Es wurde zum Tanz gebeten …

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Gestern fand im Literarischen Zentrum in Göttingen ein Debütantenball statt, ganz ohne Tänzer, dafür aber mit Musik und drei spannenden und hochinteressanten jungen Debütautoren. Es ist die zweite Veranstaltung dieser Art, im Winter gab es bereits einen Debütantinnenball. Gestern durften dann – wie die Moderatorin Gesa Husemann anmerkte – endlich auch die Jungs mitspielen. Gesa Husemann führte souverän durch den Abend und nahm sich für jeden der Autoren eine halbe Stunde Zeit – für Lesung und Gespräch.

Das Publikum wurde an diesem Abend gut unterhalten und erfuhr, dass Roman Ehrlich ursprünglich eine Ausbildung zum Radio- und Fernsehtechniker absolviert hat, die er jedoch nicht beendet hat – erst spät entschloss er sich dazu, an die Schreibschule in Leipzig zu gehen. David Finck dagegen verriet, dass er nicht nur ein großer Katzenfan ist, sondern dass seine Katze auch noch das Cover des literarischen Katzenkalenders ziert. Jan Skudalerk war der einzige Lyriker in dieser Runde und eigentlich auch kein Debütant mehr – im genauen Wortsinne zumindest. Debütiert hat er 2010 mit einem Lyrikheft, nun debütiert er bei luxbooks mit einem Lyrikband aus 64 Mosaikstückchen, die allesamt um das Thema Technik und moderne Technologien kreisen. Als Lyriker fühlt er sich nicht unbedingt benachteiligt, er betont aber auch, dass man nicht Lyriker wird, um ein dickes Auto zu fahren.

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Alle drei Autoren haben natürlich auch aus ihren Werken gelesen, die die Gemeinsamkeit vereint, dass sie eine Stimmung der Bedrohlichkeit, der Angst heraufbeschwören. Während ich “Das kalte Jahr” von Roman Ehrlich schon kannte, waren mir beide andere Autoren noch unbekannt – besonders David Finck konnte mich neugierig machen auf seinen Roman, denn die vorgelesenen Passagen machten einen spannenden und unterhaltsamen Eindruck. Auch die Arbeit von Jan Skudlarek hat mein Interesse geweckt: seine Gedichte leben von Verweisen, von Fight Club über T.S. Eliot bis zu Fear and Loathing in Las Vegas. Auch sein neuestes Projekt, in das er gestern Abend Einblicke gegeben hat, bedient sich Fremdmaterialien: unter dem Arbeitstitel Woyzeck-Cut-Ups, generiert er aus Georg Büchners Wortmaterial eigene Gedichte.

Ich habe gestern einen spannenden, interessanten und unterhaltsamen Debütantenball erlebt und drei Debütautoren, die mich neugierig gemacht haben. Ich hoffe, euch auch!

10 Comments

  • Reply
    Franziska Fischer
    June 20, 2014 at 6:40 pm

    Lyrik ist nur sehr selten meins, aber die anderen beiden klingen wirklich interessant. Vielen Dank für diesen Einblick!

    • Reply
      buzzaldrinsblog
      June 21, 2014 at 11:41 am

      Gerne, liebe Franziska! 🙂 Auch ich tue mir schwer mit Lyrik … Jan Skudlarek hat mich mit seinen Verweisen und Sprachspielen aber begeistern können. Vielleicht versuche ich mich doch noch mal daran! “Das Versteck” kenne ich NOCH nicht … aber den Roman von Roman Ehrlich kann ich dir nur empfehlen!

      • Reply
        Franziska Fischer
        June 21, 2014 at 6:40 pm

        Die Leseprobe ist wirklich vielversprechend. Roman gemerkt! 🙂

  • Reply
    jancak
    June 20, 2014 at 8:39 pm

    Sehr interessant und eine Lanze für die Lyrik

    • Reply
      buzzaldrinsblog
      June 21, 2014 at 11:40 am

      Ja, ich finde es schön, wenn die Lyrik auch immer wieder ihren Auftritt bekommen. 🙂 Persönlich fällt es mir ja häufig schwer, einen Zugang zu Gedichten bekommen, aber nichtsdestotrotz fand ich das, was Jan Skudlarek vorgetragen hat, unheimlich spannend.

      • Reply
        jancak
        June 21, 2014 at 4:23 pm

        Da ist es sicher gut, daß es in Wien immer eigene Lyrikveranstaltungen, Lyriktage und so wie gerade jetzt ein bis zwei große Symposien bzw. Festivals gibt

  • Reply
    madameflamusse
    June 24, 2014 at 6:47 pm

    Wer ist denn wer auf den Bildern?

    • Reply
      buzzaldrinsblog
      June 25, 2014 at 5:25 pm

      Links ist Roman Ehrlich, rechts oben David Finck und unten Jan Skudlarek! 🙂

      • Reply
        madameflamusse
        June 25, 2014 at 8:32 pm

        Alles klar, dann find ich den Roman am hübschesten *g* aber darauf kommts ja nicht an.
        Mal ne Nachfrage, hattest Du “vor dem Fest” gelesen?

  • Reply
    Roman Ehrlich im Gespräch! | Buzzaldrins Bücher
    July 19, 2015 at 11:42 am

    […] hast vor einiger Zeit an einem literarischen Debütantenball in Göttingen teilgenommen – wie fühlst du dich als Debütant im […]

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