Zehn Jahre Deutscher Buchpreis: Ein Rückblick

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In diesem Jahr wird der zehnte Buchpreisgewinner bekannt gegeben, damit jährt sich ein Preis zum zehnten Mal, der von Anfang an nicht nur begrüßt wurde, sondern auch immer umstritten gewesen ist. Ins Leben gerufen wurde er, um einen hochrangigen deutschsprachigen Literaturpreis zu schaffen – vergleichbar mit dem Man Booker Prize. Doch über den Sinn des Preises und die Auswahl der Bücher, wurde von Beginn an diskutiert und auch in diesem Jahr reißen diese Diskussionen nicht ab. Der Journalist Wolfram Schütte sprach dem Deutschen Buchpreis sogar ab, ein Buchpreis zu sein – im Endeffekt sei er lediglich ein Marketingpreis.

Wenn man auf die vergangenen neun Preisträger und Preisträgerinnen zurückblickt, kann man festhalten, dass alle von ihnen zwar irgendwie im Literaturgedächtnis verankert sind, viele der Bücher sich aber heutzutage kaum noch – zumindest an vorderster Front – im Buchladen finden lassen. Von den neun Titel habe ich drei gelesen: Der Turm von Uwe Tellkamp, In Zeiten des abnehmenden Lichts von Eugen Ruge und Die Mittagsfrau von Julia Franck.

Wie ergeht es euch, welche der neun Titel habt ihr gelesen? Habt ihr welche davon besonders in Erinnerung behalten?

Was es jedes Jahr wieder gibt, sind Diskussionen über die ausgewählten Bücher, aber auch über die Frauen- und Verlagsquote. Ich finde es immer wieder schade, wenn über Frauen diskutiert wird oder über Verlage, wenn es doch eigentlich um den Text gehen sollte. Es werden schließlich Bücher nominiert, keine Geschlechter.

Fakten zum Buchpreis:

#1. Wiederholungstäter: In diesem Jahr stehen insgesamt 11 Wiederholungstäter auf der Longlist. Heinrich Steinfest, Saša Stanišić, Ulrike Draesner, Lukas Bärfuss, Marlene Streeruwitz, Thomas Melle, Esther Kinsky und Angelika Klüssendorf stehen bereits zum zweiten Mal auf der Longlist. Interessanterweise standen Streeruwitz, Melle, Kinsky und Klüssendorf 2011 übrigens schon einmal gemeinsam auf der Longlist. Damals schaffte nur Angelika Klüssendorf den Sprung auf die Shortlist. Feridun Zaimoglu, Michael Köhlmeier und Thomas Hettche stehen sogar schon zum dritten Mal auf der Longlist.

#2. Verkürzte und verlängerte Longlist: 2006 war das einzige Jahr, in dem 21 Romane nominiert gewesen sind, während 2008 das einzige Jahr war, in dem nicht 20 Titel auf der Longlist standen, sondern lediglich 19. Peter Handke war mit seinem Roman Die morawische Nacht nominiert worden, verzichtete aber auf die Nominierung, um seinen jüngeren Kollegen und Kolleginnen das Feld zu überlassen.

Ich freue mich für ‘Die morawische Nacht’ auf der Buchpreisliste. Aber ich möchte zugunsten der anderen Gelisteten, vor allem der jüngeren, zurücktreten, samt Respekt vor der ehrenwerten Jury.

#3. Muster und Verteilungen: Wenn man sich die bisherige Verteilung der Gewinner anschaut, dann sind die Frauen in diesem Jahr chancenlos. Bis jetzt haben in schöner Regelmäßigkeit immer ein Mann, angefangen mit Arno Geiger, gefolgt von zwei Frauen gewonnen. Wenn es dabei bleibt, können die Männer in diesem Jahr sich berechtigte Hoffnungen machen

#4. Verlage – die großen und die kleinen:  Die großen Verlage, machen die ersten Plätze unter sich aus, dennoch gehört einer der kleineren Verlage zu den Champions: der Jung & Jung Verlag stellte bereits zwei Buchpreisgewinner.

Verlaghe

#5. Frauenpower: Frauen wurden zwar in der Tat deutlich seltener nominiert, erhielten aber dennoch doppelt so oft wie ihre männlichen Mitstreiter den Hauptpreis. Was für eine Leistung!

Gesver

Geschlechterverteilung

#6. Das Alter, ein Vorteil?: Dem Alter scheint im Verhältnis zum Geschlecht keine wesentliche Rolle zuzukommen. Anders verhält es sich bei dem Alter und der Platzierung. Bei der Hauptpreisvergabe scheint es eine Tendenz zur Mitte zu geben – weder zu hohes noch zu niedriges Alter ist hier förderlich.

Altersstruktur

Altersstruktur11

Wer sich beim Blick zurück für noch mehr interessante Daten, Zahlen und Fakten interessiert, dem ist dieses Dokument vom Börsenverein zu empfehlen.

47 Comments

  • Reply
    Karthause
    August 18, 2014 at 10:23 am

    Ich liebe Statistiken, danke!

    • Reply
      Mara
      August 18, 2014 at 10:34 am

      Gerne! Ich freue mich, wenn ich dir eine Freude machen konnte mit meinem Beitrag! 🙂

  • Reply
    nweiss2013
    August 18, 2014 at 10:59 am

    Liebe Mara,
    ich habe von den bisher ausgezeichneten Bücern nur “Landgericht” gelesen, dies aber in bester Erinnerung!
    “Absolute Leseempfehlung, nicht nur für Juristen! Jüdischer Landgerichtsrat macht im modernen Berlin der späten 1920er Jahre Karriere und gründet eine Familie, dann kommt Hitler an die Macht. Zunächst werden die Kinder nach England verschickt, er muß dann ins Exil, landet in Kuba, die beruflich erfolgreiche Ehefrau bleibt zurück. Am Bodensee begegnen sie sich wieder, dann faßt er langsam, gegen Widerstände wieder Fuß in der Justiz, kommt nach Mainz. Bleibt fremd, verkämpft sich, begehrt auf gegen die Schlußstrichmentalität.”
    Das habe ich beim neulichen Wiederhineinschauen erneut so empfunden. Im persönlichen Gespräch empfehle ich das Buch häufig.

