Was erwarte ich eigentlich von einer Lesung?

Als ich Ende Oktober die wunderschöne Stadt Zürich und das dortige Lesefestival besuchte, habe ich nicht nur Buchhandlungen und Ausstellungen angeschaut, sondern auch die eine oder andere Lesung besucht. Nach fünf Tagen war mein Kopf voller Eindrücke, voll von Büchern, Gesprächen und ganz und gar gegensätzlichen Veranstaltungen – und der Frage, was ich eigentlich von einer Lesung erwarte und wie sie sein muss, damit sie mir gefällt.

Alles begann mit der Veranstaltung, auf die ich mich am meisten gefreut habe – es handelte sich dabei um eine Lesung und ein Gespräch zwischen Peter Stamm und Tim Parks. Beide sind bekannte Schriftsteller, die fast eineinhalb Stunden über das neue Buch von Tim Parks gesprochen haben: in Worüber ich spreche, wenn ich über Bücher spreche geht es natürlich um Bücher, um das Leben eines Autors oder auch die zweifelhafte Vergabemethode des Nobelpreis. Es ging auch um Lesungen und die häufigsten Fragen, die währenddessen von Zuschauern gestellt werden. Der Abend war höchst amüsant, lehrreich und inspirierend – und nicht nur das: die Lesung hat mir Lust darauf gemacht, von beiden Autoren weitere Bücher zu entdecken.

Ganz ähnlich erging es mir bei einer gemeinsamen Lesung von Michael Fehr und Raoul Schrott – beide Autoren waren mir zuvor zwar namentlich bekannt, von beiden habe ich aber noch nie etwas gelesen. Das gemeinsame Gespräch mit der Literaturkritikerin Hildegard Keller führte die Zuschauer vom Urknall, über religiöse Fragestellungen bis hin zu Bob Dylan. An diesem Nachmittag habe ich gemerkt, wie entscheidend die Moderation für das Gelingen einer Lesung sein kann, ich habe es selten zuvor erlebt, dass jemand so gut durch eine Veranstaltung geführt hat, wie Hildegard Keller. Übrigens haben beide Autoren nicht eine einzige Seite aus ihren Büchern vorgelesen, und dennoch haben sie es durch ihren Witz, ihre Schlagfertigkeit und das gemeinsame Gespräche geschafft, neugierig auf ihre Werke zu machen.

Ebenso schön und intensiv war die Lesung von Laura de Weck, die im berühmten Cafe Odeon stattfand – einem Cafe in Zürich, in dem bereits einige bekannte Schriftsteller und Künstler ein- und ausgingen. Die Zuschauer saßen an kleinen Tischen, an denen sie vor der Lesung ein üppiges Frühstück einnehmen konnten. Anschließend trug Laura de Weck einige ihrer Kolumnen vor, die sie mit persönlichen Anmerkungen ergänzte. Ihre Kolumnen kreisen um die Gleichberechtigung der Frau, das Schweizer Problem mit den Steuern oder auch den Umgang mit der Flüchtlingskrise. Laura de Weck – die auch als Schauspielerin tätig ist, hat es mit Charme und vielen klugen Gedanken geschafft, mich für ihr Buch zu begeistern, das nun ganz oben auf meiner Wunschliste steht.

Das Kontrastprogramm zu diesen beiden Veranstaltungen war eine Lesung von Christian Kracht im ausverkauften Landesmuseum Zürich. Christian Kracht saß eineinhalb Stunden – übrigens noch in seinen Mantel gekleidet – vor seinem Publikum und hat ohne Unterbrechung aus seinem neuen Roman Die Toten gelesen. Es gab weder ein Gespräch noch wurde dem Publikum die Möglichkeit gegeben Fragen zu stellen, dafür wurde uns neunzig Minuten vorgelesen – unterbrochen nur dann, wenn der Autor vom Apfel abbiss. Ich würde euch gerne zumindest ein Foto des Abends zeigen, doch fotografieren war leider auch verboten.

