Arbeit und Struktur – Wolfgang Herrndorf

“Angeblich wächst die Sentimentalität mit dem Alter, aber das ist Unsinn. Mein Blick war von Anfang an auf die Vergangenheit gerichtet. […] immer dachte ich zurück, und immer wollte ich Stillstand, und fast jeden Morgen hoffte ich, die schöne Dämmerung würde sich noch einmal wiederholen.”

Als ich die Schutzfolie des Buches entfernte, wusste ich, dass ich etwas Besonderes in den Händen halte. Etwas, für das sich nur schwer Worte finden lassen. Der Blog von Wolfgang Herrndorf, der mit “Arbeit und Struktur” denselben Titel trägt, wie das vorliegende Buch, war in der literarischen Netzwelt und auch darüber hinaus bekannt. Der Schriftsteller, der zunächst nur für sich und seine Freunde Tagebuch führte, die ihn drängten, damit an die Öffentlichkeit zu gehen, richtete seinen Blog mithilfe von Sascha und Meike Lobo im September 2010 ein. Sieben Monate zuvor, im Februar 2010, wurde bei dem 1965 in Hamburg geborenen Autor Krebs diagnostiziert: es handelte sich um ein Glioblastom, einen bösartigen Hirntumor. Es ist ein absolut tödlicher Tumor, von Anfang an geht es lediglich um die Frage, wie viel Zeit Wolfgang Herrndorf noch bleibt. Die Statistik, die er bemüht, spricht von “17,1” Monaten.

“Gib mir ein Jahr, Herrgott, an den ich nicht glaube, und ich werde fertig mit allem. (geweint)”

Nach der ersten Operation am Gehirn, es sollten noch weitere Folgen, verfällt Wolfgang Herrndorf in einen unbändigen Produktionstrieb. Er arbeitet wie wahnsinnig, um nicht wahnsinnig zu werden. Arbeiten bedeutet in seinem Fall schreiben. Mit seinen ersten beiden Veröffentlichungen, “In Plüschgewittern” und “Diesseits des Van-Allen-Gürtels”, feiert der Autor Achtungserfolge: es gibt gute Kritiken, aber kaum jemand kauft die Bücher. Nun führt der Autor innerhalb kürzester Zeit zwei Werke zu Ende, die schon lange unvollendet in der Schreibtischschublade lagen: das Jugendbuch “Tschick” und der Agententhriller “Sand” feiern 2010 und 2011 große Erfolge, diesmal nicht nur bei der Kritik, sondern auch beim Publikum.

“Der Jugendroman, den ich vor sechs Jahren auf Halde schrieb und an dem ich jetzt arbeite, ist voll mit Gedanken über den Tod. Der jugendliche Erzähler denkt andauernd darüber nach, ob es einen Unterschied macht, ‘ob man in 60 Jahren stirbt oder in 60 Sekunden’, usw. Wenn ich das drinlasse, denken alle, ich hätte es nachher reingeschrieben. Aber soll ich es deshalb streichen?”

Das Schreiben hält den zerbrechlichen und fragilen Autor zusammen, das Schreiben hält die zermürbenden Gedanken an die Krankheit und den Tod fern. In einer Situation, in der andere sich entscheiden würden, aufzugeben, entscheidet sich Wolfgang Herrndorf dazu, sein Leben unter das Motto “Arbeit und Struktur” zu stellen. Wie sehr die Krankheit dennoch an ihm frisst, wird in seinem Tagebuch, vor allen in den Rückblenden, deutlich: Verzweiflung, Wahnsinn, Manie, Panikattacken und Todesangst bestimmen seinen Alltag, das einzige Gegengewicht, das Herrndorf setzen kann, ist die Arbeit und sein Umfeld, das aus einer Vielzahl an hilfsbereiten Freunden besteht.

“Nacheinander drei Teile vom Backenzahn ausgespuckt. Ja, mach dich vom Acker, Körper, hau ab, nimmt mit, was du tragen kannst.”

