Zürich liest 2016: meine Highlights!

Es ist schon eine Weile her, aber ich möchte euch dennoch gerne noch ein wenig mehr von meinem Aufenthalt in Zürich erzählen: Vom 26. bis zum 30. Oktober bin ich in Zürich gewesen und habe das dortige Lesefestival Zürich liest als Bloggerin begleitet – vielleicht habt ihr ja auch bereits in den vergangenen Wochen den einen oder anderen Beitrag von meinen Bloggerkollegen über unseren Aufenthalt gelesen. Zürich liest ist ein groß organisiertes Lesefestival, das in diesem Jahr an fünf Tagen an unterschiedlichen Orten in ganz Zürich stattfand und weit mehr als hundert Veranstaltungen zu bieten hatte. Zurück aus Zürich bin ich mit ganz viel Ideen, Begeisterung und Glücksmomenten gekommen – und natürlich auch mit einem Beutel voller neuer Bücher.

Wir haben nicht nur zahlreiche spannende Lesungen besucht, in Buchhandlungen gestöbert oder in Verlagen vorbeigeschaut, sondern auch viele herzliche Menschen kennengelernt. Es hat mich überrascht, wie schnell ich – auch trotz kleinerer Sprachbarrieren – mit anderen Büchermenschen in Kontakt gekommen bin. Dass wir uns so unkompliziert in Zürich bewegen konnten, haben wir übrigens Zürich Tourismus zu verdanken, die uns Bloggern Fahrkarten für den öffentlichen Nahverkehr zur Verfügung gestellt haben.

In diesem Beitrag möchte ich euch gerne von meinen persönlichen Highlights des Festivals erzählen:

Ausstellung: Gomringer & Gomringer – Gedichte leben

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Das größte Highlight des Festivals durfte ich bereits an meinem zweiten Tag in Zürich erleben: der Besuch der Ausstellung Gomringer & Gomringer (Gedichte leben) war für mich etwas ganz Besonderes. Die wunderschönen Ausstellungsräume im Strauhof widmen sich Eugen und Nora Gomringer – Vater und Tochter, Lyriker und Lyrikerin. Die beide trennen fünfzig Jahre und doch sieht man in ihren Arbeiten die gemeinsame Liebe zur Sprache und dem Spiel mit Worten. Eugen Gomringer, der 1925 geboren wurde und als Entwickler der Konkreten Poesie gilt, hat den Umgang der Nachkriegsgeneration mit dem geschriebenen Wort maßgeblich geprägt – seine Tochter Nora Gomringer, die 1980 geboren wurde, war an der Entwicklung der Poetry Slam Szene mitbeteiligt.

Die Ausstellung im Strauhof zeichnet sich dadurch aus, dass nur wenig mit Originalen gearbeitet wird – stattdessen hatte ich das Gefühl, tatsächlich durch die Gedichte zu streifen, die auf großen Plakatwänden von den Decken hängen. Ebenso beeindruckend sind die Fotos der Arbeitsräume von Eugen und Nora Gomringer, die so lebensnah fotografiert wurden, das ich beinahe das Gefühl hatte, bei ihnen im Zimmer zu stehen.

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Im zweiten Stock wird dagegen vor allen Dinge mit audiovisuellen Medien gearbeitet: es gibt die Möglichkeit ein langes Interview von Vater und Tochter anzusehen, in einem anderen Raum hängen Kopfhörer, über die Besucher die vertonten Gedichte von Nora Gomringer anhören können.

Aus der Ausstellung heraus bin ich mit dem Gefühl gegangen, dass hier auf eine faszinierende Art und Weise zwei große Sprachkünstler nebeneinandergestellt wurden und dadurch Lyrik lebendig geworden ist. Ich, die eigentlich so gar keinen Zugang zu Gedichten hat, hatte plötzlich einen ganz neuen Blick auf diese literarische Form. Ich habe jetzt auf jeden Fall fest vor, mehr Gedichte zu lesen – vielleicht sogar gleich eins von Nora Gomringer?

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Die Bibliothek der Museumsgesellschaft

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Die Museumsgesellschaft in Zürich hat eine ziemlich lange und beeindruckende Geschichte: sie wurde bereits 1834 als Lesegesellschaft gegründet. Interessanterweise durften damals überwiegend nur Männer in diese Gesellschaft eintreten, Frauen, die auch Mitglied in der Lesegesellschaft werden wollten, brauchten in jedem Fall eine Art männlichen Bürgen, um überhaupt eine Chance darauf zu haben. Die Museumsgesellschaft betreibt in einem eigenen Haus am Limmatquai, das sich über mehrere Etagen erstreckt, einen grossen Lesesaal sowie eine Ausleihbibliothek. Seit dem Jahr 1999 wird dort auch das Literaturhaus Zürich beherbergt.

