Pride Month 2020 – meine Buchempfehlungen!

Der sogenannte Pride Month wird jedes Jahr im Juni gefeiert – in Erinnerung an die Stonewall Riots, die den Grundstein für viele der Rechte legten, die wir uns bis heute erkämpft haben. Am 28.6.1969 stürmte die Polizei The Stonewall Inn, eine zu der Zeit beliebte gay bar. Vor Ort war damals auch Marsha P. Johnson, eine schwarze trans Frau und Draq Queen, die sich der brutalen Polizeigewalt entgegenstellte – viele schlossen sich ihr an diesem Abend und in den folgenden Tagen an. Daraus entstand eine Bewegung, die sich gegen die Unterdrückung und Drangsalierung queerer Menschen einsetzte.

Ich glaube, dass der Pride Month eine gute Gelegenheit sein kann, daran zurückzudenken – ich glaube aber auch, dass dieser Monat dafür geeignet ist, Bücher zu lesen: es gibt so viele gute queere Bücher, die viel zu wenig Aufmerksamkeit bekommen. Ich stelle euch heute eine kleine Auswahl meiner liebsten LGBTQ-Bücher vor – viel Spaß dabei!


Für Kinder:

Queer Heroes, Arabelle SicardiEin wichtiges Buch, das zum Entdecken einlädt und jungen Menschen Mut macht! In Queer Heroes sind die inspirierenden Geschichten von 53 queeren Künstler*innen, Schriftsteller*innen, Sportler*innen und Aktivist*innen von der Antike bis heute versammelt! Von Sappho, über Freddie Mercury bis hin zu Ellen DeGeneres – die informativen Texte wurden von Sarah Tanat-Jones großartig illustriert – ein wunderbares Buch.

mehr Info: Prestel Verlag.

Zwei Mamas für Oscar, Susanne Scheerer: Wie kommt es, dass Oscar zwei Mamas hat, fragt sich Tilly. Ihre große Schwester Frieda erklärt ihr, dass Oscars Mamas sich sehnlichst ein Kind gewünscht hatten, doch leider vergeblich. Dann lernten sie Tillys und Friedas Eltern kennen, und Oscars Mamas bekamen von Friedas und Tillys Papa Samen gespendet. So kam schließlich Oscar zur Welt, und aus einem großen Wunsch wurde ein noch größeres Wunder. Zwei Mamas für Oscar behandelt das aktuelle Thema “Regenbogenfamilie”: Lebendig, anschaulich und kindgerecht erzählt macht das Buch es Eltern und Erziehern leicht, mit Kindern ab drei Jahren über Vielfalt zu sprechen.

mehr Info: Ellermann Verlag.

Zwei Papas für Tango, Edith Schreiber-Wicke: Roy und Silo sind anders als die anderen Pinguine im Zoo. Sie zeigen den Pinguinmädels die kalte Schulter und wollen immer nur zusammen sein. Sogar ein Nest bauen sie miteinander. Ein Nest für ein kleines Pinguin-Baby. Aber das geht doch nicht!, denken die Pfleger im Zoo zuerst. Doch dann passiert ein kleines Wunder … Diese Geschichte, die sich im New Yorker Zoo tatsächlich zugetragen hat, macht Kinder mit neuen Familienformen vertraut.

mehr Info: Thienemann-Esslinger Verlag.

Teddy Tilly, Jessica Walton: Teddy Tilly möchte eine Teddybärin sein. Doch sie traut sich lange Zeit nicht, ihrem besten Freund davon zu erzählen. Doch dann stellt sie fest, dass sie mit Finn über alles reden kann – und Finn versichert ihr, dass er sie immer lieb haben wird, ob als Bär oder als Bärin.

mehr Info: Fischer Verlag.


Für Jugendliche:

Love Simon, Becky Albertalli: Was Simon über Blue weiß: Er ist witzig, sehr weise, aber auch ein bisschen schüchtern. Und ganz schön verwirrend. Was Simon nicht über Blue weiß: WER er ist. Die beiden gehen auf dieselbe Schule und schon seit Monaten tauschen sie E-Mails aus, in denen sie sich die intimsten Dinge gestehen. Simon spürt, dass er sich langsam, aber sicher in Blue verliebt, doch der ist noch nicht bereit, sich mit Simon zu treffen. Dann fällt eine der E-Mails in falsche Hände – und plötzlich steht Simons Leben Kopf. Eine tolle Liebesgeschichte!

mehr Info: Carlsen Verlag.