    Von den diesmal nominierten Büchern kenne ich nur Marlene Streeruwitz: “Nachkommen.” (S. Fischer, Juni 2014) und Feridun Zaimoglu: “Isabel” (Kiepenheuer & Witsch, Februar 2014). Beide sind meines Erachtens gräßlich, ich empfinde die auf die Lektüre verwandte Zeit eindeutig als verschenkte Lebenszeit. Inhaltlich öde, sprachlich unbefriedigend – wirklich furchtbar. “Isabel” habe ich in meinem Blog besprochen, bei den “Nachkommen” werde ich mir das schenken.

    Viele Grüße
    Norman

    • Reply
      Mara
      August 19, 2014 at 4:20 pm

      Liebe Norman,

      bei all den positiven Wortmeldungen zum Landgericht – angefangenen mit deinen Eindrücken – habe ich mich gestern spontan zum Buchkauf entschlossen. Praktischerweise gibt es das Buch mittlerweile als Taschenbuch. Ich bin bereits jetzt unheimlich gespannt auf die Lektüre.

      Die Nachkommen werde ich lesen, da bin ich auf meine Eindrücke gespannt – das, was du schreibst, macht nicht gerade Mut. Über Isabel habe ich bereits ganz viele unterschiedliche Stimmen gelesen, viele davon waren nicht unbedingt positiv und ich werde den Roman wohl auch nicht lesen.

      Liebe Grüße
      Mara

  • Reply
    saetzebirgit
    August 18, 2014 at 11:09 am

    Liebe Mara, das gehörte mal zu einem meiner Leseprojekte: Alle Bücher des Buchpreises und seines Leipziger Pendants zu lesen. Habe ich letztes Jahr aufgegeben – das heißt also, von den genannten habe ich alle bis auf Teresa Mora gelesen (das klingt jetzt schon etwas angeberisch). ABER: Auch wenn manche von diesen ganz wohlwollend beurteilt werden können – Tauben fliegen auf, die Kathrin Schmidt, die Mittagsfrau – ich vermute, viele davon werden nicht lange im Gedächtnis bleiben.Normans Urteil zum Landgericht schließe ich mich an, an ganz herausragendes Buch. Der Turm – ja, der wird auch bleiben. Bei allen anderen habe ich meine Zweifel, ob ihre Wirkung lange nachhallen kann…

    • Reply
      Mara
      August 19, 2014 at 4:16 pm

      Liebe Birgit,

      das klingt doch nicht angeberisch, sondern ganz im Gegenteil: super interessant! 🙂 Landgericht habe ich mir gestern gekauft und der Turm hat mich ja auch begeistert – ansonsten schließe ich mich euch an, ich glaube über viele der anderen Preisträgertitel spricht in zehn Jahren kaum noch jemand. Schade eigentlich.

      Liebe Grüße
      Mara

  • Reply
    Ute
    August 18, 2014 at 11:23 am

    Hallo Mara,
    das ist ein toller Beitrag, vielen Dank!
    Von den ausgezeichneten Büchern habe ich “Die Habenichtse” von Katharina Hacker, “Die Mittagsfrau” von Julia Franck, “Der Turm” von Uwe Tellkamp und “In Zeiten des abnhemenden Lichts” von Eugen Ruge gelesen.
    “Die Mittagsfrau” und “Der Turm” habe ich begeistert gelesen, beide auch schon zweimal. “Die Habenichtse” habe ich ganz unlesbar in Erinnerung, muss aber gestehen, dass ich 2006 noch sehr wenig gelesen habe. Vielleicht hätte ich heute einen anderen Blick auf das Buch.
    Das Ruge-Buch hat mich weder abgeschreckt, noch begeistert.
    Interessanterweise habe ich von allen Longlists auch nur zwei Titel gelesen, “Die Vermessung der Welt” und “Léon und Luise”, aber noch sechs Bücher auf dem Stapel der ungelesenen Bücher.

    Am Mittwoch liegen alle Bücher der Longlist im örtlichen Buchladen aus. Dann werde ich wohl einen halben Tag in der Versenkung verschwinden.

    Herzliche Grüße
    Ute

    • Reply
      Mara
      August 19, 2014 at 4:14 pm

      Liebe Ute,

      danke für deine Wortmeldung, über deine Eindrücke freue ich mich sehr! Katharina Hacker liegt hier noch ungelesen, aber so langsam befürchte ich, dass sie wohl auch nicht mehr gelesen wird von mir … 😉
      Eugen Ruge habe ich damals mit hohen Erwartungen gelesen, aber ich war alles andere als begeistert – während ich die Mittagsfrau nur noch vage in Erinnerung habe. Wirklich begeistert hat mich lediglich der Turm.

      Ich wünsche dir morgen im Buchladen ganz viel Spaß und bin schon gespannt darauf, zu erfahren, welche Bücher vielleicht mit nach Hause durften … 🙂

      Liebe Grüße
      Mara

      • Reply
        Ute
        August 20, 2014 at 7:41 am

        Liebe Mara,
        so liebe Worte am frühen Morgen, danke schön!
        Da ich gerade bei dir gelese habe, dass es “Landgericht” endlich als Taschenbuch gibt, werde ich es mit meinem Literaturkreis wohl nächstes Jahr lesen. Wir warten nämlich schon sehnsüchtig auf die preisgünstigere Ausgabe. Nach den Kommentaren hier freue ich mich jetzt richtig auf das Buch!

        Ich bin sehr gespannt, wie die Buchhandlung die Bücher der Longlist präsentiert. Ich werde berichten, auch für was ich mich entschieden habe.
        Am meisten sprechen mich “Zwei Herren am Strand” an, aber das Buch ist wohl noch nicht erschienen.

