Warum es sich für Buchblogger lohnt, auf die re:publica zu gehen!

Nachdem ich es schon so viele Jahre vorhatte, habe ich es dieses Jahr endlich geschafft: ich habe zum ersten Mal die Internetkonferenz re:publica besucht. Ich habe mich in den vergangenen Wochen sehr auf die Konferenz gefreut, auch wenn ich nicht genau wusste, was mich dort eigentlich erwarten wird – die Lust darauf, etwas Neues kennenzulernen, war einfach sehr groß.

Das Motto der diesjährigen re:publica war love out loud und so war es sicherlich kein Zufall, dass sich ein großer Teil der Vorträge mit der Frage beschäftigte, wie man all dem Hass im Internet begegnen kann – geht das überhaupt mit Liebe? Besonders beeindruckt hat mich dabei eine Session, in der eine Jüdin, eine Feministin und ein schwarzer, homosexueller Mann auf der Bühne saßen und Hasskommentare vorgelesen haben, die sie auf ihren Kanälen erhalten haben. Dabei ist mir nicht nur bewusst geworden, wie furchtbar manche Menschen da draußen hassen, sondern auch, wie flauschig es dann doch in unserer Buchbloggerszene zugeht.

Apropos Buchblogger: auch wenn einige Buchmenschen (aus der Buchbranche oder der Verlagsarbeit) auf der re:publica anwesend waren, fehlten die Buchblogger leider fast komplett. Die Gründe dafür mögen vielfältig sein – viele von euch fragen sich vielleicht, warum es für sie lohnenswert sein sollte, diese Konferenz zu besuchen, ob dies überhaupt ein Ort für sie ist und was für einen Nutzen, sie aus diesem Besuch ziehen können. Ich habe mir einige Gedanken über diese Fragen gemacht und ein paar Gründe gefunden, warum ich euch einen Besuch empfehlen würde.

Die re:publica ist eine Internetkonferenz – und ihr bloggt nun mal im Internet

Die re:publica ist wohl eine der größten Internetkonferenzen, die dazu einlädt, sich über digitale Themen und Trends zu informieren. Auch wenn wir alle das gedruckte Buch lieben, nutzen wir für unseren Blog nun mal die technischen Möglichkeiten des Internets. Es gab zahlreiche Sessions zu Snapchat, Rechtsfragen oder dem richtigen Community Management. Aus all diesen Sessions konnte ich etwas mitnehmen, sei es zu rechtlichen Themen oder der Frage, wie ich die Möglichkeiten, die mir die Stories auf Instagram bieten, noch besser nutzen kann.

Der Blick über den Tellerrand kann erfrischend sein

Ich bin auf der re:publica mit Themen in Berührung gekommen, die mir vorher kaum bewusst gewesen sind: ich habe einen Vortrag von Elisabeth Wehling zum politischen Framing gehört; ich wurde von Miriam Meckel in die Möglichkeiten des Brain Hackings eingeführt und habe eine flammende Rede von Kübra Gümüşay miterlebt, in der sie darüber gesprochen hat, wie wichtig es ist, dass sich nun auch die sogenannte Mitte der Gesellschaft positioniert. Auf all diese Themen und Menschen wäre ich vielleicht nicht aufmerksam geworden, wenn ich durch die Konferenz nicht darauf gestoßen worden wäre. Diesen Blick über den Tellerrand finde ich unglaublich erfrischend, da ich endlich mal nicht im eigenen Saft schmore, sondern auf Dinge aufmerksam gemacht werde, die meinen Horizont erweitern.

Dieser Blick über den Tellerrand muss übrigens gar nicht immer so abseitig sein, wie in den oben genannten Beispielen: es gab zum Beispiel auch einen tollen Vortrag von Katja Böhne zum Thema Science Fiction. Ich muss gestehen, dass das eine Literaturgattung ist, mit der ich bisher kaum in Berührung gekommen bin. Katja Böhne ist es aber gelungen, große Lust darauf zu machen, auch mal einen Science-Fiction-Roman zu lesen. Aus diesem Vortrag ist übrigens auch gleich eine Facebookgruppe entstanden, wer also Lust auf Science Fiction hat, der ist herzlich eingeladen, der Gruppe beizutreten.

