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Alles Abseitige

Poetry on the Road

Vom 6. bis zum 10. Juni findet das 14. Internationale Literaturfestival Bremen “poetry on the road” statt. Insgesamt 25 Dichter aus ganz unterschiedlichen Nationen werden an den kommenden Tagen an verschiedenen Orten in Bremen lesen und performen. Das Festival zieht jedes Jahr mehrere tausend Besucher an, die voller Spannung und Freude fremde Dichterstimmen für sich entdecken wollen.

Zu den bekanntesten teilnehmenden Autoren dieses Jahr gehören Bas Böttcher, David Grossman, Eckhard Henscheid, Elke Schmitter, Olga Martynova, Wolf Biermann und Lars Gustafsson. 

“poetry on the road” wird heute eröffnet und morgen erwartet das Publikum bereits das erste Highlight: es werden alle teilnehmenden Autoren und Autorinnen vorgestellt und einige von ihnen werden live lesen und performen. Ich freue mich darauf, als Zuhörerin dabei sein zu können und bin sehr gespannt, was mich erwarten wird.

Blurbs – oder wenn Worte verführen können

DSC_7334Blurbs bezeichnen im englischen Sprachraum den Klappentext eines Buches. Mit dem Begriff können sowohl die häufig schmeichelnden Kurzzusammenfassungen gemeint sein, als auch die lobenden und verlockenden Zitate von anderen Autoren und Autorinnen, die viele Buchrücken mittlerweile zieren. Das Schreiben dieser Blurbs kann als eine Wissenschaft für sich bezeichnet werden: es sollte nie zu viel, aber auch nicht zu wenig verraten werden. Besonders beliebt sind scheinbar Zitate von schreibenden Kollegen und Kolleginnen. Der amerikanische Schriftsteller Adam Mansbach scheint ein so gefragter Verfasser von Blurbs zu sein, dass er nun sogar in der Zeitung “New Yorker” eine Preisliste für seine Dienste veröffentlicht hat. Für Gary Shteyngarts Blurbs wurde sogar eine eigene Seite auf Tumblr eingerichtet, auf der sich Fans, aber auch der Autor selbst, über seine zahlreichen Zitate lustig machen. Seine lobenden Worte über andere Bücher, finden sich mittlerweile auf mehr als 100 Buchrücken.

Andere Leser in wenigen Worten, Blurbs sind vergleichbar mit Tweets bei Twitter, die eine Begrenzung von 140 Zeichen haben, von einem Buch zu überzeugen, sie neugierig zu machen und zum Lesen zu verführen, kann beinahe schon als literarische Kunst bezeichnet werden. In der New York Times hat A. J. Jacobs letztes Jahr bereits eine Anleitung zum Schreiben von Blurbs veröffentlicht, denn laut einer Studie sind – zumindest in Amerika – diese Blurbs  für potentielle Leser die wichtigste Kaufentscheidungshilfe.

Ein Blick in die Herbstprogramme der Verlage verspricht einiges, zumindest wenn man sich die verführerischen Blurbs anschaut.

“Dieser Erzähler pumpt anhaltende Adrenalinstöße in unsere Venen!” Le Figaro

“Wenn Sie erst einmal die Nase in diesen großen Roman gesteckt haben, sind Sie hin und weg!” Bernard Pivot

“Annette Pehnt kann schlichte Sätze von großer Wahrhaftigkeit schreiben.” Claudia Voigt, Der Spiegel

Ein Paar. Eine Bergtour. Höhenflüge. Und Abgründe. Die literarische Entdeckung des Jahres!

“Dieses Buch ist durchdrungen von tiefster Menschlichkeit.” Jonathan Safran Foer

Wenn man die Vorschauen durchblättert, dann steht uns ein spannender Bücherherbst bevor – aber auch nur dann, wenn die Blurbs halten, was sie versprechen. Ich bin gespannt.