Wolfgang Herrndorfs Tagebuch ist ein berührendes Zeugnis eines schwerkranken Mannes, der sich trotz aller Verzweiflung darum bemüht, ein autonomes Leben zu führen und dieses zu genießen. Die Einschränkungen unter denen er leidet, nehmen im Laufe der Monate zu und doch lässt er sich das fast tägliche Bad im Plötzensee nicht nehmen, genauso wie das Fußballspiel mit Freunden. Wolfgang Herrndorf ist niemand, der aufgibt – beinahe hätte er mit “Isa” noch einen dritten Roman fertiggestellt, doch ein unverschuldeter Fahrradunfall raubt ihm Zeit und Kraft. Schultereckgelenkssprengung. Fürchterliche Schmerzen; eine OP wird zunächst als sinnlos eingestuft. Wolfgang Herrndorf erscheint wie eine tragische Figur, als wäre er noch nicht genug geschlagen mit dem Unglück dieser Welt.

“Menschliches Leben endet, wo die Kommunikation endet, und das darf nie passieren. Das darf nie ein Zustand sein. Das ist meine größte Angst.”

Trotz allem bewahrt sich der Autor ein gewisses Maß an Humor und eine ganz eigene, manchmal seltsam anmutende und immer wieder charmante, Perspektive auf die Welt. Der Angst vor dem Tod setzt er die Erleichterung dagegen, nie wieder zum Zahnarzt und keine Steuererklärungen mehr abgeben zu müssen. Sein Schicksal scheint er mit Fassung zu tragen, soweit dies überhaupt sagbar ist. Im Angesicht des drohenden Todes empfindet Herrndorf zunehmend Traurigkeit, doch nur selten Wut. Nur ab und an setzt er zu Hasstiraden an, zu deren Opfern Uwe Tellkamp (“Schwanzvergleich”), Martin Walser (“seniler Sack”) und Volker Weidermann gehören, genauso wie jegliche Anhänger von Theorien der möglichen Krebsheilung. Eine weitere wichtige Rolle im Tagebuch spielt auch die Literatur, zum einen Wolfgang Herrndorfs eigene Literatur, da der Leser beinahe teilnehmen kann am Entstehungsprozess von “Tschick” und “Sand”, zum anderen aber auch die Bücher von anderen Autoren und Autorinnen. Die Diagnose der tödlichen Erkrankung raubt Herrndorf jegliche Vorstellung von Zukunft und von allem, was neu ist – statt neue Bücher zu lesen, wendet er sich zurück und wirft einen Blick in die Vergangenheit und auf die Bücher, die er an bestimmten Punkten seines Lebens gerne gelesen hat, um sie erneut zu lesen und sein Urteil zu überprüfen. “Imperium”, von Christian Kracht, ist eine der wenigen Neuerscheinungen, die er liest; “Syntaxmassaker” ist das drastische Urteil, zu dem er kommt.

“Niemand kommt an mich heran / bis an die Stunde meines Todes. / Und auch dann wird niemand kommen. /Nichts wird kommen, und es ist in meiner Hand.”

Neben allem anderen wirft das Buch aber auch eine ganz wichtige Frage auf, die Wolfgang Herrndorf an mehreren Stellen eindringlich thematisiert: es ist die Frage nach Sterbehilfe und der Wunsch des Autors, diese zu legalisieren. Für den Autor ist es das Wichtigste, selbst über sein Leben und seinen Tod zu bestimmen. Der Zeitpunkt, an dem er spürt, dass er die Möglichkeit verliert, zu kommunizieren, ist der Moment, wo er entscheidet, sich das Leben zu nehmen. Es ist ihm ein Anliegen, dass die Art und Weise, wie er sein Leben beendet hat, offen kommuniziert wird “für Leute in vergleichbarer Situation”. Die Frage danach, wie man sterben darf, ist nicht leicht zu beantworten und doch ist es wichtig, dass sie von Wolfgang Herrndorf thematisiert wird.

“Weil, ich wollte ja nicht sterben, zu keinem Zeitpunkt, und ich will es auch jetzt nicht. Aber die Gewissheit, es selbst in der Hand zu haben, war von Anfang an notwendiger Bestandteil meiner Psychohygiene.”