Die Mitte der Welt, Andreas Steinhöfel: Was immer ein normales Leben auch sein mag – der 17-jährige Phil hat es nie kennengelernt. Denn so ungewöhnlich wie das alte Haus ist, in dem er lebt, so ungewöhnlich sind auch die Menschen, die dort ein- und ausgehen – seine chaotische Mutter Glass, seine verschlossene Zwillingsschwester Dianne und all die anderen. Und dann ist da noch Nicholas, der Unerreichbare, in den Phil sich unsterblich verliebt.

mehr Info: Carlsen Verlag.

Und mittendrin ich, Ami Polonsky: Was wäre, wenn … dein Äußeres das genaue Gegenteil deines Inneren wäre? Was, wenn du deine Sehnsucht einfach nicht mehr länger geheim halten könntest? Würdest du dann den Mut haben, du selbst zu sein? Bisher hat sich der 12-jährige Grayson in der Schule unsichtbar gemacht und zu Hause in seinen eigenen wunderschönen Träumen verloren. Doch nach und nach flattert Graysons wahres Selbst immer stärker in seiner Brust. Als eine unerwartete Freundschaft und ein verständnisvoller Lehrer Grayson ermutigen, ins Rampenlicht zu treten, findet Grayson endlich einen Weg, ihre Flügel auch im wahren Leben zu entfalten.

mehr Info: cbj Jugendbücher.

Am Ende sterben wir sowieso, Adam Silvera: Was wäre, wenn das Schicksal bei dir anklopft, um dich vor deinem bevorstehenden Tod zu warnen? Am 5. September, kurz nach Mitternacht, bekommen Mateo und Rufus einen solchen Anruf. Von der »Death Cast«, die die undankbare Aufgabe hat, ihnen die schlechten Neuigkeiten zu überbringen: Sie werden heute sterben. Noch kennen sich die beiden nicht, doch aus unterschiedlichen Gründen beschließen sie, an ihrem letzten Tag einen neuen Freund zu finden. Die gute Nachricht lautet, dass es dafür eine App gibt: Sie heißt ›Last Friend‹ und durch sie werden sich Rufus und Mateo begegnen, um ein letztes großes Abenteuer zu erleben – und um gemeinsam ein ganzes Leben an einem einzigen Tag zu verbringen.

mehr Info: Arctis Verlag.


Graphic Novels:

Küsse für Jet, Joris Bas Backer: Joris Bas Backer ist mit Küsse für Jet eine schöne, witzige, durchweg authentische Geschichte gelungen, inspiriert von eigenen Erfahrungen und komponiert mit einem feinen Gespür für die Ungereimtheiten im Leben von Teenagern, die sich dem Erwachsenwerden stellen. Dazu kommt das Thema der Geschlechtsidentität, das Joris Bas Backer behutsam einfängt und behandelt und mit seinem lockerem Strich und dezenter Farbgebung ein einfühlsames, unterhaltsames Debüt vorlegt.

mehr Info: jaja Verlag.

Nennt mich Nathan, Catherine Castro: Nathans Kindheit ist perfekt bis zu dem Tag, an dem sein Körper ihm und der ganzen Welt die ersten unmissverständlichen Zeichen sendet, dass er in die Pubertät kommt. Denn Nathan ist der einzige, der weiß, dass er in Wirklichkeit ein Junge ist. Die »weibliche Rolle«, die die Gesellschaft von ihm erwartet, kann er nicht erfüllen. Mit der unerschütterlichen Unterstützung seiner Familie, seiner Freunde und Lehrer und mit unzähligen Testosteronspritzen nimmt Nathan die Herausforderung an, einen Weg zu finden, endlich er selbst zu sein. Eine einfühlsame, fiktive Biographie, die auf einer wahren Geschichte basiert.

mehr Info: Splitter Verlag.

Hattest du eigentlich schon die Operation, Peer Jongeling: In diesem Comic erzählen unterschiedliche genderqueere Charaktere, namentlich Paul, Ari, Lilly und Ray von ihren Problemen, Wünschen und Erfolgen. Exemplarisch veranschaulichen ihre Geschichten die Herausforderungen, denen sich trans Personen im Alltag stellen – etwa beim Arztbesuch oder beim Bezahlen an der Kassen. Dabei werden auch einige Begriffe geklärt und auf Fragen zum Thema trans Antwort gegeben.

mehr Info: jaja Verlag.