        Einen schönen Tag wünscht
        Ute

        • Reply
          Ute
          August 20, 2014 at 2:42 pm

          Es ist “Pfaueninsel” geworden. Ich habe einige Bücher der Longlist reinlesen dürfen und konnte mich nur schwer entscheiden. Zum einen habe ich erst in diesem Jahr einen Krimi gelesen, der auch auf der Pfaueninsel spielt, zum anderen liest sich das Buch einfach toll an. Und Thomas Hettche kommt ganz aus der Nähe meiner Heimatstadt.
          Den Lewinsky hätte ich auch fast mitgenommen. Aber das Buch läuft ja nicht weg.
          Liebe Grüße
          Ute

          • Mara
            August 20, 2014 at 5:53 pm

            Liebe Ute,

            wie schön – Pfaueninsel möchte ich auch unbedingt noch lesen und ich bin schon jetzt sehr gespannt auf die Lektüre, berichtest du bitte, wenn du das Buch gelesen hast? Das Buch von Charles Lewinsky kannst du innerhalb der nächsten Wochen übrigens bei meiner Bloggerkollegin Claudia vom grauen Sofa gewinnen – vielleicht wäre das ja etwas für dich! 🙂

            Liebe Grüße
            Mara

        • Reply
          Mara
          August 20, 2014 at 6:04 pm

          Liebe Ute,

          “Zwei Herren am Strand” erscheint am Montag – ich lese es gerade und bin hellauf begeistert. Köhlmeier kann einfach wunderbar erzählen, eine große Empfehlung! 🙂

          Bei der Lektüre vom Landgericht in eurem Literaturkreis wünsche ich dir ganz viel Freude, nach dem ganzen Longlistlesen werde ich es wohl als erstes in Angriff nehmen und freue mich schon sehr auf die Lektüre.

          Liebe Grüße
          Mara

  • Reply
    jancak
    August 18, 2014 at 11:29 am

    Ja, ja, der Buchpreis über den man herrlich spekulieren und seine Meinungsagen kann und dem es wahrscheinlich so wie dem Bachmannpreis geht, zuerst auch von Autoren sehr kritisch beäugt, jetzt nicht mehr wegzudenken.
    Ich denke im Sinne Aufmerksamkeit auf das Buch hat der dBp sicher etwas gebracht und ich sage ja immer, das ist ein Preis, der auf das Weihnachtsgeschäft abziehlt, wo immer gerne Bücher verschenkt werden, da ist es gut, sagen zu können “Schau, das ist das beste (die sechs besten) leg es doch deiner Schwiegermutter auf den Gabentisch!”
    Das sich sowohl viele Buchhändler als wahrscheinlich die meisten Leser, die ihre Kerstin Gier, ihre Donna Leon lesen, etc, nicht dafür interssieren, habe ich bemerkt und mir ist es immer wichtig, darauf hinzuweisen, daß das dann ausgewählte Buch nicht das beste sein kann, weil man Bücher ja nicht wie einen Landstrich vermessen kann und Sigrid Löffler hat, glaube ich, einmal darauf hingewiesen, daß sie den Preis nicht mag, weil die “besten” dann sowieso nicht draufstehen.
    Gefährlich wär es nur, wenn jemand sagen würde “Ac,h steht nicht auf der Liste, dann brauch ichs nicht lesen!”
    So gesehen ist es toll, daß es den dBP gibt, für Österreich wird ja jetzt auch einer gefordert und wenn man ihn kritisch sieht, kann es nichts schaden, jetzt zwei Monate mitzufiebern, mitzulesen, etc.
    Gelesen von den Preisbüchern habe ich “Den Turm”, “Die Mittagsfrau”, den Ruge, ich interessiere mich ja sehr für DDR-Exliteratur und “Atemschaukel”, aber Herta Müller hat ja stattdessen den Nobelpreis bekommen und einige der Longlist oder Shortlistbücher, sowie das der Kathrin Schmidt, stehen noch auf meiner Liste, vor allem, weil man sie dann ja oft ein paar Jahre später bei “Thalia” um 3 Euro neunzig bekommt.
    Und um die Statistik zu zitieren, natürlich sind es die großen Verlage, die die Nase vorn haben, “Residenz” und “Jung und Jung”, holen auf, um von Österreich zu sprechen und natürlich werden sehr oft ehemalige Bachmannpreisträger oder leser nominiert und natürlich stehen die anerkannten Autoren dann immer wieder darauf, während viele andere über bleiben.
    Also auf in den Bücherherbst und lesen, lesen, lesen….
    Ich habs ja schon geschrieben, ich lese gerade Berta von Suttner “Die Waffen nieder”, habe heute ein Chick Lit und einen Krimi zugeschickt bekommen, mir gestern ein Buch von der Hotlist bestellt und einen Gedichtband eines sehr bemühten österreichischen Autors, der Monat für Monat ein Gewinnspiel veranstaltet, habe ich auch gewonnen.
    Die “Streeruwitz” werde ich mir wahrscheinlich zu Weihnachten oder zum Geburtstag wünschen, den Martin Lechner habe ich gelesen, den Lukas Bärfuß lese ich wahrscheinlich nächstes Jahr.
    Sonst bin ich gespannt was von den LL Büchern noch auf meine Leseliste findet.

    • Reply
      jancak
      August 18, 2014 at 11:31 am

      P.S. “Die Habenichtse” habe ich auch noch gelesen, weil eine Kollegin meines Mannes dieses Buch und dann noch ein paar weitere, wie Glavinic und den Arno Geiger um zwei Euro verkaufte

    • Reply
      Mara
      August 19, 2014 at 4:09 pm

      Liebe Eva,

      wenn du in das Dokument klickst, was ich am Ende verlinke, dann kannst du einen Blick auf die Buchverkäufe vor und nach der Preisvergabe werfen – die Zahlen sind enorm, besonders bei Tellkamps Turm.
      Das Interesse der Buchhändler ist in der Tat leider wenig ausgeprägt, in den Buchhandlungen, in denen ich gestern war, gab es weder das Lesebuch, noch einen extra Tisch für den Deutschen Buchpreis – eigentlich finde ich das sehr schade, denn dieser Preis kann im Grunde die Kapazität haben, Menschen zum Lesen zu bewegen.