Kathrin Passig und Marcus Gärtner erklären im Nachwort, dass es der Wunsch von Wolfgang Herrndorf gewesen ist, seinen Blog als Buch zu veröffentlichen. Über die Gründe können wir nur rätseln. Nichts, von dem, was im Buch steht, würde man nicht auch frei zugänglich im Blog finden und doch ist für mich dieses Buch etwas Alternativloses. Es ist wichtig und richtig, dass es dieses Buch gibt. Krebsliteratur scheint beinahe schon ein eigenes Genre der Literatur zu sein, doch für mich ist “Arbeit und Struktur” keine Form des Weihnachtsmarketings oder der Vermarktung eines Gestorbenen (und ich befürchte, dass es nicht lange dauern wird, bis die ersten genau dies kritisieren werden), sondern ein Stück großer Literatur. Es ist ein Buch darüber, wie man leben kann, wenn man täglich damit rechnen muss, zu sterben. Es ist ein Buch darüber, wie jemand das restliche Leben, das ihm noch bleibt, nicht nur mit Arbeit füllt, sondern auch mit Glück. Die letzten Einträge des Tagebuchs, die immer kürzer werden, gehören zu den stärksten Passagen, die ich jemals gelesen habe.

“Jeden Abend der gleiche Kampf. Lass mich gehen, nein, lass mich gehen, nein. Lass mich.”

“Arbeit und Struktur” ist ein Buch über die großen Themen der Menschheit: über den Tod und das Leben. Kaufen. Lesen. Wohldosiert und vorsichtig. Und dann immer wieder: Immer wieder lesen.

40 Comments

  • Reply
    Claudia
    December 11, 2013 at 11:51 am

    Sehr gut geschrieben!

  • Reply
    schifferw
    December 11, 2013 at 12:00 pm

    Danke für diese gute Rezension!

  • Reply
    wildgans
    December 11, 2013 at 12:05 pm

    Im Netz hatte ich es mitgelesen. Aufwühlend genug. Ich hoffe sehr………..

    • Reply
      buzzaldrinsblog
      December 13, 2013 at 10:13 am

      Es ist in der Tat aufwühlend und doch glaube ich, dass es wichtig ist, dass es den Blog auch als Buch gibt in Zukunft … es in den Händen zu halten ist ein besonderes Gefühl.

  • Reply
    Kaffeehaussitzer
    December 11, 2013 at 12:34 pm

    Das ist eine großartige Besprechung. Aber ich weiß nicht, ob ich es verkraften würde, das Buch zu lesen. Zumindest nicht in dieser trüben und grauen Jahreszeit.

    • Reply
      buzzaldrinsblog
      December 13, 2013 at 10:11 am

      Lieber Kaffeehaussitzer,

      die Lektüre ist in der Tat unheimlich bewegend, intensiv und nahegehend. Ich habe nach dem Zuklappen der letzten Seite erst einmal nicht gewusst, wie weiter: wie weiter atmen, wie weiter leben. Das Buch sei also in der Tat eher für hellere Tage empfohlen. 😉 Danke dir für das Lob für meine Besprechung, ich freue mich sehr darüber.

      Liebe Grüße
      Mara

  • Reply
    buchstabentraeume
    December 11, 2013 at 1:14 pm

    Vielen Dank für diese ganz besondere Rezension, liebe Mara.

    • Reply
      buzzaldrinsblog
      December 13, 2013 at 10:08 am

      Gern geschehen! Dir danke ich für deine freundlichen Worte. 😀

  • Reply
    Eva Jancak
    December 11, 2013 at 2:54 pm

    Das ist sicher ein spannendes und wichtiges Buch, in den Blog habe ich immer wieder hineingelesen und auch sonst von Wolfgang Herrndorf schon durch seine Leipziger Buchpreisnominierungen immer wieder etwas mitbekommen.
    “In Plüschgewittern” habe ich glesen, “Sand” und “Tschik” müßten noch zu mir kommen und was die Frage der “Sterbehilfe” betrifft, denke ich, Wolfgang Herrndorf hat für sich eine Möglichkeit der Selbstbestimmung gefunden.
    Darüber ist hinaus ist es wahrscheinlich schwierig über das Thema zu diskustieren und allgemeine Aussagen zu treffen, so daß ich denke, daß es schon gut ist, wie es mit der Gesetzeslage in Österreich und wahrscheinlich auch in Deutschland ist.

    • Reply
      buzzaldrinsblog
      December 13, 2013 at 10:10 am

      Liebe Eva,

      “Sand” und “Tschick” kenne ich noch nicht, genauso wie die anderen Bücher von Wolfgang Herrndorf. Ich möchte dies nun unbedingt nachholen.