Mirjam Schneider, die Leiterin der Museumsgesellschaft, stellte die Geschichte des Hauses auf sympathische und kurzweilige Art und Weise vor – ein besonderes Highlight waren die alten Ausleihausweise: von James Joyce über Stefan Zweig bis hin zu Kurt Tucholsky, sie alle waren Mitglied der Lesegesellschaft. Der Legende nach soll James Joyce sogar seinen berühmten Roman Ulysses an einem Platz im Lesesaal mit Blick auf den Limmatquai geschrieben haben. Zum Abschluss wurden wir durch das im Keller gelegene Büchermagazin geführt, das früher noch ein Luftschutzkeller gewesen ist. Dort reiht sich auf engstem Raum Buch an Buch, ein Anblick, der mich wirklich sehr beeindruckt hat!

Verlagsbesuche

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Vor meiner Reise stellte ich noch einige Verlage aus Zürich auf meinem Blog vor, als ich endlich dort war, konnte ich zumindest einige davon auch tatsächlich besuchen. Der Kein & Aber Verlag hat seine Verlagsräume ganz in der Nähe des Hauptbahnhofs, in einem wunderbaren Altbau gelegen. Über zwei Etagen arbeiten die Mitarbeiter am vielfältigen Programm und ich fand es beeindruckend mit wie wenig Arbeitskräften der Verlag so viel auf die Beine stellt. Ebenso spannend war der Besuch einer Villa in der Neptunstrasse – dort arbeiten mit Nagel & Kimche, dem Unionsverlag und dem Verlag Dörlemann gleich drei Publikationshäuser unter einem Dach und luden am Samstag zum Tag der offenen Tür ein.

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Neben einer sehr guten Verköstigung und der einen oder anderen Lesung, ergab sich auch die Möglichkeit, mit den Mitarbeitern ins Gespräch zu kommen und viele wunderbare Bücher zu entdecken. Ich finde es immer ganz großartig, einen Blick hinter die Kulissen der Verlagsarbeit zu werfen, hier hat es sich auf alle Fälle gelohnt. Mitgebracht habe ich von meinem Besuch natürlich auch das eine oder andere Buch und ich hoffe darauf, dass ich euch meine Auswahl demnächst auch Stück für Stück auf meinem Blog vorstellen kann.

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Das letzte Highlight, von dem ich euch gerne erzählen würde, war das Food Tasting at the Bookshop, das im English Bookshop bei OrellFüssli stattfand. Dort hatten die Mitarbeiter auf einem großen Tisch eine Auswahl englischsprachiger Koch- und Backbücher versammelt. Das besondere Highlight dabei: Einige der Rezepte daraus wurden nachgekocht und auf Platten und Tellern neben den Büchern angerichtet! Vom Gurkensandwich, über Bananen- und Möhrenkuchen bis hin zu Scones und Shortbread! Es war ein kulinarisches Vergnügen! Und da wir als aus Deutschland eingeladene Blogger natürlich besonders gründlich recherchieren wollten, haben wir wirklich fast alles probiert!

Das war auf jeden Fall eine tolle Idee – vielleicht auch für Buchhandlungen in Deutschland? Mir hat das Food Tasting große Lust darauf gemacht, bald mal wieder das eine oder andere Backbuch in die Hand zu nehmen und etwas zu backen!


Ich hoffe, dass ihr nun einen kleinen Eindruck meines Aufenthalts in Zürich gewinnen konntet – meine Reise hat sich auf jeden Fall gelohnt, denn ich bin reich beschenkt zurückgekehrt. Wenn ihr euch auch noch für die Beiträge der anderen Festivalblogger interessiert, dann klickt euch einmal durch:

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Weitere Beiträge: Kaffeehaussitzer | kapri-zioes | Buchbloggerin | pinkfisch

5 Comments

  • Reply
    wortsonate
    December 5, 2016 at 4:16 pm

    Ein schöner Einblick, dort hätte es mir auch gefallen.

  • Reply
    literaturreich
    December 5, 2016 at 8:31 pm

    Danke, dass du uns mit nach Zürich genommen hast 😉

    • Reply
      Mara
      December 14, 2016 at 11:59 am

      Sehr gerne, es war wirklich eine lohnenswerte Reise!

  • Reply
    Was erwarte ich eigentlich von einer Lesung? | Buzzaldrins Bücher
    December 19, 2016 at 9:42 am

    […] ich Ende Oktober die wunderschöne Stadt Zürich und das dortige Lesefestival besuchte, habe ich nicht nur Buchhandlungen und Ausstellungen angeschaut, sondern auch die eine […]

  • Reply
    72 Stunden im Literaturrausch | Kaffeehaussitzer
    December 19, 2016 at 9:53 am

    […] Hier geht es zu den Zürich-liest-Berichten von Die Buchbloggerin Kapri-ziös Pinkfisch Buzzaldrins Bücher […]

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