Dieses Erlebnis ist wohl auch der Auslöser für diesen Beitrag und dafür, dass ich mich seitdem frage, was ich eigentlich von einer Lesung erwarte: Für mich funktioniert eine Lesung dann, wenn ich etwas über die lesenden Autoren erfahre.  Viel interessanter als eine Lesung aus dem eigentlichen Text, finde ich das Gespräch zwischen Moderator und Autor. Das Buch kann ich im Zweifelsfall auch selbst lesen, bei einer Lesung möchte ich stattdessen all das erfahren, was ich mir durch den Text alleine nicht erschließen kann. Deshalb hat mich der Abend mit Christian Kracht wohl auch so enttäuscht zurückgelassen, denn er hatte nichts anderes zu geben, als den Text – und ich habe gemerkt, dass mir das allein nicht reicht, um das Gefühl zu haben, eine gute Lesung besucht zu haben.

Abschließend würde mich natürlich interessieren, wie es euch geht: wie muss eine Lesung sein, damit sie euch gefällt? Was erwartet ihr? Und was gefällt euch bei Lesungen überhaupt nicht? Ich bin schon sehr gespannt auf eure Antworten.


Bei meinen Bloggerkollegen Friederike und Uwe könnt ihr übrigens nachlesen, wie ihnen ihre Lesungsbesuche in Zürich gefallen haben: Friederike war mit Thomas Meyer im Bett und Uwe mit Alex Capus auf dem Schiff.

31 Comments

  • Reply
    Silvia
    December 19, 2016 at 11:00 am

    Ich bevorzuge bei Lesungen auch das Gespräch eines Moderators mit dem Autor. Doch ich lasse mich auch gerne überraschen. So habe ich einmal eine Lesung mit Sven Regener erlebt, er sagte er hat Bühnen-Angst und fühlt sich deshalb einem Gespräch nicht gewachsen. Deshalb liest er nur. Und das ziemlich gut. Dieser Abend war einfach klasse auch ohne Gespräch und Moderation. Ich finde sehr schön wenn bei Lesungen auch mal etwas ausprobiert wird. So hat zum Beispiel Sylvie Schenk ihr Buch Schnell, das Leben zusammen mit einem Saxophonspieler vorgestellt. Es gab extra für das Buch komponierte Stücke, abwechselnd mit Lesungen, zum Teil auch gleichzeitig. Ebenfalls ein unvergesslicher Abend für mich. Was mich an Lesungen reizt, frage ich mich auch manchmal. Oft reicht es für mich den Autor einfach mal zu sehen und zu hören um mir ein bestimmtes Bild von ihm zu machen.

    • Reply
      Mara
      December 22, 2016 at 1:02 pm

      Sven Regener hat Bühnenangst? Das überrascht mich aber, er ist doch auch Musiker! Danke für die interessante Informationen. Das Lesungen immer mehr aufgelockert werden, finde ich eine schöne Entwicklung – die Idee Buch und Musik zu verbinden gefällt mir z.B. gut. In Zürich habe ich auch eine Lesung besucht, bei der abwechselnd Gedichte vorgelesen und auf der Gitarre gespielt wurde, das war eine sehr schöne Kombination!

      Liebe Grüße
      Mara

  • Reply
    Hermia
    December 19, 2016 at 11:17 am

    Beim Apfel essen habe ich auch noch nie jemanden zugehört. 😉
    Ich finde die Frage gar nicht so leicht zu beantworten. Ich möchte etwas über das Buch, aber auch über die Hintergründe erfahren. Und das klappt am besten durch das Gespräch zwischen Moderation und Autor. Manchmal kann so eine Lesung so dazu beitragen, wie man ein Werk besser einordnen, besser verstehen kann.
    Die beste Lesung, die ich dieses Jahr besucht habe, war die von Deborah Feldman mit “Unorthodox”. Ich war mir vorher noch nicht sicher, ob das Buch wirklich etwas für mich sein könnte, aber sie hat so viele zusätzliche Einblicke geboten, die mir später bei der Lektüre sehr geholfen haben.