      Ich glaube übrigens, dass nur weil es schwer ist, über ein Thema zu diskutieren, dies nicht gleich bedeutet, dass es gut ist, wie es ist. Ich glaube, dass es wichtig ist im Gespräch darüber zu bleiben, wie der Einzelne sterben darf.

      Liebe Grüße
      Mara

  • Reply
    papercuts1
    December 11, 2013 at 7:01 pm

    Oh wow. Schon allein deine einfühlsame Rezension nimmt mich derart mit, dass ich mir ziemlich sicher bin, dieses Buch nicht lesen zu können. Zumindest zur Zeit nicht. Obwohl ich auch sicher bin, dass das Thema ‘Sterben’ und vor allem selbstbestimmtes Sterben so sehr wichtig ist.
    Kommt der passende Moment, um einen solch ungeschönten Untergangsbericht vertragen zu können?
    Die Tatsache, dass mein Mann sich gerade über TSCHICK amüsiert, macht das nicht einfacher.
    Tolle Buchbesprechung, Mara!

    • Reply
      buzzaldrinsblog
      December 13, 2013 at 10:08 am

      Danke für dein Lob! 🙂 Die Besprechung lag mir am Herzen, um so mehr freue ich mich über die positive Resonanz und die vielen Rückmeldungen. Die Lektüre des Buches ist intensiv und hat auch mir zwischendurch Angst gemacht. Der Tod, Krankheiten, Sterben und das Thema Sterbehilfe sind Dinge, die man wahrscheinlich lieber nicht all zu nah an seinen Alltag heranlassen möchte und doch empfinde ich die Beschäftigung damit als so unheimlich wichtig.
      Ich kenne übrigens weder Tschick noch Sand, beides möchte ich baldmöglichst lesen. 🙂

  • Reply
    haushundhirschblog
    December 11, 2013 at 7:46 pm

    Vielen lieben DANK für diese feine, besondere Besprechung, liebe Mara!
    Wir haben über eine längere Zeit seinen Blog gelesen, dennoch hat sich dm das Buch gewünscht, und wenn er es nicht getan hätte, dann wäre ich es gewesen. Wir werden es gerne lesen. Ich finde (auch hier) nicht die (richtigen?) Worte, zu beschreiben, wie wichtig und großartig ich finde, dass ein Mensch seine Krankheit, sein Sterben auf diese Weise thematisiert. Wir neigen ja alle mehr oder weniger dazu, den Tod aus unserem Leben so gut es geht, zu verdrängen, auszublenden. Und das mag auch gut so sein. Für mich ist es schon seit einigen Jahren nicht mehr schwierig, mich mit dem Sterben und dem Tod auseinanderzusetzen. Privat wie beruflich habe ich beinah täglich mit beidem zu tun. So oft erlebe ich die unterschiedlichsten Weisen, wie Menschen sich diesem Thema stellen.
    Die, die Herrndorf gewählt hat, sagt mir einfach zu.
    Danke Dir, nochmal, herzlich, mb und dm

    • Reply
      buzzaldrinsblog
      December 13, 2013 at 10:06 am

      Hallo ihr beiden,
      ich habe mir gedacht, dass ihr euch zu dieser Besprechung zu Wort melden könntet und freue mich nun, von euch zu lesen. 🙂 Auch mir fiel es schwer, die richtigen Worte zu finden für meine Besprechung. Den Umgang Herrndorfs, nicht nur mit seiner Erkrankung, sondern auch mit der Aussicht sterben zu müssen, hat mich tief berührt und bewegt. Es ist ein Umgang, der mir Vorbild ist. Inspiriert zu dieser Haltung hat ihn übrigens ein Telefonat mit einem entfernten Bekannten, der seit mehreren Jahren mit einem Glioblastom lebte und als Richter arbeitete.

      Liebe Grüße und herzlichen Dank für die Wortmeldung
      Mara

  • Reply
    keeweekat
    December 11, 2013 at 9:31 pm

    Danke für diese wunderbare Besprechung. Ich hatte Wolfgang Herrndorfs Blog erst relativ spät entdeckt und nur sporadisch verfolgt und gerde zum Ende hin hat es mich immer wieder Selbstüberwindung gekostet, neue Einträge zu lesen. Aber es ist schön, noch mal ein “großes und ganzes Bild” seiner Tagebucheinträge zu erhaschen. Ich glaube, dass es ein wichtiges Buch geworden ist.

