Blurbs bezeichnen im englischen Sprachraum den Klappentext eines Buches. Mit dem Begriff können sowohl die häufig schmeichelnden Kurzzusammenfassungen gemeint sein, als auch die lobenden und verlockenden Zitate von anderen Autoren und Autorinnen, die viele Buchrücken mittlerweile zieren. Das Schreiben dieser Blurbs kann als eine Wissenschaft für sich bezeichnet werden: es sollte nie zu viel, aber auch nicht zu wenig verraten werden. Besonders beliebt sind scheinbar Zitate von schreibenden Kollegen und Kolleginnen. Der amerikanische Schriftsteller Adam Mansbach scheint ein so gefragter Verfasser von Blurbs zu sein, dass er nun sogar in der Zeitung “New Yorker” eine Preisliste für seine Dienste veröffentlicht hat. Für Gary Shteyngarts Blurbs wurde sogar eine eigene Seite auf Tumblr eingerichtet, auf der sich Fans, aber auch der Autor selbst, über seine zahlreichen Zitate lustig machen. Seine lobenden Worte über andere Bücher, finden sich mittlerweile auf mehr als 100 Buchrücken.
Andere Leser in wenigen Worten, Blurbs sind vergleichbar mit Tweets bei Twitter, die eine Begrenzung von 140 Zeichen haben, von einem Buch zu überzeugen, sie neugierig zu machen und zum Lesen zu verführen, kann beinahe schon als literarische Kunst bezeichnet werden. In der New York Times hat A. J. Jacobs letztes Jahr bereits eine Anleitung zum Schreiben von Blurbs veröffentlicht, denn laut einer Studie sind – zumindest in Amerika – diese Blurbs für potentielle Leser die wichtigste Kaufentscheidungshilfe.
Ein Blick in die Herbstprogramme der Verlage verspricht einiges, zumindest wenn man sich die verführerischen Blurbs anschaut.
“Dieser Erzähler pumpt anhaltende Adrenalinstöße in unsere Venen!” Le Figaro
“Wenn Sie erst einmal die Nase in diesen großen Roman gesteckt haben, sind Sie hin und weg!” Bernard Pivot
“Annette Pehnt kann schlichte Sätze von großer Wahrhaftigkeit schreiben.” Claudia Voigt, Der Spiegel
Ein Paar. Eine Bergtour. Höhenflüge. Und Abgründe. Die literarische Entdeckung des Jahres!
“Dieses Buch ist durchdrungen von tiefster Menschlichkeit.” Jonathan Safran Foer
Wenn man die Vorschauen durchblättert, dann steht uns ein spannender Bücherherbst bevor – aber auch nur dann, wenn die Blurbs halten, was sie versprechen. Ich bin gespannt.
Ich habe mir übrigens letztes Jahr Will Schwalbes Buch “An diesem Tag lasen wir nicht weiter” gekauft, weil das Buchcover ein Zitat von Edmund de Waal zierte. Blurbs von Jonathan Franzen, John Irving oder Jonathan Safran Foer verführen mich auch häufig zum Kauf von Büchern, die ich ansonsten vielleicht nicht gekauft hätte. Wie wichtig sind für euch Blurbs? Haben sie einen Einfluss auf eure Kaufentscheidung und wenn ja, wann? Gibt es Blurbs von bestimmten Autoren, die euch zum Kauf verführen?
Like this:
Like Loading...