    Ich habe aber auch schon Lesungen besucht, die ich zwar sehr schön fand, die für mich aber mehr reine Unterhaltung boten, ohne das ich das Buch danach erworben hätte. Dazu fällt mir zum Beispiel Meike Winnemuth ein, die aus verschiedenen Kolumnen las, ich viel lachen konnte – und doch hatte ich danach nicht den Wunsch, das Buch zu kaufen.

    • Reply
      Mara
      December 22, 2016 at 1:04 pm

      Liebe Hermia,

      um den Lesungsbesuch von Deborah Feldman beneide ich dich ja sehr, das Buch habe ich unheimlich gerne gelesen! Hat sie denn auf Englisch die Lesung bestritten oder auf Deutsch?

      Liebe Grüße
      Mara

      • Reply
        Hermia
        December 22, 2016 at 5:05 pm

        Deborah Feldman lebt ja seit einiger Zeit in Berlin und spricht auch recht gut deutsch. Ihr deutscher Verleger war dabei, er hat vorgelesen ( sie meinte, für gutes lesen würde es noch nicht reichen), das Gespräch war ebenfalls auf deutsch.

  • Reply
    Erika Mager
    December 19, 2016 at 11:47 am

    Ich stelle immer wieder fest, dass eine gelungene Lesung vom Autor abhängt und welche “Bühnenpräsenz” dieser hat. Nur weil sein Buch klasse ist, kann es sein, dass es ein ziemlich zäher Abend wird. (Ich habe Walser erlebt – das war zermürbend!) Ein Autor, der wie ein Showmaster sein Publikum unterhalten kann ist toll. (Hier denke ich an Roger Willemsen, der viel zu früh gestorben ist. Auf der Bühne fantastisch, die Bücher eher mühsam zu lesen.) Und dann das Erlebnis anlässlich der letzten Buchmesse: Cees Nooteboom soll einen Abend im Literaturhaus Frankfurt von Maike Albath zu seinem Buch “533 Tage” interviewt und moderiert werden. Schon zu Beginn wird er ganz ungehalten und beantwortet keine Frage, bis er quasi Frau Albath von der Bühne wirft und nur noch vorliest. Das tut er fast zwei Stunden lang so gekonnt, dass der Abend ein Genuss wird. Also ich kennen alle Formen des Vortrags. Viele zum Fremdschämen, aber ein Patentrezept gibt es nicht. Auf den Menschen kommt es an.

    • Reply
      Mara
      December 22, 2016 at 1:07 pm

      Ich glaube, dass du Recht damit hast, dass man nicht sagen kann, dass das oder das Lesungskonzept funktioniert, sondern dass das ganz stark vom lesenden Autor abhängt. Das Erlebnis, was du mit Cees Nooteboom schilderst, finde ich unheimlich spannend – da wäre ich gerne dabei gewesen! Gelesen habe ich von dem Autor übrigens noch nichts, dein Kommentar ruft mir ins Gedächtnis, daran dringend mal etwas zu ändern!

      Liebe Grüße
      Mara

  • Reply
    Isa Schikorsky
    December 19, 2016 at 12:38 pm

    Auf jeden Fall erwarte ich von einer Lesung, dass der Autor oder die Autorin aus seinem/ihren Buch liest. Und dieses Vorlesen sollte im Zentrum stehen. Warum sonst heißt die Veranstaltung Lesung? Darüber hinaus möchte ich gern etwas über den Autor und das Entstehen seines Werkes erfahren. Entweder, indem er selbst etwas dazu sagt oder durch ein Gespräch. Ein reines Gespräch sollte dann so angekündigt werden, es fällt für mich nicht unter die Kategorie “Lesung”.