Alan Turing, Robert Deutsch: Alan Turing zählt zu den Erfindern des modernen Computers und gilt als einer der wichtigsten Wissenschaftler des 20. Jahrhunderts, dessen Beiträge zur Informatik bis heute von unschätzbarem Wert sind. Doch wer war Turing wirklich? Wie lebte und arbeitete er, und was führte zu seinem Suizid mit gerade einmal 41 Jahren? Turing von Robert Deutsch beleuchtet auf einfühlsame Weise ein außergewöhnliches Leben, das sich zwischen königlichem Ritterschlag und versteckt ausgelebter Homosexualität, zwischen Erfindergeist und Depression bewegte.

mehr Info: avant Verlag.


Für Erwachsene:

Darling Days, iO Tillett Wright: Mit sechs will iO kein Mädchen mehr sein. Im New Yorker East Village Ende der 80er sind unorthodoxe Entscheidungen Trumpf: iO wird in seinem Wunsch unterstützt und wächst in einem rauen, grenzenlosen Wunderland, zwischen Drag Queens, Performancekünstlern und den Freunden seiner Patentante Nan Goldin zukünftig als Junge auf … Darling Days erzählt von der Suche nach Authentizität an einem verlorenen Ort – ein unwiderstehliches, ein heftiges Buch.

mehr Info: Suhrkamp Verlag.

Call me by your name, André Aciman: Völlig überraschend trifft Elio seine erste große Liebe: Der Harvard-Absolvent Oliver ist für sechs Wochen bei Elios Familie an der italienischen Riviera zu Gast. Oliver ist weltgewandt, intelligent und schön. Er ist alles, was Elio will, vom ersten Moment an. Die Zuneigung ist gegenseitig, doch Schüchternheit und Unsicherheit veranlassen beide zur Zurückhaltung. Ein fast unerträgliches Spiel von Verführung und Zurückweisung beginnt.

mehr Info: dtv Verlag.

Giovannis Zimmer, James Baldwin: Im Paris der Fünfzigerjahre lernt David, amerikanischer Expat,in einer Bar den reizend überheblichen, löwenhaften Giovanni kennen. Die beiden beginnen eine Affäre – und Verlangen und auch Scham brechen in David los wie ein Sturm. Dann kehrt plötzlich seine Verlobte zurück. David bringt nicht den Mut auf, sich zu outen. Im Glauben, sich selbst retten zu können, stürzt er Giovanni in ein Unglück, das tödlich endet.

mehr Info: dtv Verlag.

Auf Erden sind wir kurz grandios, Ocean Vuong: Der Brief eines Sohnes an die vietnamesische Mutter, die ihn nie lesen wird. Die Tochter eines amerikanischen Soldaten und eines vietnamesischen Bauernmädchens ist Analphabetin, kann kaum Englisch und arbeitet in einem Nagelstudio. Sie ist das Produkt eines vergessenen Krieges. Der Sohn, ein schmächtiger Außenseiter, erzählt – von der Schizophrenie der Großmutter, den geschundenen Händen der prügelnden Mutter und seiner tragischen ersten Liebe zu einem amerikanischen Jungen. Vuong schreibt mit alles durchdringender Klarheit von einem Leben, in dem Gewalt und Zartheit aufeinanderprallen. Das kraftvollste Debüt der letzten Jahre, geschrieben in einer Sprache von grandioser Schönheit.

mehr Info: Hanser Verlag.


Happy Pride Month! Ich hoffe, ich konnte euch ein bisschen inspirieren und wünsche euch schöne literarische und queere Entdeckungen in diesem Monat!

3 Comments

  • Reply
    Bert
    June 1, 2020 at 2:34 pm

    Danke!

  • Reply
    Livia
    June 1, 2020 at 7:44 pm

    Hallo lieber Linus

    Herzlichen Dank für die vielseitigen Empfehlungen, ich gehe gleich einmal stöbern und freue mich auf ganz viele tolle Buchtipps.

    Alles Liebe und Gute
    Livia

  • Reply
    Mikka Liest
    June 13, 2020 at 4:54 pm

    Hallo,

    eine schöne Auswahl! Gelesen habe ich davon bisher nur “Giovannis Zimmer”, aber “Auf Erden sind wir kurz grandios” steht zum Beispiel auch schon länger auf meiner Wunschliste.

    LG,
    Mikka

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