      Ich glaube, dass Auszeichnungen und Preise es immer an sich haben, dass eine Auswahl getroffen werden muss – mit dieser Auswahl ist nicht jeder einverstanden, aber wie sollte es anders gehen. Für die kleineren Verlage gibt es ja auch noch zusätzlich die Hotlist, übrigens eine wirklich schöne Preisalternative zu all den großen Auszeichnungen.

      Ich lese gerade den Roman von Michael Köhlmeier und bin bisher sehr angetan – für mich vielleicht kein Siegertext aber auf jeden Fall ein Favorit für die Shortlist. 🙂

      Liebe Grüße
      Mara

      • Reply
        jancak
        August 19, 2014 at 8:10 pm

        Ja, daran bin ich nicht so ganz unbeteiligt, habe ich doch den “Turm” vor sechs Jahren gleich zweimal geschenkt bekommen, einmal habe ich ihn mir von meinem Mann zum Geburtstag gewünscht, das zweite Buch habe ich dann zum Geburtstagsfest von einem lieben Psychologenkollegen, der aus Dresden stammt in die Hand gedrückt bekommen “Du interessierst dich doch für die DDR!”
        Das habe ich dann an meine Tochter weitergegeben, bin aber nicht ganz sicher ob sies gelesen hat. Ich habe den Turm über mehrere Wochen gelesen, war damals nicht imstande darüber zu bloggen, weil ich aber etwas über eine Diplomarbeit oder so darüber gelesen habe, eine Frage, wer ist das Vorbild für diese DDR Dichterin? Die Christa Wolf vielleicht?
        Und was meine These, das viele für den Weihnachtstisch gekauften Bücher nicht gelesen werden, betrifft, die “Mittagsfrau” habe ich dann auf einen Flohmarkt noch Originalverpackt um einen oder zwei Euro gefunden.
        Ja, die Bücher werden gekauft, für Weihnachten vermute ich und sie werden von den Verlagen, Kritikern, jetzt auch von den Bloggern hochgepusht, daß sie wirklich das Leseverhalten ankurbeln, da wäre ich ein wenig skeptisch und was das Auswählenmüssen begtrifft, bin ich es auch, denn ich bin ja, wie wahrscheinlich bekannt, für keine Auswahl und am besten hat mir die Idee gefallen, die ich heute auf einen Blog gelesen habe, zwei Büchertische, einen mit der Longlist und den anderen mit den Büchern, die darauf fehlen, aber wie schon geschrieben, in den meisten Buchhandlungen fehlt wahrscheinlich schon der erste Tisch, die Buchhandlung in Ansbach, die ich vor einer Woche besuchte, hat mich aber überrascht, denn da sagte mir die Buchhändlerin, sie hängt jetzt diese Liste im Geschäft auf.

  • Reply
    dasgrauesofa
    August 18, 2014 at 11:37 am

    Liebe Mara,
    was für eine Arbeit! Wenn Du zu den Statistiken vielleiht gleich noch einen Algorithmus entwickelst, wie Banker, Facebook oder mein Arzt, wenn er emien aktuellen Körperdaten liest, dann kannst Du den Gewinner oder die Gewinnerin bestimmt schon voraussagen :-).
    Aber im Ernst: beim Blick auf die Buchcover ist mir aufgefallen, dass ich die ersten sechs alle gelesen habe, seit Ruge aber sehr schlampig mit dem jeweiligen Buchpreisträger bin. Von den Preisträgern ist mir ganz besonders natürlich Tellkamp in Erinnerung (gut und lohnend), dann Kathrin Schmidts “Du stirbst nicht”, weil sie so wortgewaltig beschreibt, wie sie sich, gegen alle Widerstände, auch und vor allem der Ärzte, ins Leben zurückkämpft, und Melinda Nadj Abonjis “Tauben fliegen auf”, weil sie so eindrucksvoll die Geschichte der Einwanderung erzählt. Ich finde schon, dass das Romane sind, die sowohl thematisch als auch sprachlich über die Zeit hinweg einen besonderen Stellenwert haben.
    Viele Grüße, Claudia

    • Reply
      Mara
      August 19, 2014 at 4:01 pm

      Liebe Claudia,

      danke für die Idee mit dem Algorithmus – ich werde darüber nachdenken und melde darauf schon mal ein Patent an. 😉

      Ich bin ja mächtig beeindruckt, dass du die ersten sechs Titel alle gelesen hast und freue mich besonders, dass du den Turm als gut und lohnend empfunden hast – so erging es mir auch. Die Romane von Kathrin Schmidt und Melinda Nadj Abonji muss ich jetzt wohl doch auch noch lesen – aber erst nach der aktuellen Longlist. 😉

      Liebe Grüße
      Mara

  • Reply
    woerterkatze
    August 18, 2014 at 2:53 pm

    Liebe Mara,
    vielen lieben Dank für die tollen Statistiken. So etwas liebe ich.
    Vor einiger Zeit habe ich “Die Mittagsfrau” und “Die Habenichtse” gelesen. Ersteres hat mich noch gut unterhalten, aber letzteres war so gar nicht mein Fall.
    “Du stirbst nicht” und “In Zeiten des abnehmenden Lichts” stehen noch ungelesen bei mir im Regal. Mal sehen, wie es mir damit ergehen wird. “Landgericht” von Ursula Krechel steht noch auf meiner Wunschliste.
    Liebe Grüße
    Kerstin von Wörterkatze

    • Reply
      Mara
      August 19, 2014 at 3:59 pm

      Liebe Kerstin,

      ja, oder? Statistiken finde ich einfach grandios! 🙂

      Die Mittagsfrau hat mich damals auch unterhalten können, nachhaltig beeindruckt hat es mich jedoch nicht. Die Habenichtse stehen ungelesen im Regal, mal schauen, ob sie noch gelesen werden.
      Landgericht habe ich mir nun übrigens gekauft, das Buch gibt es mittlerweile als Taschenbuch und ich bin schon sehr auf die Lektüre gespannt.