    • Reply
      Mara
      December 19, 2016 at 12:47 pm

      Liebe Isa,

      ich wollte nicht falsch verstanden werden – mir ist schon klar, dass bei einer Lesung hauptsächlich aus dem Buch vorgelesen wird. Wenn das aber der einzige Bestandteil einer Lesung ist, dann merke ich, dass mich das weniger mitreißt. Ich kann dann auch zu Hause bleiben und mir das Hörbuch anhören – um es mal überspitzt zu formulieren. Ein kleines Gespräch, ein paar persönliche Anmerkungen reichen mir da schon, mehr muss es gar nicht sein! Bei Kracht gab es aber ausschließlich eine Lesung des Buches, die neunzig Minuten dauerte. Das war mir zu viel!

      Liebe Grüße
      Mara

  • Reply
    Bernhard
    December 19, 2016 at 6:15 pm

    Für mich ist eine Lesung immer mehr als eine Lesung. Wie du ja schreibst: Lesen kann man das Buch ja selbst. Von einer Autorin bzw. einem Autor erwarte ich nicht, dass er/sie sagt, was der Text bedeuten soll, welche Botschaft darin steckt, wo welche Anspielung greifen soll etc. – das möchte ich als Leser für mich selbst beantworten. Aber es gibt so viel, über das ein Schriftsteller sprechen kann: das Schreiben an sich, den Büchermarkt, Anekdoten über merkwürdige Leserzuschriften… und all das schafft einen Mehrwert für die Besucher der “Lesung”.

    Dahinter steht wohl auch entfernt die Vorstellung von der Lesung als Unterhaltungsveranstaltung, eben als Event. Das kann man natürlich schlecht finden, aber ich weiß nicht, worin sonst noch der Sinn einer Lesung liegen könnte. (Außer in bloßem Personenkult, und das ist ja auch eher ermüdend dann.)

    Eine Lesung mit Robert Seethaler war genau nur das: Er hat 45 Minuten vorgelesen. Danach hat der Moderator den Abend beendet, eben weil Seethaler ein bisschen erkältet war und wir “seine Stimme ja auch nicht überbeanspruchen wollen”. Für das Vorlesen hatte es noch gereicht…

    Das Gleiche passiert bei Christian Kracht, allerdings liefert er noch ein “Mehr”, ein sehr negatives. Dieses demonstrative Desinteresse an Publikum und einem Austausch in irgendeiner Form (auch bei normalen Interviews) kann ich nur mehr schwer ertragen. Wenn ich Interviews und Publikumsabende fürchterlich finde, bin ich ja nicht gezwungen, hinzugehen. Wenn es ein Autor doch tut und sich entsprechend aufführt, finde ich das so unsympathisch, dass es mir alle Lust am Text raubt. Oder gibt es zwischen Verlagen und Schrifstellern so strenge Verträge, was die Lesungen angeht?

    • Reply
      Mara
      December 22, 2016 at 1:00 pm

      Lieber Bernhard,

      deinen Anmerkungen über Kracht kann ich mich nur anschließen – die Zuschauer zahlen Geld für die Lesung und in den meisten Fällen auch für das Buch und freuen sich auf den gemeinsamen Abend mit dem Autor. Dann so abgespeist zu werden ist schon ein wenig respektlos seinen Lesern gegenüber. Wenn man die Öffentlichkeit scheut oder sich zu schüchtern für solche Abende fühlt, dann sollte man tatsächlich vielleicht lieber gar keine Lesungen anbieten.

      Deine Erfahrung mit Seethaler ist natürlich auch sehr schade! Bei einer Lesung mit Marica Bodrozic war die Autorin auch erkältet – damals wurde das so gelöst, dass ein Mann aus dem Publikum las und sie ihre Stimme für ein Gespräch mit dem Moderator schonte. Das war dann alles in allem dennoch ein schönes Lesungserlebnis!

