200. Geburtstag von Henry David Thoreau: “Wir müssen lernen, wieder wach zu werden.” –

Manchmal können die Wege, auf denen Bücher uns finden, seltsam sein – von Henry David Thoreaus Buch Walden las ich zum allerersten Mal vor vielen Jahren in vielleicht lieber morgen von Stephen Chbosky und wurde sofort neugierig auf das Buch. Als ich es dann las, war ich schnell fasziniert: nicht unbedingt nur von diesem einfachem Leben des Autors in einer einsamen Hütte im Wald, sondern vor allem von dem Gedanken, dass wir unser Leben immer wieder umkrempeln und neu beginnen können. Es geht in dem Buch gar nicht so sehr darum, ein einfaches oder spartanisches Leben zu führen, sondern darum ein reines Leben zu leben und zu uns selbst zu finden. Thoreau zieht in den Wald, um – in einfachsten Verhältnissen – mehr über sich und sein Leben herauszufinden. Klingt das nicht – obwohl das Buch bereits vor 150 Jahren erschienen ist – so wie das, was sich so viele Menschen heutzutage wünschen? In Walden geht es um Do it yourself, Minimalismus und den Wunsch danach, herauszufinden, warum man eigentlich lebt – Henry David Thoreau also als Vorreiter und Trendsetter.

Henry David Thoreau wurde 1817 als David Henry Thoreau geboren. Er war das dritte von vier Kindern – seinem Vater gehörte eine Fabrik zur Herstellung von Bleistiften. 1833 ging Thoreau zum Studium nach Havard, nach seinem Abschluss arbeitete er eine Zeit lang als Lehrer, bevor er sich dazu entschloss, für den Rest seines Lebens in der Fabrik seines Vaters zu arbeiten. 1845 zog er in die einsame Hütte am Walden Pond, die seinem Freund Ralph Waldo Emerson gehörte. Zwei Jahre, zwei Monate und zwei Tage lang lebte er dort – nicht in völliger Einsamkeit, aber doch abgeschieden von der restlichen Zivilisation. Zehn Jahre lang brauchte er anschließend dafür, ein Buch über diese Zeit am Walden Pont zu schreiben.

Ich ging in die Wälder, denn ich wollte wohlüberlegt leben und nur den wesentlichsten Dingen des Lebens gegenüberstehen. Ich wollte versuchen, ob ich nicht seine Weisheiten empfangen könnte, damit ich nicht in der Todesstunde innewürde, dass ich gar nicht gelebt hatte. Nichts anderes als das Leben wollte ich leben. Das Leben ist so kostbar. Wenn es irgend möglich war, wollte ich nicht verzichten. Intensiv leben wollte ich, das Mark des Lebens in mich aufsaugen. Hart und spartanisch wollte ich leben, um alles auszurotten, was nicht Leben war, einen breiten Schwaden zu schlagen dicht über dem Boden. In die Enge wollte ich das Leben treiben und es auf die einfachste Formel bringen. Erwies es sich als wertlos, gut, dann wollte ich seine ganze unverminderte Nichtigkeit erfahren und der Welt kundtun. War es aber herrlich, so wollte ich das aus eigener Anschauung kennenlernen und bei meinem nächsten Ausflug einen wahrheitsgetreuen Bericht geben.

Ich liebe Geburtstage von Autoren, die vielleicht ein bisschen Gefahr laufen, so langsam aus unseren Bücherregalen zu verschwinden – denn ich glaube, dass wir auch heutzutage immer noch Henry David Thoreau lesen und etwas daraus lernen können. Wer Lust darauf hat, diesen 200. Geburtstag des Autors zum Anlass zu nehmen, etwas von oder auch über Thoreau zu lesen, der kann aus einem breiten Angebot wählen. 

Walden | Vom Spazieren | Denken mit Henry David Thoreau | Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat | Waldgänger und Rebell | Tagebuch 1 | Tagebuch 2 | American Bloomsbury

12 Comments

  • Reply
    literaturreich
    July 12, 2017 at 5:04 pm

    Thoreau gilt es für mich auch noch zu entdecken. Schön, dass Gedanktage immer wieder mal daran erinnern. Viele Grüße, Petra

    • Reply
      Mara
      July 27, 2017 at 2:45 pm

      Liebe Petra,

      das finde ich an Gedenktagen auch immer besonders schön! 🙂

  • Reply
    Jenny Burger
    July 13, 2017 at 3:47 pm

    Folgender Ausspruch von Thoreau begleitet mich schon seit Jahren:
    “DIE WAHRE ERNTE MEINES
    LEBENS IST UNFASSLICH –
    EIN WENIG STERNENSTAUB, EIN STÜCKCHEN
    VOM REGENBOGEN, DAS ICH ERHASCHTE”

    • Reply
      Mara
      July 27, 2017 at 2:43 pm

      Liebe Jenny,

      danke fürs Teilen – sehr schön! 🙂

  • Reply
    jarichan
    July 13, 2017 at 7:44 pm

    Ein schöner Post ohne den ich mich vielleicht nicht an Thoreau herangetraut hätte 🙂

    • Reply
      Mara
      July 27, 2017 at 2:42 pm

      Hallo Jarichan,

      ich freue mich sehr, wenn ich einen kleinen Anstoß geben konnte. 🙂

  • Reply
    Annika
    July 22, 2017 at 6:16 pm

    Jetzt möchte ich gerne auch etwas von und über Henry David Thoreau lesen. 🙂 Und öfter durch den Wald spazieren möchte ich ebenfalls. 🙂

    • Reply
      Mara
      July 27, 2017 at 2:41 pm

      Öfter durch den Wald spazieren möchte ich auch – meine Wochen sind momentan immer so stressig und ich merke, wie entspannend die Natur dann als Ausgleich sein kann!

  • Reply
    franzischoenbach
    July 26, 2017 at 5:32 pm

    Ich habe von Thoreau nur mal bei Gilmore Girls gehört und mir dann immer geschworen, Walden auf jeden Fall zu lesen. Dank deinem wundervollen Beitrag habe ich ihn endlich wieder auf dem Schirm und glaube, dass Walden (und evlt ja auch andere Werke von ihm) gerade so wahnsinnig gut passen würde, daher vielen Dank fürs in Erinnerung rufen!

    glg Franzi

    • Reply
      Mara
      July 27, 2017 at 2:40 pm

      Liebe Franzi,

      ich freue mich sehr, dass ich dir Thoreau auf diesem Wege wieder zurück ins Gedächtnis rufen konnte und wünsche dir ganz viel Freude beim Entdecken dieses Autors!

      Liebe Grüße
      Mara

  • Reply
    dbrehm
    August 4, 2017 at 6:31 am

    auch wenn ich mit meiner Meinung wohl ziemlich allein bin. Ich kann den Hype umd Thoreau und Walden nicht verstehen. Das Buch hat mich schwer enttäuscht. Weder sprachlich noch inhaltlich besonderes anregend.
    LG, Dieter

  • Reply
    Lovely Bloggestöber #14 | Lovely Mix
    August 15, 2017 at 8:10 am

    […] geht es klassisch bei Mara von Buzzaldrins. Zum 200. Geburtstag von Henry David Thoreau hat sie uns ein paar nähere Informationen zu Thoreau zusammengestellt und bringt uns seine Werke […]

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