Ohne die re:publica wäre ich wohl außerdem auch nie auf den berührenden Blog der Anachronistin oder auf YouTube-Formate wie Auf Klo und Jäger & Sammler aufmerksam geworden. All dies nehme ich mit nach Hause.

“Ich finde mich in dem Programm der re:publica überhaupt nicht wieder.”

Diesen Satz höre ich immer wieder und ich kann euch nur ermutigen, euch von diesem Gefühl nicht abhalten zu lassen. Das Programm der re:publica wird von den Teilnehmern und Teilnehmerinnen selbst bestimmt – wir haben die Chance, uns und das was wir können, dort zu präsentieren und unsere Kenntnisse und Erfahrungen mit einfließen zu lassen. Ich glaube, dass wir viel zu erzählen hätten, wenn wir uns nur trauen würden! Warum sollten die Mitstreiter vom Blogbuster dort nicht ein mobiles Literaturbüro anbieten können? Oder der Bloggerzusammenschluss von we read indie über Literatur aus unabhängigen Verlagen sprechen? All das sind tolle und spannende Blogprojekte, über die man auch auf der re:publica sprechen könnte.

Lohnt sich der Weg nach Berlin nun?

Von mir gibt es dazu ein klares Ja – ich begreife meinen Blog nicht nur als einen Ort, an dem ich meine Texte veröffentliche, sondern auch als ein Medium, über dessen Möglichkeiten und Chancen ich mir fast täglich Gedanken mache. Wo kann ich etwas verändern? Was gibt es Neues? Wo kann ich mir etwas abschauen? Was gibt es schon woanders und lässt sich auf mich und meinen Buchblog übertragen? Die re:publica ist ein guter Ort, um sich genau darüber zu informieren. Und ganz nebenbei habe ich das Gefühl, mich in den drei Tagen auch als Mensch weiterentwickelt zu haben, weil ich auf Themen gestoßen bin, über die ich mir zuvor nur wenig Gedanken gemacht habe. Ich glaube, dass es unglaublich wichtig ist, die eigene Filterblase immer mal wieder zu verlassen, um mit neuer Energie, neuen Ideen und neuer Motivation zurückzukommen.

Wibke Ladwig, Chefin der Kommunikationswerkstatt Sinn und Verstand, hat unter dem Hashtag #kulturflauschattacke dazu aufgerufen, dass wir dafür sorgen müssen, dass es auf der nächsten re:publica mehr Kultur gibt. Ich werde diesem Aufruf folgen und ich würde mich natürlich freuen, wenn sich einige von euch anschließen würden.

15 Comments

  • Reply
    fluffy words
    May 12, 2017 at 5:02 pm

    Danke für deinen Beitrag und die Twitterberichterstattung, Mara. Ich habe den Wirbel um die re:publica dieses Jahr das erste Mal ganz bewusst mitbekommen und bin nun schon gespannt auf das nächste Mal. Das muss in die Urlaubsplanung passen! Die Mission für mehr Kultur (natürlich ist Flausch auch sehr in meinem Sinne) dort vor Ort und insgesamt teile ich ebenso gern.
    Die besten Grüße!

    • Reply
      Mara
      May 15, 2017 at 8:29 am

      Wie schön, das freut mich sehr! Ich drücke dir ganz fest die Daumen, dass es im kommenden Jahr mit einem Besuch klappen könnte und würde mich sehr freuen, dich kennenzulernen!

      Liebe Grüße
      Mara

      • Reply
        fluffy words
        May 15, 2017 at 9:04 am

        Was für eine liebe Antwort, vielen Dank! 🙂

  • Reply
    Petzi
    May 12, 2017 at 7:52 pm

    Liebe Mara,
    ein ganz toller Beitrag, denn ich verfolge die re:publica seit mindestens zwei Jahren aufmerksam auf Twitter und wäre ebenfalls gerne dabei gewesen. Bei mir scheitert es aber schlicht am nötigen Urlaub, den ich einfach nicht komplett für Buchsachen aufbrauchen will und kann. Also muss ich mich zwischen Messen, Workshops und anderen Veranstaltungen leider entscheiden und Prioritäten setzen.