    • Reply
      buzzaldrinsblog
      December 13, 2013 at 10:03 am

      Ich glaube auch, dass es ein wichtiges Buch ist und ich bin froh, dass der Blog nun für alle zugänglich im Buchladen ausliegt. Ich habe auch immer wieder sporadisch reingelesen, vor allem auch nach seinem Tod – die letzten Einträge haben mich im Buch wieder genauso gepackt (Gänsehaut), wie bei der Erstlektüre am Computer.

      Liebe Grüße
      Mara

  • Reply
    Conor
    December 12, 2013 at 10:33 am

    Liebe Mara!
    ach ja… ein absolutes Muss für mich:) Ich habe von Herrndorf sehr gerne “Tschick”, “In Plüschgewittern” und “Sand” gelesen und da muss “Arbeit und Struktur” wohl auch in mein Bücherregal einziehen.
    Den blog habe ich sporadisch verfolgt, stückchenweise gelesen – allerdings mag ich langes Lesen am PC nicht – also nun das Buch:)
    Also danke für deine Vorstellung!

    Liebe Grüße
    Conor

    • Reply
      buzzaldrinsblog
      December 13, 2013 at 10:02 am

      Liebe Conor,

      ich muss jetzt mal gestehen, dass ich noch gar nichts von Wolfgang Herrndorf kenne – “Sand” und “Tschick” liegen hier aber bereits und ich möchte beide unbedingt während der Weihnachtsfeiertage lesen. Ich bin gespannt auf die Lektüre.

      Dir wünsche ich viel Kraft bei “Arbeit und Struktur”, mich hat die Lektüre unheimlich mitgenommen, so doll wie selten ein Buch zuvor.
      Mara

  • Reply
    dasgrauesofa
    December 12, 2013 at 5:52 pm

    Liebe Mara,
    eine schöne, vielschichtige, mitfühlende Besprechung, die Du verfasst hast. Ich weiß aber auch noch nicht so genau, ob ich mir das Buch zutraue, mal schauen.
    Viele grüße, Claudia

    • Reply
      buzzaldrinsblog
      December 13, 2013 at 9:59 am

      Liebe Claudia,

      ich danke dir sehr für deine lobenden Worte, über die ich mich ganz besonders freue, weil dies ein Buch und eine Besprechung ist, die mir sehr am Herzen liegen. Die Lektüre ist intensiv, da gebe ich dir recht, aber ich glaube, dass es enorm wichtig ist, das Buch zu lesen.

      Liebe Grüße und viel Kraft für die Lektüre, falls du dich dafür entscheiden solltest. 🙂
      Mara

  • Reply
    Muromez
    December 13, 2013 at 1:42 am

    Großartig besprochen!

    • Reply
      buzzaldrinsblog
      December 13, 2013 at 9:55 am

      Dankeschön! Es war nicht leicht, Worte für dieses Lektüreerlebnis zu finden. 🙂

  • Reply
    Tanja
    December 26, 2013 at 10:39 pm

    Liebe Mara,
    deine Besprechung ist sehr feinfühlig und zeigt, wie sehr auch du während des Lesens gelitten hast. Auch meiner einer muss gestehen, dass ich noch kein Buch von Wolfgang Herrdorf gelesen habe; obwohl Tschick auch schon lange Zeit im Regal steht. Ich glaube man muss jeden Tag seines Lebens leben. Nie weiß man was passiert. Mein Onkel wurde im Dezember des vergangenen Jahres von seinen Schmerzen erlöst. Es war Krebs. Als ich vorhin auf W. Herrdorfs Blog war, traf mich der Schlag. Hatte ich etwas überlesen? So habe ich deine Besprechung nochmals durchgelesen, und nicht überflogen, wie ich es mache, wenn ich ein Buch wirklich lesen möchte. Möchte ich “Arbeit und Struktur” wirklich noch lesen? Ja! Vielleicht ist es der Wunsch gelesen und gehört zu werden. Denn Wünsche, oder seine eigenen Gedanken zu äußern (besonders innerhalb des Familien- vielleicht auch innerhalb des Freundeskreises), das Miteinander reden und das Akzeptieren fällt den Angehörigen oft schwerer, als dem Betroffenen selbst. So jedenfalls hab ich es erlebt. Denn innerlich schwebt immer ein kleiner Funken Hoffnung und mit jeder Chemo oder Operation noch ein weiterer an den man sich krallt. Ich kann Wolfgang H. verstehen.

