Luzia Braun über Gespräche auf dem Blauen Sofa

Luzia Braun ist als Quereinsteigerin ins Fernsehen gekommen und hat 18 Jahre lang die Kultursendung “aspekte” im ZDF moderiert – fast ebenso lange sitzt sie während den Buchmessen auf dem Blauen Sofa und interviewt ihre Gesprächspartner. Ich habe sie gefragt, wie man sich auf so ein Interview vorbereiten kann und wann ein Gespräch für sie ein gutes Gespräch ist.

Sie haben 18 Jahre lang die Sendung “aspekte” im ZDF moderiert – können Sie ein wenig über den Einstieg in die Kulturbranche erzählen?

Das kann ich, aber das war ein Quereinstieg und insofern recht ungewöhnlich und heutzutage eigentlich undenkbar. Ich habe nicht  Journalismus studiert, sondern Germanistik und Geschichte. Als ich in Italien war, habe ich dort angefangen, als freie Mitarbeiterin Beiträge für deutsche Sender zu machen. So habe ich auch für “aspekte” einen Beitrag über die Wichtigkeit der Literatur in Italien gemacht. Johannes Wilms, der damalige Redaktionsleiter, hat den Beitrag eingekauft und so ist der erste Kontakt entstanden. Später wurde ich dann gefragt, ob ich mir auch vorstellen könnte, zu moderieren – obwohl ich das gar nicht vor hatte. Das ist etwas, was heute wahrscheinlich nur noch schwer vorstellbar ist.

Während den Buchmessen in Frankfurt und Leipzig moderieren Sie seit vielen Jahren Gespräche auf dem Blauen Sofa – in diesem Jahr haben Sie zum Beispiel mit Nora Bossong über das Rotlichtmilieu und mit Josef Haslinger über die Situation verfolgter Autoren gesprochen – wie bereiten Sie sich auf diese Gespräche vor?

Sehr intensiv muss ich sagen. Es gibt ja Leute, die schütteln das eher so aus dem Ärmel. Ich bereite mich so vor, dass ich die Bücher aufmerksam lese, mir meistens schon beim Lesen kleine Notizen mache. Dann schreibe ich mir die wichtigsten Zitate und Gedanken aus dem Buch auf und überlege mir die Dramaturgie eines Gesprächs. Womit fange ich an, womit höre ich auf – das wird nicht immer so eins zu eins durchgehalten, es aber einmal aufgeschrieben zu haben, hilft mir. Wenn ich es einmal geschrieben habe, dann kann ich auch abweichen. Ich schaue während des Gesprächs auch nicht auf die Karten, aber ich brauche sie. Ich muss sie dabei haben, ansonsten fühle ich mich nicht sicher.

Ich stelle mir vor, dass das Gelingen eines Gesprächs auch immer von Ihrem Interviewpartner abhängig ist – haben Sie auch schon mal peinliche oder misslungene Situationen erlebt?

Unbedingt! Das ist auch das Faszinierende! Es ist immer wieder erstaunlich, wie überraschend diese Begegnungen auf dem Blauen Sofa sind. Manchmal denkt man, dass es mit dem oder der ganz leicht wird und plötzlich merkt man: die Chemie stimmt überhaupt nicht und wir kommen nicht zurecht miteinander. Das passiert immer wieder – der umgekehrte Fall aber auch. Der peinlichste Moment war folgender: in all den Jahren gab es ein einziges Buch, das ich nicht zu Ende gelesen habe. Das war ein 600 Seiten Krimi von Sky du Mont, den ich nicht geschafft habe und auf Seite 300 zur Seite gelegt habe. Ich habe den Fehler begangen, nach einer Frauenfigur zu fragen, die sich am Ende vollkommen anders entwickelt – das habe ich ja aber nicht mehr mitgekriegt. Jedenfalls wurde es total deutlich, dass ich das Buch nicht zu Ende gelesen habe und Sky du Mont sagte dann auf dem Blauen Sofa: “Sie haben mein Buch ja gar nicht gelesen.” Und dann sagte ich: “Ja, das stimmt – ich habe es nicht zu Ende gelesen.” Das ist natürlich super peinlich. Das darf gar nicht passieren. Alte Hasen, die auch nicht jedes Buch zu Ende lesen, sagen deshalb immer: keine Detailfragen!

Und umgekehrt – was braucht es für Sie, damit ein Gespräch ein gutes Gespräch wird?

Das ist schwierig. Ich glaube, dass ein wichtiger Punkt ist, dass man zuhören muss und nicht nur die vorbereiteten Fragen abspult. Man muss wirklich genau zuhören und auch bereit sein, das eigene Konzept umzustellen, weil der Gesprächspartner plötzlich schon etwas sagt, was man vielleicht erst für das letzte Drittel des Gesprächs geplant hatte. Dann muss man flexibel sein: Man muss auch eine gute Mischung finden zwischen sich zurücknehmen und trotzdem engagiert zu sein. Ich bin auch immer sehr für persönliche Zugänge: also ich selbst sage immer, wie ich ein Buch gefunden habe und thematisiere auch meine eigene Leseerfahrung. Bei einem Gespräch kommen dann viele Faktoren zusammen, vor allen Dingen die eigene Tagesform und auch die des Interviewpartners.

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