      Liebe Grüße
      Mara

      • Reply
        woerterkatze
        August 19, 2014 at 7:05 pm

        Liebe Mara,

        Oh, schon als Taschenbuch, dann rückt es jetzt in der Priorität weiter nach oben.

        Liebe Grüße

        Kerstin

        • Reply
          Mara
          August 20, 2014 at 6:13 pm

          Ja, mittlerweile schon als schöne Taschenbuchausgabe – da habe ich gleich zugeschlagen! 🙂

  • Reply
    literatwo
    August 18, 2014 at 3:00 pm

    Was für ein starker Arikel – der gefällt mir echt sagenhaft gut – sehr interessant!

    Drei Romane habe ich ungelesen hier stehen *schäm*

    Der Turm von Uwe Tellkamp – lese ich ggf mal in ein paar Jahren, aber er wohnt hier um die Ecke, ggf. liest er es mir vor *g*

    Du stirbst nicht von Kathrin Schmidt – les ich auf jeden Fall noch

    Es geht uns gut von Arno Geiger – werde ich auch noch lesen

    Viele Grüße

    • Reply
      Mara
      August 19, 2014 at 3:57 pm

      Liebe Bianca,

      ich danke dir für dein Lob, darüber freue ich mich sehr! 🙂 Für ungelesene Bücher sollte man sich übrigens nie schämen, ich könnte ansonsten nämlich gar nichts mehr anderes machen – so viele ungelesene Bücher habe ich hier stehen.

      Tellkamp kann ich dir nur empfehlen – ein großartiges Buch, gerade ja auch weil du in Dresden lebst. Du kannst es quasi lesen, während du in der Schwebebahn sitzt, dort spielt einer der ersten Szenen des Romans.

      Liebe Grüße
      Mara

  • Reply
    J. Kienbaum
    August 18, 2014 at 3:13 pm

    Gelesen habe ich nur die Romane von Uwe Tellkamp, und Julia Franck. Angelesen “Landgericht” und “Das Ungeheuer”, wobei ich letzteres bereits nach wenigen Seiten grässlich fand und ersteres irgendwie einfach nur langweilig. De gustibus non disputantum esse.
    Generell kann ich sagen, dass mich Buchpreise und andere Auszeichnungen eher wenig in meinem Leseverhalten beeinflussen. Der persönliche Geschmack und die im Feuilleton zusammengesuchten Informationen wiegen da deutlich schwerer.
    Danke auf jeden Fall für deine informative Statistik.
    lg_Jochen

    • Reply
      Mara
      August 19, 2014 at 3:56 pm

      Ich schließe mich deinem Kommentar an, ich interessiere mich zwar für die Longlist, ich wähle mir meine Lektüre aber selten abhängig von Auszeichnung und Preisen aus – da zählen dann doch andere Kriterien. Auch den Turm hatte ich damals bereits vor seiner Auszeichnung verschlungen – für mich übrigens eine großartige Lektüre! 🙂
      Landgericht werde ich hoffentlich bald lesen, ich werde berichten!

      Liebe Grüße
      Mara

  • Reply
    Brigitte
    August 18, 2014 at 5:37 pm

    Da hast Du Dir viel Arbeit gemacht, liebe Mara, Danke dafür.
    Gelesen aus den letzten Jahren habe ich:
    Arno Geiger “Es geht uns gut” – mit seinem “Alten König” hat er meine Erwartungen von damals noch übertroffen
    Uwe Tellkamp “Der Turm” – da wurde mir erst einmal wieder bewusst, wie “eng” es damals war, wie klein der Schritt hin zur Eskalation oder eben nicht. Und die Enge des Lebens im real existierenden Sozialismus hat er für meine Begriffe sehr gut beschrieben.
    Kathrin Schmidt “Du stirbst nicht” – ich war geschockt von diesem Buch, weil es mich förmlich hineingezogen hat in ihre Krankheit, in ihr Befinden, in ihren Kampf.
    Melinda Nadj Abonji “Tauben fliegen auf” – eines der Bücher, die ich brauchte und brauche, um wenigstens ansatzweise diese Welt zu verstehen.
    Ursula Krechel “Landgericht” – viel gescholten wurde es auch damals. Mich hat es zutiefst beeindruckt, weil sie auf unglaubliche Weise erzählt, was fast nicht zu erzählen ist, weil es “eigentlich” nicht wahr sein darf.

    Von der diesjährigen Liste kenne ich nur “Vor dem Fest”, fand es gut, es darf bleiben, weil die Chance besteht, dass ich es noch einmal lese. Mit der Zeit muss man ja auswählen, sonst brechen Regal und womöglich Decken …

    Liebe Grüße
    Brigitte

    • Reply
      Mara
      August 19, 2014 at 3:54 pm

      Liebe Brigitte,

      danke für deine Wortmeldung, mit der du mir noch einmal viele der anderen Finalisten näher bringst – das Buch von Ursula Krechel habe ich mir aufgrund deines Kommentars gekauft und ich bin unheimlich gespannt auf die Lektüre. “Der Turm” hat mich von den bisherigen Preisträgertiteln wohl am meisten beeindruckt, ich habe das Buch mehr als einmal gelesen.

      Nun stehen aber auch die Bücher von Kathrin Schmidt und Arno Geiger auf der Liste. Nach dem aktuellen Buchpreis würde ich gerne einige der vergangenen Preisträger lesen – ich glaube, dass das ein spannendes Leseprojekt sein könnte!

      Vor dem Fest habe ich übrigens auch gerne gelesen! 🙂 Gerade lese ich Michael Köhlmeiers neuen Roman, bisher auch ein wunderbares Lektüreerlebnis, das ich nur weiterempfehlen kann.