Ich habe mir übrigens letztes Jahr Will Schwalbes Buch “An diesem Tag lasen wir nicht weiter” gekauft, weil das Buchcover ein Zitat von Edmund de Waal zierte. Blurbs von Jonathan Franzen, John Irving oder Jonathan Safran Foer verführen mich auch häufig zum Kauf von Büchern, die ich ansonsten vielleicht nicht gekauft hätte. Wie wichtig sind für euch Blurbs? Haben sie einen Einfluss auf eure Kaufentscheidung und wenn ja, wann? Gibt es Blurbs von bestimmten Autoren, die euch zum Kauf verführen?

we read indie – ein Blogprojekt der besonderen Art

DSC_7327Ich habe die Ehre und das Vergnügen euch heute Abend nicht nur ein Blogprojekt der ganz besonderen Art vorzustellen, sondern ein Herzensprojekt, bei dem ich froh bin, ein Teil dessen zu sein. Natürlich geht es in unserem Projekt um Bücher, aber nicht um irgendwelche Bücher, sondern um Bücher aus kleinen und unabhängigen Verlagen, die in der Masse der jährlichen Neuerscheinungen untergehen und es häufig nicht einmal in die Regale der großen Buchhandlungen schaffen. Das Bücherprogramm der Independent-Verlage ist vielfältig, aufregend und spannend und verdient es, noch ein bisschen stärker in das Licht der Öffentlichkeit gerückt zu werden. Genau darum wollen wir uns bemühen!

Auslöser für unser Blogprojekt war der Indiebookday, der einen ersten Blick auf die Vielfalt der Independent-Verlage ermöglichte und die Klappentexterin als Initiatorin von “We Read Indie” zu dieser Idee animierte. Wir sind ein Team von sieben Bloggerinnen, neben der Klappentexterin, sind Syn-ästhetisch, die Bibliophilin, das Bücherwurmloch, Ada Mitsou und SchöneSeiten bei “We Read Indie” mit dabei.

Wir werden auf unserem gemeinschaftlichen Blog über Indiebooks und die Kleinverlagskultur berichten – hauptsächlich in Form von Rezensionen, aber ihr werdet dort mit der Zeit auch Interviews, Porträts und andere spannende Beiträge finden. Darüber hinaus möchten wir langfristig auch andere BloggerInnen einladen, über Bücher aus Independent-Verlagen zu schreiben und sie einem breiteren Publikum vorzustellen.

Was verstehen wir unter “Indie-Verlag”?

Unser Augenmerk liegt ganz klar auf traditionellen Buchverlagen. Bei der Überlegung, welche Verlage wir berücksichtigen wollen, stellen die Kriterien der Kurt-Wolff-Stiftung eine erste wichtige Orientierung dar, aber auch die Listen des Goethe-Instituts sowie auf Tubuk bieten einen guten Überblick über die Landschaft der Indie-Verlage. Indie bedeutet in erster Linie natürlich konzernunabhängig, darüber hinaus schauen wir jedoch auch auf die Größe der Verlage. Einige der Publikumsverlage – wie zum Beispiel Diogenes oder Hanser – sind zwar genau genommen unabhängig, verfügen aber im Vergleich zu den kleinen Verlagen über deutlich mehr Ressourcen (personeller und vor allem finanzieller Art), um aus eigener Kraft auf sich aufmerksam zu machen.Das wichtigste Kriterium von allen ist allerdings unser persönlicher Geschmack: Nicht nur die Verlage, denen wir uns widmen, sind indie, auch wir selbst haben den Anspruch, es zu sein. Die Bücher, die wir lesen und rezensieren, wählen wir also nach unseren eigenen Vorlieben aus. Wir bitten daher um Verständnis, dass wir nicht allen Anfragen von Verlagen nachkommen können.

Na, neugierig?

Die erste Resonanz, die wir auf unser Projekt bei Facebook erhalten haben, ist bereits überwältigend gewesen und wir würden uns freuen, wenn dies so weitergehen würde. Ich hoffe, ich habe LeserInnen und BloggerInnen neugierig machen können – besucht uns auf unserer Homepage, schaut euch um und habt Spaß!

Illustrationen © karenina illustration

Stirbt der linke Buchladen?

8914042584_df8c06f814_cStirbt der linke Buchladen? fragt die taz.nord in ihrer heutigen Ausgabe. Die Diplom-Psychologin Judith Heckel versucht in einem umfassenden Interview eine Antwort auf diese Frage zu finden. Heckel arbeitet seit 12 Jahren als Vertreterin für unabhängige Sachbuch- und Belletristik-Verlage. Unter dem Namen “indiebooks” decken sie und ihre zwei Mitstreiterinnen die Landschaft der Buchläden in ganz Deutschland ab. 