      Liebe Grüße
      Mara

  • Reply
    KaBra
    December 19, 2016 at 6:15 pm

    Ich glaube diese aufgelockerte Form der Lesungen, kommt mehr und mehr und gefällt mir gut. In Amerika und Skandinavien läuft es ja schon lange so, dass es eher ein Interview rund ums Buch und Autor, mit einem Q & A Part seitens des Publikums ist. Dazu noch eine gute Moderation und es kann nur gelingen.
    Erste Erde Epos habe ich gerade zum Geburtstag bekommen und bin noch immer ganz außer mir vor Glück. Ich habe beschlossen, es wird das erste Buch im neuen Jahr.
    Hab es schön 🙂

    • Reply
      Mara
      December 22, 2016 at 12:57 pm

      Ja, das habe ich auch schon mal irgendwo gelesen, dass Lesungen in Amerika ganz anders ablaufen als bei uns – das finde ich immer spannend, da damit ja auch die Frage verbunden ist, was das Publikum von einer Lesung erwartet. Irgendwie werden sich da ja über die Jahre Präferenzen entwickelt haben.
      Mit “Erste Erde Epos” wünsche ich dir ganz viel Freude – ebenso hoffe ich, dass du schöne Weihnachten haben wirst und gut in das neue Jahr rutschst!

      Liebe Grüße
      Mara

      • Reply
        KaBra
        December 22, 2016 at 3:50 pm

        Ich denke mit Erste Erde Epos werde ich lange viel Freude haben. 😉 Dir auch ein frohes Fest und ein gutes neues Jahr.

  • Reply
    Thomas
    December 19, 2016 at 6:29 pm

    Hallo Mara,
    da hast du bei Christian Kracht ja wirklich Pech gehabt. Neunzig Minuten reines Vorlesen wären mir auch definitiv zu langweilig gewesen. Aber ich glaube, der Autor sieht sich als Teil eines Gesamtkunstwerks, also gehört das bei ihm vielleicht zur Performance (vielleicht hatte er aber auch einfach keine Lust auf dieses Marketing-Gedöns). Meine Erwartungen an eine Lesung sind ganz ähnlich wie deine. Ich möchte auch etwas über den Autor, die Entstehungsgeschichte des Buches und den Schreibprozess erfahren. Als Buchblogger wären natürlich auch Meinungen zu Autoren-Kollegen und dem Buchmarkt allgemein interessant (aber viele Moderatoren stellen keine Fragen in diese Richtung – Tim Parks mal ausgenommen). Von der Moderation hängt also wirklich viel ab, es sei denn man hat einen Autor mit Entertainerqualitäten wie Joachim Meyerhoff oder Frank Schätzing. Sehr positiv in Erinnerung habe ich die Lesungen mit Donna Leon (moderiert von der Schaupielrin Annett Renneberg) und die Lesung mit Frank Witzel (mit Moderatorin Rebecca Link von WDR5). Eine sehr kurze Lesung, die dazu noch hauptsächliche aus Vorlesen und kaum Moderation bestand, habe ich dieses Jahr mit Connie Palmen besucht – das hätte man sich sparen können. Mein nächstes Highlihgt: T.C. Boyle in Köln – ich bin gespannt.
    Ganz liebe Grüße
    Thomas

    • Reply
      Mara
      December 22, 2016 at 12:55 pm

      Lieber Thomas,

      ich glaube mittlerweile, dass das bei Kracht eine Masche ist, es scheint ja zumindest keine Ausnahme gewesen zu sein, da er auch andere Lesungen in dieser Art und Weise bestritten hat. Ganz anders erging es mir da zum Beispiel bei Franzen, der zwar auch viel gelesen hat (sogar auf Deutsch!), aber eben auch einen Teil seiner Persönlichkeit mit eingebracht hat.
      Ich bin gespannt darauf, wie dir die Lesung mit T.C. Boyle gefallen wird – sein neuer Roman steht auf jeden Fall schon ganz oben auf meiner Wunschliste für das kommende Jahr!