    • Reply
      Tanja
      December 26, 2013 at 11:06 pm

      Zusatz: Ich habe gerade aus dem Bauch heraus über die Kommunikation innerhalb der Familie geschrieben, aber mir ist schon klar, was genau W. Herrdorfs sich für die Zukunft wünscht. Denn anzusehen müssen, wie man jeden Tag ein bisschen von sich abgibt, ein bisschen mehr stirbt ist auch für meinen Onkel der zum Schluss nicht mal mer sprechen konnte sehr zermürbend. Auch wenn er hin und wieder seine Späße machte. Mit Zeittel und Stift.

    • Reply
      buzzaldrinsblog
      December 28, 2013 at 11:39 am

      Liebe Tanja,

      ich danke dir für deinen bewegenden und interessanten Kommentar, aus dem ich herauslese, dass die Lektüre von “Arbeit und Struktur” für dich wohl eine sehr persönliche Lektüre werden wird. Über die Kommunikation von Wolfgang Herrndorf über seinen Wunsch zu sterben erfährt man nicht viel – natürlich thematisiert er diesen Wunsch öffentlich im Tagebuch, doch wie sein persönliches Umfeld darauf reagiert, bleibt verborgen. Ich finde dies eine sehr schwere Frage, denn natürlich möchte ich mein Gegenüber nicht leiden sehen und doch glaube ich, dass es sehr schwer ist, den anderen gehen zu lassen. Aber worüber rede ich da? Im Gegensatz zu dir habe ich keinerlei persönliche Berührungspunkte mit dieser Erkrankung.

      Verstehen kann ich Herrndorf auch, weiß aber nicht, ob ich selbst den Mut zu diesem Schritt gehabt hätte.
      Liebe Grüße
      Mara

      • Reply
        Tanja
        January 7, 2014 at 5:04 am

        Du verstehst, jeder versteht, der mit dem Herzen sieht.

        Ganz liebe Grüße,
        Tanja

  • Reply
    Ein Kampf aus der Perspektive des Lebens … | buzzaldrins Bücher
    January 30, 2014 at 5:28 pm

    […] der seine Erkrankung öffentlich thematisiert: vor ihm taten dies bereits Christoph Schlingensief, Wolfgang Herrndorf und Jeff Jarvis, neben einigen anderen. Dabei taucht immer wieder die Frage auf, warum treten […]

  • Reply
    Lilian
    February 17, 2014 at 4:15 pm

    Lese Wolfgang Herrndorfs Buch gerade, bin ergriffen und beeindruckt. Deine Rezension trifft es genau: es ist wichtig, dass es das Buch gibt. Man ertappt sich ständig bei dem Gedanken: wie würdest du jetzt reagieren, fühlen? Den raschen Wechsel zwischen Gleichgültigkeit und Todesangst vermittelt der Autor so, dass es einen oft bis ins Mark trifft.
    Natürlich, manches kommt großkotzig rüber (Kritik an Walser, Tellkamp), dies aber nur eine Facette des Autors, man kann sich davon ja auch distanzieren.

  • Reply
    Janine (@AdorableFood)
    April 8, 2014 at 7:18 pm

    Hallo Mara,
    auch wenn diese Rezension nun schon etwas her ist, möchte ich dir sagen, dass ich sie ganz großartig finde. Sie gibt genau das wieder, was ich auch beim Lesen von Arbeit und Struktur bemerkt habe.
    Arbeit und Struktur habe ich vorgestern beendet, aber es geht mir einfach nicht mehr aus dem Kopf. Irgendwas ist hängen geblieben, schwer zu sagen, was.
    Zu flach ausgedrückt wären jetzt Floskeln nach dem Motto “das Leben genießen”. Jedenfalls kommt es mir so vor. Auch wenn du Arbeit und Struktur schon vor Monaten gelesen hast, ist da noch etwas übrig, wenn du darüber nachdenkst?
    Wolfgang Herrndorfs Durchhaltevermögen und Ausdauer im Angesicht des Todes ist definitiv beneidenswert. Wieviel kann ein Mensch leisten? Wieviel ertragen? Das bleibt doch wohl immer eine Einzelfallentscheidung.
    Viele Grüße
    Janine