      Liebe Grüße
      Mara

  • Reply
    Mina
    August 18, 2014 at 8:03 pm

    Liebe Mara,
    von den Gewinnern habe ich bisher gar keines gelesen. “Der Turm” lag hier immer mal rum und ich konnte mich nie überwinden. Von den ehemaligen Long Lists habe ich das ein oder andere Buch gelesen. Bisher am besten gefiel mir “Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war?”, das ich aktuell lese.

    Du hast Dir wirklich unglaublich viel Mühe gemacht! Vielen Dank dafür.
    Eure Aktion bringt auch Lesern wie mir, die sich eigentlich weniger mit der nominierten Literatur beschäftigen, neue interessante Bücher nahe, die sonst völlig an mir vorbei gegangen wären.

    Liebe Grüße,
    Mina

    • Reply
      Mara
      August 19, 2014 at 3:50 pm

      Liebe Mina,

      ich kann dir nur dazu raten, den Turm zu lesen – ich habe damals in Dresden gelebt und auch meine Masterarbeit über den Roman geschrieben und das Buch wirklich sehr gerne gelesen. Den Roman von Joachim Meyerhoff kenne ich dagegen noch nicht, er steht aber schon im Regal.

      Über deine Worte habe ich mich sehr gefreut! Genau das, war auch unser Ziel: Leser und Leserinnen mit dem Longlistfieber anzustecken, die auf diese Bücher vielleicht sonst eher nicht unbedingt einen Blick werfen. Wie schön, dass das bei dir gelungen ist! 😉

      Liebe Grüße
      Mar

  • Reply
    il_libraio
    August 18, 2014 at 9:06 pm

    Ich hab immerhin drei gelesen, die ich auch alle drei ganz hervorragend fand: Tellkamp, Schmidt und Krechel. Bin gespannt, wer es dieses Jahr wird.
    Und diese Streitereien zur Auswahl der Listen finde ich einfach nur lächerlich. Ich glaube die Leute sind einfach nur sauer, dass sie nicht in der Jury sitzen, und sie hätten natürlich eine viel bessere Auswahl getroffen. So eine Auswahl ist halt immer subjektiv und insofern wird es immer jemanden geben, der sich auf den Schlips getreten fühlt.
    Und vor allem wird das auch jedes jedes jeddes Jahr wieder hochgekocht, ganz egal, wie die Auswahl aussieht. Als Jurymitglied kann man im Prinzip nur eines richtig machen: die falsche Wahl treffen.

    • Reply
      Mara
      August 19, 2014 at 3:44 pm

      Tellkamp fand ich auch hervorragend, darüber habe ich auch meine Masterarbeit geschrieben – Schmidt und Krechel kenne ich noch nicht, aber ich habe mir vor kurzem das Taschenbuch vom Landgericht geholt und bin schon sehr auf die Lektüre gespannt.
      Ich kann mit den Klagerufen, die eine solchen Nominierungsliste folgen, auch immer wenig anfangen. Natürlich hat jeder seine Favoriten, aber meinen Geschmack muss ja nicht automatisch auch die Jury teilen. Letztes Jahr gab es eine wirklich schwer zugängliche Liste, dieses Jahr sieht das doch schon deutlich lesbarer aus! 🙂

      • Reply
        il_libraio
        August 19, 2014 at 7:28 pm

        Tatsächlich hab ich von der letztjährigen Liste nur den Dutli gelesen und den Meyer nach der Hälfte abgebrochen.

        • Reply
          Mara
          August 20, 2014 at 6:12 pm

          Der Meyer war wirklich eine Herausforderung, ich denke heute mit Schrecken an die Lektüre zurück. 😉

  • Reply
    Franziska Fischer
    August 19, 2014 at 9:04 am

    Interessante Statistik, vielen Dank für diese Mühe!

    Ich finde es zwar immer spannend, solche Preisvergaben zu verfolgen und wenn möglich, auch das eine oder andere Buch zu lesen, aber ich glaube, sie können nie gerecht sein. Um die besten Bücher aus einem Jahr auswählen zu können, müsste man alle komplett gelesen haben, unabhängig davon, ob sie Spitzentitel aus den jeweiligen Programmen sind oder nicht, unabhängig vom Verlag und davon, wie differenziert sie im Feuilleton besprochen werden. Nur ist das natürlich unmöglich. Immerhin bieten sie aber eine gute Auswahl, und letztlich bleiben generell nur wenige Titel über einen längeren Zeitraum im Buchhandel präsent, dafür erscheinen einfach zu viele neue Bücher jedes Jahr.

    An Gewinnertexten gelesen habe ich bisher nur “In Zeiten des abnehmenden Lichts” und “Das Ungeheuer”. Ich kann mich an beide noch erinnern und würde nicht behaupten, dass sie zu meinen Lieblingsbüchern zählen, aber jedes Buch auf seine Art hat durchaus etwas Besonderes.

    • Reply
      Mara
      August 19, 2014 at 3:42 pm

      Liebe Franziska,

      die Verlage treffen ja bereits eine Vorauswahl und nominieren zwei ihrer Titel, um sie für den Deutschen Buchpreis einzureichen. Natürlich kann es auch darüber hinaus noch mehr “beste” Bücher geben, die aber durch diese Verfahrensweise gar keine Aufmerksamkeit mehr erhalten. Ich fände es mal spannend zu erfahren, welche Kriterien die Jury an die Lektüre anlegt und ob sie wirklich alle 170 Romane lesen, um eine Auswahl treffen zu können. ich befürchte jedoch, dass wir das wohl nie erfahren werden.