      Liebe Grüße
      Mara

  • Reply
    Dorte
    December 19, 2016 at 10:53 pm

    Prinzipiell bin ich eine Verfechterin der Wasserglas-Lesung; ein(e) Schriftsteller(-in), ein Wasserglas, Tisch, Stuhl, Lampe sowie Buch und los geht’s. Neben der eigentlichen Lesung darf gern Einblick in den Schaffensprozess gegeben werden. Verzichtet werden darf auf eine Moderation, insbesondere durch Kulturredakteure, die pseudointellektuelle Fragen stellen und die deutsche Übersetzng lesende Schauspielstars, ebenso ungern ertrage ich öffentliche Zuschauerfragen. Hierzu sollte im Anschluss an die Lesung die Möglichkeit gegeben werden. In der Summe sollten Schriftsteller(-in) und Arbeit für sich sprechen.

    Was Kracht betrifft, scheint sein Auftritt konsequentes Konzept (einschließlich Apfel) zu sein, wenn man die Berichte zu seinen Lesungen verfolgt. Das Publikum scheint es nicht zu stören, füllt es doch Säle wie Deutschlands größtes Schauspielhaus in Hamburg.

    • Reply
      Mara
      December 22, 2016 at 12:53 pm

      Liebe Dorte,

      ich habe mich sehr über deinen Kommentar amüsiert, da ich das, was du über Moderatoren und Fragensteller schreibst aus vielen Lesungen eigentlich nur bestätigen kann. Bei Kracht hat mir einfach viel gefehlt, und ich glaube, dass es nicht nur mir so erging – häufig weiß man ja vorher nicht, worauf man sich einlässt. Spannend fände ich allemal die Frage, was er genau mit diesem Auftreten bezweckt.

      Liebe Grüße
      Mara

  • Reply
    nettebuecherkiste
    December 20, 2016 at 11:03 am

    Ich finde auch, dass eine Lesung eine Diskussion beinhalten sollte. Schade, dass Christian Kracht das so macht. Anderes Thema: Ich habe gerade festgestellt, dass alle deine letzten Artikel und auch die von einigen anderen Bloggern nicht in meinem WordPress-Reader angezeigt wurden. Da gab es schon öfter Probleme bei selbst gehosteten Blogs, deshalb dachte ich, ich sag es dir mal. Werde dann wohl jetzt doch mal auf einen anderen Reader umsteigen… Liebe Grüße Anette

    • Reply
      Mara
      December 22, 2016 at 12:50 pm

      Vielen Dank für den Hinweis auf den Reader – ich bin da mittlerweile ratlos, es scheint immer wieder zu passieren! Vielleicht rutschen meine Beiträge ja irgendwann wieder rein. Übrigens: wenn du nach einer Alternative suchst, kann ich dir feedly sehr empfehlen!

      • Reply
        nettebuecherkiste
        December 23, 2016 at 1:12 pm

        Danke für den Tipp, hab mir Feedly auch schon angesehen, habe aber dort das umgekehrte Problem: Wenn ich die Datei mit meinen abonnierten Blogs importiere, werden nur die selbstgehosteten berücksichtigt, nicht die WordPress-Adressen… Ich werde demnächst mal in die Runde fragen, ob jemand Rat weiß 🙂 Frohe Weihnachten! Anette

  • Reply
    Nicole Wagner
    December 20, 2016 at 4:03 pm

    Mir fehlt hier etwas der Vergleich, weil ich erst zwei Lesungen besucht habe. Aber ich mag es, wenn Autoren über sich, das Buch, die Entstehung, die Figuren, … usw. erzählen. Das Buch kann ich im Grunde ja selbst lesen und dazu brauche ich den Autor nicht. (Andreas Gruber hat dieses Prinzip aus Tokio mitgebracht und bei seiner Lesung ist es wunderbar aufgegangen).

    L

    • Reply
      Mara
      December 22, 2016 at 12:45 pm

      Liebe Nicole,

      vielen Dank für deinen Kommentar – ich finde, dass man auch nach zwei Lesungen schon ganz gut beurteilen kann, was einem gefällt, und was nicht! Spannend, dass Andreas Gruber dieses Konzept mit aus Tokio gebracht hat, das hatte ich nicht gewusst!