“Ein Buchladen prägt und vernetzt im echten Leben.”

Judith Heckel spricht über die Wichtigkeit von der Institution der Buchläden, auch im Vergleich zum Bucheinkauf im Internet. Ein Buchladen ist nicht nur eine Verkaufsplattform, sondern auch ein Ort des kulturellen Austauschs und der Vernetzung. Die Szene der linken Buchläden wird jedoch mittlerweile immer kleiner und kämpft zunehmend um ihr Überleben.

Die Tradition der sogenannten linken Buchläden, die sich vor allem auch durch ein breites Angebot an Sachbuchtiteln aus Verlagen wie Unrast, Schmetterling oder Assoziation A auszeichneten, entstammen der politischen Bewegung der sechziger und siebziger Jahre. Die ursprüngliche politische Ausrichtung geht mittlerweile immer stärker verloren und im heutigen Straßenbild finden sich neben den großen Buchhandelsketten kaum noch linke Buchläden. Wer links einkaufen will, kann das in ausgewählten Läden aber immer noch – wer in Norddeutschland wohnt, sollte einen Blick in den kleinen Einkaufsführer werfen.

Buchläden, die sich von ihrem Selbstverständnis her immer noch als links sehen, müssen jedoch zunehmend auch ökonomisch und kommerziell denken. Da bleibt es nicht aus, dass auch Indiebuchläden mal “50 Shades of Grey” für ihre Kunden bestellen. Judith Heckel bezeichnet diese Gratwanderung als die “Kröte des Selbstwiderspruchs”.

Einkaufsführer norddeutscher Indiebuchläden:

Zapata, Wilhelmplatz 6  24116 Kiel.

Guten Morgen, Bültenweg 87 38106 Braunschweig.

Ostertor-Buchladen, Fehrfeld 60 28203 Bremen.

Golden Shop, Fehrfeld 4 28203 Bremen.

Peter Panter, Zingelstraße 12 25704 Meldorf.

Schanzenbuchladen, Schulterblatt 55 20357 Hamburg.

Ein Traditionsverlag in Nöten …

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Die gestrige Süddeutsche Zeitung titelte auf ihrer ersten Seite mit der Schlagzeile: “Suhrkamp in Not”. Einer der berühmtesten Verlage Deutschlands sah sich nämlich am Montag dazu gezwungen, einen Insolvenzantrag zu stellen. Gleichzeitig beantragte der Verlag das sogenannte “Schutzschirmverfahren”. Dieses noch recht neue Verfahren sorgt dafür, dass die Geschäftsführung weiter handlungsfähig bleiben kann.

“Doch so dramatisch, wie die Lage ist, so verfrüht, sind die Grabreden.”

Für den Suhrkamp Verlag kann in der scheinbaren Notlage, aber auch eine Chance zu einem Neubeginn liegen und eine Chance dazu, den verfeindeten Gesellschafter Hans Barlach loszuwerden. Darauf verweist nicht nur die Süddeutsche Zeitung, sondern auch der SPIEGEL. Streit und Querelen überschatten den Verlag übrigens schon seit mehr als zehn Jahren und begannen mit dem Tod des Verlegers Siegfried Unselds im Jahr 2002.

Die Süddeutsche Zeitung widmet sich dem Suhrkamp Verlag nicht nur auf dem Titelblatt, sondern auch auf einer ganzen Zeitungsseite des Feuilletons. Sehr lesenswert ist auch der Blick von Lothar Müller in die Herbstkataloge des Suhrkamp Verlages. Dort ist von dem schwelenden Konflikt und der drohenden Krise nämlich nichts zu spüren. Ganz im Gegenteil: auch in diesem Bücherherbst hat der Suhrkamp Verlag mit Gunther Geltinger, Marion Poschmann, Alber Ostermaier und Andreas Maier spannende Autoren und Autorinnen im Programm. Einen Blick in das Herbstprogramm kann man übrigens hier werfen!

Ich hoffe darauf, dass aus Suhrkamps Not ein Neubeginn werden kann und dass uns dieser spannende und vielfältige Verlag erhalten bleiben wird.

Buzzaldrins Bücher bei The Hive!

