „Goodbye Bismarck“ haben Sie Fakten und Fiktion verbunden und auch der Geschichte in Ihrem neuen Roman liegen historische Tatsachen zugrunde. Was reizt Sie an dieser Art des Schreibens?

Die Verankerung im wirklichen Leben ist für mich der Boden, der mich trägt, und aus dem die Fiktion wie von selbst erwächst.

Wie sind Sie auf den Stoff rund um den Boxer Johann Wilhelm Trollmann aufmerksam geworden?

Im Sommer 2010 wurde im Berliner Victoria Park ein temporäres Denkmal für ihn errichtet (http://trollmann.info/index.php?id=2&L=1). Davon erfuhr ich hier: http://rebelart.net/temporares-denkmal-fur-johann-trollmann/003806/

Auf Ihrer Webseite erwähnen Sie, dass Sie Ethnologie und Politische Wissenschaften studiert haben – inwiefern hat Ihr Studium Ihr Schreiben beeinflusst?

Die Politischen Wissenschaften haben meinen Blick für gesellschaftliche Machtverhältnisse geschärft, die Ethnologie hat mich das Beobachten sozialer Interaktionen und den Umgang mit Fremdheit gelehrt. Außerdem habe ich sie – mehr als andere Fächer – als eine erzählende Wissenschaft wahrgenommen.

Wie und wann hat sich der Wunsch schreiben zu wollen, überhaupt entwickelt?

Während des Studiums hatte ich beim Verfassen von Hausarbeiten einen Höllenspaß am Formulieren, war aber ziemlich frustriert von den engen Grenzen, die mir die Wissenschaft setzt. Die meisten wissenschaftlichen Texte, die ich gelesen habe, waren sehr langweilig. Ich wollte das Beglückende des Formulierens haben, aber natürlich nicht die Langeweile und nicht die engen Grenzen. (Selbstverständlich gibt es auch wissenschaftliche Texte, die spannend sind und diese Grenzen sprengen, aber ich habe in der Wissenschaft nicht das Vergnügen gefunden, das mir die Belletristik so reichlich bietet.)

Nach dem Studium sind Sie – nach eigener Aussage – dreckigen Jobs und sauberen Stipendien nachgegangen. Unter anderem haben Sie als Rikschafahrerin gearbeitet. Haben Sie all das mit dem Wunsch im Hinterkopf getan, irgendwann als Schriftstellerin leben zu können?

Ja.

Konnten Sie beim Schreiben auch von diesen dreckigen Jobs profitieren, quasi als eine Quelle der Inspiration?

Die Jobs haben mich nicht inspiriert, sondern mir die Zeit fürs Schreiben gestohlen. Aber ich habe von ihnen insofern profitiert, als ich eine sehr große Bandbreite verschiedenster Menschen in unterschiedlichen Kontexten erlebt habe. Als Dienstleisterin und als Handwerkerin habe ich am Leben von Personen teilgenommen, die nicht schreiben oder »Was mit Schreiben« studieren. Es macht einen Unterschied, ob man eine Baustelle besucht, weil man darüber schreiben möchte, oder ob man auf der Baustelle arbeitet, um Geld für den Unterhalt zu verdienen.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft, ist Schreiben Ihr Lebenstraum?

Ich wünsche mir, Texte zu schreiben, von denen die Lesenden nach der Lektüre etwas für sich mitnehmen können, und dafür möchte ich ein Dach über dem Kopf, eine Krankenversicherung und einen gefüllten Kühlschrank haben und ab und zu ans Meer fahren können.

Foto: © Leo Fellinger

11 Comments

  • Reply
    iweinkestner
    October 27, 2014 at 2:40 pm

    Hey Mara!
    Ein ganz nettes Interview. Aber leider “nur” nett – du hattest schon bessere 😉
    Trotzdem ganz liebe Grüße
    Kerstin
    (Die jetzt sofort wieder in “Kruso” lesen geht ^^)

    • Reply
      Mara
      October 27, 2014 at 3:04 pm

      Liebe Kerstin,

      dann hoffe ich mal darauf, dass dir das nächste besser gefallen. 😉

      Liebe Grüße und viel Spaß weiterhin mit Kruso
      Mara

  • Reply
    madameflamusse
    October 27, 2014 at 4:04 pm

    Wieder ein sehr schönes Interview – ich kann mir das gut vorstellen wie die Zeit wg. Unterhalt verdienens wg ist…anstatt das man das machen kann was der “Ruf” einem sagt muß man irgendwas machen oder sich eben in die Hartz4 Riege einklinken was für die Gesundheit nicht unbedingt die bessere Wahl ist. Aufjedenfall interessantes Thema obwohl ich glaube Romane wo sich Fiktion mit Realität mischt nicht ganz so zu mögen, aber alleine das Thema ist schon spannend!

    • Reply
      Mara
      November 1, 2014 at 7:22 am

      Ich finde es spannend, dass du diesen Aspekt des Interviews herausgreifst, denn auch ich finde das Thema sehr interessant. Wenn ich junge Autoren interviewe frage ich immer wieder danach, ob sie vom Schreiben leben können und ob sie einen Plan B haben. Ich weiß nicht, inwieweit ich diese Unsicherheit aushalten könnte und glaube, dass das schon Mut erfordert.