      Liebe Grüße
      Mara

  • Reply
    jancak
    December 20, 2016 at 4:20 pm

    Ich gehe sehr oft zu Lesungen und erwarte mir eigentlich nichts besonderes davon oder doch natürlich.
    Einen ersten Eindruck in das Buch, das ich mir wahrscheinlich nicht kaufe, einen Eindruck vom Autor. Moderation gibt es meistens und da rollen manchmal die Zuhörer oder auch die Autoren die Augen, wenn der Moderator zuviel verrät oder vielleicht auch eine Zusammenfassung vom Buch gibt.
    Da es in Österreich meistens keinen Eintritt gibt, habe ich mir noch nicht so viel Gedanken gemacht, welche Performance ich mir jetzt erwarten soll, ich gehe einfach hin und lerne da, so wie beispielsweise gestern https://literaturgefluester.wordpress.com/2016/12/19/letzte-textvorstellungen-mit-angelika-reitzer/, junge erstaunliche Talente kennen, bei Anna Weidenholzer und Valerie Fritsch war das vor einigen Jahren und wenn die großen Stars, beispielsweise zum “Fried Symposium” kommen, dann darf man beispielsweise nicht fotografieren, aber das darf man im Literaturhaus Wien und in der “Alten Schmiede” sowieso nicht.
    Lesungen und Bücher ergänzen sich aber, glaube ich, gut, obwohl ich meistens nicht mehr zu Lesungen gehe, wenn ich das Buch gelesen habe. Umgekehrt ist das anders, da frage ich manchmal an und beim Lesen kommt man dann darauf, daß das Buch eigentlich ganz anders ist, als ich bei der Lesung dachte!
    Liebe Grüße aus Wien und schöne Weihnachten mit schönem Lesen!

    • Reply
      Mara
      December 22, 2016 at 12:43 pm

      Liebe Eva,

      wie schön, mal wieder von dir zu lesen! 🙂 Auch ich gehe nicht mir großen Erwartungshaltungen zu Lesungen, habe aber nach der einen oder anderen einfach für mich gemerkt, wie eine Lesung sein sollte, damit der Besuch für mich ein Gewinn ist! Da hat mir – um bei meinem Beispiel zu bleiben – bei Christian Kracht einfach ganz viel gefehlt!

      Ich habe übrigens den Eindruck, dass eine gute Moderation echt schwer zu finden ist! Mir hat Hildegard Keller sehr gut gefallen, die hast du sicherlich auch schon mal live erlebt, oder?

      Liebe Grüße
      Mara

  • Reply
    Nanni
    December 20, 2016 at 5:28 pm

    Liebe Mara,

    mich interessiert auch das Gespräch mit dem Autor. Wann sonst hat man die Gelegenheit ihn/ sie auch zu erleben? Ich bekomme einen Eindruck über seine / ihre Persönlichkeit, was meiner Meinung nach viel ausmacht, denn sie steckt ja immer auch in seinem / ihrem Buch.
    Was die Moderation betrifft – ich gehe gerne zur Presseveranstaltung des DJLP. Dort ist die Moderation aber immer so schlecht, dass es mir die Veranstaltung ein wenig vermiest. Sehr schade.
    In meiner Gegend gibt es leider nicht so viele Lesungen, aber ich hoffe das ändert sich noch.

    Liebe Grüße
    Nanni

    • Reply
      Mara
      December 22, 2016 at 12:41 pm

      Liebe Nanni,

      schade, dass es in deiner Nähe nicht so viele Lesungen gibt. Kommst du denn nächstes Jahr nach Leipzig? Dort gibt es immer beim Lesefestival ganz ganz viele Lesungen und viele davon auch noch kostenlos, da versuche ich immer ganz viel mitzunehmen!
      Und ich stimme dir zu: die Moderation kann beim Gelingen einer Lesung entscheidend sein, mir ging es mal so bei einer Veranstaltung mit Clemens Setz, die aufgrund der Moderation leider gar kein Spaß mehr gemacht hat.