    Liebe Grüße
    Petzi

    • Reply
      Mara
      May 15, 2017 at 8:28 am

      Liebe Petzi,

      dieses Dilemma kann ich total verstehen – man muss immer irgendwo eine Auswahl treffen oder auf etwas verzichten, was man gerne machen möchte. Ich wollte mit meinem Beitrag nur ein wenig die Scheu davor nehmen, die re:publica zu besuchen – ich glaube schon, dass wir dort hingehören und von dort auch etwas mitnehmen könnten!

      Liebe Grüße
      Mara

  • Reply
    dj7o9
    May 12, 2017 at 9:13 pm

    Nächstes Jahr bin ich dabei, schöner Artikel und wooohooo für mehr Sci-Fi 🙂 Liebe Grüße …

    • Reply
      Mara
      May 15, 2017 at 8:27 am

      Wow, das freut mich – dann machen wir kommendes Jahr gemeinsam die Republica unsicher! 🙂

  • Reply
    aronspers
    May 13, 2017 at 12:49 am

    Vielen Dank für deinen Hinweis auf “Die Anachronistin”! Ich freue mich riesig darüber! 🙌🏻

    • Reply
      Mara
      May 15, 2017 at 8:26 am

      Sehr gerne, ich habe deinen Vortrag begeistert verfolgt!

  • Reply
    WortGestalt
    May 13, 2017 at 5:09 am

    Ich denke, dass es ähnlich wie bei Petzi bei vielen einfach ein Zeitproblem gibt und die Abwesenheit von Buchbloggern nicht zwingend am Desinteresse liegt. Was ich jetzt auch nicht als Aussage aus deinem Artikel ziehe, ich hatte nur die Diskussion im Netz die Tage am Rande mitbekommen.

    Im Gegensatz zu anderen Bloggerbranchen sind bei uns eben doch die meisten nicht hauptberuflich aktiv, haben einen Brotjob und da ist es schwierig, solche Events einzuplanen. Zumindest geht es mir so, und ich wohne sogar in Berlin. Nichtsdestotrotz finde ich die re:publica super interessant, und nutze dann eben eher das Angebot des YouTube-Channels, würde aber irgendwann auch gerne mal live vorbeischauen um ein paar neue Eindrücke zu sammeln.

    Aber ob nun Zeit oder Interesse das Problem ist, dein Artikel dürfte Skeptikern ein wenig die Augen öffnen, dass wir als Blogger nun mal absolut digital sind und da auch neue Impulse gut tun. Danke für den Beitrag, hat mich gefreut, deine Eindrücke zu lesen! 🙂

    • Reply
      Mara
      May 15, 2017 at 8:25 am

      Ich wusste gar nicht, dass du in Berlin wohnst? Ich bin immer mal wieder gerne dort und würde mich freuen, falls wir uns mal auf einen Kaffee treffen könnten.

      Was die Republica betrifft: ich glaube auch nicht, dass es am grundlegenden Desinteresse liegt. Ich vermute aber manchmal schon, dass Buchblogger von der Tendenz mehr Spaß am lesen haben, als an der Technik des Bloggens – daher besteht dann bei einigen vielleicht auch per se nicht unbedingt ein Interesse an solchen Veranstaltungen.

      Mit meinem Artikel wollte ich einfach mal ein wenig Lust machen und gleichzeitig die Scheu davor nehmen, dass wir dort nicht hingehören würden.

      Liebe Grüße
      Mara

      • Reply
        WortGestalt
        May 15, 2017 at 7:21 pm

        Das ist dir auf jeden Fall gelungen! … Und ja, das könnte schon so sein, dass man sich eher als Leser denn als Blogger wahrnimmt und daher keine allzu große Affinität zur Vertiefung besteht. Ist vielleicht auch etwas, das sich mit den Jahren noch ändern/entwickeln wird.

        Bezüglich eines Treffens, ja, sehr gerne, das würde mich auch freuen!. Gib einfach Bescheid, wenn Du mal wieder in der Stadt bist, dann findet sich vielleicht was! 🙂

  • Reply
    andreamaluga
    May 13, 2017 at 4:02 pm

    Bilden wir im nächsten Jahr eine Reisegruppe? 😉

    • Reply
      Mara
      May 13, 2017 at 4:03 pm

      Sehr gerne, da bin ich dabei!

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