      “Das Ungeheuer” habe ich leider immer noch nicht gelesen, ich möchte das aber so bald wie möglich nachholen! 🙂

      Liebe Grüße
      Mara

  • Reply
    skyaboveoldblueplace
    August 19, 2014 at 11:01 am

    Liebe Mara,
    da hast Du Dir ja eine Riesenmühe gemacht. Danke für den gründlichen und informativen Beitrag. Man sagt zwar, man solle nur der Statistik glauben, die man selbst gefälscht hat – aber da schient doch einiges dran zu sein. Besonders interessant finde ich die Diskrepanz zwischen der Anzahl der weiblichen und männlichen Nominierten zu Beginn und der Preisträger dann am Ende. Vielleicht haben dann die Jurymitglieder, in der Überzahl wiederum Männer, am Ende ein schlechtes Gewissen und geben deshalb den Preis überproportional oft an Frauen? Oder sind die Frauen wirklich einfach besser. Ist alles möglich. Das ist natürlich auch die Crux an diesen Preisvergaben. Bis zu einem bestimmten Punkt sind die Texte und AutorInnen eben vergleichbar, aber es gibt dann doch einen grossen subjektiven Spielraum. Ich würde mich in keine Jury setzen, die nicht ausdrücklich total subjektiv auswählt und beurteilt. Deshalb ist die Diskussion darüber, ob das nun wirklich ein echter Buchpreis ist oder nicht in meinen Augen völlig müssig. Es gibt da gar keine Antwort, ergo ist es völlig egal. Genau wie die Frage nach den Nominierten für mich total subjektiv ist. Ich hätte z.B. gerne den Erzählband ‘Wir haben Raketen geangelt’ von Karen Köhler dabei gehabt, denn darauf bin ich nach der Lektüre der Leseprobe total gespannt. Aber: ist nicht – und das ist auch ok.
    Die ganzen Preise haben für mich eigentlich bloss zwei Legitimationsgründe. Der erste: sie machen auf interessante, möglichst junge oder unbekannte Autoren aufmerksam. Der zweite: Durch Geldpreise werden Autoren unterstützt, so dass sie eine Weile ohne Geldsorgen ein Projekt intensiv betreiben können. Insofern finde ich es von Peter Handke bezogen auf beide angeführten Gründe sehr schön, dass er auf den Preis verzichtet hat.
    Liebe Grüsse
    Kai

    P.S.: Ich weiss nicht, ob Claudia vom Grauen Sofa Dir das schon erzählt hat: sie hatte mich per Mail angesprochen, ob ich nicht auch ein Buch der Liste besprechen möchte und ich habe mich dann für den neuen Köhlmeier entschieden, mache also auch mit. Hoffe bloss, dass ich das einigermassen zeitig hinbekomme…

    • Reply
      Mara
      August 19, 2014 at 3:38 pm

      Lieber Kai,

      heute gab es in der Welt noch einmal einen Artikel (#Aufschrei) zum Thema des Fehlens weiblicher Schriftstellerinnen. Ich finde das ein ganz schwieriges Thema, da um einen die Zahlen ja deutlich machen, dass es da eine Diskrepanz gibt, ich mir aber zum anderen nicht vorstellen kann (oder vielmehr möchte), dass die Jury junge Autorinnen bewusst übersieht.
      Ich befürchte aber auch, dass eine Preisvergabe immer höchst subjektiv ist und es immer Bücher geben wird, die fehlen. Übrigens nicht nur Frauen, mir fehlen auch Michael Kleeberg und Robert Seethaler. Aber auch die jungen Männer (ich denke zum Beispiel an Roman Ehrlich).

      Ich glaube, dass der Buchpreis zumindest die Funktion erfüllt, dass zwei Monate lang intensiv über Literatur diskutiert wird und dadurch vielleicht auch Menschen auf Bücher aufmerksam machen, die sie ansonsten übersehen würde. Und das finde ich schön und wichtig.

      Dein P.S. freut mich sehr und ich wünsche dir viel Freude mit Köhlmeier, ich habe die ersten 70 Seiten verschlungen und lese das Buch bisher sehr gerne.

      Liebe Grüße
      Mara

      • Reply
        skyaboveoldblueplace
        August 19, 2014 at 5:16 pm

        Liebe Mara,
        das ist ein ziemlich schwieriges Thema. Ich habe gerade den Artikel in der Welt gelesen und man kann vor allem den Eindruck haben (der ja allenthalben auch von den ProtagonistInnen selbst verbreitet wird), dass der Literaturbetrieb und das dazu gehörende Geschäft ein gar gruseliges, von -ismen durchsetztes Haifischbecken ist, schlimmer noch, als man es aus anderen Branchen kennt. Und Frauen werden da ganz offensichtlich genau so benachteiligt, wie überall. Eine gleichberechtigte Gesellschaft sind wir noch an keiner Stelle, also warum dann in der Buchbranche…

        Überrascht hat mich in dem Artikel diese Stelle:
        “Der postulierte Idealismus der Buchbranche, der angebliche Tunnelblick aufs Geistige, der das Geschlecht des Urhebers ausschließt, wird, wenn überhaupt, nur in der U-Literatur eingelöst. Hier schauen weder Leser noch Kritiker als Erstes aufs Autorenfoto; hier werden weibliche Schriftsteller auch geduldet, wenn sie nicht langhaarig und idealgewichtig sind.”

        Überraschend finde ich dabei, dass ich es mir genau umgekehrt vorgestellt habe – und ich wage auch zu bezweifeln, dass es wirklich so ist (in der U-Literatur). Mal davon abgesehen, dass ich diese Unterscheidung (zwischen U- und E-) schon sowas von unterirdisch halte…

        Der darauf folgende Absatz allerdings ist ganz sicher zutreffend:
        “Die Frage nach dem Politischen in der Literatur muss bei den Akademien und Gremien anfangen. Dort, wo mit gezielter Förderung Politik gemacht wird, sollte das Geschlechterverhältnis genauer in den Blick genommen werden: Beim Nobelpreis etwa, beim Friedenspreis des Deutschen Buchhandels oder bei den großen internationalen Preisen.”