      Liebe Grüße
      Mara

  • Reply
    the lost art of keeping secrets
    December 21, 2016 at 10:26 pm

    Liebe Mara, ich finde, dass es ganz auf die Schriftsteller_innen ankommt. Ich habe letztes Jahr Feridun Zaimoglu auf einer Lesung zum Siebentürmeviertel gesehen und das war fantastisch. Lesung und Gespräch. Es kommt mir dann auch auf die Performance insgesamt an und das können manche interessanter als andere.
    Fragen aus dem Publikum finde ich häufig gar nicht so toll. Bei einer Lesung von Theresa Prääuer vor einigen Wochen, die mir, allein durch die Lesung total viel Lust auf ihren Roman “Oh, Schimmi“ gemacht hat, wurde sie gefragt, ob sie diese oder jene Abhandlung von einem Literaturprofessor kennen würde. Nun ist sie zwar vom Fach, aber das war so eine typische Altherrenfrage um das eigene Wissen darzustellen. Hat niemandem was genützt und alles, was sie sagen konnte, war “Nein, xy kenne ich nicht.“ Total überflüssig, da ist mir eine gute Moderation, ein interessantes Gespräch und eine stimmige Performance, viel lieber als Publikumsfragen.
    Liebe Grüße, Eva

    • Reply
      Mara
      December 22, 2016 at 12:39 pm

      Liebe Eva,

      ich stimme dir zu: wenn Fragen aus dem Publikum zugelassen werden, besteht immer die Gefahr, dass es Fremdschämmomente gibt. Ganz schlimm habe ich das mal bei einer Lesung mit Ruth Klüger erlebt, die mir in diesem Moment sehr leid getan hat.

      Feridun Zaimoglu würde ich übrigens auch sehr gerne mal auf einer Lesung erleben!

      Liebe Grüße
      Mara

  • Reply
    Lotta
    January 8, 2017 at 9:38 am

    Guten Morgen liebe Mara,
    ich finde diesen Beitrag sehr interessant und auch die Kommentare der anderen, die hier schon geschrieben haben. Ich habe eine ziemlich genaue Vorstellung von einer Lesung und die ist eindeutig nicht die Variante, die dir bei Kracht geboten wurde. Ich finde es toll, wenn Autor im Austausch mit seinen Leser steht. Sei es, dass Fragen aus dem Publikum zugelassen werden (auch auf die Gefahr hin, dass es mal unangenehm wird) oder, dass der Autor etwas aus seinem Leben erzählt, etwas, dass ihn dazu gebracht hat, die Dinge so oder so zu betrachten oder eben in der Superlative wie der Fitzek. Der ja nun wirklich schon ein Entertainer ist in seinen Lesungen. Das ist wirklich wahnsinn, was der auf die Beine stellt.
    Eine Lesung muss mich neugierig machen auf das Buch, darf nicht zu viel gelesen und somit verraten werden und ich muss was Neues über den Autoren erfahren. Meist ist es bei mir sowieso so, dass ich die Bücher schon gelesen habe, wenn ich zu der Lesung gehe. Bin ich da komisch? ^^

    Liebst, Lotta

    • Reply
      Mara
      January 9, 2017 at 10:03 am

      Liebe Lotta,

      auch wenn ich noch nicht auf einer Lesung von Sebastian Fitzek gewesen bin, kann ich mir vorstellen, dass das ein Kontrastprogramm zum Auftritt von Christian Kracht sein muss! Übrigens geht es mir ganz genauso so: zumeist lese ich zuerst das Buch und besuche im Anschluss daran die Lesung, eben weil ich den Wunsch habe, dort nochmal etwas über meine Lektüre hinaus zu erfahren. Da wurde ich bei Kracht dann leider enttäuscht! 🙂

      Liebe Grüße
      Mara

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