      Liebe Grüße und herzlichen Dank für deinen Besuch und deine Worte.
      Mara

      • Reply
        madameflamusse
        November 1, 2014 at 7:33 am

        Ich glaube das es vorallem sehr sehr viel Kraft und Herzblut kostet. Etwas in Dir muß so sehr dafür brennen das trotz aller Widrigkeiten zu machen. ich selber habe die Erfahrung das ich es eben nicht schaffe, weil mich so Brot/LohnJobs oft zuviel Energie kosten, so das für das eigene nicht mehr viel bleibt.
        Und Disziplin ist glaube ich auch ein ganz wichtiger Punkt, und Ausdauer. Aufjedenfall habe ich große Bewunderung und Respekt gegenüber diesen Menschen und Arbeiten.
        Ja, und das mit den Besuchen bei Dir ist a wirklich umständlicher geworden…aber zur Zeit habe ich auch wenig Muse. Das wird auch wieder besser. nd Du bist so unglaublich fleißig was das rezensieren angeht. Vor kurzem habe ich überlegt was mit deiner eigenen Geschichte ist, wo Du doch auch in so vielen anderen geschichten lebst. Oder ob das sich fließend verbindet.

        Herzensgruß <3

        • Reply
          Mara
          November 3, 2014 at 2:35 pm

          Ich spüre das ja auch selbst bei meiner Tätigkeit als Bloggerin, die ich im Moment, da ich auf Jobsuche bin, gezwungenermaßen hauptberuflich betreibe. Wenn ich hoffentlich bald wieder einer geregelten Tätigkeit nachgehen werde, befürchte ich, dass ich wohl deutlich weniger Zeit haben werde, zu bloggen und in fremde Geschichten einzutauchen. Es ist einfach unheimlich schwer mit der Liebe zur Literatur Geld zu verdienen. 😉
          Tut mir leid, dass die Besuche mittlerweile etwas umständlicher geworden sind – du findest mich doch aber immer noch in deinem Reader, oder nicht? Deine Frage nach meiner eigenen Geschichte finde ich interessant, ich setze sie wohl aus all den Geschichten zusammen, von denen ich in Büchern lese.

          Liebe Grüße
          Mara

          • madameflamusse
            November 3, 2014 at 3:03 pm

            Liebe Mara, ich finde Dich noch im Reader aber ich kann nicht mehr gefällt anklicken, da muß ich erst auf deine Seite und ich fragte mich schon wie Du dieses WahnsinnsTempo schaffst was Du hier vorlegst, ich komme nicht mehr so ganz mit. Das es deine Passion ist merkt man 😀 vielleicht könntest Du für Zeitschriften Rezensionen schreiben, hast Du schon mal bei der Zeit oder so was eingereicht? Um auch etwas dafür zu bekommen?
            Wir können nur dort aufblühen wo die für uns richtigen Bedingungen sind, wo Wir unsere Passionen und Visionen, uns selbst leben können.
            Ich hoffe auch immer noch auf einen Job, bald…aber zur Zeit habe ich wenig Kraft. Denn auch bei mir sieht es so aus das ich das wo ich gut bin nicht zum Geldverdienen einsetzen kann. Arbeit gäbe es allerdings genug zu tun – Ehrenamtlich. Seufz.
            Vergiss nicht deine eigene Geschichte zu leben, Bücher sind doch sehr verführerisch sich auch darin zu verlieren eben weil mich sich immer irgendwo wiederfindet und sich Identifiziert.
            Ganz liebe Grüße, Daumendrück

  • Reply
    andreabreuer
    October 28, 2014 at 6:57 am

    Liebe Mara,

    ich danke Dir sehr, dass Du dieses Interview geführt hast! Auch wenn ich “Deutscher Meister” noch nicht gelesen habe (das werde ich bald nachholen), ist Stephanie Bart für mich eine ganz wichtige menschliche Stimme in den sozialen Netzwerken – und allein darum hoffe ich, dass ihre Lebenstraum-Wünsche in Erfüllung gehen. Die Interview-Lektüre war eine Bereicherung. Noch einmal danke schön dafür! 🙂

    • Reply
      Mara
      November 1, 2014 at 7:18 am

      Liebe Andrea,

      Dir danke ich für die lieben und freundlichen Worte, über die ich mich sehr gefreut habe. Wenn du “Deutscher Meister” noch nicht gelesen hast, dann kannst du dich noch auf eine tolle und beeindruckende Lektüre freuen.
      Ich wünsche dem Buch so viele Leser und Leserinnen wie möglich, auch damit sich der Lebenstraum der Autorin irgendwann erfüllen wird.

      Liebe Grüße
      Mara

  • Reply
    skyaboveoldblueplace
    October 28, 2014 at 8:57 pm

    Liebe Mara,
    ich fimde, es ist ein sehr schönes Interview mit einer sympathischen Autorin. Interessant fand ich besonders die Antwort auf Deine Frage nach Ihrer Motivation fürs Schreiben.
    Und der allerletzten Antwort würde ich mich quasi vollinhaltlich anschliessen wollen dürfen, inklusive Meer…
    Liebe Grüsse
    Kai

    • Reply
      Mara
      November 1, 2014 at 7:15 am

      Lieber Kai, ich danke dir sehr für deinen Kommentar und freue mich darüber, dass das Interview auf Interesse gestoßen ist. Bei der Recherche für das Interview habe ich das Leben von Stephanie Bart als unheimlich spannend empfunden.
      Ihrer letzten Antwort schließe ich mich auch gänzlich an.

      Liebe Grüße
      Mara

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