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Ich war am Wochenende in Berlin und habe die Blogger Konferenz The Hive besucht, die in diesem Jahr zum zweiten Mal statt fand. Zwei Tage dauerte die Konferenz, die von beinahe 200 Bloggern und Bloggerinnen besucht wurde. Wobei man im Falle von The Hive sich die Blogger beinahe sparen könnte. Ich glaube, dass es kaum eine andere Social Media Konferenz gibt, bei der das Geschlechterverhältnis so eindeutig verteilt ist: es kamen 90% Frauen und 10% Männer.

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The Hive fand im betahaus statt und das Geschehen verteilte sich über vier Etagen. Es gab dieses Wochenende also nicht nur viel Input für das Bloggergehirn, sondern man tat durch das ständige Rauf- und Runterlaufen auch noch etwas für die körperliche Fitness. Das betahaus wurde extra für The Hive wunderbar dekoriert. Eine besondere Anziehungskraft hatte eine Landkarte, an die die Teilnehmer ihre Visitenkarten pinnen konnten, um zu kennzeichnen, woher sie kamen. The Hive hatte Besucher aus fast allen europäischen Ländern: aus Ungarn, der Türkei, Schweden, Dänemark, Holland oder auch England reisten Bloggerinnen nach Berlin.

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Die beiden Tage waren gefüllt mit spannenden Keynotes rund um Blogs – an dieser Stelle sollte ich erwähnen, dass die Verkehrssprache an diesem Wochenende Englisch war. Die Themen reichten von Editorial Calenders bis zu Newslettern bis zu trockener Statistik. Es ist wahrscheinlich kein Wunder, dass der SEO-Workshop und die Präsentation von Google Analytics von Männern gehalten wurden. 😉 Angereichert wurde das Programm durch Mini-Groups und Workshops.

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Auch wenn ich als Literaturbloggerin in der absoluten Minderheit war an diesem Wochenende, habe ich aus den beiden Tagen nicht nur eine Goodie Bag, sondern doch auch einiges für mich und meinen Blog mitnehmen können und zwar vor allen Dingen eines: Ideen, Ideen, Ideen. Nicht umsonst wurden die Konferenzräume mit den Worten “The buzz is around” ausgeschildert: bei beinahe zweihundert Bloggerinnen, die durchs Betahaus schwirrten, entstand eine elektrisierende und inspirierende Atmosphäre.

Ich hatte ein informatives und inspirierendes Wochenende, aus dem ich viel mitnehme, den wichtigsten Hinweis habe ich aber wohl in dem Vortrag von Tina Fussel erhalten, die über das Thema “Blogging for the fun of it” sprach: vergesst bei all den Zahlen, Daten und Statistiken nicht den Spaß am Bloggen.

Eine Kauf- und Leseempfehlung!

DSC_7089Im heutigen Magazin der Süddeutschen Zeitung gibt es ein lesenswertes Interview mit dem Verleger und Schriftsteller Michael Krüger. Der Chef vom Hanser Verlag verabschiedet sich am Ende des Jahres in Rente und blickt im Gespräch mit Thomas Barnthaler und Gabriela Herpell zurück auf die besten Kapitel seines Lebens.

Michaek Krüger spricht über die vierzehn Nobelpreisträger, die er verlegt hat, über Begegnungen mit Autoren und deren zum Teil skurrilen Eigenarten und darüber, warum er früher ab und gerne einen Kopfstand gemacht hat.

In diesem lesenswerten Interview wird deutlich, dass Michael Krüger nicht nur ein großartiger Verleger mit einer Spürnase für Nobelpreisträger ist, sondern dass er vor allem ein Liebhaber der Literatur ist. An Literatur begeistert ihn:

“Dass man mit 26 Buchstaben alles ausdrücken kann, was vorstellbar ist. Milliarden Bücher füllen. Kein anderes Spiel kann das.”

Für den begeisterten Leser und Verleger ist die Literatur wie eine Droge. Ein Leben lang hat er Kafkas Tagebücher gelesen, die ihm auch jetzt immer noch weiterhelfen, wenn er nicht mehr “ein noch aus” weiß. Der Nachfolger von Michael Krüger, der mittlerweile bereits 69 Jahre alt ist, wird Jo Lendle – noch 44 Jahre jung. Wir dürfen gespannt sein, was von ihm im nächsten Jahr zu erwarten sein wird.

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