    • Reply
      buzzaldrinsblog
      April 9, 2014 at 3:21 pm

      Liebe Janine,

      danke für deine Worte, die ein Buch betreffen, dass auch mich noch lange beschäftigt hat. Was genau da in mir noch gewühlt hat und übrig geblieben ist, vermag ich nicht zu sagen … beeindruckt hat mich sicherlich die Kraft von Wolfgang Herrndorf im Angesicht des Todes noch so strukturiert zu arbeiten und weiterzuleben. Das ist vielleicht in mir zurückgeblieben, dieses Gefühl, nicht aufzugeben, sondern weiterzumachen …

      Liebe Grüße
      Mara

  • Reply
    Konstantin [derschoeneblog.de]
    July 30, 2014 at 10:57 am

    Liebe Mara,

    ich mag deine Besprechungen immer sehr, nachdem ich nun gestern “Arbeit und Struktur” zu ende las, für meine Lesegruppe, kann ich dir nur weitgehend zustimmen. Es ist ein wunderbares Buch – meines Erachtens nicht unbedingt so niederschmetternd, wie man meinen könnte – etwas ganz besonderes im Kosmos der Literatur. Freunden gegenüber habe ich meinen Eindruck mit folgenden Worten zusammengefasst: “Es ist auf so ganz eigene Weise bedrückend aber auch irgendwie heiter und motivierend. Sehr sehr eigen. Sehr sehr gut.”

    Ich bin mir sicher, dass ich auch noch nach langer Zeit über dieses Buch sinnieren werden, das es meinen Geist nicht einfach verlässt als eines der vielen gelesenen. Liebe Grüße an dich!

    • Reply
      Mara
      July 31, 2014 at 4:20 pm

      Lieber Konstantin,

      danke für deine Wortmeldung, darüber freue ich mich sehr. Deinen Worten kann ich mich eigentlich nur anschließend, es ist natürlich bedrückend – bei der Thematik ist das ja auch nicht überraschend – und doch gibt es einem in irgendeiner Form auch Mut und Kraft. Ich fand den Umgang Herrndorfs mit seiner Erkrankung einfach sehr faszinierend und inspirierend.

      Im Herbst erscheint übrigens noch ein unvollendetes Romanfragment von Herrndorf – darauf freue ich mich schon jetzt.

      Liebe Grüße
      Mara

      • Reply
        Konstantin [derschoeneblog.de]
        August 1, 2014 at 11:43 am

        Liebe Mara,

        danke für deine Antwort auf meinen Kommentar, da möchte ich gleich noch einmal einhaken. Es ist in meinen Augen die gesunde Distanz zu seinem zwar zeitlich nicht vorhersehbaren aber eben doch absoluten Ende gegenüber, es ihm ihm klar aber er sieht es ja als Ansporn seine Projekte zu Ende zu bringen. Auch lässt er es sich (wohl mit den Einnahmen aus Tschick) in Form von Urlaub und Reisen mit Freunden gut gehen, so lang er nur kann. Das ist schon auch bewundernswert. Ich vermute das Buch das du ansprichst – “Isa” – davon war ja in “Arbeit und Struktur” auch die Rede … Liebe Grüße, Konstantin

  • Reply
    Liebe im Miniaturformat - Buzzaldrins Bücher
    February 20, 2015 at 2:26 pm

    […] Herrndorf – Arbeit und Struktur (erscheint am 27. […]

  • Reply
    Die Bilder von Wolfgang Herrndorf | Buzzaldrins Bücher
    August 5, 2015 at 11:15 am

    […] Blick auf seinen Blog geworfen. Wirklich kennengelernt habe ich ihn aber erst nach seinem Tod: Arbeit und Struktur habe ich – wie im Fieber – innerhalb weniger Tage verschlungen, später las ich dann […]

  • Reply
    Ein kleines Update | Carolin M. Hafen
    June 16, 2016 at 5:52 pm

    […] habe Maras Rezension zu „Arbeit und Struktur“ gelesen und bin gleich los geflitzt um das Buch zu kaufen. Vor Monaten schon, habe ich den […]

  • Reply
    Arbeit und Struktur | Carolin M. Hafen
    July 12, 2016 at 7:01 am

    […] stellte Mara das Buch „Arbeit und Struktur“ in ihrem Blog vor und ich bin gleich los geflitzt um das Buch zu kaufen, weil das alles sehr gut […]

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