        Richtig interessant ist allerdings der unter diesem Artikel verlinkte von Deborah Kogan mit dem Titel ‘Wie mich der Sexismus im Literaturbetrieb zermürbt:
        http://www.welt.de/kultur/literarischewelt/article117015335/Wie-mich-der-Sexismus-im-Literaturbetrieb-zermuerbt.html

        Blöd finde ich an der ganzen Sache als quasi ‘naiver ÖLeser’, der ich eigentlich gern sein möchte, dass weniger über die Texte geredet wird. Aber dafür sind ja dann die Blogger da…

        Liebe Grüsse
        Kai

  • Reply
    Desirée Löffler
    August 19, 2014 at 12:40 pm

    Sehr spannend, die Zahlen und Fakten zum Buchpreis! Da hast Du Dir ja wahnsinnig viel Mühe gemacht. Ich habe die ersten drei Preisträger gelesen, und dann nur noch das Landgericht. Ich habe das Gefühl, am Anfang war der Buchpreis auch ein noch größeres Thema. Damals waren die Preisträger mehr oder weniger Pflichtlektüre und man konnte sich auf jeder Party darüber unterhalten – das ist jetzt nicht mehr so. Warum eigentlich? Die Preisträger sind sicherlich nicht schwächer geworden, wenn man den Rezensionen glauben darf.

    • Reply
      Mara
      August 19, 2014 at 3:28 pm

      Liebe Desirée,

      ja, auch ich habe das Gefühl, dass dem Preis noch vor ein paar Jahren mehr Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Wenn ich z.B. an den Turm zurückdenke, der dann ja auch noch verfilmt wurde – wer weiß, ob es dazu gekommen wäre, ohne den Buchpreis. Warum sich die Rezeption des Preises geändert hat, erschließt sich mir nicht.

      Das Landgericht habe ich mir übrigens gestern als Taschenbuch zugelegt – ich bin sehr auf die Lektüre gespannt.

      Liebe Grüße
      Mara

  • Reply
    buecherliebhaberin
    August 19, 2014 at 5:53 pm

    Liebe Mara,

    zunächst habe ich ein Riesenrespekt vor dieser, deiner Arbeit. Aber es liest sich herrlich und die Statistiken sind ein Traum. So, ich oute mich jetzt ganz bewusst und ohne Scham: Ich habe bisher kein einziges Preisträgerbuch (weder Frankfurt noch Leipzig) gelesen. Mich hat immer der Rummel um ein Buch genervt. Gehe sozusagen Bestsellern und solchen, die es werden sollen seit Jahren aus dem Weg. Deshalb ist es ja dieses Jahr so extrem interessant – hab ich mich doch soeben direkt mit unserer Aktion LLL 2014 ins Löwengehege gestürzt. Und verfolge gespannt, was es mit mir machen wird. Ein intensiver und aufregender Weg. Mit deinem Beitrag um so mehr.

    Liebe Grüße
    Vera

    • Reply
      Mara
      August 20, 2014 at 6:14 pm

      Liebe Vera,

      ich finde es großartig, dass du quasi ganz unvoreingenommen an dieses Projekt herangehst und dich zum ersten Mal mitten in diesen Rummel hineinstürzt. Ich bin bereits jetzt sehr auf deine Leseeindrücke und Erlebnisse gespannt – vielleicht wirst du ja Blut lecken und im nächsten Jahr dann gleich auch die Nominierten der Leipziger Buchmesse lesen. 😉

      Liebe Grüße
      Mara

  • Reply
    Muromez
    August 22, 2014 at 9:55 pm

    Hm, Marketingpreis. Ja, sicherlich hat das auch mit Marketing zu tun, haben die anderen Verleihungen aber natürlich auch. Von den Preisträgern habe ich bisher nur “Tauben fliegen auf” von Abonji komplett gelesen (ging so). Landgericht war mir viel zu sperrig, das wurde nach nicht mal 50 Seiten weggelegt, obwohl mich die Thematik definitiv interessiert. Sicherlich habe ich aber mehrere Bücher von den jeweiligen Longlists “durchgearbeitet”. Ansonsten muss mich ein Werk ansprechen, damit ich mir Zeit dafür nehme. Egal, ob es jetzt ausgezeichnet wurde oder nur 50 Exemplare davon verteilt wurden. Ein Preis ist kein besonderes Kriterium (für mich), trotzdem hat der Deutsche Buchpreis seine Daseinsberechtigung.

  • Reply
    serendipity3012
    August 24, 2014 at 12:12 pm

    Ich warte jedes Jahr gespannt auf die Longlist und schaue mir die Bücher darauf dann genauer an, einige wandern dann meist auf meinen Wunschzettel, einige waren dieses Jahr schon vorher drauf, zum Beispiel “Nachkommen.”, “Kruso”, “Die Meisen von Uusimaa…” und “Die Pfaueninsel”. Den aufblasbaren Kaiser habe ich angelesen, aber werde ich wahrscheinlich nicht weiterlesen, zumindest nicht im Moment. Von den bisheriegn Siegern kenne ich nur drei, “Die Mittagsfrau”, “In Zeiten des abnehmenden Lichts” und “Die Habenichtse”, die Mittagsfrau hat mir davon am besten gefallen. Die anderen Preisträger reizen mich einfach nicht so, lediglich “Der Turm” wartet schon lange darauf, von mir gelesen zu werden… 🙂 Bin gespannt, wie die Aktion hier weitergeht und auch auf die Shortlist, ich werde das alles verfolgen.

    • Reply
      Mara
      August 26, 2014 at 8:34 am

      Ich weiß nicht, ob du entdeckt hast, dass du Kruso hier gewinnen kannst – vielleicht willst du dein Glück ja noch mal versuchen, ich würde mich freuen! 🙂 Demnächst gibt es auch noch weitere Bücher zu gewinnen, unter anderem Nachkommen und die Pfaueninsel – du kannst dich also auf etwas freuen.
      Ich kann dir übrigens nur empfehlen, doch noch mal einen Blick in den Turm zu werfen, das Buch ist – wenn man sich erst einmal eingelesen hat – wirklich großartig.

      Liebe Grüße
      Mara

  • Reply
    Deutscher Buchpreis: der große Favoritencheck!
    August 14, 2015 at 11:48 am

    […] vergangenen Jahr habe ich mir die Mühe gemacht, ein paar Statistiken zu den vergangenen zehn Jahren Deutscher Buchpreis zu erstellen. Wenn man darauf heutzutage noch […]

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